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Bayern zu Gast beim Bundesligist FCA: „Ein Traum, was sonst?“

Von Siegfried Zagler

FCA-Fans Kurt Gribl und Horst Seehofer bei der Stadioneröffnung im Sommer 2009 - Foto: Gaby Zweck

Kurt Gribl und Horst Seehofer bei der Stadioneröffnung im Sommer 2009 - Foto: Gaby Zweck


Heinrich von Kleists Drama „Prinz Friedrich von Homburg“ dreht sich im Kern darum, dass ein Prinzen-General aus Versehen einen Befehl zum Angriff gibt, und damit einen ausgetüftelten Schlachtplan des Kurfürsten unterläuft. Der Prinz wird, obwohl sein Befehl die Schlacht gewinnt, zum Tode verurteilt. Bei Kleist wird Prinz Friedrich von Homburg, der sich heldenhaft seinem Schicksal hinzugeben wähnt, am Ende begnadigt, aber dennoch mit verbundenen Augen vor das Exekutionskommando geführt. Der Prinz fällt in Ohnmacht und will später wissen, ob alles nur ein Traum gewesen sei. „Ein Traum, was sonst“, antwortet Obrist Kottwitz vom Regiment der Prinzessin von Oranien. Ähnlich könnte es den Augsburgern Kickern am morgigen Sonntag gegen 19 Uhr 20 nach dem Schlusspfiff der 12. Bundesligarunde ergehen, falls der FC Bayern Gnade walten lassen sollte. „Alles nur ein Traum?“ müsste ihre Frage an Feldmarschall Jos Luhukay von Oranien lauten. „Ja, Männer, alles nur ein Traum!“

Das übliche Theater um Taktik und Aufstellung interessiert kaum jemand

Prinz von Homburg? Mit diesem Titel hätte sich Uwe Klimaschefski nicht zufrieden gegeben. Klimaschefski war zu seiner Zeit König im Saarland. Ein Fußball-Trainer-Riese einer farblosen saarländischen Mannschaft, die weder durch ihren Hauptsponsor (Kondomhersteller “London”) noch durch ihre spektakuläre Siege gegen die Bayern jemals einen fußbreit über das Graue-Maus-Image hinauskam. Der FC 08 Homburg konnte den ruhmreichen FC Bayern gleich zweimal deutlich und völlig verdient bezwingen: in den Siebzigern im Pokal und in den Achtzigern in der Bundesliga. An Klimaschefski und an der Unbeschwertheit, mit der die Homburger Spieler seinerzeit die Bayern vorführten, sollte sich Luhukay orientieren, nicht an den lustigen Pokal-Girlanden Weinheim oder Vestenbergsgreuth.

Gribl: „Der FCA hat tolle Fans und großen Kampfgeist“

Ohne Axel Bellinghaus, Uwe Möhrle und Simon Jentzsch sind in der Relation die Augsburger zwar weniger geschwächt als die Münchner durch den Ausfall Schweinsteigers, doch das übliche Theater um Aufstellung und Taktik interessiert am Vorabend einer Veranstaltung ohne Wettbewerbscharakter ohnehin kaum jemand. Zu ungleich sind die sportlichen Voraussetzungen, um über Sport reden zu wollen. Das ist bei gewöhnlichen Fußball-Fans nicht anders als beim Bayerischen Ministerpräsidenten: „Für das bayerische Derby zwischen dem FCA und dem FC Bayern München am Sonntag wünsche ich den Zuschauern ein mitreißendes Match mit begeisterndem Offensivfußball, das von der ersten bis zur letzten Minute spannend bleibt. Als Bayerischer Ministerpräsident werde ich keinen Spieltipp abgegeben, nur so viel: Ich hoffe, dass die Spiele FCA gegen Bayern zum Bundesligaklassiker werden“, so Horst Seehofer via Mail zur DAZ. Seehofer wäre erster DAZ-Kandidat als Gastautor für das „bayerische Derby“ gewesen, doch gewisse CSU-Turbulenzen und politische Verpflichtungen sorgten dafür, dass Seehofer am Sonntagabend nicht in Augsburg sein kann.

„Davon bin ich fest überzeugt. Der FCA hat tolle Fans und großen Kampfgeist – beides zusammen macht den Klassenerhalt möglich“, so Augsburgs Oberbürgermeister auf die Frage, ob er glaube, dass der FCA die Bundesliga halten könne. Kurt Gribl wird im Stadion sein und nicht nur den FCA anfeuern, sondern auch ein bewundernden Blick auf den Gegner werfen. „Wir können stolz sein, dass wir mit den Bayern in einer Klasse spielen und die Topstars in Augsburg antreten müssen“, so Gribl, der sich wie Seehofer um einen konkreten Ergebnis-Tipp drückte, aber davon ausgeht, dass sich der FCA wacker schlagen – und sich nicht unter Preis verkaufen werde.