DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

„Ich hätte nie gedacht hier alt zu werden!“

Unter diesem Titel findet zum 50. Jahrestag des Anwerbeabkommens Deutschland -Türkei am morgigen Mittwoch, 9. November (19 Uhr) im Augustana-Saal (Annahof 4) eine Podiumsdiskussion statt. Sait Icboyun moderiert, geladen sind Zeitzeugen der ersten Generation, Diplompsychologin Fatma Sürer, Bekir Alboga (Diaologbeauftragter der türkisch-islamischen Union der Anstalt für Religion /DITIP) und Stadtrat Karl-Heinz Schneider. Veranstalter ist das Interkulturelle Netz Altenhilfe. Der Eintritt ist frei.



Der Winter kann kommen

Gut vorbereitet auf einen harten Winter präsentierte sich gestern der städtische Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb aws den Medien.

"Unfallvermeidung ist das oberste Ziel": Umweltreferent Rainer Schaal

"Unfallvermeidung ist das oberste Ziel": Umweltreferent Rainer Schaal (rechts)


Im Stadtreinigungsdepot Ost in der Johannes-Haag-Straße erläuterte Umweltreferent Rainer Schaal Details zum Winterdienst. 5.000 Tonnen Salz, 1.000 Tonnen Splitt-Salz-Gemisch und 1.000 Tonnen Splitt hat der aws allein in diesem Depot, einem von insgesamt fünf im Stadtgebiet, eingelagert. 150 aws-Mitarbeiter, 20 Groß-Streufahrzeuge und 45 kleinere Fahrzeuge stehen bereit, um 200 “Streukilometer” auf Augsburgs Hauptverkehrsstraßen zu bewältigen.

Hauptverkehrsstraßen besitzen oberste Priorität

Trotz der großen Ressourcen ist es für den aws aber nicht möglich, alle Augsburger Straßen zu räumen, schon gar nicht gleichzeitig, erläutert Schaal. Da die Sicherheit oberste Priorität habe, konzentriere sich der aws beim Winterdienst in erster Linie auf die Hauptverkehrsstraßen, so der Umweltreferent. Ab 4 Uhr morgens werde ausgerückt. Vorrangig gestreut würden Fahrbahnen mit öffentlichem Personennahverkehr, hohem Verkehrsaufkommen und gefährlichen Straßenabschnitten wie Kreuzungen und Einmündungen sowie Fußgängerüberwege. “Unfallvermeidung ist das oberste Ziel”, so Schaal, der die Bürger bittet, Gefahrstellen mitzuteilen.

Erst danach werde der Winterdienst je nach Verkehrsbedeutung auf die weiteren Straßen im Stadtgebiet ausgedehnt. “Wo keine Gefahr, da keine gesetzlichen Pflichten”, so Schaal. Das gilt allerdings nur für die Kommunen. Die Bürger sind in Augsburg als Anlieger verpflichtet, alle Gehwege bei Schneefall zu räumen und bei Glätte mit Splitt, Sand oder anderen abstumpfenden Mitteln zu sichern. Außerdem muss Eis auf dem Gehweg entfernt werden. Rechtsgrundlage ist die Straßenreinigungs- und Sicherungsverordnung, die den Bürgern die Räum- und Streupflicht werktags ab spätestens 7 Uhr bis 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen ab spätestens 8 Uhr bis 20 Uhr auferlegt.

Splittkisten werden abgebaut

Begehrt: Splitt in der Salzhalle im Stadtreinigungsdepot Ost

Begehrt: 1.000 to Splitt in der Salzhalle im Stadtreinigungsdepot Ost


Im kommenden Winter wird den Bürgern die Erfüllung ihrer Pflicht deutlich erschwert: Aus Kostengründen will die Stadt die Bereitstellung von Splitt in den bisher 273 im Stadtgebiet verteilten Splittkisten abschaffen. 2.500 Tonnen Streugut holten sich die Augsburger im vergangenen Winter dort ab. Mit der Einstellung dieser freiwilligen Leistung will die Stadt rund 180.000 Euro jährlich einsparen.

Diesen Winter soll es allerdings noch kostenlosen Splitt geben: In den vier Stadtreinigungsdepots Ost (Johannes-Haag-Straße 29), Nord (Nordfriedhofstraße 14), Süd (Isarstraße 1) und West (Hessingstraße 16) wird er in haushaltsüblichen Mengen abgegeben (Öffnungszeiten: Mo-Do 8-15 Uhr, Fr 8-12 Uhr). Ab dem darauf folgenden Winter soll es überhaupt keinen kostenlosen Splitt mehr geben – wie jetzt schon in München, Nürnberg, Würzburg und Ingolstadt, worauf Umweltreferent Rainer Schaal gestern hinwies. Die letzte Entscheidung über die Sparmaßnahme fällt der Stadtrat in seiner kommenden Sitzung.

» Straßenreinigungs- und Sicherungsverordnung (pdf, via Stadt Augsburg)



FCA: Ballfieber in Augsburg

Der FCA ist in der Ersten Liga angekommen

Von Claudia Roth



Auch wenn der FC Augsburg ohne Punkte aus dem Spiel gegen den FC Bayern nach Hause ging: Die Partie hatte fast alles, was Fußball spannend macht. Um das zu belegen, hole ich mir etwas publizistische Schützenhilfe bei Nick Hornby, einem der bekanntesten britischen Literaten unserer Zeit. In seinem Buch „Fever Pitch – Ballfieber“ hat er die wichtigsten Merkmale für spannende Spiele aufgelistet. Fast alles davon war bei der Partie des FC Augsburg gegen FC Bayern zu erleben.

1. Die Tore: Für Hornby ist der beste Sieg einer, bei dem man zur Halbzeit mit 0:2 zurück lag. Nun gut, den späten Sieg gab es für Augsburg leider nicht mehr. Aber es war doch einiges drin. Eine energiegeladene Mannschaft ging in die zweite Halbzeit und konnte im Kräftemessen gegen die Münchner Spieler mithalten. Die Leistung des FC Bayern hingegen nahm in den letzten Minuten drastisch ab.

2. Die Schiedsrichterentscheidungen: Diese waren dem Spiel beider Vereine angemessen. Einzig die Augsburger Fans erlebten eine Schrecksekunde, als es darum ging, ob das 1:2 für Augsburg auch wirklich gegeben wird. Der Ball war so schnell im Tor und wieder draußen, da war ich wirklich froh, dass es eine rasche, klare und korrekte Entscheidung gab: Tor für Augsburg.

3. Eine lautstarke Zuschauermenge: Von Anfang an standen die Augsburger Fans hinter ihrem Team. Auch das 0:2 ließ keine Zweifel aufkommen. Der FC Augsburg gab sich nicht auf und fand zu einem starken Spiel. Und lautstarke Fangesänge auf allen (!) Tribünen waren der Lohn dafür.

4. Regen und ein glitschiger Boden: Nein, Regen gab es wirklich nicht. Also auch keine Schlammschlacht, wenn man einmal vor der medialen Vorberichterstattung zur Partie absieht. Da warnten manche, es werde ein „Schützenfest“ für die Bayern werden. Die Bayern wiederum warnten sich selbst vor Augsburg und – mangels Schweinsteiger – vor einem schweren Spiel.

5. Ein Spieler des gegnerischen Teams sieht die rote Karte: Ein Platzverweis kann so einiges über einen Spielverlauf aussagen. Nicht von ungefähr sammelten die Bayern in der zweiten Halbzeit gelbe Karten, bis hin zur roten Karte für Timoschtschuk nach einem ganz groben Einsteigen. In der zweiten Hälfte dominierte klar das Augsburger Team. So nahe am 2:2-Ausgleich, so viele Beinahe-Tore, so viel Arbeit für Manuel Neuer – das hatte der FC Bayern nicht erwartet.

6. Irgendein „unangenehmer“ Zwischenfall: Als hätte die Dramaturgie des Spiels sich exakt an Nick Hornby gehalten, tauchte gegen Ende des Spiels plötzlich ein Flitzer auf und rannte einmal quer übers Feld. Den Spielern und Verantwortlichen des FC Augsburg stand die Überraschung ins Gesicht geschrieben, denn das hatte es hier selten gegeben.

Den meisten Tippergebnissen und vielen Erwartungen zum Trotz hat Augsburg gezeigt, was für eine starke Leistung die Mannschaft abrufen und über lange Zeit halten kann. Wenn der Druck dann zum Schluss nochmal gesteigert wird, bringt dies sogar einen FC Bayern aus dem Konzept. Jos Luhukay und sein Team müssen mit diesem Mut auch in die nächsten Spiele gehen. Auch wenn das Spiel verloren ging, der Abend des 6. November hat eines gezeigt: Augsburg ist in der 1. Liga angekommen.

Zur Autorin:



Claudia Roth mit Andreas Rettig

Claudia Roth mit Andreas Rettig


Über die Grüne Bundestags-abgeordnete Claudia Roth muss man nicht viele Worte verlieren. Nach dem Ausstieg Joschka Fischers ist sie das Gesicht der Grünen. Sie ist eine (von zwei) Vorsitzenden der Bundes-Grünen und gehört zu den präsentesten und bekanntesten Politikern in Deutschland.

Das Buch, das Frau Roth zu ihrem Fußballkommentar inspiriert hat, ist ein großartiges Buch über Arsenal London und den Sinn und Unsinn des Lebens, also ein Buch über den männlichen Reflex, das Erwachsenwerden so lange wie möglich hinauszuschieben.