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Autorenlesung:

ÖDP-Bundesvorsitzender Frankenberger liest aus seinem Buch



Der Bundesvorsitzende der ÖDP und Initiator des Nichtraucherschutz-Volksbegehrens, Sebastian Frankenberger, wird am Montag, den 28. November 2011, zu einer Lesung aus seinem neuen Buch “Volk entscheide! Visionen eines christlichen Polit-Rebellen” nach Augsburg kommen. Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr im Vortragssaal der Neuen Stadtbücherei Augburg (S-Forum, Ernst-Reuter-Platz 1). Auch Sie sind dazu herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei. Im Anschluß an die Lesung stellt sich Herr Frankenberger Ihren Fragen.

In seinem Buch schildert Herr Frankenberger seine Erfahrungen, die er als Eremit auf Zeit zum letzten Jahreswechsel in der Türmerstube des Linzer Doms sammeln konnte. Er resümiert dabei auch über die turbulenten Monate des Nichtraucherschutz-Volksbegehrens und formuliert seine Visionen für die Zukunft unserer Gesellschaft. Frankenberger offenbart im Buch „Volk entscheide“ seine christlich-religiös geprägte Grundhaltung und gewährt dem Leser zum Teil tiefe Einblicke in seine Vita. Der 30jährige Passauer ist sich sicher, dass die direkte Demokratie ein friedliches gesellschaftliches Miteinander gewährleistet. Nur wer sich ernst genommen fühle und bei wichtigen Entscheidungen mitbestimmen dürfe, könne der Demokratie zu mehr Stabilität verhelfen.

Für das Vorwort konnte übrigens der CDU-Politiker Heiner Geißler gewonnen werden. Geißler bescheinigt seinem jungen Kollegen die Fähigkeit, die Menschen mit seinen Visionen für eine bessere Welt zu begeistern und die Lebensbedingungen Vieler zum Besseren verändert zu haben.

Wir würden uns freuen, Sie bei unserer Veranstaltung begrüßen zu dürfen.



Für die ÖDP Augsburg-Stadt

Christian Pettinger, Vorsitzender



FCA: Wolfsburg kommt mit breiter Brust

Am heutigen Samstag (15.30 Uhr) gastiert der VfL Wolfsburg am 14. Spieltag der Ersten Bundesliga beim FC Augsburg. Die Wölfe hatten bisher auswärts nicht viel zu melden. Ein Sieg am ersten Spieltag gegen desolate Kölner und ein Remis gegen den krisengeschüttelten HSV am 10. Spieltag. Zu Hause sind die Wolfsburger eine Macht, auswärts leichte Beute.

Von Siegfried Zagler



So war das zumindest bisher, doch das ändert nichts daran, dass Felix Magaths Truppe beim Tabellenletzten ein „natürlicher Favorit“ ist und mit breiter Brust anreist. In Augsburg hat man die unvermeidliche Außenseiterrolle inzwischen kultiviert. Das ehemals zurückhaltende und schnell meckernde Publikum hat sich beim FCA zum zwölften Mann entwickelt und ist somit zum stärksten Spieler in Jos Luhukays Zweitliga-Kader geworden. Eine bessere Unterstützung als der FCA habe in ganz Deutschland keine Mannschaft, so FCA-Präsident Walther Seinsch am vergangenen Montag im Presseclub. Seinsch überraschte in dieser illustren Runde mit der Aussage, dass man im Sommer zu zögerlich und mit zu wenig Risiko auf dem Transfermarkt agiert habe.

Alles andere als ein Heimsieg würde Andreas Rettig stark unter Druck setzen

Gemeint war damit FCA-Manager Andreas Rettig, dessen Verbleib in Augsburg seit Montag nicht sicherer geworden ist. Rettig ziehe es aus privaten Gründen nach Köln zurück, so Seinsch im Presseclub. Über jemand, den man unbedingt halten will, wird in der Regel anders gesprochen. In der Saison 2005/6 schmiss Andreas Rettig beim FC Köln nach 17 Runden als Manager die Brocken hin. Damals standen die Kölner zur Halbzeit mit 12 Punkten zusammen mit Duisburg und Kaiserslautern auf einem Abstiegsplatz. Den Kölnern hat Rettigs Rückzug damals nichts gebracht, sie stiegen (zusammen mit Duisburg und Lautern) ab. Dass der FCA diese Halbserie mit 12 Punkten abschließen könnte, ist angesichts des Restprogramms eher unwahrscheinlich, aber immerhin möglich: Schalke (auswärts),

Gladbach (zu Hause) und am 17. Spieltag müssen die Brechtstädter in Hamburg bestehen. Alles andere als der erste Heimsieg gegen Wolfsburg würde den in Augsburg ohnehin schwach geerdeten Rettig erstmals stark unter Druck setzen. Nun steht auch für die breite Augsburger Öffentlichkeit fest, dass Rettig dafür verantwortlich ist, dass der FC Augsburg ohne angemessene Verstärkung in seine erste Bundesligasaison geschickt wurde. Weder fehlende finanzielle Mittel, noch die vielzitierte „wirtschaftliche Vernunft“ haben den FC Augsburg in der Bundesliga zu einer Verlierer-Rolle degradiert und an das Tabellenende gehievt, sondern die Personalpolitik des Geschäftsführers. Das schmerzt! Ob der FC Augsburg gegen die „Wundertüte“ aus Wolfsburg seinen ersten Heimsieg einfährt oder nicht, könnte eine Frage sein, deren Antwort in enger Verbindung mit dem weiteren beruflichen Werdegang von Andreas Rettig verbunden ist.



„Babylon“ – der Beginn der Verständigung

Neue Musik beim Festival der 1000 Töne mit einem spannenden Podiumsgespräch

Von Frank Heindl

Ein Abend gegen Vorurteile und Kurzschlüsse, ein musikalischer Abend, der Kopf und Seele gleichermaßen beschäftigte, und damit wieder ein voller Erfolg für „Mehr Musik!“ und das Augsburger Projekt „Zukunft(s)musik“. Passen Ägypten und Neue Musik zusammen? Das Programm „Babylon“ zeigte am Mittwochabend im MAN-Museum, dass diese Frage völlig falsch gestellt wäre.

Das Programm „Babylon“ zeigte auch, dass Sprachenverwirrung kreative Prozesse in Gang setzt. Die Politik könnte da ruhig der Kunst folgen.

Das Programm „Babylon“ zeigte auch, dass Sprachenverwirrung kreative Prozesse in Gang setzt. Die Politik könnte da ruhig der Kunst folgen.


Mit „Night Falls“ des Iraners Arash Safaian eröffnete das Konzert, und da zeigte sich schon, dass ganz falsch lag, wer folkloristisch inspirierte Neue Musik erwartet hatte. Safaians Stück für Flöte, Klarinette, Horn, Vibraphon, Geige und Cello mag in alle möglichen Traditionen passen – vor allem wohl in die des Impressionismus – mit Arabien und Nordafrika hat es viel weniger zu tun als mit Debussy. Sphärisch, „harmonisch“ im weiteren Sinne, führte „Night Falls“ einen „Faun“ im modernen Gewand vor, berückend schön und beeindruckend versiert in der Handhabung moderner musikalischer Techniken und Sprachen.

„Ka Anna Ha“ des palästinensischen Israeli Samir Odeh-Tamimi klang da ganz anders, verstörend aggressiv schrie der Bassist Andreas Fischer einen Text des Dichters Mansur al-Halladsch ins Publikum, begleitete nur von ebenso kraftvollen Schläge auf die japanische Daiko-Trommel, die er selbst spielte – wütend und anklagend ist das Stück gemeint und ganz nahe an der Ereignissen des „arabischen Frühlings“, die derzeit Tag für Tag die Nachrichten füllen. Es geht um Gewalt, um Meinungsfreiheit, um Kampf. Aber ist dieses Thema ägyptisch, arabisch?

Gut, dass die Veranstalter eine kleine Talkshow organisierte hatten, ein Podiumsgespräch, moderiert vom Cellisten und „Zukunftsmusik“-Organisator Johannes Gutfleisch, der die anwesenden Komponisten nach den Wurzeln ihrer Musik befragte. Wo denn die Verbindung seiner Musik mit seiner Heimat liege, fragt Gutfleisch den Iraner Safaian. Das könne er gar nicht beantworten, antwortet dieser, solche Einflüsse verarbeite man unbewusst: „Ich verstehe mich als globalisierten Menschen, in dem alles verschmolzen ist.“ Anderes gesagt: Wieso eigentlich sollten arabische Komponisten traditionsverbundener komponieren als europäische?

Der europäische Cappuccino aus der ägyptischen Tasse

Ganz unberechtigt allerdings ist die Frage trotzdem nicht. Denn wie in den meisten kolonialisierten Ländern wurde auch in Nordafrika über Generationen hinweg die europäische Musik als das große Vorbild gelehrt und verehrt, gab es nach der Entkolonialisierung eine teilweise rückwärtsgewandte Orientierung an der folkloristischen Tradition. Komponisten der dritten Generation wie Safaian aber haben gelernt, sich von den Zwängen beider Seiten zu befreien und zu ihrer eigenen Musik zu finden. Neue Musik bedeute, „frei zu sein von Einflüssen, Zwängen und Regeln“, sagt Safaian und schränkt klugerweise gleich wieder ein: Natürlich habe er die Regeln des Komponierens gelernt, doch diese handwerkliche Ausbildung erst ermögliche es ihm, „noch freier zu sein.“ Und selbstverständlich wirkten die arabischen Traditionen in ihm – aber eben neben anderen, die er als Weltbürger mit aufgesogen habe. Safaian fasst diesen Prozess mit einem treffenden Bild: Die Musik der Emigranten sei „Musik von Ägypten und der Welt“, und dieser höre man ihre Herkunft eben noch an – so, wie man ihm selbst in Deutschland einen ägyptischen Akzent bescheinige, in Ägypten dagegen einen europäischen, so wie er seinen Cappuccino aus einer ägyptischen Tasse trinke.

Globalisierte Musik also mit arabischen Akzenten – Hansi Ruile vom „Festival der 1000 Töne“, in dessen Rahmen das Konzert stattfand, kann das ebenso treffend im soziologischen Jargon beschreiben. Babylon, das dem Konzert den Titel gegeben hat, stehe in unserem Verständnis allzu sehr für das Thema Verwirrung und Desorientierung – man könne diesen Mythos aber optimistischer auch als Beispiel für den Start in die Zivilisation lesen, für die – positive! – Entwicklung von Heterogenität und Vielsprachigkeit. Die Kunst steht Ruile zufolge in den vorderen Reihen dieser Entwicklung, Konzerte wie „Babylon“ setzten Zeichen, wie Kultur und Kulturpolitik in einer globalisierten Welt „ausschauen könnten“ – er hoffe aber auf weitere „Entnationalisierung“ auch in anderen Bereichen. Dass der Prozess fortschreitet, dass Kulturen ihre engen Verwurzelungen abstreifen und fernab der Heimat verschiedenste Transformationen durchmachen, diesen Prozess will Ruile in seinem Festival weiter begleiten – das nächste, überlegt er, könnten schon unter dem Thema „hybride Identitäten in der globalisierten Welt“ stehen.

Tohuwabohu und Synkopen, Venedig und Gilgamesch

Mit diesem Gespräch war nun die Musik des Abends in einen theoretischen Zusammenhang gerückt, der die Wahrnehmung der weiteren Stücke veränderte. „White Shroud“ von Ahmed Madkour begann mit vielstimmigem Tohuwabohu, in dem Strukturen nur mit großer Konzentration zu erkennen waren, und endete mit einer verklingenden orientalischen Melodie – eine Einschränkung möglicherweise des vorher Besprochenen, vielleicht ein Hinweis darauf, dass Tradition eben doch einen Orientierungspunkt bietet, wenn die Verständigung allzu schwierig wird.

„Three Moods“ des Ägypters Sherif Mohie El Din lieferte wunderbare – auch ironische? – Momente vor allem im ersten Satz, der zu Anfang a-capella gesungen wird. Bass und Bariton grundieren dabei mit einem höchst vergnüglich-verwirrenden, synkopisch vertrackten Rhythmus-Gerüst das Thema der Sopranstimme. Zwei weitere Stücke thematisierten zum Einen eine winterliche Gondelfahrt in Venedig, zum anderen eine Kampfszene aus dem berühmten Gilgamesch-Epos – wieder standen hier arabische und europäische Tradition ganz eng beieinander. Und wenn man bedenkt, dass die Mythen von Gilgamesch eng verwandt sind mit denen der Bibel, dann finden hier Stränge zusammen, die über Jahrtausende getrennt waren. Die naive Eingangsfrage jedenfalls hat „Babylon“ rigide beantwortet: In der globalisierten Welt passt Ägypten ebenso gut zur Neuen Musik wie Europa – es überwiegen längst nicht mehr die Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten.



HipHop, Grusel, Religion

Bei CampusKunst darf jeder Künstler sein

Von Kristin Ruckschnat

Ein paar Minuten muss das Publikum warten, dann springt Verena Reger endlich auf die Bühne. Mit der Entschuldigung für ihre Verspätung erntet die 27-jährige Studentin gleich den ersten Lacher: „Ich habe gehört, dass man für seine Stimme ein bisschen Wodka trinken soll – und es stimmt!“ Ihr Auftreten wirkt auf den ersten Blick etwas verplant. Doch sobald der Blondschopf mit den verwuschelten Haaren auf den Stuhl geklettert ist und die Saiten der Gitarre zum Schwingen gebracht hat, läuft alles wie am Schnürchen.

Zum ersten Mal vor großem Publikum: die Studenten Julian Meyer und Felix Schurer.

Zum ersten Mal vor großem Publikum: die Studenten Julian Meyer und Felix Schurer.


Jedes Semester bietet das Studentenwerk den Augsburger Studierenden die Möglichkeit, der Öffentlichkeit ihre Werke vorzustellen. So auch am vergangenen Mittwochabend in der Mensa der Hochschule Augsburg. „Der Gedanke dahinter ist, dass Studierende Erfahrungen auf der Bühne sammeln können“, sagt Michael Noghero vom Studentenwerk Augsburg. „Außerdem können sie nach außen zeigen, in welcher Vielfalt sie Kunst zu bieten haben.“ Ein Casting für die Veranstaltung gibt es nicht. Zwischen den Bewerbern für die zehn Auftritte wird am Ende gelost. Wie professionell die Künstler auf der 12. CampusKunst-Veranstaltung sind, ist daher Zufall. „Genau wie für die Zuschauer ist es auch für uns auch jedes Mal eine Überraschung, was genau am Ende auf der Bühne präsentiert wird“, sagt Noghero.

In der Mensa wird’s eng

Volles Haus für die Nachwuchskunst – die Uni-Mensa war proppenvoll (Fotos: Kristin Ruckschnat).

Volles Haus für die Nachwuchskunst – die Uni-Mensa war proppenvoll (Fotos: Kristin Ruckschnat).


Das Publikum nimmt die kostenlose Einladung gerne an. Mit über 300 Leuten sind nicht nur die Sitzplätze in der Mensa restlos besetzt, auch bei den Stehplätzen wird’s eng. Doch die Stimmung ist grandios: Egal ob fetziger HipHop-Tanz, religiöse Rocklieder oder gruselige Prosa, die Gäste honorieren jeden Beitrag mit Applaus. So auch den von Georg Stasch. Der 23-jährige tritt zum zweiten Mal bei CampusKunst auf und wird von seinen Fans überrascht, die seinen Namen in gebastelten Buchstaben hochhalten. Und seine Fans können sich auf ihn verlassen: Zu eingespielten Beats rappt der Berliner überraschend hart und wortgewandt seine politischen Einstellungen zu Krieg und Frieden. „Ich bin hier, weil ich finde, dass man den Mund aufmachen sollte“, sagt er. Auf der Bühne zu stehen ist für ihn nichts Neues: Zwischen Abi und Studium tobte er sich zwei Jahre in Berlin kreativ aus, spielte Theater, trat bei Veranstaltungen gegen Fremdenfeindlichkeit auf.

Für andere Künstler ist es der erste Auftritt vor so vielen Leuten. Julian Meyer und Felix Schurer probierten sich lediglich vor Kommilitonen ihres Masterstudiengangs aus, bevor sie sich in die Öffentlichkeit wagten. Doch auch ihr Auftritt ist ein voller Erfolg: Gecoverte wie auch selbst komponierte Lieder begeistern das Publikum und sorgen für viel Applaus.

Als CampusKunst nach über drei Stunden ein Ende findet, freuen sich Einige schon auf das nächste Mal: „Wir sind überrascht, dass es so schnell zu Ende ist. Eine After-Show-Party wäre klasse“, sagt Ivonne Friedrich. Und ihre Freundin Tini Seppl-Mair fügt hinzu: „Schade, dass es das nicht öfter gibt.“