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FCA verpflichtet Koo Ja-Cheol

Kurz vor Beendigung der Transferperiode am heutigen Dienstag, 18 Uhr hat sich der FC Augsburg eine weitere Verstärkung im Mittelfeld geleistet.

Der Mittelfeldspieler Koo Ja-Cheol wechselt auf Leihbasis vom VfL Wolfsburg bis Saisonende zum FCA. Koo Ja-Cheol absolvierte bislang insgesamt 22 Bundesligaspiele für den VfL Wolfsburg (10 Bundesligaspiele in der Rückrunde der Saison 2010/11 und 12 Bundesligaspiele in der Hinrunde der Saison 2011/12). Für sein Heimatland Südkorea bestritt der 22-jährige Mittelfeldspieler bislang acht Länderspiele. „Unser besonderer Dank gilt deshalb den Verantwortlichen des VfL Wolfsburg, allen voran Felix Magath, ohne deren Unterstützung der Transfer nicht möglich gewesen wäre“, so FCA-Geschäftsführer Andreas Rettig. Der südkoreanische Nationalspieler könnte für den FCA möglicherweise eine weitere Verstärkung in der Spieleröffnung bedeuten. Er gilt als zentraler defensiver Mittelfeldspieler mit großem Willen in der Balleroberung, ausgezeichnetem Positionsspiel und Spielverständnis sowie gutem Passspiel. Koo Ja-Cheol erhält beim FCA die Rückennummer 14.



Brechtfestivalleiter Lang soll Vertrag bis 2015 erhalten

Der Kulturausschuss hat sich gestern nach längerer Diskussion darauf verständigt, das Brechtfestival ab 2013 drei weitere Jahre unter der Leitung von Dr. Joachim Lang fortzusetzen.

"Brecht in die Sinnlichkeit heruntergeholt." Dr. Joachim Lang

"Brecht in die Sinnlichkeit heruntergeholt." Dr. Joachim Lang


Grundlage für diese mit einer Gegenstimme (Verena von Mutius/Grüne) gefasste „Weiterentwicklung“ stellt der von Kulturreferent Peter Grab entwickelte Beschlussvorschlag (DAZ berichtete) dar. Für die beiden bisherigen Festivals erhielt Lang gestern von fast allen Ausschussmitgliedern Lob und Anerkennung. Dennoch wollte der Ausschuss sich gestern nicht auf die von Peter Grab präferierte fünfjährige Vertragsdauer festlegen lassen. – Der Anteil der städtischen Mittel soll dabei wie bisher jährlich 120.000 Euro betragen. „Sobald es die Haushaltslage und/oder Sponsoringleistungen erlauben, soll dieser Finanzierungsanteil adäquat angehoben werden, damit künftig mehr Highlight-Veranstaltungen integriert werden können“, wie es in der Beschlussvorlage heißt.

„Brecht aus verkrampfter intellektueller Höhe in die Sinnlichkeit heruntergeholt“

„Ich habe das Biennale Konzept stets als Diskussionspapier gesehen, das für Modifikationen offen ist, man kann also diesen Beschlussvorschlag als Modifikation sehen“, so Peter Grab auf die Einwendung von Bernd Kränzle (CSU), dass fünf Jahre Festlegung auf das Brechtfestival nicht mit  dem noch im Oktober erhitzt diskutierten Biennale Konzept zusammen passe.

Für sein Wirken in den zurückliegenden Jahren bekam Joachim Lang von Stadträtin Rose-Marie Kranzfelder-Poth (FW) die bemerkenswerteste Anerkennung. Lang habe es verstanden, „Brecht aus einer verkrampften intellektuellen Höhe in die Sinnlichkeit herunter zu holen. Raus aus der kalten Intellektualität, hinein in die Sinnlichkeit, in die Breite – das hat Qualität“, so Kranzfelder-Poth, der niemand widersprechen wollte. Der Antrag der Grünen bezüglich einer Evaluation wurde vom Ausschuss in eine Anfrage umgewandelt, die schriftlich beantwortet, aber nicht mehr im Kulturausschuss diskutiert werden soll. In Sachen Brechtfestival hat nun der Stadtrat das letzte Wort.



Hochablass nach der Entscheidung: Bürgerinitiative meldet sich zu Wort

Nach der Entscheidung des Stadtrats vom 26. Januar pro Kraftwerk am Hochablass zieht die BI “Rettet den Hochablaß” ein positives Resumé.

Winterabend am Hochablass

Winterabend am Hochablass


Die Bürgerinitiative akzeptiere die Entscheidung über den Bau des Kraftwerks, so die beiden Vertreter Willi Reisser und Hans Koppold in einer Pressemitteilung vom gestrigen Sonntag. Ausdrücklich begrüßt die BI, dass den Bürgern ein teures Ratsbegehren erspart bleibe, dessen “publizistische Vehemenz” die Möglichkeiten der Initiative zur Darstellung der eigenen Position “wohl chancenlos gelassen” hätte.

Die BI hofft nun, dass die in der Diskussion erreichten vertraglichen Zusagen für den Kraftwerksbau eingehalten werden und die Kosten die zugesagten 10,9 Millionen Euro nicht übersteigen und will das auch überwachen: “Wir sehen unsere weitere Aufgabe darin, das Projekt kritisch in die Zukunft zu begleiten und für eine bürger- und ökologiefreundliche Umsetzung zu sorgen”, so die Vertreter der BI. Deshalb sei auch die Institutionalisierung eines von der BI organisierten “Runden Tisches” wichtig.

Konkret fordert die BI für die Zukunft die Beteiligung der Bürger bei der weiteren Planung, die rechtzeitige Bürgerinformation und -beteiligung bei allen Tekturen und Ergänzungen im Genehmigungsverfahren und ein fachbehördlich abgestimmtes Gesamtkonzept für das Ökosystem auf der einzig noch freien Rest-Fließstrecke des Lechs zwischen Staustufe 23 und Hochzoll bis zur Wertachmündung.



Integrationsbeirat tagt öffentlich

Der Integrationsbeirat der Stadt Augsburg lädt am heutigen Montagabend, 30. Januar, zu seiner 7. öffentlichen Vollversammlung ins Rathaus ein.

Auf der Tagesordnung steht die Neuwahl des Vorstandes, die Neubesetzung der Ausschüsse wegen Ausscheiden und Nachrücken eines Mitglieds und die Ersatzbenennung eines Delegierten zur AGABY (Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns). Anschließend finden Aussprachen unter dem Tagesordnungspunkt “Verschiedenes” statt. Die Sitzung findet im 2. Stock des Rathauses (Sitzungssaal) statt und beginnt um 18.30 Uhr, Sitzungsende ist um 20 Uhr.



FCA vs. Kaiserslautern 2:2

Nach einem spannenden Spielverlauf trennten sich der FC Augsburg und der 1. FC Kaiserlautern vor 30.028 Zuschauern in der SGL Arena am 19. Spieltag der Ersten Fußballbundesliga mit 2:2 Toren. Ein Unentschieden, das beiden Mannschaften mehr Fragen als Antworten bringt.

Von Hermann Köhler



Egal ob auf dem Betzenberg oder in den Niederungen zwischen Lech und Wertach. Fußballfans eint eins: Sie haben ein geradezu kindliches Urvertrauen in die Stärke ihrer Elf und können selbst dem Allerschlimmsten noch Positives abgewinnen. Wie sie es Woche für Woche schaffen, aus Niederlagen gestärkt hervorzugehen und neue Hoffnung zu schöpfen, davon kann man sich auch als Kommunalpolitiker eine dicke Scheibe abschneiden. – Die Fans der roten Teufel reisten nach acht sieglosen Spielen nach Augsburg. Sie klammerten sich an die gute Kritik, die ihr Team für das Kampfspiel gegen Werder Bremen bekommen hatten. Sie schöpften daraus die Zuversicht, dass es am Ende nicht “alle Neune” heißen würde und man sie auf der Heimfahrt für einen Kegelclub halten könnte.

Die Tabelle lügt nicht

Und die FCA-Fans? Nach den überzeugenden Auftritten vor der Winterpause waren sich alle so sicher, die rote Laterne ein für allemal los zu sein. Auch nach dem verpatzten Rückrundenauftakt gegen Freiburg wollte man sich noch nicht so recht mit der Rolle des neuerlichen Schlusslichts abfinden. “Geilster Tabellenletzter aller Zeiten” – mit diesem zweifelhaften Kompliment hatte man sich schon zu lange und mehr schlecht als recht getröstet. Aber die Tabelle lügt nicht und alle Augenwischerei hilft nicht. Als Tabellenletzter ging der FCA in das zweite Schicksalsspiel des Jahres 2012.

Ich geh mit meiner Laterne

“Ich geh mit meiner Laterne

und meine Laterne mit mir

Am Himmel leuchten die Sterne

und unten, da leuchten wir.”


Ob Trainer Jos Luhukay sich auf dieses alte Kinderlied besonnen hatte und es seiner Mannschaft mehrmals täglich trällern ließ, um das in Freiburg verschütt’ gegangene Selbstvertrauen wieder zu gewinnen?

Starker Beginn der Augsburger

Im Vergleich zu dem desolaten Auftritt in Freiburg war die Mannschaft des FCA in der Anfangsphase nicht wiederzuerkennen. Offensiv ausgerichtet und mit Zug zum Tor spielte sich der FCA zurück in die Herzen der rund 30.000 Fans. Bereits in der 5. Minute das 1:0 für den FC Augsburg. Abwehrspieler Marcel De Jong erzielte die frühe Führung für die Augsburger durch einen satten Freistoß. Angepeitscht von den euphorisierten Fans beginnt die stärkste Phase des FCA, der sich endlich wieder auf seine spielerischen Mittel besinnt. 14. Minute – wieder eine hundertprozentige für Tobias Werner – völlig freistehend. Dass dem die Rückennummer 13 kein Glück bringt – die Fans wissen ein Lied davon zu singen. Vor allem Daniel Beier überzeugt durch seine Spielfreude, auch wenn seine Geniestreiche von den Mitspielern nicht genutzt werden können.

Rätselraten um plötzlichen Einbruch

Warum der FCA nach diesen ersten tollen zwanzig Minuten urplötzlich den Faden verlor, gehört zu den unergründlichen Geheimnissen des Fußballs. Unnötige Ballverluste und eine Reihe Fouls bringen die angeknockten Kaiserslauterer zurück ins Spiel. Die Lauterer wissen ihre Lufthoheit vor dem Augsburger Tor zu nutzen. In der 25. Minute erzielt Florian Dick (abseitsverdächtig) das 1:1 für die Roten Teufel. Nach diesem Dämpfer ist beim FCA vieles nur noch Kampf und Krampf, was von den Fans mit ersten Pfiffen quittiert wird.

In der 40. Minute dann doch fast die Führung für den FCA, aber Sascha Mölders bringt das Kunststück fertig, eine zweite hundertprozentige Chance zu vergeben. Sascha Mölders – nun seit gefühlten 34 Ligaspielen ohne Torerfolg. – Begleitet von einem nicht zu überhörenden Pfeifkonzert geht es in die Halbzeitpause.

Pausengeflüster

Die Halbzeitgespräche der Fans? Sie kreisen um die zukünftigen Heimspielgegner – Nürnberg, Berlin, Dortmund. Es wird nicht leichter! Wann, wenn nicht jetzt gegen die keineswegs überzeugenden Roten Teufel! Oder es geht um potentielle Verstärkungen. Hat der FCA ein Stürmerproblem? Von Einwechslungen ist wenig die Rede – dazu kennt man den vorsichtigen Luhukay inzwischen zu gut.

Die zweite Halbzeit hat kaum begonnen, da heißt es bereits 1:2 gegen den FCA. Wieder ist es Florian Dick, der nach einiger Verwirrung in der FCA-Deckung nach einer Standardsituation das Führungstor für die Gäste erzielt. Es braucht eine weitere Viertelstunde und es braucht eine weitere Großchance von Unglücksvogel Sascha Mölders, bis endlich die Wende kommt: In der 62. Minute übertrifft sich der Mittelstürmer des FCA einmal mehr und vergibt seine zweite Großchance in diesem Spiel.

Trainer Luhukay hat ein Einsehen und erhört die Missfallenskundgebungen der Fans. Für Sascha Mölders kommt Stefan Hain, und dieser macht mit seiner ersten Ballberührung (nach knapp 20 Sekunden!) nach feinem Zuspiel von Thorsten Oehrl den umjubelten Ausgleich.

Der zweite Einwechselspieler Marcel Ndjeng, dem Tobias Werner Platz machen musste, hatte es auf dem Fuß, das erste Heimspiel in der Rückrunde doch noch zu einem Wintermärchen werden zu lassen. Allein, es sollte nicht sein – auch die letzte Großchance wurde versiebt. Am Ende konnte der FCA froh sein, dass der Schiedsrichter in der Schlussminute den Gästen einen klaren Strafstoß gegen Daniel Brinkmann verweigerte.

“Mein Licht ist aus

und wir geh’n nach Haus

rabimmel, rabammel, rabumm”


Auch das zweite Rückrundenspiel brachte für den FCA nicht den ersehnten Dreier und bei der Vielzahl der verpassten Einhundert-Prozent-Chancen schaut man mit Sorge auf den Terminkalender des FCA. Bereits in drei Tagen, am 31. Januar endet die Transferzeit.

Ein ganz kleiner Trost: die Roten Teufel fahren einmal mehr ohne Auswärtssieg nach Hause und zumindest bis zum Auftritt der Freiburger ist der FCA die rote Laterne los.

Aufstellung FCA: S. Jentzsch; – P. Verhaegh; J. Callsen-Bracker; S. Langkamp; M. de Jong; – H. Hosogai; D. Brinkmann; D. Baier; T. Werner; T. Oehrl; – S. Mölders.

Eingewechselt: S. Hain (66.); M. Ndjeng (77.);.

Ausgewechselt: S. Mölders (66.); T. Werner (77.).

Auswechselbank: I. Gelios (TW); G. Sankoh; D. Reinhardt; L. Davids; A. Sinkala.

Tore:

1:0 M. de Jong (5. Min.).

1:1 F. Dick (25. Min.).

1:2 F. Dick (48. Min.).

2:2 S. Hain (66. Min.).

Der Autor



Schulreferent Hermann Köhler

Schulreferent Hermann Köhler


Augsburgs Schulreferent Hermann Köhler war in seiner Jugend als eisenharter Verteidiger bekannt und beim Gegner gefürchtet. Später kam er als Torwart in der Stammelf seines Internates zum Zuge. Als Schulreferent pflegt er den Fußball und den Wettkampfgedanken unter den Schülern und Schulen. Welt- oder Europameisterschaften werden als Schüler-WM bzw. Schüler-EM von Schülermannschaften der Schulen nach- und ausgespielt. Wie bei den Turnieren der „Großen“ vertreten dabei die einzelnen Schulen jeweils ein Teilnehmerland. In der Vorbereitung beschäftigen sich die Schulen mit „ihrem“ Land, präsentieren dieses in einem Internetauftritt und versuchen – gemeinsam mit ihren Fans – für dieses Land die Meisterschaft zu gewinnen und so die Möglichkeit zu erhalten, auf Einladung eines Bundespolitikers die Bundeshauptstadt Berlin besuchen zu dürfen. Hermann Köhler ist mit Abstand der unumstrittenste „Stadtminister“. Wen man auch fragt, man bekommt stets die gleiche Antwort: „Der Schulreferent macht einen guten Job.“


FCA verpflichtet Linksverteidiger

Ungeachtet der Probleme in der Offensive gab heute auf Facebook der FC Augsburg die Verpflichtung von Matthias Ostrzolek bekannt. Auf der Facebookseite des FCA wird Ostrzolek im FCA-Outfit beim Auslaufen mit der Mannschaft nach dem Spiel gegen Kaiserslautern gezeigt und und seit wenigen Minuten gibt es eine sogar eine Pressemitteilung in Sachen Neuzugang: „Der 21-jährige Abwehrspieler erhält beim FCA einen Dreieinhalb-Jahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2015. Über die Ablösemodalitäten haben beide Vereine Stillschweigen vereinbart.“ Matthias Ostrzolek ist aktueller U21-Nationalspieler und spielte seit der F-Jugend beim VfL Bochum. In der zweiten Bundesliga absolvierte Ostrzolek 33 der letzten 34 Liga-Spiele für die Bochumer.



Nicht entscheidungsreif

Warum der Kulturausschuss die langjährige Weiterentwicklung des Brechtfestivals ablehnen sollte

Kommentar von Siegfried Zagler



„Brecht und die Politik“, so das Motto des diesjährigen Brechtfestivals, das dieses Jahr mit einem Paukenschlag bereits am kommenden Montag beginnt: Der Kulturausschuss soll über einen Beschlussvorschlag zur Weiterentwicklung des Festivals bis ins Jahr 2017 abstimmen. Als Erklärung für diese Idee führt Kulturreferent Peter Grab die „bisherige Trilogie“ an, mit der Einiges erreicht worden sei. „Auf dieser erfolgreichen Grundlage kann aufgebaut werden und der Erfolg muss genutzt werden“, so Grab. Mal abgesehen davon, dass eine Trilogie aus drei Teilen besteht und der dritte Teil erst am Donnerstag, 2. Februar beginnt, sollte vorab festgehalten werden, dass es keine „erfolgreiche Grundlage“ gibt, solange diese Wertung nicht eben mehr ist als eine Behauptung von Peter Grab.

Die lokale Presse zeigte sich in den vergangenen Jahren in der kommentierenden Berichterstattung eher zurückhaltend, der Kulturausschuss nahm die Berichte des Festivalleiters wohlwollend zur Kenntnis. Die überregionale Wahrnehmung war in der Summe eher von Bescheidenheit gezeichnet. Erfolg sieht anders aus. Der Stadt und Joachim Lang ist zu wünschen, dass sich dies im dritten Teil der Trilogie ändert. Doch darum soll es an dieser Stelle nicht gehen.

Im Fokus steht am Montag der Kulturreferent, der sich mit seinen Alleingängen und Diskussionspapieren/ Beschlussvorschlägen mit penetranter Redundanz zielsicher verheddert. Noch im Juli vergangenen Jahres wollte Peter Grab mit seinem Biennale-Konzept 240.000 Euro jährlich einsparen. Für das Brechtfestival war ein zweijähriger Turnus vorgesehen. Das war vor einem halben Jahr. Nun sollen die Stadträte während einer Haushaltssperre über ein fünfjähriges Festival-Vorhaben befinden, das „auf Dauer eine Vollzeitstelle für die Projektkoordination benötigt“, wie es in dem Papier heißt.

Wer hinter dem aktionistischen Handeln des Kulturreferenten noch einen Konzeptfaden erkennen kann, solle sich melden. Die Mittel aus dem bayerischen Kulturfond sind nach drei Jahren ausgereizt. Es ist noch nicht gesichert, ob man über den Freistaat noch Zuschüsse für das Festival generieren kann. Ein paar wolkige Versprechen und zweifelhafte Grundannahmen sind kein Konzept. „Das Theater ist ein wichtiger Partner und soll künftig in das Brechtfestival eingebunden werden.“ Wer hätte das gedacht?

Fünf Jahre Vertragslaufzeit sind Fristen für Theaterintendanten und selbst Messechef Gerhard Reiter ist im Wirtschaftsausschuss mit einem Vertragswerk dieser Länge abgeperlt. Es gehört auch nicht zum guten politischen Ton, eine Veranstaltung dieser Größenordnung so weit über den Kommunalwahltermin 2014 hinaus festzulegen. Es ist gut möglich, dass der Kulturausschuss dafür sorgt, dass diese Beschlussvorlage vollumfänglich nie die Öffentlichkeit erreicht, da darüber im nichtöffentlichen Teil befunden werden soll. Angesichts der hemdsärmligen Begründungen für dieses Vorhaben wäre es für alle Beteiligten zu wünschen, dass die Vorlage ohne großes Theater aus dem Verkehr gezogen wird. „Nicht entscheidungsreif“ wäre der richtige Befund.

» Brecht: Festivalleiter Dr. Joachim Lang soll bis 2017 bleiben



„Wohlwollende Neutralität“ des starken Staates

Ex-Verfassungsrichter Di Fabio plädierte im Goldenen Saal für Stärkung der Toleranz

Von Frank Heindl

Im Rahmen der Redereihe „Zusammen leben“, die sich mit „Vielfalt und Frieden in der Gesellschaft“ auseinandersetzt, sprach am Mittwoch der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio im Goldenen Saal des Rathauses über das Thema „Neutralität und Laizität: Wie hält es der Staat mit der Religion.“ Den Thesen des Rechts- und Sozialwissenschaftlers stellte im anschließenden Gespräch Markus Günther, bis vor kurzem Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, einige kritische Fragen gegenüber.

Laizität und Neutralität – Di Fabio sieht in beiden Konzepten Modelle des staatlichen Umgangs mit Religion und Religiosität. Während der in religiösen Dingen neutrale Staat sich in die Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften lediglich nicht einmische, verweigere sich der laizistische jeder Kooperation – ein christliches Kreuz in der Schule sei daher im laizistischen Frankreich völlig undenkbar. Die Bundesrepublik sei zwar säkular, der Staat dürfe daher keine Religionsgemeinschaft bevorzugen – er bewahre sich aber eine „wohlwollende Neutralität“. Diese staatliche Wohlwollen beruht nach Di Fabios Ansicht auf einer positiven Einstellung zu Religion und Religiosität, aber auch darauf, dass die Religionsgemeinschaften das kulturelle Erbe der Gesellschaft nicht nur bewahren, sondern es auch leben und erfahrbar machen  Di Fabio nennt etwa ein christliches Hospiz als Beispiel, in dem Strebende in praktizierter Nächstenliebe bis zum Tod begleitet werden.

900 Schüler, 550 Muslime, 29 Nationen, alle Weltreligionen

Im Anschluss schilderte Di Fabio ein Beispiel, das klarmachen soll, „was sich in unserer Gesellschaft verändert hat“. Es geht um einen Berliner Muslim, der vor Gericht sein Recht eingeklagt hatte, in seinem Gymnasium zu beten. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Brandenburg gestand ihm dieses Recht nicht zu mit Verweis auf die reale Situation in dem Gymnasium: Von 900 Schülern sind dort 550 Muslime, 29 Nationen und alle Weltreligionen sind vertreten, es gibt erhebliche Konflikte zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften, Juden erleben „Tag für Tag“, so Di Fabio, antisemitische Schmähungen. Das OVG hielt es in dieser Situation nicht für praktikabel und außerdem dem Schulzweck widersprechend, jedem Schüler das Recht auf die Ausübung seiner religiösen Riten zuzubilligen. Es hebelte damit die „wohlwollende Neutralität“ gegenüber den Religionsgemeinschaften aus, zwang den Staat geradezu zur Laizität, denn dessen Neutralität beruhe auf Gegebenheiten, die er an der betreffenden Schule nicht mehr habe garantieren können – Di Fabio meint die kulturellen Errungenschaften von Toleranz und Demokratie.

Ex-Verfassungsrichter Udo Di Fabio sprach am vergangenen Mittwoch im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses.


Er selber glaube aber, so Di Fabio, „dass die Laizität kein Königsweg ist“ – man müsse stattdessen das Neutralitätsprinzip neu denken. In Frankreich etwa habe seine Laizität den Staat in eine kämpfende Rolle gedrängt. Kampf mache aber unbeweglich und sei „Wasser auf die Mühlen derjenigen, die den Kulturkampf suchen.“ Tolerant, so Di Fabio, könne nur sein, wer stark sei – daher müsse der Staat die kulturellen Wurzeln stärken, und über seinen tolerant-wohlwollenden Umgang mit den Religionen auch die religiöse Toleranz. Antisemitismus und Religionsmobbing an einer deutschen Schule bezeichnet er deutlich als „Skandal“.

Im Grundgesetz ist auch der islamische Gott „mit dabei“

Die Behauptung, mit dem Gottesbezug im Grundgesetz sei nicht allein den christlichen Gott gemeint – auch der islamische Gott sei da „mit dabei“ – mochte man Di Fabio nicht so unbedingt abnehmen, und in diese Richtung zielte die erste Frage, die im anschließenden Gespräch Markus Günther dem Ex-Verfassungsrichter stellte: Ob das Wort von der „wohlwollenden Neutralität“ nicht schlichtweg ein Euphemismus sei, der das wahre Faktum verschleiere: dass der Staat die christlichen Kirchen bevorzuge. Das wollte Di Fabio nicht gelten lassen: Wenn eine Religionsgemeinschaft die Grundvoraussetzungen erfülle, also etwa eine gewisse Institutionalisierung und Staatsferne, dann könne sie sogar Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erhalten, „dann haben wir ein islamisches Wort zum Sonntag“. Warum aber dann in den Schulen nach wie vor christliche Kreuze an den Wänden hingen? Di Fabio wollte nicht entscheiden, ob es sich bei diesen Kreuzen um eine abstrakte Tradition oder doch eher um einen Hinweis auf den christlichen Gottessohn handle – für ihn sei die Tradition gemeint.

Die Kirchensteuer – eine „Win-win-Situation“?

Das klang ein wenig weltfremd und allzu akademisch abstrakt, so wie auch zuvor schon der Hinweis auf die „Nächstenliebe“ allzu unhistorisch daherkam – als ob es nicht Zeiten gegeben hätte, da auch von deutschen Kanzeln antisemitisch gepredigt wurde und in christlichen Waisenhäusern und Internaten Kinder gequält und vergewaltigt wurden unter dem Deckmantel besagter Nächstenliebe. Auch Di Fabios Einstellung zur Kirchensteuer, auf die Markus Günther zu sprechen kam, schien allzu theoretisch: Es handle sich um eine „Win-win-Situation“, von welcher Staat wie Kirche profitierten. Sogar beim unlängst ergangenen Appell des Papstes, die Staatsnähe der Kirche zurückzuschrauben, rudert Di Fabio zurück: Was der Papst genau gemeint habe, wisse man nicht, Staatsferne hätten die Päpste schließlich seit je gefordert.

Di Fabios Vortrag war intellektuell anregend, als Diskussionsgrundlage nicht ungeeignet. Doch mehr und mehr kam der Verdacht auf, dass er die geforderte konkrete Auseinandersetzung mit den Problemen der Vielkulturalität selbst nicht einlöst, sondern ihnen mit einer Haltung ausweicht, die den Status Quo als Ultima Ratio verherrlicht – so, wie es eh schon ist, soll es am besten auch bleiben. Man muss dem Argument nicht zustimmen, hätte es aber durchaus ernsthafter ins Auge fassen können: Dass der Staat gegenüber Intoleranz und Fanatismus durchaus stringenter argumentieren kann, wenn er eben nicht eine Seite, nämlich die christliche, „wohlwollend“ favorisiert, weil die andere – in diesem Fall die islamische – nicht über die erforderlichen Strukturen verfügt, um als Religionsgemeinschaft anerkannt zu werden. Solche Forderungen sind wirklichkeitsfremd und leicht als Willkür zu diskreditieren.



Brecht: Festivalleiter Dr. Joachim Lang soll bis 2017 bleiben

Am kommenden Montag wird dem Kulturausschuss ein Beschlussvorschlag zur Weiterentwicklung des „Brechtfestivals ab 2013“ vorgelegt. Kernaussage des Papiers: Die Weiterentwicklung des Festivals soll auf der Grundlage der bisherigen Festivals unter der Leitung von Joachim Lang fünf weitere Jahre beschlossen werden.

Festivalleiter Dr. Joachim Lang

Festivalleiter Dr. Joachim Lang


Ein jährliches Motto wird dabei nicht mehr als notwendig angesehen. „Vielmehr soll auf der jetzigen Basis ein Festivalformat fortgeführt werden, das auch überregional wahrgenommen wird“, wie es in der Vorlage heißt. Deshalb sei es wichtig, dass der Theaterschwerpunkt noch stärker als bisher zum Tragen komme. „Das Theater ist ein wichtiger Partner und soll zukünftig mehr in das Brechtfestival eingebunden werden. Eine „Neu-Inszenierung“ eines Brechtwerkes soll jährlich „um Brechts Geburtstag herum“ realisiert werden. „Die Abstimmung über Titel und Regie erfolgt zwischen der Theaterleitung und Herrn Dr. Lang.“

Neue Produktionen sollen angestrebt werden, „wie z.B. eine mit Franz Wittenbrink“, außerdem ist geplant, ein Gastspiel und ein Konzert als feste Bestandteile des jährlichen Festivals zu integrieren. Der „Schwerpunkt“ Pop/Jugendkultur soll weiterhin eine Rolle spielen. Weiterhin heißt es in der Vorlage, dass auch andere Aspekte der Brechtstadt im Kontext der jährlichen Veranstaltung Bedeutungszuwachs erhalten sollen. Angeführt werden dabei die Sanierung und Einbindung des Geburtshauses, „die Forschungsarbeit des städtischen Brechtforschers”, Ankäufe des Brecht-Nachlasses sowie die „Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg und vieles mehr.“

„Überregional und international ein Zeichen setzen“

Der städtische Finanzierungsanteil soll jährlich (wie bisher) 120.000 Euro betragen. „Über eine eventuelle Erhöhung dieses Anteils entscheiden die städtischen Gremien.“ Weiterhin soll dem Stadtrat empfohlen werden, die Verwaltung zu beauftragen, „mit Herrn Lang (…) in Verhandlungen über einen Vertrag mit Vertragsdauer bis zu fünf Jahren zu treten.“ Die Zielvorgabe der neuen Festivalreihe wird in dem Papier aus dem Hause des Kulturreferenten Peter Grab folgendermaßen beschrieben: „Es gilt, die historische Chance zu ergreifen, Brechts Werk in Augsburg noch lebendiger werden zu lassen und gerade auch überregional und international ein Zeichen zu setzen.” Dr. Joachim Lang habe den Ehrgeiz, die Qualität des Festivals so zu steigern, sodass „es eine dauerhafte Institution wird, die mit anderen bedeutenden deutschen Kulturereignissen in einer Kategorie genannt wird.“

» Kommentar: Nicht entscheidungsreif



Zuschuss für die Stabi

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg erhielt von der Stiftung Augsburger Wissenschaftsförderung eine finanzielle Zuwendung in Höhe von 4.000 Euro.



Die Stiftung fördert seit einigen Jahren wissenschaftliche Einrichtungen in Augsburg, darunter auch die Stabi. Dank der Unterstützung konnte die Bibliothek wichtige wissenschaftliche Literatur, vor allem grundlegende Bücher wie auch Nachschlagewerke aus den Naturwissenschaften und der Medizin, erwerben. Diese können im Online-Katalog der Bibliothek über das Internet recherchiert werden und stehen allen Bürgern im Lesesaal vor Ort als Nachschlagewerk oder Ausleihe zur Verfügung.