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“Wir lassen unsere Polizistinnen und Polizisten nicht allein”

Ministerin Merks flammende Rede zur Festnahme der mutmaßlichen Polizistenmörder

Eine Rede voller Pathos und Stringenz hielt Staatsministerin Dr. Beate Merk anlässlich der Festnahme zweier Männer, denen die Ermordung des Augsburger Polizeibeamten Mathias Vieth vor zwei Monaten zur Last gelegt wird. Merk forderte auf der Polizei-Pressekonferenz am gestrigen Freitag in Augsburg den Schutz der Polizei vor zunehmender Gewalt und die Ausweitung der Haftdauer bei lebenslangen Freiheitsstrafen. Die Rede der Justizministerin im Wortlaut.

v.l.: Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, Justizministerin Dr. Beate Merk und der Augsburger Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz

“Meine sehr geehrten Damen und Herren,

dass heute zwei bayerische Sicherheitspolitiker vor Ihnen sitzen ist etwas Besonderes. Ich bin mir mit meinem Kollegen Joachim Herrmann einig, dass an so einem bedeutenden Tag wie heute Aufgabe des Staates ist, Flagge zu zeigen. Es reicht nicht, die zunehmende Gewaltbereitschaft gegen unsere Polizeibeamten zu beklagen. Es ist ein wichtiger und richtiger Schritt als Sicherheitspolitiker, härtere Strafen zu fordern und an deren Umsetzung mitzuwirken. Aber es ist mindestens genauso wichtig, sich hinzustellen und unseren Ermittlungsbeamten, der Polizei und der Staatsanwaltschaft zu dem Erfolg bei der Aufklärung eines feigen und brutalen Verbrechens zu gratulieren. Ein Verbrechen, das gegen Polizisten gerichtet war, gegen Menschen, deren Aufgabe es ist, sich mit Leib und Leben für unser Land und die Sicherheit in unserem Land einzusetzen.

Selbstverständlich gilt auch in diesem Fall – wie sonst – für beide Tatverdächtige die Unschuldsvermutung. Doch nach allem, was wir wissen, spricht sehr viel dafür, dass wir die beiden Polizistenmörder gefasst haben. Es gibt bestimmte Vorbelastungen. So ist einer der beiden mit 19 Jahren nach Erwachsenenstrafrecht für einen Mord an einem Polizisten hier in Augsburg bestraft, damals zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt und nach über 19 Jahren vom Landgericht Karlsruhe aus der Haft freigelassen worden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich bin stolz auf die gemeinsame Leistung von Staatsanwaltschaft und Polizei. Diese beiden haben vorbildlich mit enormem Einsatz gearbeitet, haben Puzzleteilchen für Puzzleteilchen zusammengesetzt, bis sich ein vollständiges Bild ergab. Nun wird es an der Staatsanwaltschaft sein, mit Hilfe der Polizei das Verfahren weiter mit Nachdruck voranzubringen. Mein Dank gilt unserer Bevölkerung für die zahlreichen Hinweise, die eingegangen sind. Damit haben die Menschen gezeigt, dass sie hinter ihrer Polizei stehen.

Ganz besonders wichtig ist mir, dass unsere Gedanken heute bei der Familie des ermordeten Polizeihauptmeisters und selbstverständlich auch bei seiner verletzten Kollegin sind. Meine Damen und Herren, der Tod eines geliebten Menschen ist eine Tragödie. Nichts ist dann mehr so, wie es war. Ein Leben ist unwiderbringlich ausgelöscht. Das ist in keiner Weise wieder gutzumachen. Die Frage nach dem Warum stellt sich aber noch drängender, wenn ein Menschenleben durch ein brutales Verbrechen ausgelöscht wird. Es ist nicht Aufgabe des Staates, Sühne zu üben. Aber für die Angehörigen kann es eine Genugtuung oder einen Trost bedeuten, wenn der oder die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Die Mörder bekommen ein Gesicht, sie sind greifbar, sie müssen sich für ihr Tun vor Gericht verantworten.

Gerade solche grausamen Taten wie im vorliegenden Fall zeigen aber auch: Es ist dringend notwendig, dass der Staat gegen alle Formen von Gewalt gegen Polizeibeamte konsequent und mit aller Härte vorgeht. Der drastische Anstieg der Angriffe gegen Polizisten, immer neue Rekordstände bei den so genannten Widerstandshandlungen sind eine Herausforderung für unseren Rechtsstaat. Es ist besonders erschreckend, dass sich die Schraube der Eskalation immer weiter dreht. Brutale Attacken gegen Polizisten – wo früher geschimpft oder versucht worden ist, sich eine Festnahme zu entziehen, werden heute immer häufiger Waffen oder andere gefährliche Gegenstände gegen unsere Beamten eingesetzt. Dabei kommt es zu Verletzungen jeder Art bis hin zur brutalen Tötung eines Menschen.

Selbstverständlich verfolgt die Justiz diese Taten schon immer. Aber die Hemmschwelle der Täter sinkt immer weiter. Hier müssen wir gegensteuern. Die beste Rechtspolitik kann solche brutalen Verbrechen leider nicht sicher verhindern. Dennoch können wir auch hier sehen, dass wir wichtige Änderungen erreicht haben oder noch erreichen müssen. Es war z.B. dringend nötig, dass der Bundesgesetzgeber im Herbst endlich den Strafrahmen beim Tatbestand des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte erhöht und den Gerichten mehr Spielraum gegeben hat. Dafür haben wir lange gekämpft. Es ist aus unserer Sicht aber noch nicht alles erreicht, was zu erreichen ist.

Ich möchte heute aber auch eine Forderung wiederholen, nämlich dass bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe erst nach frühestens 20 Jahren eine vorzeitige Entlassung möglich sein soll. Unsere Verfassung verlangt, dass der Täter irgendwann in Freiheit kommen muss. Lebenslang bedeutet eben nach unserer Verfassung und nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht per se lebenslang. Aber Lebenslang muss sich von anderen Strafen ganz deutlich abheben. Und eines ist auch wichtig, was damals noch nicht möglich war: Heute können wir die Führungsaufsicht unbefristet verhängen. Damals war es für maximal fünf Jahre möglich. Das heißt: Auch hier hat sich unser Kampf bereits gelohnt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, eins muss klar sein: Wir lassen unsere Polizistinnen und Polizisten nicht allein. Wir schützen sie mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Wir stehen hinter denen, die im täglichen Dienst den Kopf für die Gemeinschaft und Gesellschaft hinhalten und wir ruhen nicht, bis solche Verbrechen aufgeklärt und bestraft sind. Genauso, wie wir heute das Signal setzen, bin ich überzeugt, dass unsere Staatsanwälte rasch und sorgfältig die Täter überführen und anklagen können. Dies ist nicht nur für den Rechtsstaat wichtig, sondern es ist vor allem das mindeste, was wir für die trauernden Angehörigen, was wir für die Opfer selbst tun können. Wir sind es ihnen schuldig.”

Ein “Tatort” dauert 90 Minuten – in der harten Realität zwei Monate



Der Hauptstrang der Ermittlungen, der zur Festnahme der beiden des Mordes am Polizeibeamten Mathias Vieth Verdächtigten geführt hat, liest sich im Nachhinein so kurz und einfach wie das Drehbuch eines 90 Minuten langen Tatort-Krimis oder einer Folge aus der ZDF-Vorabendserie über die vier Personen starke SOKO aus Leipzig. In der Realität sieht Polizeiarbeit allerdings anders aus. Eine über 50-köpfige SOKO “Spickel” benötigte zwei Monate harter Arbeit, um aus 700 Hinweisen und 850 Spuren den Plot herauszuarbeiten und den Fall zu lösen. Das “Drehbuch”:

  • Am 28. Oktober 2011 gegen 2.50 Uhr wollen Polizeihauptmeister Mathias Vieth und seine Kollegin zwei Männer auf einem Motorrad auf dem Kuhseeparkplatz kontrollieren. Die beiden Männer flüchten mit dem Motorrad über den Hochablass, die Polizisten nehmen mit ihrem PKW die Verfolgung auf.
  • Was die Polizisten nicht wissen: Die beiden Männer sind mit Pistolen und einem Schnellfeuergewehr bewaffnet und haben sich vermutlich zu einem Raubüberfall verabredet.
  • Die Flüchtenden stürzen. Als die Polizeibeamten aussteigen, werden sie aus der Dunkelheit beschossen. Mathias Vieth stirbt. Den Tätern gelingt trotz unmittelbar anlaufender Großfahndung die Flucht, das – gestohlene – Motorrad bleibt zurück.
  • Hochgeklappte Sozius-Fußrasten am Motorrad der Täter legen die Vermutung nahe, dass der zweite Mann anders zum Treff am Kuhsee gekommen ist.
  • Sofort werden alle Fahrzeuge im näheren Umkreis des Kuhseeparkplatzes untersucht. Darunter ist mit noch warmem Motor das Fahrzeug eines Münchners, der aber schnell als Tatverdächtiger ausscheidet. Erst später stellt sich seine Verwandtschaft mit den Tätern heraus.
  • Nachermittlungen ergeben, dass der Münchner seinen PKW wiederholt dem vorbestraften der beiden Täter geliehen hat, weil der von ständigen Polizeikontrollen seines eigenen PKW genervt war.
  • Ein Datenbankabgleich aller Verdächtiger deckt das Vorstrafenregister des im Augsburger Stadtteil Lechhausen wohnenden PKW-Nutzers auf, darunter den Mord an einem Augsburger Polizisten im Jahr 1975.
  • In wochenlanger Observierung des ab nun Hauptverdächtigen gelingt es, die Verbindung zum zweiten Täter, dessen Bruder aus Friedberg, aufzudecken und Kenntnis über mehrere Waffendepots der beiden – u.a. in Kissing – zu erlangen.
  • Eine Abhöraktion führt zur Vermutung, dass ein geplanter Raubüberfall der Brüder unmittelbar bevorsteht. Deshalb erfolgt am 29. Dezember 2011 die Festnahme und die Sicherstellung von 20 Schusswaffen.
  • Die Brüder schweigen. Eine am Tatort gesicherte DNA-Spur kann jedoch zweifelsfrei dem Friedberger Tatverdächtigen zugeordnet werden. Die ballistische Untersuchung der Waffen dauert an.


Silvester: Kein privater Feuerwerkszauber um den Rathausplatz

Aus Gründen des vorbeugenden Brandschutzes dürfen in einigen Bereichen der Augsburger Innenstadt zum Jahreswechsel keine Feuerwerkskörper abgebrannt werden.



Darauf weist Ordnungsreferent Dr. Ullrich in einer Pressemitteilung hin und appelliert nachhaltig an die Vernunft aller Beteiligten. “Friedlich Silvesterfeiernde sind in Augsburg jederzeit willkommen”, so Ullrich. In den bezeichneten Bereichen der Innenstadt dürfe es aber wegen der möglichen Gefahren für die Besucher keine Toleranz für Feuerwerkskörper und pyrotechnische Gegenstände geben. Die Verbotszone umfasst:

  • – Rathausplatz
  • – Philippine-Welser-Straße
  • – Martin-Luther-Platz mit anschließendem Teilbereich der Annastraße
  • – Maximilianstraße von der Einmündung Perlachberg bis Apothekergäßchen
  • – Königsplatz im Teilbereich zwischen Bgm.-Fischer-Straße und Fuggerstreße (um den ehem. Manzubrunnen)
  • – Unter dem Bogen mit anschließendem Teilbereich der Annastraße (jetzt Welserplatz)
  • – Steingasse vom Rathausplatz bis Anwesen Nr. 8

Ein generelles Feuerwerksverbot in der Innenstadt wie in einigen anderen Städten gibt es in Augsburg nicht. Das Verbot umfasst das Abbrennen von Kleinfeuerwerken der Klasse II – aus den Verkaufsverpackungen ersichtlich. Verstöße gegen das Abbrennverbot können mit einem Bußgeld bis zu 5.000 Euro geahndet werden.

Grafik: Kleinfeuerwerkverbotszone Augsburg Innenstadt



“bing Streetside” online

Über Weihnachten hat Microsoft seinen Dienst “Streetside” in einer deutschen Vorabversion freigeschaltet. Auch Augsburg kann interaktiv aus der Straßenperspektive betrachtet werden.



“Mit der lebensnahen Ansicht in Streetside können Sie Plätze erkunden und Ihre Aktivitäten besser planen. Gehen Sie Straßen entlang, sehen Sie sich Fassaden und Parks an, und navigieren Sie ohne Adresse an Zielorte, indem Sie markante Gebäude und bekannte Plätze als Wegweiser verwenden.” So wirbt Microsoft für seinen neuen Dienst, der aneinandergereihte 360-Grad-Panoramen des Straßenraums zeigt. Die bisherigen Kamerafahrten in Augsburg wurden von Juni bis August 2011 durchgeführt und geben noch ein unvollständiges Bild der Stadt. Kontinuierliche Überarbeitungen sind geplant. Technische Voraussetzung für die Nutzung des Dienstes ist das kostenlose Browser-Plug-In Silverlight.

bing-Beispiele:

» Hauptbahnhof

» Rathausplatz mit Kulturstadion

» Baufeld Interimsspielstätte



Kö-Umbau startet einen Monat später

Der Ersatzfahrplan mit geänderten Straßenbahnlinien und Schienenersatzverkehr während der zweijährigen Kö-Umbauphase startet nicht am 20. Februar 2012, sondern erst am 20. März.

Künftige ÖPNV-Drehscheibe Moritzplatz: Kundencenter für die Umbauphase (Grafik: Stadtwerke)

Dies gaben Stadt und Stadtwerke gestern bekannt. Laut Stadtwerken ist mit der Verschiebung die Verkürzung von Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste und gleichzeitig eine Kostenersparnis verbunden. Möglich werde die um einen Monat spätere Schließung des Königsplatzes durch die Optimierung der für den eigentlichen Umbau notwendigen technischen Vorarbeiten und Baumfällungen innerhalb des Gleisdreiecks.

Bis zur Umstellung ist B-Plan 500 wieder in Kraft

Laut Stadt hat die Verschiebung nichts mit dem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs BayVGH zu tun. Anfang November hatte der VGH den Bebauungsplan Nr. 500 “Königsplatz und Augsburg Boulevard” für ungültig erklärt, weil dieser nach Einarbeitung des so genannten “Bypasses” nicht erneut öffentlich ausgelegt wurde.

Die Auslegung wird nun vom 2. Janur bis 3. Februar 2012 nachgeholt. Für den 1. März ist der Satzungsbeschluss im Stadtrat geplant. Mit der Veröffentlichung im Amtsblatt am 9. März 2012 könnte der Bebauungsplan wieder rechtskräftig werden, rechtzeitig zur Fortsetzung der Bauarbeiten nach der Frostperiode und zur Umstellung auf den Ersatzfahrplan.

» ÖPNV-Kundencenter wandert zum Moritzplatz

» Gericht stoppt Bebauungsplan zum Königsplatz

» B-Plan 500: Bauverwaltung geht auf Nummer Sicher

» Stadtrat schickt B-Plan zum Kö in die erneute Auslegung



AVV-Tarifänderung: Alte Streifenkarten können abgefahren werden



Zum 1. Januar 2012 tritt die Tarifänderung des Augsburger Verkehrsverbundes (AVV) in Kraft. Der Preis der Streifenkarten steigt für Erwachsene um 40 Cent und für Kinder bis 15 Jahre um 20 Cent. Teilweise entwertete Karten können bis zum 31. März 2012 “abgefahren” werden, so die Stadtwerke gestern in einer Pressemitteilung. Völlig unbenutzte alte Streifenkarten können gegen Zuzahlung des Differenzbetrags im Stadtwerke-Kundencenter am Königsplatz von Montag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr umgetauscht werden.

Fahrscheinautomat

(Foto: Stadtwerke)



Frohe Weihnachten



Vor einer Woche ist mit der letzten Stadtratssitzung das politische Jahr 2011 in Augsburg zu Ende gegangen. In den nächsten Tagen wird es auf der DAZ etwas ruhiger, denn Lokalpolitik ist unser Hauptthema. Es war ein turbulentes Jahr, aber auch ein Jahr der Rückblicke. Die Stadtregierung zog nach drei Jahren im Amt Halbzeitbilanz. Auch wir können auf drei Jahre Redaktionstätigkeit zurückblicken, in denen wir die Politik und Kultur in unserer Stadt informierend und kommentierend begleitet haben.

Mit einem Bild des Weihnachtsbaumes in unseren Redaktionsräumen wünscht das Team der DAZ allen Leserinnen und Lesern, die 2011 unserer Internetzeitung die Treue gehalten haben, ein Frohes Weihnachtsfest.

Augsburg, 24. Dezember 2011

Bruno Stubenrauch, Siegfried Zagler und Frank Heindl



Integrationsbeirat: Pro Augsburg fordert von Kiefer Entschuldigung

In einer von Fraktionschefin Beate Schabert-Zeidler und von Nico Kummer, dem 1. Vorsitzenden des Vereins Pro Augsburg unterzeichneten Stellungnahme erhielt Peter Grab gestern uneingeschränkte politische Unterstützung.

Peter Grab „in Zusammenhang mit der Leugnung oder Verharmlosung des Genozids an den Armeniern zu bringen und ihm enge Verbindungen zu ultranationalistischen Gruppierungen wie den Grauen Wölfen anzudichten, ist selbst im politischen Meinungskampf inakzeptabel und unvertretbar. Mitglieder der Familie von Peter Grab sind während des Dritten Reichs durch das Nazi-Regime in KZs ermordet worden. Seine Familie wurde daher Opfer eines Genozids“, wie es in der Stellungnahme heißt.

Diese Behauptungen stünden in einem Zusammenhang mit einer Veranstaltung vom 31. Oktober bezüglich der Vorträge, die im Rahmen dieser Veranstaltung von drei Politikern der türkischen Regierungspartei AKP im Augsburger Rathaus geäußert wurden. „Die Meinungen, die anlässlich dieser Veranstaltung geäußert wurden, werden von der SPD-Stadtratsfraktion so ausgelegt, dass diese Personen den Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich verharmlosen würden. Herrn Grab wurde in dem Offenen Brief sowie in der öffentlichen Sitzung vorgeworfen, die Äußerungen der drei Politiker der türkischen Regierungspartei AKP sowie der diesbezüglichen Beurteilungen eines Mitglieds des städtischen Integrationsbeirats, Herrn Ahmet Akcay, zu unterstützen und zu verteidigen“, so Schabert-Zeidler und Kummer, die diesen “Behauptungen” jede Grundlage absprechen. „Wir halten sie für einen nicht akzeptablen Teil einer politischen Kampagne gegen Herrn Grab.“ Die beiden Unterzeichner fordern in ihrem Schreiben „die Urheber dieser Kampagne, insbesondere Herrn Dr. Stefan Kiefer auf, sämtliche unzutreffenden Vorwürfe zurückzunehmen und zum gebotenen politischen Umgang zurückzukehren. Eine Entschuldigung gegenüber Herrn Grab wäre das mindeste.“

Stefan Kiefer, Vorsitzender der SPD Fraktion hat sich bereits am 20. Dezember auf Anfrage gegenüber der DAZ bedauernd zu seiner Anfrage im Stadtrat geäußert: „Es ist mir leider nicht gelungen, unsere Kernkritik am 3. Bürgermeister in der schwierigen letzten Stadtratssitzung unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen“ klar zum Ausdruck zu bringen. Es ging uns um eine klare und deutliche Distanzierung des Herrn Grab von nationalistischen Kräften und deren Gedankengut, die hier vor Ort ein Osmanisches Reich verherrlichen. Das Verhalten des Herrn Grab zum missglückten Festakt am 31. Oktober und insbesondere seine Verteidigungsreden für Ahmet Akcay gegen dessen Kritiker sind inakzeptabel und für einen Bürgermeister dieser Stadt völlig fehl am Platz. Es ging uns nie darum, Herrn Grab als Privatperson anzugreifen oder ihn und seine Familie zu beleidigen, sondern allein um seine Verantwortung für diese Stadt und ihre unterschiedlichen Bewohner“, so Stefan Kiefer zur DAZ.



Nach 5 Jahren Pause: Flop-Shop auf dem Martin-Luther-Platz



Die Duftlampe von Tante Berta, der Kristall-Delphin oder das Lambada spielende Feuerzeug aus der letzten Plärrer-Tombola: Am Dienstag, den 27. Dezember können alle ungeschickt Beschenkten, die an Weihnachten oder auch zu anderen Anlässen Opfer von Verzweiflungsgeschenken wurden, von 14 bis 18 Uhr auf dem Martin-Luther-Platz ihr überflüssiges Präsent gegen eine flüssige Tasse Glühwein eintauschen. Dies teilte die City Initiative Augsburg CIA gestern mit. Die Geschenkretouren kommen restlos den sozialen Diensten des Bayerischen Roten Kreuzes zugute.

Der Ursprung der Aktion geht auf die Zeit von 1995 bis 2006 zurück. Damals fand immer am ersten verkaufsoffenen Tag nach Weihnachten auf dem Moritzplatz die Aktion “Erst schenken – dann denken” des Spaßbürger e.V. statt und erfreute sich großer Beliebtheit. Der Verein ist jetzt als Förderverein Kulturpark West aktiv und will die Tradition in Zusammenarbeit mit der CIA und dem Bayerischen Roten Kreuz wieder neu beleben.



Ein Vergnügen vor, auf und hinter der Bühne

Marcus Rosenmüllers “Sommer der Gaukler” hatte im “Mephisto” Premiere

Ums Leben geht’s, wie in jedem großen Film. Darum, wie viel wir schauspielern müssen im Leben, um ans Ziel zu kommen. Darüber auch, dass das ganze Leben eine Bühne ist. Und schließlich auch um das Leben jenes Emanuel Schikaneder (1751 – 1812), zunächst Schauspieler, später Theaterautor und Librettist, der unter anderem das Buch für Mozarts unsterbliche “Zauberflöte” schrieb. Um das alles geht’s – wenigstens ein bisschen – in Marcus Rosenmüllers neuem Film “Sommer der Gaukler”, der am Mittwoch anlief.

Wenn allerdings in Augsburg ein Rosenmüller-Film anläuft, dann läuft er nicht einfach an. Der 38jährige Regisseur aus dem oberbayrischen Hausham ist mit Augsburg eng verbunden, seit hier sein Erstling “Wer früher stirbt ist länger tot” deutschlandweit am längsten lief. Dasselbe gilt für den Nachfolger “Sommer in Orange”. Solch eine Fangemeinde will gepflegt sein – Rosenmüller kam deshalb bestens gelaunt mit seinen Hauptdarstellern Max von Thun und Maxi Schafroth ins Mephisto-Kino. Weil Rosenmüller alle Publikumsfragen gewissenhaft beantwortet, wissen wir nun nicht nur, dass er, wie gesagt, 38 ist, sondern auch, dass er am 21.7.1973 um 1.29 Uhr geboren wurde, und zwar mit “Aszendent Wildschwein.”

Opulente Bilder, wild gewordene Schauspieler

Wie im Film, so im Leben: Marcus Rosenmüller, genannt "Rosi" und seine Schauspieler brachten eine unbandig gute Laune mit zur Premiere ihres neuen Filmes im Mephisto. Mit Rosenmüller (rechts) im Bild: Max von Thun (links, im Film in der Rolle des Emanuel Schikaneder) und Maxi Schafroth (Mitte), der im Film den Rebellen Georg Vester spielt und im richtigen Leben Kabarettist ist (Foto: Mephisto).

Wie im Film, so im Leben: Marcus Rosenmüller, genannt "Rosi" und seine Schauspieler brachten eine unbandig gute Laune mit zur Premiere ihres neuen Filmes im Mephisto. Mit Rosenmüller (rechts) im Bild: Max von Thun (links, im Film in der Rolle des Emanuel Schikaneder) und Maxi Schafroth (Mitte), der im Film den Rebellen Georg Vester spielt und im richtigen Leben Kabarettist ist (Foto: Mephisto).


Der “Sommer der Gaukler” folgt Schikaneder bei seinem Versuch, mit seinem Theaterensemble in Salzburg Fuß zu fassen. Die Stadt weist ihn ab, man wartet in einem Bauerndorf vor den Toren auf Einlass – und auf Wolfgang Amadeus Mozart. Beim Warten arbeitet Schikaneder nicht nur an seinem “Weltentheater”-Stück, sondern leider geht ihm auch das Geld aus, bei den Bergarbeitern tobt ein wilder Streik gegen den ausbeuterischen Grubenbesitzer, der brav-naive Arbeiter Vester aus dem Allgäu verliebt sich in dessen Tochter und wird nebenbei und versehentlich zum Rädelsführer, Schikaneders Frau beginnt eine Liaison mit einem Mitschauspieler, während der Ehemann selbst auch nicht untätig ist – und, und, und.

Vor, hinter und auf der Bühne, so könnte man es kurz zusammenfassten, tobt in blutvoll-opulenten Bildern nicht nur das Leben – sondern eher noch ein bisschen mehr. Eine Crew wild gewordener Schauspieler jagt durch diesen Film – und gemeint sind damit nicht nur Rosenmüllers Schauspieler, sondern auch die Schauspieler, die Rosenmüllers Schauspieler spielen. Eine unbändige Spiellust treibt nicht nur jene, sondern auch diese an – und der Regisseur hat sich das in seiner bekannt improvisationsfreudigen Art zunutze gemacht. Auf dem Set, während den Dreharbeiten, ist etwa ein Bergarbeiterblues entstanden, der sofort eingebaut wurde, genauso wie das von einer zufällig anwesenden Vertreterin der Haushamer Prinzengarde angeleitete Bergarbeiterballett.

Der Kutscher verführt mit Shakespeares Versen

Dass der Film nicht aus dem Ruder lief und nicht auf der Ebene des Herumalberns hängen bleibt, ist neben der hervorragenden Schauspielercrew natürlich dem Regisseur zu verdanken, der sich bei allem Spaß an der spontanen Improvisation nicht vom Kern seiner Geschichte abbringen ließ: “Die Verzahnung von Realität und Theater” habe ihn am Drehbuch gereizt, erzählt Rosenmüller – und dieser Reiz ist dem Film geblieben. Eine der schönsten Episoden: Während im Wirtshaus die Schauspieler ganz theoretisch über Shakespeare philosophieren und dem Dramatiker in Österreich keine Chance geben, nutzt ein anderer im Stall ganz praktisch die Verse des Engländers, um die Magd zu verführen. Dabei ist er nicht mal Schauspieler, sondern nur der Kutscher der Truppe.

Wie die Geschichte in Fahrt gerät, wie im Gebirge rebelliert und unter den Tischen des Barons gevögelt, wie der Grubenbesitzer intrigiert wird, wie der tumbe Allgäuer trotzdem dessen schöne Tochter erobert – das ist dermaßen mitreißend, in farbenfrohen, mitunter grandiosen Bildern gedreht, wie immer bei Rosenmüller im Dialekt gesprochen und von unbändiger Lebenslust und Spielfreude getragen – man darf dem Film jene sechs, sieben Monate in Augsburg wünschen, die Kinobetreiber Franz Fischer schon mal veranschlagt hat. Dass der Schikaneder auch im echten Leben zum Ziel gelangte, dass er sich von vielerlei Misserfolgen nicht entmutigen ließ, das scheint historisch einigermaßen erwiesen. Der Rest bleibt im Ungewissen. Sicher ist, dass wir uns ein Leben wünschen würden, in dem vor, auf und hinter der Bühne so viel los ist wie in Rosenmüllers Film.



Der Integrationsbeirat spiegelt nichts anderes als sich selbst wider

Kommentar von Siegfried Zagler

Der Streit um den Integrationsbeirat ist eskaliert. In hohem Maße hat dabei der Vorstoß des Fraktionsvorsitzenden der Augsburger SPD beigetragen. Stefan Kiefer hat Kulturreferent Peter Grab in einer Anfrage auf der zurückliegenden Stadtratssitzung indirekt die Nähe zu nationalistischen türkischen Kreisen und einen unbedarften Umgang mit der Vertreibung und den Massakern an den Armeniern im Jahre 1915 unterstellt. Das stellt einen ungeheuerlichen politischen Tabubruch dar, der nicht weiter kommentiert werden sollte. Ähnliches gilt für die spontane Replik des Kulturreferenten, die angesichts der im Tonfall und inhaltlich ungeheuerlichen Anfrage Kiefers mit Verständnis zur Kenntnis genommen werden sollte. Peter Grab brachte seine Fassungslosigkeit zum Ausdruck und verwies auf das Schicksal seiner Familie. „Meine halbe Familie wurde umgebracht.“ – Und führte damit den Naziterror und möglicherweise die Shoa indirekt ins Feld einer Auseinandersetzung, die just an diesem denkwürdigen Donnerstag, 15. Dezember die Vorstufe des höchsten Eskalationsgrades erreichte. Jenseits aller Verletzungen und Verfehlungen muss festgestellt werden, dass Stefan Kiefer und Peter Grab von den Augsburger Bürgern ein Mandat dafür bekommen haben, die Interessen der Stadtgesellschaft zu vertreten und somit die Weiterentwicklung der Stadt zu gestalten.

Systemisch ähnelt das dem Tabubruch der SPD-Anfrage

In kommunalen Parlamenten ist das ohne das konstruktive Zusammenwirken aller gewählten Fraktionen nicht vorstellbar. Aus diesem Grund müssen die Beteiligten schnellstmöglich daran arbeiten, wie sie sich in Zukunft konstruktiv und zusammenwirkend ihren gemeinsamen Aufgaben widmen können. Ohne den Akt der Verzeihung und den Akt der Versöhnung wird das kaum möglich sein. Deshalb ist es auch wenig zielführend, dass der Vater des Kulturreferenten nicht müde wird, Kiefer und der Bezirksvorsitzenden der SPD Ulrike Bahr „totalitäre Propagandamethoden“ zu unterstellen, um im gleichen Atemzug den Kulturreferenten in seinem politischen Wirken unterstützend zu verteidigen: „Ein typisches Merkmal totalitärer Propaganda ist ein auf Gefühle ausgerichteter Angriff auf angebliche Taten und Aussagen, die nie stattgefunden haben. (…) Gibt es denn überhaupt schon eine zuverlässige Übersetzung der türkischen Redebeiträge?“

Das ist ebenfalls unsäglich! Und es wirft kein gutes Licht auf Augsburgs 3. Bürgermeister Peter Grab, wenn er es unkommentiert zulässt, dass sein Vater bei seinen politischen Angriffen quasi als „Anwalt“ des Kulturreferenten die Ebene einer universal beschriebenen Moralität mit der Ebene lokalpolitischer Ereignisse vermengt. Systemisch ähnelt das dem Tabubruch der SPD-Anfrage.

Wenn nur ein Jota zutreffend wäre, müsste man der Stadtgesellschaft den Rücken kehren

Eine weitere Verfehlung hat sich gestern der Integrationsbeirat selbst geleistet. In einem von Robert Vogl als „Erklärung“ deklarierten Schreiben äußert sich der stellvertretende Beiratsvorsitzende Tugay Cogal folgendermaßen: „Persönlich verbinde ich damit die Verpflichtung, den Integrationsbeirat aus dem Zustand seiner momentanen Starre zu lösen und wieder zu einem Gremium zu formen, das die Integrationspolitik Augsburgs beratend und handelnd voranbringt. Meine Kolleginnen und Kollegen und ich werden sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass möglichst alle Mitglieder des Beirats sich dieser Verantwortung stellen.“ Ein Versprechen zu später Stunde. Soweit so gut. Weiter oben im Text „analysiert“ Cogal jedoch den Beirat als Spiegel der Stadtgesellschaft: „(…) Diese Verwerfungen widerspiegeln im kleinen Rahmen des Beirats das, was im Großen der Stadtgesellschaft Realität ist.“

Wenn nur ein Jota daran zutreffend wäre, müsste man umgehend die Koffer packen und dieser Stadtgesellschaft den Rücken kehren. Der Integrationsbeirat der Stadt Augsburg spiegelt nichts anderes als sich selbst wider. Die innerpolitischen Wirklichkeiten der Türkei und anderer Herkunftsländer der Bürger mit Migrationshintergrund dürfen nicht in den Kontext der städtischen Integrationspolitik gestellt werden und haben selbstverständlich nichts mit den Lebenswirklichkeiten „der Stadtgesellschaft im Großen“ zu tun. Das negative Verhalten einzelner dürfe, so Cogal, nicht dazu führen, „dem Integrationsbeirat als solchem jegliche Funktion abzusprechen.“ Das hat auch bisher niemand gemacht. Der Integrationsbeirat hatte und hat eine Funktion, allerdings eine, die dem Integrationsgedanken im Weg steht.