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Neue Stadtbücherei: Peter Grab im Feuer

Die am vergangenen Montag vom Kulturausschuss empfohlene neue Gebührensatzung für die Stadtbücherei scheint auf großen Widerstand in der Bürgerschaft zu stoßen. Die „Freunde der Neuen Stadtbücherei e.V.“ lehnen die geplanten Gebührenerhöhungen „kategorisch ab“.

„Offen für alle“: Bildungseinrichtung Neue Stadtbücherei

Die Neue Stadtbücherei ist die wichtigste Bildungseinrichtung der Stadt und müsse „unabhängig vom Geldbeutel zugänglich sein“, so Klaus Döderlein und Kurt Idrizovic, die sich wie bereits bei der Debatte um die Verkürzung der Öffnungszeiten im Sommer 2010 nicht nur über die Inhalte, sondern auch über die Vorgehensweise des Kulturreferenten entsetzt zeigten. Nach dem Theater im vergangenen Sommer „hatten wir mit Kultur-Referent Peter Grab vereinbart, alles, was die Neue Stadtbücherei betrifft, mit dem Verein abzustimmen. Das ist leider nicht geschehen. Die Folgen hat er sich selbst zuschreiben“, so Döderlein und Idrizovic in einer gemeinsam für den Förderverein verfassten Stellungnahme. Die Gebühr für den nichtermäßigten Jahresausweis solle nach der neuen Gebührensatzung von 13 auf 20 Euro erhöht werden (DAZ berichtete), die der ermäßigten Jahreskarte von 6,50 Euro auf 10 Euro. Die Mahngebühren sollen ebenfalls stark angehoben werden.

„In Sachen Stadtbücherei hat sich der zuständige Referent komplett disqualifiziert“

Das letzte Wort hat nun der Stadtrat. „Wir bitten alle Stadtratsmitglieder im Interesse der Nutzer der Neuen Stadtbücherei der Erhöhung der Gebühren nicht zuzustimmen“, so Idrizovic, der über den Chef der Neuen Stadtbücherei zur DAZ nichts sagen wollte. Manfred Lutzenberger ist Mitglied bei den „Freunden der Neuen Stadtbücherei“ und hat die Gebührenerhöhung am Donnerstag gegenüber den Stadträten im Kulturausschuss vertreten. – „In Sachen Stadtbücherei hat sich der zuständige Referent komplett disqualifiziert“, so Kurt Idrizovic, der vor zwei Jahren von Oberbürgerbürgermeister Kurt Gribl für sein bürgerschaftliches Engagement im Sinne der Neuen Stadtbücherei mit der Verdienstmedaille „Für Augsburg“ ausgezeichnet wurde. Gemeint war Peter Grab. Idrizovic will nicht verstehen, wie ein Kulturreferent politisch so unsensibel agieren könne. „Offen für alle“ sei das Motto der wichtigsten Bildungseinrichtung der Stadt. Mit diesem Beschluss werden die Philosophie und der Zweck des Hauses konterkariert. Es sei auch unverständlich, so Idrizovic, wie die CSU und Pro Augsburg dies mittragen können.

Noch im Juli stimmten Gerblinger und Kranzfelder-Poth dagegen

Umgestimmt: CSU-Stadtrat Erwin Gerblinger

Umgestimmt: CSU-Stadtrat Erwin Gerblinger


Karl-Heinz Schneider (SPD) bewertete den Beschluss als „Missbilligung“ seiner Person und des gesamten Gremiums, da der Kulturausschuss den beinahe gleichen Beschluss zur Gebührensatzung bereits im Juli abgelehnt hatte. Schneider meldete verwaltungsrechtliche Zweifel an. Damals stimmten Rose-Marie Kranzfelder-Poth (FW) und Erwin Gerblinger (CSU) dagegen. Am vergangenen Donnerstag waren beide Stadträte nicht gegen die Gebührenerhöhung. Gerblinger begründete sein Abstimmungsverhalten im Sommer damit, dass er den Sprung bei der ermäßigten Jahreskarte nicht mitmache. Das sei ein Sprung, so Gerblinger damals, der sozial nicht verträglich sei. An dem sozial unverträglichen „Sprung“ wurde in der neuen Beschlussfassung nichts verändert. Mit der anvisierten Gebührenerhöhung will die Stadt Mehreinnahmen von 77.500 Euro generieren.

» Kommentar: Neue Stadtbücherei: „Hülle ohne Inhalt“



Neue Stadtbücherei: „Hülle ohne Inhalt“

Kommentar von Siegfried Zagler

„Die Neue Stadtbücherei ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Bildungs- und Kulturlandschaft in Augsburg. Sie liegt im Herzen der Stadt und wird damit zum Begegnungs- und Kommunikationszentrum für die Stadtgesellschaft.“ Nachzulesen auf der Homepage der Neuen Stadtbücherei, die, so Oberbürgermeister Kurt Gribl in seiner Eröffnungsrede im Juni 2009, ein „offenes Haus und kein Buch mit Sieben Siegeln“ sein solle. Dass ausgerechnet die Neue Stadtbücherei für die neue Stadtregierung zum Problemfall werden könnte, konnte sich damals niemand vorstellen. Doch genau das ist eingetreten. Kein Geringerer als der kulturpolitische Sprecher der CSU hat das auf der vergangenen Sitzung des Kulturausschusses ausgesprochen. Andreas Jäckel nannte das Gebäude am Ernst-Reuter-Platz eine „Hülle ohne Inhalt“. Man müsse aufpassen, dass uns das nicht mit dem Theater passiere, so Jäckel, der in der Diskussion um die Sanierung der Theaterbestuhlung darauf hinweisen wollte, dass die Bestuhlung zum Theater gehöre, wie die Bücher zu einer Bücherei.

Wer so mit seiner Kundschaft umgeht, verachtet sie

Dass – gemessen an der Größe der Stadt und gemessen an der Größe der Neuen Stadtbücherei – zu wenige Medien angeboten werden, ist hinlänglich bekannt. Dass der Anschaffungsetat für die Neue Stadtbücherei niedriger ist als der der alten Bücherei, bezeichnete Kurt Gribl im August 2009 als „Witz“. An diesem Witz hat sich in den vergangenen Jahren trotz des Problembewusstseins des Augsburger Oberbürgermeisters nichts verändert. Gestiegen sind nur die Gebühren für die Bürger. Eine nichtermäßigte Jahreskarte kostete in der alten Bücherei 10 Euro, nach dem Umzug wurde diese Gebühr auf 13 Euro erhöht, nun solle diese Gebühr auf 20 Euro erhöht werden. Damit wäre in diesem Ranking Augsburg in Bayern Spitze. Dabei läuft es im Betrieb unrund. Der Lesesaal ist nach wie vor ein Unort: zugig und mit weniger Zeitungen als in der alten Bücherei. Die „Leseecke“ ist Verbindungsraum zwischen Eingangshalle und dem Cafe. Keine Kaffeemaschine, keine Leseruhe. Wer so mit seiner Kundschaft umgeht, verachtet sie. Das Raumklima ist zu allen Jahreszeiten eine Katastrophe. Der nachträglich am Eingangsbereich angebrachte Türluftschleier reduzierte zwar den im Erdgeschoss unerträglichen Luftzug, sorgt aber nun dafür, dass die vom Regenbogen politisch durchgesetzte 3 Millionen Euro teure Klimatechnik ad absurdum geführt wird. Die Besucherstatistik weist jeden Tag zirka 1.600 Besucher aus. Wer ist das? Für wen ist die Neue Stadtbücherei gedacht? Wer nutzt sie? Wie hoch ist der Besucheranteil der sozial und finanziell schwächer gestellten Augsburger? Es muss nicht weiter erwähnt werden, dass es auf diese Fragen nur unzureichende Antworten gibt.

Tagelang abgewatscht worden, ohne die richtigen Schlüsse zu ziehen

„Mit Fantasie, aktiver Beteiligung, Zeit und Geduld werden alle diese Neue Stadtbücherei zu einer zukunftsfähigen Einheit fortlaufend weiterentwickeln. Für diese Entwicklungsprozesse sind Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft und Politik gleichermaßen erforderlich – als starke Partner auf Augenhöhe.“ Das steht ebenfalls im Leitbild. Bisher ist außer der energetisch zweifelhaften Korrektur (Türluftschleier) wenig weiterentwickelt worden. Die Stadtsparkasse hat mit einer großzügigen Spende dafür gesorgt, dass der Medienbestand nicht geringer geworden ist und WBG-Chef Edgar Mathe hat immerhin gegen den Willen der Architekten durchgesetzt, dass der Schriftzug „Neue Stadtbücherei“ aufs Glas geklebt wurde, während Bücherei-Chef Manfred Lutzenberger nicht in der Lage zu sein scheint, eine Kaffeemaschine (wie in der alten Bücherei) in den Lesebereich zu stellen, obwohl er das – wie er gegenüber der DAZ seit Jahren beteuerte – gerne machen würde. Im letzten Jahr ist es Oberbürgermeister Gribl gelungen, den grauenvollen Angriff (Verkürzung der Öffnungszeiten) von Kulturbürgermeister Grab und Manfred Lutzenberger (und dem Kulturausschuss) abzuwehren. Grab ist damals von der Lokalpresse für dieses Vorhaben tagelang abgewatscht worden.

Politisch nicht darstellbar

Die richtigen Schlüsse hat er daraus nicht gezogen. Nun sollen die Bürger für die Jahreskarten viel tiefer in die Tasche greifen. So kann man „Bürgerschaftliches Engagement“ natürlich auch definieren. Das ist keine Weiterentwicklung, sondern ein verheerender Rückschritt der Neuen Stadtbücherei – und ein politisches Armutszeugnis dieser Stadtregierung. Nicht am Theatercontainer, nicht am CFS, sondern an der Neuen Stadtbücherei ist die Messlatte für das Versagen des Kulturbürgermeisters anzulegen. Es ist politisch nicht darstellbar, die kulturelle Bildung aufwerten zu wollen (wie es Grab im Konzeptpapier zur Umstrukturierung des Kulturamtes zum Ausdruck brachte) und am gleichen Tag die Gebühren für die Neue Stadtbücherei zu erhöhen. Erwin Gerblinger (CSU) hatte natürlich Recht, als er im Sommer die Funktion der Stadtbücherei anmahnte und die soziale Unausgewogenheit ins Feld führte, um somit sein Nein in Sachen Gebührenerhöhung zu erklären. Was sich an der Funktion der Bücherei und an der sozialen Situation in der Stadt seit Sommer verändert haben soll, ist eine Frage, die sich Stadtrat Gerblinger nach der Ausschusssitzung am Donnerstag stellen sollte.

Man kann Kurt Idrizovic und den „Freunden der Neuen Stadtbücherei“ nur Kraft und einen langen Atem dafür wünschen, dass sie das ehemalige Renommierprojekt als „starke Partner auf Augenhöhe“ weiterentwickeln. Vom Kulturreferenten und Büchereileiter Manfred Lutzenberger ist in dieser Hinsicht nichts zu erwarten.



Logistik-Atlas für Schwaben vorgestellt

Der neu gegründete Logistik-Cluster Schwaben (LCS) hat zusammen mit den IHKs Schwaben und Ulm den “Logistik-Atlas Schwaben” erstellen lassen. Ergebnis: Schwaben ist eine der bundesdeutschen “Top-Logistik-Regionen”.



“In Schwaben werden die Bedürfnisse der Wirtschaft nach funktionierenden Versorgungsketten über die Grenzen von Unternehmen hinweg sowie die hierzu notwendigen Management-Funktionen ganz besonders erfüllt”, lautet das Fazit von Harald Seifert, dem zweiten Vorsitzenden des Clusters.

Der von der “Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS” erstellte Logistik-Atlas zeigt, dass in Schwaben mehr als 9,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer in Logistikunternehmen oder in Logistik-Funktionen von Industrie und Handel tätig sind. Das ist ein Viertel mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Damit ist Logistik für Schwaben ein Wachstumstreiber und Schwaben eine der bundesdeutschen “Top-Logistik-Regionen”.

Im Wettbewerb der Logistik-Standorte bewertet Fraunhofer SCS die Region Schwaben in vielen Bereichen gut bis sehr gut. Auf zwei Feldern sehen die Experten noch Verbesserungsmöglichkeiten: bei der Infrastruktur, etwa durch den raschen Bau eines Kombinierten Verkehr- bzw. Container-Terminals im künftigen Güterverkehrszentrum Augsburg sowie im Management bzw. in der Außendarstellung des Standorts.

Der Logistik-Atlas steht auf der Internetseite www.logistik-schwaben.net zum Download bereit.

Logistik-Cluster Schwaben



Der “Logistik-Cluster Schwaben e.V.” wurde am 24. Mai 2011 von 33 namhaften Unternehmen und Mittelständlern aus der Transport- und Logistikbranche, aus der produzierenden Industrie und dem Handel sowie die beiden Industrie- und Handelskammern Schwaben und Ulm in Augsburg gegründet. Ziel der Initiative aus der Wirtschaft ist es, im Sinne eines Cluster-Gedankens im Interesse der Gesamtregion eng mit Wissenschaft, Kommunen, Politik und Wirtschaftsförderern zusammenzuarbeiten.



Ausgegangen war die Initiative von neun Unternehmen aus den Verkehrs- und Logistikstandorten der IHKs Schwaben und Ulm:

  • Andreas Schmid Logistik AG, Gersthofen
  • Augsburger Localbahn GmbH, Augsburg
  • Dachser GmbH & Co. KG, Kempten
  • Finsterwalder Transport & Logistik GmbH, Türkheim
  • Fujitsu Technology Solutions GmbH, Augsburg
  • Honold Logistik Gruppe GmbH & Co. KG, Neu-Ulm
  • Roman Mayer GmbH, Augsburg
  • Spedition Nuber GmbH, Augsburg
  • Seifert Logistics GmbH, Ulm


“Sternenzauber” im Naturmuseum

Das Naturmuseum erweitert ab 4. Dezember seine Multimedia-Show um eine neue Filmproduktion: “Sternenzauber – Meteorite, Besucher aus dem All”.



Die sechsminütige filmische Reise reicht dabei von der Entstehung der Meteoriten bis zur Präsentation in den Ausstellungen des Naturmuseums. Zentrales Element der Produktion ist eines der bedeutendsten Naturereignisse unserer Region: der Einschlag eines riesigen Meteoriten im Nördlinger Ries vor ungefähr 15 Millionen Jahren. Der Film läuft von Dienstag bis Sonntag im Erdgeschoss des Naturmuseums (Ludwigstraße 2) im Wechsel mit der “Molasse-Show” – jeweils um 13 und 15 Uhr sowie für Gruppen auf Anfrage.