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Nicht Fisch, nicht Fleisch

Siegfried Zagler über Leander Haußmanns „Hotel Lux“



„Sein oder Nichtsein“ soll, so sagt man, nur deshalb als grandiose Satire über Hitler und die Schergen des Nationalsozialismus möglich gewesen sein, weil man 1942 in den USA das ganze Grauen des Nationalsozialismus noch nicht kannte. Hätte Ernst Lubitsch davon gewusst, wäre seine Satire so nicht möglich gewesen. Interessant ist allerdings die Feststellung, dass Lubitschs komödiantisches Meisterwerk erst weit nach 1945 in den Olymp der Filmgeschichte aufstieg. Die Frage, ob man über Hitler lachen dürfe, haben Charlie Chaplin, Ernst Lubitsch, Mel Brooks und zuletzt Dani Levi eindrucksvoll mit einem politisch unkorrekten Ja beantwortet.

Es fehlt die plausible Auslotung der Figuren

Leander Haußmann und seine Crew haben sich in „Hotel Lux“ mit einer Komödie über Stalin und den Sowjetkommunismus versucht und haben sich – nimmt man Lubitsch als Maßstab – dabei verhoben. Möglichweise mag das daran liegen, dass der kürzlich angelaufene Film zu nah an Lubitsch gebaut ist und  politisch zu korrekt an den historischen Figuren aufgebaut ist oder einfach daran, dass man „Michael „Bully“ Herbig eine Liebesgeschichte nicht abnimmt. Leander Haußmanns Film fehlt die plausible Auslotung der Figuren und das Tempo, um dem Genre der Tragikomödie zu entsprechen. Die Komödie nimmt nie richtig Fahrt auf und flirrt in „ernsten“ Sequenzen ausgesprochen gestelzt über die Leinwand. Zwischendrin beschleicht das Publikum das Gefühl, Haußmann „macht auf Guido Knopp“ – nur eben eine Spur komischer. Es mag unredlich sein, „Hotel Lux“ mit „Sein oder Nichtsein“ zu vergleichen, doch das haben die Macher zu verantworten: Zuviel wird in „Hotel Lux“ aus Lubitschs Welterfolg zitiert.

Ein großartiger Stoff, ein flacher Film

Das „Hotel Lux“ gab es wirklich und es ist heute eine Chiffre für die innere Hölle der „großen Säuberung“. Das historische „Hotel Lux“ war eine Art Zwischenunterkunft für hochkalibrige kommunistische Emigranten. Eine Art „Gästehaus der Kommunistischen Internationale“. Ab 1933 suchten hier Kommunisten aus allen Ländern Schutz vor dem nationalsozialistischen Terror. Tito und Ho Chi Minh, Herbert Wehner und Georgi Dimitroff, Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht lebten und überlebten im Hotel Lux, in dem denunziert, verhört, überwacht, gefoltert und getötet wurde. Haußmann zeigt diesen Unort als dunkles Labyrinth mit langen Fluren ohne Ausgang. Der Film „Hotel Lux“ ist nicht Fisch, nicht Fleisch. Weder Komödie, noch Liebesgeschichte funktionieren im Sinne ihrer etablierten Muster. Es wäre dennoch kein Problem, ein halbes Dutzend Szenen des Films als grandioses Trailer-Potpourri zusammen zu stellen, womit gesagt sein soll, dass Haußmann hinreißende Szenen gelungen sind. Das reicht allerdings nicht aus, um der Geschichte eine überzeugende epische Form zu geben. Der Komiker Hans Zeisig (Michael Herbig), der einfach davonläuft oder sich in einer Abstellkammer versteckt, wenn es brenzlig wird und zufällig im „Lux“ strandet, um dort die Liebe zu entdecken, um über Nacht russisch zu lernen, um anschließend bei den „Vier-Augen-Gesprächen“ mit Stalin den Dolmetscher überflüssig zu machen, ist eine überfrachtete Kunstfigur, die sich durch das Inferno des Terrors kalauert. Am Ende siegt die Liebe und die Freundschaft. Ein großartiger Stoff, ein flacher Film.

Komödie: Deutschland 2011, Regie: Leander Haußmann. Buch: Volker Einrauch, Helmut Dietl, Leander Haußmann, Uwe Timm. Kamera: Hagen Bogdanski. Musik: Ralf Wengenmayr. Produzent: Günter Rohrbach, Anne Leppin, Alfred Hürmer, Günther Rohrbach, Corinna Eich. Darsteller: Jürgen Vogel, Sebastian Blomberg, Thekla Reuten, Samir Osman, Axel Wandtke, Jaymes Butler, Michael Herbig, Alexander Senderovich, Friedrich Karl Praetorius, Gennadiy Vengerov, Sylvia Schwarz, Julius Felsberg. In Augsburg im Cinemaxx, Cinestar und Thalia.



Regio Augsburg Energie e.V. gegründet

Der Wirtschaftsraum Augsburg hat jetzt eine regionale Energieagentur. 20 Gründungsmitglieder, darunter die Stadt Augsburg und die Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg, unterzeichneten am 28. Oktober die Satzung.



Der Verein “Regio Augsburg Energie e.V.” wird als Träger der regionalen Energieagentur fungieren, die Anfang 2012 ihr operatives Geschäft aufnehmen soll. Zentrale Aufgaben werden eine kostenlose, anbieterneutrale Erstberatung, zentrale Informationsbereitstellung, Kontaktvermittlung zu Ansprechpartnern und Erfahrungsaustausche rund um alle Energiefragen sein. Zielgruppen sind private Verbraucher, Kommunen und Unternehmen. Unter den Gründungsmitgliedern finden sich neben den Kommunen Energieversorger, Sparkassen, Baustoffhandel, die Handwerkskammer für Schwaben, Energieberater, Architektenkammer und weitere Unterstützer. Zum ersten Vorstandsvorsitzenden wurde Augsburgs OB Dr. Kurt Gribl gewählt. Die Energieagentur wird vom Freistaat Bayern im „Klimaprogramm Bayern 2010“ mit 40.000 Euro für drei Jahre gefördert. Wo die Agentur ihre Räume haben wird, steht noch nicht fest.

Foto: OB Dr. Kurt Gribl überreicht die Gründungsurkunde an Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Claus Gebhardt; rechts Oswald Silberhorn vom Augsburger Energieberater-Netzwerk e.V.



In eigener Sache: Holzapfel vs. Bublies

Der DAZ-Kommentar bezüglich der Aufwandsentschädigung der Augsburger Stadträte hat der DAZ eine Reihe Danksagungen von Stadträten eingebracht, die sich durch einen Artikel im „Augsburg Journal“ „verunglimpft“ sehen. Ein Dankschreiben kam von Rudolf Holzapfel (Pro Augsburg), der sich aber nicht nur an die DAZ, sondern auch an den Herausgeber des Augsburg Journals, Walter Kurt Schilffarth gewandt hat: „Dieses Pamphlet stellt in meinen Augen eine unsägliche Verunglimpfung des gesamten Stadtrates dar. (…) Dieser unsägliche Artikel fördert die Politikverdrossenheit, weckt eine völlig unsinnige Neid-Debatte und ist im Übrigen grottenschlecht verfasst“, so Holzapfel an Schilffarth.

Gemeint ist das “Abkassieren – das Rathaus-Spiel”, das Wolfgang Bublies, Chefredakteur des Augsburg Journals, in der aktuellen Ausgabe des Magazins entwickelt hat. Bublies, der Auffassung, dass der Augsburger Stadtrat derzeit nicht ernstzunehmen sei, hat sich dem Thema „Stadtrat, Aufwandsentschädigung und Referentengehälter“ quasi „spielerisch genähert“, und dabei humorig-grob den Stadtrat als Gremium von Steuergeldverschwendern dargestellt. „Dass Sie sich über das Rathausspiel aufregen, deute ich vor allem als Indiz dafür, dass wir ins Schwarze getroffen haben. Oder gehen Sie ernsthaft davon aus, dass der Augsburger Stadtrat derzeit ein überzeugendes Bild abgibt?“, so Bublies’ Replik an Holzapfel.

Es entspricht nicht der journalistischen Auffassung der DAZ zu „leaken“, wie Richard Goerlich sagen würde, diesmal konnten wir aber der Versuchung, das uns zugespielte Mail-Duell einzustellen, nicht widerstehen. Nachdem die beiden Kontrahenten ihr Okay gaben, stellen wir den freundlichen Meinungstausch zwischen Boulevard und Stadtrat unseren Lesern im O-Ton zur Verfügung und eröffnen mit diesem Kracher die im DAZ-Kommentar „Der Stadtrat würde sich kleiner machen als er ist“ angemahnte Wertedebatte.

» Meinungstausch Dr. Holzapfel / Wolfgang Bublies (pdf, 12 kB)



FCA in Köln auf Augenhöhe

In einem von spielerischer Armut und zahlreichen Fehlpässen geprägten Bundesligaspiel schlug der 1.FC Köln vor 48.000 Zuschauern im ausverkauften Rhein-Energie-Stadion den FC Augsburg am 11. Spieltag mit 3:0. Der FCA ist in der Tabelle nun endgültig dort, wohin im Sport und im Leben niemand will: unten.

Von Siegfried Zagler

Lukas Podolski (19. und 24. Minute) und Slawomir Peszko (56.) schossen die Tore für die Kölner, über deren schwachen Auftritt es nicht viel mehr zu berichten gibt als eben die geschossenen Tore. Ein giftiger Antritt mit haltbarem Torabschluss von Podolski und ein Elfmetergeschenk von Schiedsrichter Peter Gagelmann, das Podolski sehr sicher verwerten konnte. Das wars für die Kölner in Halbzeit eins, in der bestenfalls aus Sicht der Kölner die zum Strafstoß führende „Clemens-Schwalbe“ Format hatte. Mit dem unberechtigten Elfmeter wurde das Spiel zugunsten der schwächeren Mannschaft vorentschieden. Bis dahin bestimmte der FCA das Match. Sehr früh störend stürzten die Augsburger mit intensivem Pressing und engen Räumen die Kölner in manche Verlegenheit und hätten bereits in der 8. Minute in Führung gehen können, als Axel Bellinghausen in aussichtsreicher Position den Ball nicht unter Kontrolle brachte. Insgesamt generierten die Augsburger mehr Torchancen als die Kölner, hatten mehr Ballbesitz und waren insgesamt die agilere Mannschaft, was allerdings damit zu tun hatte, dass die Kölner erschreckend schwach im Spielaufbau waren und – wie der FCA – im Spiel nach vorne nicht druckvoll zu agieren verstanden. Nach dem Elfmeter kam der FCA ein wenig aus dem Tritt und die Kölner verstanden es nun tatsächlich, das Spiel halbwegs offen zu gestalten.

Der Abstieg ist nun beinahe unvermeidbar

In der zweiten Halbzeit löste Luhukay die Viererkette auf, setzte Gibril Sankoh, der in der 6. Minute für den am Oberschenkel verletzten Uwe Möhrle eingewechselt wurde, wieder auf die Bank, zog den abermals stark spielenden Lorenzo Davids von der Mitte auf die linke Außenbahn zurück und ließ Akaki Gogia stürmen. Jan-Ingwer Callsen-Bracker rückte ebenfalls weiter nach hinten. Die Kölner setzten auf Konter und waren damit in der 56. Minute erfolgreich. Weniger unpräzise Pässe, weniger hohe Bälle aus dem Halbfeld auf den gedeckten Mölders und ein Quäntchen mehr Gedankenschnelligkeit bei den entscheidenden Situationen in der Abwehr und man könnte dem FCA ein akzeptables Auswärtsspiel attestieren. Allerdings erzeugte der FCA in der zweiten Halbzeit – sieht man mal von kernigen Fernschüssen und einem Pfostenschuss Gogias ab – nicht viel  Bemerkenswerts im FC-Strafraum und so verlor der FCA in Köln deutlich, ohne aber wirklich enttäuscht zu haben. Es gilt jedoch nicht nur ein Spiel zu verdauen, ein Spiel, das unglücklich verloren wurde, ein Schlüsselspiel allerdings (wie man auch in Köln richtig erkannt hat), ein Spiel also, das man aus Augsburger Sicht unbedingt hätte gewinnen müssen – und können. Die Konsequenz dieser Niederlage: Der Abstieg ist nun beinahe unvermeidbar. Das mag nach dem 11. Spieltag wie ein albernes Orakel aus dem Hause Nostradamus klingen, doch es handelt sich nicht um eine düstere Weissagung, sondern um eine Prognose, die sich wie der Wetterbericht aus der Faktenlage speist. Diese wiederum ergibt sich aus dem Restprogramm der Hinrunde. Am kommenden Sonntag ist Bayern München in der SGL Arena zu Gast, dann steht ein Auswärtsspiel in Stuttgart an, danach kommt Wolfsburg in die Brechtstadt, dann muss der FCA zu Schalke, schließlich müssen sich die Augsburger zu Hause gegen die Gladbacher messen, danach reist der FCA-Tross nach Hamburg. Bei allem Respekt für die zuletzt gezeigten Leistungen in der Liga: Die maximale Gewinnerwartung dieser Folge liegt für den FCA bei zwei Punkten, vielleicht auch drei. Womit für die Augsburger mit 11 Punkten in der Hinrunde der Abstieg bereits am 17. Spieltag besiegelt wäre.

Startaufstellung: S. Jentzsch; – U. Möhrle; D. Reinhardt; S. Langkamp; H. Hosogai; – A. Bellinghausen; D. Baier; J. Callsen-Bracker; L. Davids; D. Brinkmann; – S. Mölders.

Eingewechselt: G. Sankoh (6.); A. Gogia (46.); T. Oehrl (64.).

Ausgewechselt: U. Möhrle (6.); G. Sankoh (46.); D. Brinkmann (64.).

Auswechselbank: M. Amsif (TW); J. De Roeck; E. Kapllani.

Tore:

0:1 Lukas Podolski (19.)

0:2 Lukas Podolski (19.) Elfmeter

0:3 Slawomir Peszko (56.)

Gelbe Karte: J. Callsen-Bracker (40.); A. Bellinghausen (48.).

Rote Karte: T. Oehrl (76.).



FCA: Schlüsselspiel in Köln

Von Siegfried Zagler



Am morgigen Sonntag (15.30 Uhr) ist der FC Augsburg beim 1. FC Köln zu Gast. Es geht um Fußball, also um alles. Besser: es geht darum, ob der FCA sich bis zur Winterpause halbwegs im Rennen um einen Nichtabstiegsplatz halten kann – oder ob er bereits frühzeitig in die grausamste aller Fußballwelten abgeschoben wird, nämlich in die Zone zwischen den Ligen: In der Zweiten Liga nicht mehr dabei, in der Bundesliga außer Konkurrenz. Verliert der FCA das Schlüsselspiel in Köln, beginnt die Zeit der Dämmerung. 

Die Kölner sind spielend in der Lage grottenschlecht zu spielen

Bis jetzt hat sich der FCA tapfer gegen den Abstieg ins Nichts gewehrt, doch am Sonntag könnte in der Domstadt der Augsburger Sturz in die Zwischenwelt der Bedeutungslosigkeit seinen Anfang nehmen. FCA-Trainer Jos Luhukay sieht das nicht anders und hat deshalb seine A-Elf gegen die Leipziger-Limonaden-Kicker geschont, um in Köln mit Spritzigkeit und dem üblichen Quäntchen Glück den zweiten Bundesligaauswärtssieg in Folge ins Visier nehmen zu können. Die Kölner leiden an einer Verletzungsmisere und sind spielend in der Lage grottenschlecht zu spielen, womit gesagt sein soll, dass die Hoffnung auf einen Augsburger Überraschungssieg nicht an den Haaren herbeigezogen ist. Allerdings ist es weiterhin so, dass sich jeder Gegner selber schlagen muss, andernfalls ist der FCA in der Bundesliga ohne Chance.

Raum und Zeit für Irrläufer in Trainingshosen

Beim 1. FC Köln müssen die Experten lange zurückblättern, um einen Trainer zu finden, dem man uneingeschränkte Klasse attestieren möchte: Hennes Weisweiler. Nach ihm war viel Raum und Zeit für Irrläufer in Trainingshosen. Rinus Michels, Christoph Daum, Erich Rutemöller, Peter Neururer, Huub Stevens usw. Der aktuelle Kölner Trainer heißt Ståle Solbakken und gehört zweifelsfrei zur in Köln bevorzugten Gattung kurzlebiger Exoten. Dass Stolbakken in Köln oder in der Bundesliga als Trainer Wurzeln schlagen könnte, ist in etwa so wahrscheinlich wie die Aussicht, dass sich Andreas Rettig in Augsburg zu einem bundesligatauglichen Manager entwickelt. Beides ist zwar immerhin möglich, aber eben unwahrscheinlich. FCA-Manager Rettig hat im Kölner Stadtanzeiger auf die Frage, ob es ein Spiel auf Augenhöhe werden könnte, gesagt, dass sich der FCA mit Schuhen auf die Zehenspitze stellen müsse, um dem FC bis ans Kinn zu reichen. Am Wochenende nach dem Kölnspiel kommen die Bayern nach Augsburg, danach müssen die Brechtstädter nach Stuttgart, dann kommt Wolfsburg, danach folgt die Reise nach Gelsenkirchen. Wohin die Augsburger in Schuhen und auf Zehenspitzen diesen Mannschaften reichen, überlassen wir der Vorstellungskraft des Lesers.

» Interview mit Andreas Rettig im Kölner Stadtanzeiger



Neue CSM unterstützt Haushaltsentwurf von Hermann Weber

Die neue Rathausfraktion „Neue CSM“ hat sich gestern zu Hermann Webers Haushaltsentwurf geäußert und dabei erklärt, dass sie diesen mittragen werde.

Claudia Eberle

Claudia Eberle


Erfreulich sei es, so Fraktionsvorsitzende Claudia Eberle, dass der Haushaltsvorschlag 2012 ausgeglichen sei und ohne Nettoneuverschuldung auskomme. Dies zeige, dass die kurzfristige Erhöhung der Neuverschuldung für nur ein Jahr sinnvoll gewesen sei, um wichtige Investitionen zu realisieren. Dazu gehöre zum Beispiel die Modernisierung der Kongresshalle oder das Schulsanierungsprogramm. Die vom Kämmerer vorgeschlagene Erhöhung der Gewerbesteuer um 10 Punkte, die Mehreinnahmen von zirka 2,2 Millionen Euro bringen wird, werde von der Neuen CSM-Fraktion mitgetragen. Eberle baut dabei auf „die Solidarität der Betriebe“, da „in den vergangenen Jahren die Stadt sich antizyklisch verhalten hat und in der Rezession über ihre Leistungsfähigkeit hinaus investiert und somit die heimische Wirtschaft unterstützt hat. Jetzt kann die boomende Wirtschaft einen kleinen Solidaritätsbeitrag für die Stadt leisten“, so Eberle.

Aufwandsentschädigung der Stadträte soll um 5 Prozent gekürzt werden

Den auf der letzten Bürgerversammlung eingebrachten Vorschlag, die Aufwandsentschädigung der Stadträte um fünf Prozent zu kürzen, werde, so Eberle, die NCSM unterstützen und in die Haushaltsberatungen mit einbringen. „Somit können die einzelnen Stadträte auch ihre Solidarität zur Sanierung der städtischen Finanzen unter Beweis stellen.“

Finanzreferent Hermann Weber ist der führende Kopf der Neuen CSM, weshalb auch die wohlwollende Bewertung der Fraktion zu Webers Haushaltsentwurf nicht sonderlich überrascht: „Wir sind auf dem richtigen Weg, die städtischen Finanzen in Ordnung zu bringen und den Bürgerinnen und Bürgern notwendige und wichtige Verbesserungen in der Stadt Augsburg zu bieten, auch wenn die Einschnitte, die vorgenommen werden, sicherlich für viele schmerzlich sind.“

» Kommentar: „Damit würde sich der Stadtrat kleiner machen als er ist“



„Damit würde sich der Stadtrat kleiner machen als er ist“

Kommentar von Siegfried Zagler

Die neue CSM – von Hermann Weber in hohem Maße mitinitiiert – unterstützt den Haushaltsentwurf Webers. Das hat einen ähnlichen Überraschungseffekt wie das Amen in der Kirche oder eben die Ablehnung des Haushaltes 2012 in Bausch und Bogen durch die Opposition. Und in der Tat wäre diese Nachricht nicht weiter erwähnenswert, wäre sie nicht mit der Kapriole gespickt, die da lautet, dass die Augsburger Stadträte fünf Prozent weniger Aufwandsentschädigung bekommen sollen, um ihre „Solidarität mit der Sanierung der städtischen Finanzen unter Beweis zu stellen“, wie es in der Pressemitteilung der NCSM heißt. Grob überschlagen würde die Stadt mit dieser Sparmaßnahme in etwa jene Mehrkosten egalisieren, die ihr die „Scheinfraktion“ (Kiefer) beschert hat. Die Neue CSM schlägt mit der politischen Unterstützung des Vorschlags eines Bürgers möglicherweise drei Fliegen mit einer Klappe: Sie könnte mit dieser Aktion Ansehen bei der Bürgerschaft gewinnen, ihren „Scheinfraktions-Status“ ablegen und sie könnte damit möglicherweise eine Werte-Diskussion im Stadtrat und in der Öffentlichkeit lostreten. Eine Diskussion, die dazu führen sollte, dass es bei Höhe der aktuellen Aufwandsentschädigung bleibt.

Stadträte sind Helden

Um es kurz zu machen: Das Ansinnen der neuen Fraktion im Augsburger Rathaus ist populistisch, besser: scheinheilig. Knapp 1.300 Euro Aufwandsentschädigung erhalten die Augsburger Stadträte im Monat. Sie müssen ihren „Ehrensold“ versteuern und einen dicken Anteil an ihre Partei abführen, um für den nächsten Kommunalwahlkampf gerüstet zu sein. Stadträte verbringen – nehmen sie ihre politische Aufgabe ernst – viel Zeit in ihren Ortsverbänden, bei politischen und gesellschaftlichen Veranstaltungen und debattieren zuweilen im Stadtrat bis spät in die Nacht hinein, um mit bestem Wissen und Gewissen für das Wohl der Stadt Entscheidungen zu treffen. Stadträte, die ihre Aufgabe ernst nehmen, müssen sich in komplexe Sachverhalte einarbeiten und haben an der Meinungsbildung in ihrer Fraktion mitzuwirken. Verantwortungsvolle Rathauspolitiker in größeren Städten arbeiten nicht weniger hart als ihre Parlamentskollegen in den Landesparlamenten und im Bundestag. Sie sind „Helden“ mit viel zu knapp bemessenem Salär. Natürlich gibt es in dieser Gilde der politischen Kaste wie überall Faulpelze, Abnicker und Absahner, doch das ändert nichts daran, dass man sich eher um eine Professionalisierung der kommunalen Parlamente Gedanken machen müsste, als mit einer populistischen Forderung an der Aufwandsentschädigung der Rathausparlamentarier zu kratzen. Damit würde sich der Stadtrat kleiner machen als er ist.

» Neue CSM unterstützt Haushaltsentwurf von Hermann Weber



Tag der Offenen Tür in der Stabi

Am heutigen Samstag, 29. Oktober, veranstaltet die Staats- und Stadtbibliothek von 14 bis 18 Uhr mit Unterstützung der Initiative Staats- und Stadtbibliothek Augsburg einen Tag der Offenen Tür. Motto: “Mit Augsburgern unterwegs – Reisen in alter Zeit”.



Präsentiert wird unter anderem ein Kaleidoskop von Reiseführen, Karten, Atlanten und Reisebeschreibungen aus alter Zeit. Dr. Eberhard Pfeuffer entführt die Besucher mit Humboldt und Rugendas nach Südamerika. Wolfgang Mayer zeigt Reiseliteratur und -führer, Dipl. Geogr. Michael Ritter zeigt Meilensteine der Augsburger Kartographie und Privatdozent Dr. Rainald Becker erklärt den “Atlas Novus” des Jesuiten Heinrich Scherer. Jörg Stuttmann liest aus handschriftlichen Reiseberichten Augsburger Bürger, die den Blick der Augsburger auf fremde Welten preisgeben. Daneben können die Besucher in der Werkstatt Florine Mertz bei Restaurationsarbeiten zusehen. Führungen zur Geschichte und zu Schätzen der Bibliothek runden das Programm ab.

Staats- und Stadtbibliothek

Tag der Offenen Tür

Sa 29. Oktober 14-18 Uhr

Schaezlerstraße 25

Der Eintritt ist frei.



Hausverbot für Störer: Ullrich macht Ernst

Stadt wirbt bei Gastronomen um Beteiligung



Gastronomiebesucher, gegen die ein Ermittlungsverfahren wegen erheblicher Straftaten im Zusammenhang mit Besuchen der Augsburger Gastronomieszene eingeleitet ist, die gar bereits angeklagt sind und bei denen Wiederholungsgefahr vermutet werden muss, sollen über einen angemessenen Zeitraum vom Besuch Augsburger Lokalitäten ausgeschlossen werden. Die Stadt will hierzu mit Einwilligung der Wirte für deren Lokale ein Hausverbot aussprechen, das umso wirkungsvoller ist, je mehr Gastronomiebetriebe sich am Projekt beteiligen.

Ordnungsreferent Volker Ullrich setzt hierbei auf Abschreckung: “Eine direkte Kontrolle des Hausverbots ist weder angebracht noch praktikabel. Es wird also keine Fahndungslisten bei den Augsburger Türstehern geben. Wer jedoch trotz Hausverbot erneut als Störer auffällt, muss mindestens mit einer Anzeige wegen vorsätzlichen Hausfriedensbruchs rechnen”, heißt es in einer städtischen Pressemitteilung vom Donnerstag.

Interessierte Gastronomen können sich das Vertragsformular zur Übertragung des Hausrechts auf die Stadt im Internet herunterladen:

» Hausrecht – Übertragung



ÖPNV-Kundencenter wandert zum Moritzplatz

Am Moritzplatz wird ein 12 x 18 Meter großes vorübergehendes Kundencenter der Stadtwerke in Containerbauweise entstehen. Erste Vorbereitungen beginnen am kommenden Montag.

Künftiges Kundencenter am Moritzplatz (Grafik: Stadtwerke)

Dies teilten die Stadtwerke gestern mit. Auf 200 Quadratmetern wird dort während der Zeit des Kö-Umbaues den Fahrgästen der gewohnte Service geboten, der am Königsplatz wegen des Abrisses und der Neuerrichtung der Hochbauten nicht mehr möglich ist. Sowohl das Raumangebot für die Fahrgäste wie auch die technische Ausstattung sollen dem jetzigen Kundencenter am Kö entsprechen. Geplant sind fünf Arbeits- und zwei Infoplätze samt Schalter, Nebenräume sowie Räume für die Technik und den Aufenthalt für die Mitarbeiter.

Wie heute am Kö ist das Servicecenter dann während der zweijährigen Bauzeit in zentraler Lage, weil alle Straßenbahnlinien ab Februar 2012 über den Moritzplatz fahren, der damit zum neuen Nahverkehrs-Knotenpunkt wird. In den beiden ersten Novemberwochen werden zunächst die Anschlussleitungen verlegt. Der Aufbau der Container ist im Januar 2012 nach Abbau des traditionellen Kinderweihnachtsmarkts geplant.