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Integrationsbeirat: Akcays Rücktritt würde eine zweite Chance eröffnen

Warum Ahmet Akcay zurücktreten muss

Kommentar von Siegfried Zagler

Man muss nicht lange ausholen: Dass Ahmet Akcay Vorsitzender des Augsburger Integrationsbeirats wurde, ist einer der unverständlichsten Vorgänge, die es aus personalpolitischer Sicht je in dieser Stadt gegeben hat. Übertroffen wird dieser Missstand nur noch von der Tatsache, dass Akcay – nach den Vorgängen am 31. Oktober im Goldenen Saal – immer noch im Amt ist.

Laut Satzung soll der Integrationsbeirat „die Interessen der Augsburger mit Migrationshintergrund vertreten und dabei deren Vielfalt und Heterogenität berücksichtigen“. Der Vorsitzende hat hierbei eine herausgehobene Position, er alleine vertritt den Beirat nach innen wie nach außen und hat somit große Verantwortung dafür, dass der Integrationsbeirat im Sinne seiner Satzung arbeitet. Beiräte sollen und müssen immer um Konsens und um breite Mehrheiten ringen.

Eine schwere Aufgabe, die nur von integren und integrativen Persönlichkeiten gestemmt werden kann. Davon ist Ahmet Akcay Lichtjahre entfernt. Laut Polizeiinspektion Mitte habe Akcay auf einer „erhitzten“ Anti-Israel-Demonstration nicht nur einfach teilgenommen, sondern auch einen sehr aktiven Part gespielt. Natürlich kann man die Auffassung vertreten, dass der Staat Israel eine falsche Politik betreibt, doch wenn sich ein Integrationsbeiratvorsitzender dergestalt öffentlich positioniert, wie Akcay das laut Polizeiaussagen auf der „türkischen Demonstration“ am 10.1.2009 getan haben soll, sollte das das Ende seiner Amtszeit einläuten.

Wenig später legten Ahmet Akcay und die „Islamische Liste“ bei der Besetzung der Ausschusssprecher offenbar großen Wert darauf, fast alle Posten mit „eigenen Leuten“ zu besetzen. Münchens Oberbürgermeister Ude war über dieselbe Vorgehensweise verwandter Organisationen in München so erbost, dass er bis heute der neuen Vorsitzenden die Zusammenarbeit und das gemeinsame Foto verweigert hat.

Den Schlusspunkt setzten nun die Vorgänge während des städtischen Festaktes im Rathaus am 31. Oktober dieses Jahres. Nachdem Akcay das Schlusswort mit Dank an die Stadt zugesprochen worden war, hatte er nach den parteipolitischen Reden der drei AKP-Vertreter die Gelegenheit, diesen schweren Fauxpas auf einem städtischen Festakt postwendend zu entschuldigen. Stattdessen goss er Öl ins Feuer, kritisierte die Nichtanwesenheit der Bundestagsabgeordneten und hinterließ endgültig ein irritiertes Publikum. Der Vorsitzende des Augsburger Integrationsbeirates hat mit seinem Agieren bisher nicht nur das Amt beschädigt, sondern er konterkariert auch die erfolgreiche Arbeit der hauptberuflichen städtischen Integrationsbeauftragten und somit die Integrationspolitik der Stadt.

Die Integration der zirka 100.000 in Augsburg lebenden Bürger mit Migrationshintergrund ist eine der wichtigsten und vornehmsten Aufgaben dieser Stadt. In dieser Angelegenheit ist die gesamte Bürgerschaft gefordert. Dafür ist aber auch ein über jeden Zweifel erhabener Integrationsbeirat notwendig. Dieser ist jedoch ein gespaltenes und unversöhnlich zerstrittenes Gremium. Die Verantwortung dafür trägt Ahmet Akcay. Sein Rücktritt würde dem Beirat eine zweite Chance eröffnen.



„Babylonische“ Musik im MAN-Museum

Am vergangenen Sonntag begeisterte „Mehr Musik!“ mit einem phantastischen Konzert im Goldenen Saal (DAZ berichtete) – am heutigen Mittwoch findet, erneut unter der Regie von Ute Legners Neue-Musik-Projekt und wiederum im Rahmen des Festivals der 1000 Töne, ein weiteres Konzert statt. Diesmal an ungewöhnlichem Ort: Im MAN-Museum wird in der Reihe „Zukunftsmusik“ das Programm „Babylon“ gespielt.

Im MAN-Museum musizieren am heutigen Mittwochabend wirken Mitglieder der „Neuen Vocalsolisten Stuttgart“ (Foto), des Egyptian Contemporary Music Ensemble sowie des Augsburger Ensemble Zukunftsmusik; es dirigiert Carolin Nordmeyer.

Im MAN-Museum musizieren am heutigen Mittwochabend wirken Mitglieder der „Neuen Vocalsolisten Stuttgart“ (Foto), des Egyptian Contemporary Music Ensemble sowie des Augsburger Ensemble Zukunftsmusik; es dirigiert Carolin Nordmeyer.


Obwohl die Idee zu diesem Projekt bereits vor der Revolution in Ägypten entstanden ist, bekommt die Zusammenarbeit zwischen ägyptischen und deutschen Musikern in diesem Konzert durch die aktuelle politische Lage eine besondere Brisanz: Während sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo erneut Demonstranten und Staatsmacht gegenüberstehen, soll die Musik am heutigen Abend für Völkerverständigung stehen, für kulturellen Austausch und den Willen, gemeinsam durch Kunst kulturelle Grenzen zu überwinden. Mitglieder des Egyptian Contemporary Music Ensemble, der Neuen Vocalsolisten Stuttgart sowie des Augsburger Ensemble Zukunftsmusik treten in musikalischen Dialog und interpretieren gemeinsam Neue Musik von Komponisten der arabischen Welt.

„White Shroud“ beispielsweise, ein Werk des ägyptischen Komponisten Ahmed Madkour, setzt sich theatralisch und klangmalerisch mit dem Vorhersehen und dem Erinnern auseinander, sein neues Werk „The Cedar Forest“ ist der erste Teil einer Vertonung des gesamten Gilgamesch-Epos. Auch der ägyptische Dirigent, Komponist und Leiter des Kulturzentrums der neu errichteten Bibliotheca Alexandrina Sherif Mohie El Din hat sich der Babylon-Thematik angenommen. Er stellt im MAN-Museum sein neues Werk „Three Moods“ vor – eine Komposition, die im Auftrag von „Mehr Musik!“ entstanden ist. Es soll als Anspielung auf die babylonische Sprachverwirrung verstanden werden und steht damit als Symbol für die zu überwindenden Barrieren in einer von Kommunikationsmedien überfluteten globalisierten Gesellschaft.

Das Stück „Instability Ω“ des Ägypters Amr Okba wurde von einer Gondelfahrt in Venedig inspiriert und spielt musikalisch mit den leisen Wellenbewegungen des Wassers im Winter. Das Thema der Gedanken- und Redefreiheit greift der palästinensisch-israelische Komponist Samir Odeh-Tamimi in seinem Vokalwerk „Ka Ana Ha“ auf. Das Stück ist Teil einer größeren Komposition mit dem Titel „Garten der Erkenntnis“, die im Februar 2011 beim ECLAT-Festival in Stuttgart uraufgeführt wurde. In ihr nimmt der Komponist Stellung zur Verfolgung von Künstlern und Intellektuellen des Orients. Die Prélude aus dem Werk „Night Falls“ (2010) des Iraners Arash Safaian schließlich ist Musik eines jungen Weltbürgers, der seine Eindrücke in eine Musiksprache übersetzt, in der die Grenzen aufgehoben zu sein scheinen – ganz anders als in der Realität.

Karten zu 15 € (10 € ermäßigt) gibt es beim Besucherservice des Stadttheaters, bei der Theatergemeinde und an der Abendkasse.



Bezirk Schwaben vergibt Ehrenamtspreis 2011

Auszeichnung für den Verein „Selbsthilfe Augsburger Psychiatrieerfahrene (SAP)“

Menschen mit einer psychischen Erkrankung haben oftmals mit vielen weiteren Folgen zu kämpfen: Soziale Isolation, berufliche Konsequenzen, eine sich verändernde Familiensituation. Viele Psychiatrie-Erfahrene neigen daher eher dazu, ihre Krankheit zu verschweigen, als offen mit ihr zu leben.

Hier setzt der Verein “Selbsthilfe Augsburger Psychiatrieerfahrene (SAP)” an. Seit nunmehr neun Jahren ist er eine verlässliche Anlaufstelle für Menschen mit und nach einer psychischen Erkrankung. Rund 45 ehrenamtlich tätige Mitglieder, überwiegend Menschen mit eigener Psychiatrie-Erfahrung, begegnen sich hier auf Augenhöhe. Vergangene Woche wurde der Verein mit dem mit 5.000 Euro dotierten Ehrenamtspreis des Bezirks Schwaben ausgezeichnet, der heuer zum zweiten Mal vergeben wurde.

Jury würdigt Kontinuität und hohen Zeiteinsatz

“Die SAP zeichnet sich durch ein hohes Maß an Kontinuität, Selbsthilfe, Eigenverantwortung und Unabhängigkeit aus”, so Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert in seiner Laudatio. “Die Zusammenarbeit mit professionellen Mitarbeitern in der Psychiatrie, mit Angehörigen und mit der Öffentlichkeit wird gesucht, ist aber für das eigenständige Funktionieren des Vereins nicht ausschlaggebend”, bestätigte Gerd Schulze. Der Fachmann für Sozialpsychiatrie, bis zu seinem Ruhestand Leiter der betreffenden Abteilung beim Diakonischen Werk Augsburg, war neben Manfred Klopf, SPD, weiterer stellvertretender Bezirkstagspräsident und Gertrud Kreutmayr, Leiterin der Sozialverwaltung des Bezirks, in der Jury.

Vertreter der Selbsthilfe Augsburger Psychiatrieerfahrene (links) mit Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert (4.v.r.) und den Jurymitgliedern Manfred Klopf, Gerd Schulze und Gertrud Kreutmayr. (Foto: Bezirk Schwaben)

Offene Angebote für jedermann bauen Vorbehalte ab

Auch den hohen Zeiteinsatz honorierte die Jury: So bietet die SAP seit Jahren im Haus Tobias in Augsburg ein Sonntagscafé an, das als Treffpunkt am Wochenende für viele Menschen eine sehr wichtige Funktion gegen soziale Isolation und Einsamkeit erfüllt. Ebenso bietet der Verein regelmäßig Vorträge und Veranstaltungen für seelisch Kranke und Interessierte an. Die Angebote sind offen für jedermann – dadurch trägt die SAP dazu bei, Vorbehalten und Ängsten gegenüber der Thematik entgegenzuwirken.

Mit viel Engagement beteiligen sich die Mitglieder der SAP auch an fachlichen Gremien, unter anderem als zuverlässige Ansprechpartner im Gemeindepsychiatrischen Verbund, und leisten wertvolle Mitarbeit an dem derzeit entstehenden Kriseninterventionsdienst für die Stadt Augsburg und die beiden angrenzenden Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg.



Haushalt: SPD gegen Kürzungen beim Stadtjugendring

Die jugendpolitische Sprecherin der SPD-Stadtratsfraktion, Susanne Fischer, hat gestern via Pressemitteilung die Reaktion des Stadtkämmerers auf die Aktion „Lass dich nicht streichen“ des Stadtjugendrings kritisiert.

„Gerade für die Zukunft der Jugend und damit für unsere Stadt insgesamt ist es wichtig, in diesem Bereich eben nicht zu sparen. Die genannten 110.000 Euro bedeuten eine Stellenstreichung von bis zu drei Vollzeitstellen im Bereich „Streetwork“ beziehungsweise bei den Jugendzentren des Stadtjugendrings“, so Fischer, die davor warnte, das Sparvorhaben tatsächlich umzusetzen. Nach Auffassung der SPD-Stadträtin wäre dadurch die nachhaltige und hoch angesehene Arbeit des Stadtjugendrings mit seinen vielen bayernweit beachteten Projekten stark gefährdet. „Wenn der Kämmerer in seinem Brief pathetisch davon spricht, das Erbe der Jugend nicht zu verfrühstücken“, müsse er von den Kürzungen Abstand nehmen, so Fischer. „Die SPD-Fraktion wird diese nicht mittragen.“