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„Augsburger Literaturgespräche“ mit gutem Start

Die neue Reihe unterscheidet sich deutlich vom „Literarischen Salon“

Von Frank Heindl

Den literarischen Salon im Foyer des Stadttheaters gibt’s schon länger. Sensemble-Leiter Sebastian Seidel hat nun einen weiteren Debattierclub aus der Taufe gehoben, in dem es um zeitgenössische Literatur geht. Das erste Mal hat bereits stattgefunden und man kann zusammenfassend sagen: Wenn auch diese Diskussionsreihe ihr Publikum findet und sich die beiden Veranstaltungen nicht gegenseitig das Publikum abgraben, dann hat Augsburg nun ein weiteres hochkarätiges Literaturforum.



In Kooperation mit dem Bezirk Schwaben, dem Evangelischen Forum Annahof und der Uni Augsburg sowie mit finanzieller Unterstützung des Wissenschaftsministeriums in München soll in Zukunft sechsmal jährlich über Literatur diskutiert werden. Dabei verfolgen Seidel & Co. ein deutlich anderes Konzept als der vom Augsburger Literaturteam in Kooperation mit dem Stadttheater veranstaltete „Literarische Salon“, wo ausschließlich über Neuerscheinungen aus der ganzen Welt diskutiert wird. Bei Seidels „Literaturgesprächen“ sollen dagegen Übersetzungen keine Chance haben. Hier wird es ausschließlich um deutschsprachige Literatur gegen, mit einem weiteren geographischen Schwerpunkt: Jeweils ein Autor der besprochenen Bücher soll aus Schwaben stammen. Das hört sich zunächst ein bisschen nach Provinz an, hat aber interessante Aspekte, wie schon das erste Literaturgespräch zeigte, in dem die grüne Stadträtin Eva Leipprand ihr 2002 erschienenes Buch „Woher alles kommt“ vorstellte. Denn auch um Neuerscheinungen muss es sich beim Literaturgespräch nicht zwingend handeln. Beim ersten Mal wurden des Weiteren Martin Walsers „Ein springender Brunnen“ von 1998 und Georg Kleins in Augsburg-Oberhausen handelnder „Roman unserer Kindheit“ von 2010 besprochen. Der Veranstaltungsort der Literaturgespräche wird wechseln: Sie werden jeweils einmal im Forum Annahof, beim nächsten Mal im Sensemble Theater stattfinden – dort darf man auch mit entspannter Atmosphäre rechnen, weil man in Barbereich des Theaters sitzen wird und sich das Publikum dort auch mit Getränken versorgen kann (siehe auch das untenstehende Interview mit Sebastian Seidel, dem Leiter des Sensemble Theaters).

Ein Thema, drei Romane

Die Runde der Diskutanten soll sich immer aus einem „Hobbyleser“, einem „Literaturprofi“ und einem „Literaturexperten“ von der Uni zusammensetzen. Neben Leipprand als „Profi“ diskutierten im Oktober der Inhaber des Lehrstuhls für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Prof. Mathias Mayer, und Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl. Das Gespräch, moderiert von Pfarrer Dr. Nikolaus Hueck, hatte hohes Niveau, die Romane wurden den zahlreichen Zuschauern (es waren ca. 80 gekommen, der Raum des Anna-Forums schien fast zu klein) intensiv vorgestellt und nahegebracht – auch ein schwieriger, dicker „Schinken“ wie Georg Kleins Augsburg-Roman wurde ausführlich, kontrovers und unter sehr reger Anteilnahme des Publikums diskutiert. Ein weiterer Pluspunkt des Konzeptes: Die vorgestellten Romane werden von einer thematischen Klammer zusammengehalten, diesmal war das die „Kindheit“.

Vor- wie Nachteil des Konzeptes ist es, dass längst bekannte Bücher besprochen werden: Viele im Publikum waren zumindest beim ersten Mal offensichtlich gekommen, weil sie wenigstens eines der Bücher schon kannten und ihre Auseinandersetzung mit dem Gelesenen vertiefen wollten. Wer ohnehin fleißig liest, vieles kennt und eher Anregungen für neue Lektüre sucht, der ist beim „Literarischen Salon“ besser aufgehoben – dessen Publikum ist eher auf der Suche nach neuem Lesestoff, will sich über Unbekanntes informieren, kann dafür nicht so eifrig mitdiskutieren.

Das nächste Augsburger Literaturgespräch findet am Mittwoch, den 30.11. im Sensemble Theater statt. Das Thema ist „Wasser“. Grund dafür ist der Schwäbische Literaturpreis, dessen Ausschreibung diesmal das Thema „Fluss“ vorgegeben hatte. Die Siegerin des Wettbewerbs, Ute Fuchs-Prestele, wird aus ihrem Text „Höll Gasse 8“ lesen.

» Durchs schwäbische Fenster nach draußen – Interview mit Sebastian Seidel



Durchs schwäbische Fenster nach draußen

Sebastian Seidel über seine neue Literaturreihe

Sebastian Seidel

Sebastian Seidel, Leiter des Sensemble Theaters, hat die "Augsburger Literaturgespräche" aus der Taufe gehoben.


DAZ: Herr Seidel, wie war die Resonanz auf das erste Mal „Augsburger Literaturgespräche“?

Seidel: Die war sehr positiv!

DAZ: Ist es für manche Menschen nicht womöglich abschreckend, dass da nur „alte“ Bücher besprochen werden, die „man“ eh schon kennt?

Seidel: Das ist gar nicht unser Ansatz, dass alle Zuhörer die Bücher gelesen haben müssen. Man hat ja auch beim ersten Mal gesehen, dass das Publikum zwar etwa zu Georg Kleins „Roman unserer Kindheit“ sehr viele Fragen hatte, weil das Buch bekannt war. Andererseits hat Peter Fassl „Ein springender Brunnen“ von Martin Walser sehr ausführlich vorgestellt, und das war dann wieder gerade für die Leute interessant, die das Buch nicht kannten.

DAZ: Kann man diese neue Literaturreihe als Konkurrenzveranstaltung zum Literarischen Salon im Stadttheater sehen?

Seidel: Nein – ich sehe unsere Reihe als Ergänzung. Beim Literarischen Salon war ich ja auch mit dabei – das ist eine gute Veranstaltung. Die neue Reihe ist aber definitiv etwas anderes. Wir machen keine Übersetzungen, wir machen einen Themenschwerpunkt und wir wollen immer einen Autoren dabei haben, der sicher aus einer ganz anderen Warte Auskunft über sein Buch geben kann und unter Umständen einen ganz anderen Blick hat als die Leser.

DAZ: Apropos Themenschwerpunkt: Gibt’s da genügend Themen, die sich sinnvoll darstellen lassen?

Seidel: Nächstes Mal haben wir das Thema „Wasser“ – das hat sich aus dem Literaturpreis des Bezirks Schwaben ergeben, dessen Gewinner wir nächstes Mal als Autor bei uns haben. Danach kommt eventuell das Thema „Familie“. Ich kann Ihnen versichern, ich habe einen ganzen Haufen von Vorschlägen auf dem Tisch – das ist ganz sicher nicht das Problem. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Veranstaltung, die ja bei uns im Sensemble Theater stattfinden wird – da wird die Atmosphäre anders sein, lockerer, weil wir dann im Barbereich sitzen werden, wo die Leute auch was trinken können …

DAZ: Ein anderes Problem könnte der Blick auf die schwäbische Literatur sein – hat das nicht einen Hauch von Provinzialität? Und werden Ihnen da nicht am ehesten die Themen ausgehen und die niveauvolle Auswahl?

Seidel: Auch da mache ich mir keine Sorgen – es gibt zum Beispiel am Bodensee noch viele Autoren, die teilweise auch über den Schwäbischen Literaturpreis bekannt sind. Was die Provinzialität anbelangt: Natürlich haben wir darüber nachgedacht, ob wir da nicht einen zu schmalen Ausschnitt bieten. Aber wir sind zu der Ansicht gekommen, dass sich in der hiesigen Literatur, auch wenn sie nicht zur Avantgarde gehört, doch die Literatur der Welt abbildet – durch dieses Fenster schauen wir nach draußen, und das ist ein Blickwinkel, der auch erhellend sein kann.

DAZ: Kommt dann demnächst der Kluftinger zum Literaturgespräch?

Seidel (lacht): Aus der Reihe soll es ja bessere und schlechtere Bücher geben – darüber haben wir noch überhaupt nicht nachgedacht. Aber das Thema „Krimi“ könnte eine gute Idee sein.

DAZ: Herr Seidel, vielen Dank für das Gespräch.

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Fragen: Frank Heindl



Wahrheit zeigt sich nicht auf dem Platz

Was der FCA von der Augsburger Allgemeinen lernen kann

Kommentar von Siegfried Zagler



Nachdem die Augsburger Allgemeine den FCA nach der Bundesliganiederlage in Köln über Gebühr heruntergeputzt hatte, machte sich gestern Tilmann Mehl darüber Gedanken, wie die Augsburger Profi-Fußballer kommenden Sonntag den FC Bayern bezwingen könnten. Der FCA hat in Köln nicht schlechter gespielt als in Mainz, wo die Brechtstädter bekanntermaßen ihren ersten Bundesligasieg einfuhren, doch darum soll es hier nicht gehen.

Soviel vorab: Tilmann Mehl ist ein Kollege mit analytischem Fußballverstand und einer quicklebendigen Feder. An der Herkulesaufgabe, eine Augsburger Sieger-Strategie gegen die Bayern zu entwickeln, hat sich Herr Mehl allerdings schwer verhoben: „Als der SSC Neapel dazu überging, mit kleineren und größeren Gemeinheiten zu Werk zu gehen, verloren die Münchner endgültig ihre Linie. (…) Die spielerischen Feingeister wussten nicht, wie ihnen geschieht. (…) Die Bayern verloren ihren kühlen Kopf und ließen sich von den Italienern runterziehen. Das könnte auch ein Mittel der Augsburger sein. Kurz am Trikot zupfen, auf die Füße steigen, sich übertrieben wälzen nach Foulspielen – einfach Emotionen aufs Feld bringen und so die Münchner aus dem Takt bringen“, so Mehl in der Augsburger Allgemeinen online. Anders gesagt: Der FCA soll schmutzig spielen und die Münchner mit Unsportlichkeiten und Schauspielereinlagen zu Tätlichkeiten und anderen Dummheiten provozieren.

„Emotionen“ sind nichts für Feingeister und Fußball a la Serie A spielt der FCA mit seiner Defensivstrategie ohnehin. Und zum Theater der Unsportlichkeit gehört die Sprache. Was spricht also dagegen, den italienischen Antifußball der Augsburger mit einem nützlichen Sprach-Repertoire im Stile von Marco Materazzi weiter zu entwickeln? – Doch nun soll es auch genug sein. Wir wollen es nicht auf die Spitze treiben und es Herrn Mehl nicht wirklich übelnehmen, dass er bei seinem Coaching-Artikel („Was der FCA von Neapel lernen kann“) ein wenig die Übersicht verloren hat. „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“, hat ein gewisser Otto Rehagel bei solchen Gelegenheiten gesagt. Doch auch das ist Unsinn. Wahrheit dauert keine 90 Minuten und ist für Sterbliche nur in den seltensten Fällen zugänglich. Wahrheit zeigt sich nicht im Spiel namens Fußball; alles andere zuweilen sehr schmerzhaft.



Marracash Orchestra in der Ballonfabrik



Im Rahmen ihrer “Diky Very Motz 2011” Tour gastiert das Marracash Orchestra am morgigen Samstag, 5. November in Augsburg. „Die Musik des Dresdner Sextetts verwischt die Grenzen zwischen Dub, Punk, Drum ‘n’ Bass Hip Hop und einigem mehr. Marracash Orchestra präsentieren eine skurrile Bühnenshow, die das Publikum zum Tanzen und Mitmachen animiert“, wie es in einer Pressemitteilung des Managements heißt. Außerdem dabei sind The Mañaners aus Barcelona. – Karten sind an der Abendkasse in der Ballonfabrik Augsburg, Austraße 27 erhältlich. Das Konzerterlebnis startet um 21.00 Uhr.