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Hiroshima Tag: 6. August 2011



Am 6. August 1945 warf die Luftwaffe der USA über der japanischen Stadt Hiroshima die erste Atombombe ab. Zwei Tage später war die Stadt Nagasaki das Ziel der zweiten Atombombe. In beiden Städten starben mehr als 300.000 Menschen. Die Atompilze über Hiroshima und Nagasaki signalisieren den Beginn des Wettrüstens nach dem 2. Weltkrieg. Frieden durch Abschreckung war die unmoralische und täuschende Ideologie im Zeitalter des Kalten Krieges.

Die Friedensbewegung bekämpfte diese Ideologie von Anfang an. Nach dem Ende des Kalten Krieges und den Umwälzungen in den Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes hat diese Ideologie an Bedeutung verloren. Nach wie vor aktuell ist aber die nukleare Bedrohung durch die weltweite Existenz von Atomwaffen, und die Zunahme von Staaten, die über Atomwaffen verfügen oder dies anstreben. Am 5. April 2009 verkündete Barack Obama auf dem Hradschin in Prag den Entwurf für eine Welt ohne Atomwaffen. Zu diesem Zeitpunkt existierten weltweit 23.000 atomare Gefechtsköpfe.

In zahlreichen Städten Europas wird am Hiroshima Tag der Opfer der ersten Atombombenabwürfe gedacht und gegen die atomare Rüstung demonstriert. In Hiroshima findet jährlich am 6. August zum Zeitpunkt des Atombombenabwurfs im Memorial Park die zentrale Gedenkveranstaltung statt.

Hiroshima Tag und Augsburger Friedensfest liegen nur zwei Tage auseinander. Die peace factory augsburg erinnert durch eine Erklärung an diesen Tag und beginnt ihre Spendenaktion für ein Deutschland-Stipendium für den Masterstudiengang Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Augsburg.

Spendenkonto:

peace factory augsburg

Kontonummer: 250512530

Stadtsparkasse Augsburg,

BLZ: 72050000

www.peace-factory-augsburg.de



„Friedensradler“ zu Besuch beim Augsburger „Mayor for Peace“

OB Gribl: Einsatz von Atomwaffen verhindern

Von Peter Feininger

Die Friedensradler Brigitte Schlupp-Wick und Wolfgang Schlupp-Hauck treten für eine Welt ohne Atomwaffen in die Pedale. Von Schwäbisch Gmünd radelten die beiden nach München, mittlerweile sind sie unterwegs nach Italien. Unterwegs besuchten sie die „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden) in Aalen, Herbrechtingen und Augsburg.

Von Schwäbisch-Gmünd nach Italien: Die „Friedensradler“ auf dem Augsburger Rathausplatz (Foto: Peter Feininger).

Von Schwäbisch-Gmünd nach Italien: Die „Friedensradler“ auf dem Augsburger Rathausplatz (Foto: Peter Feininger).


Aus diesem Anlass empfing Stadtrat Andreas Jäckel (CSU) zusammen mit Timo Köster, Projektleiter „Frieden und Interkultur“ die beiden Friedensradler sowie Aktivisten der Augsburger Friedensbewegung am vergangenen Freitag im Fürstenzimmer des Rathauses. Die Initiative „Mayors for Peace“, von den Bürgermeistern Hiroshimas und Nagasakis gegründet, setzt sich für eine Welt ohne Atomwaffen ein. Ihr gehören 395 deutsche Städte an, weltweit sind es zurzeit 4803 – Augsburg gehört seit 2004 dazu.

Jäckel betonte, das Thema Frieden sei eine der Marken, mit denen Augsburg sich gerne in Verbindung bringe. „Sinn des Ganzen“ sei es, an Rüstungsbetrieben und Militärstandorten mit Aktionen für Abrüstung und friedliche Konfliktlösungen einzutreten: „Italien schließen sich die Gemünder Friedensradler der italienischen Gruppe ‚Pace in Bici‘ an. Sie steuern dann Aviano an, wo der dortige Bürgermeister zum Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Nagasaki eine Gedenkveranstaltung am dortigen US-Militärflugplatz halten wird. Sie werden dort die Botschaften, die sie in den deutschen Rathäusern eingesammelt haben – also auch unsere –, verlesen und übergeben.“

Seit dem vergangenen Samstag sind die Friedensradler von München aus mit einer Gruppe von über 30 Teilnehmern unterwegs über den Brenner nach Norditalien. Unterwegs stoppen sie an Rüstungsbetrieben und Militärstandorten, um für Abrüstung und friedliche Konfliktlösung einzutreten. Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl schreibt in seinem Grußwort, das an den Bürgermeister von Aviano, an die Friedensradlergruppen und Aktivisten von „Global Zero Now“, „Auf Achse für den Frieden“ und „Pace in Bici“ adressiert ist: „Jedes Jahr am 9. August gedenkt die ganze Welt mit Schweigeminuten und Veranstaltungen der furchtbaren Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki. Auch Sie, die Friedensradler, alle haben sich dieses Jahr mit dem Rad nach Aviano aufgemacht, um hier auf Einladung des Bürgermeisters am Nato-Kernwaffen-Stützpunkt für eine atomwaffenfreie und friedliche Welt zu demonstrieren. Die Ereignisse in Fukushima haben uns in diesem Jahr bereits die zerstörerische Kraft der friedlichen Nutzung der Atomkraft vor Augen geführt. Umso mehr müssen wir vereint und mit aller Kraft einen Einsatz in bewaffneten Konflikten verhindern. Die gemeinsame Suche nach den Ursachen von Kriegen und nach einem dauerhaften Frieden hat in Augsburg eine viereinhalb Jahrhunderte lange Tradition.“

Wolfgang Schlupp-Hauck, einer der beiden Friedensradler aus Schwäbisch Gmünd, betonte bei seiner Ansprache im Fürstenzimmer des Augsburger Rathauses, wegen ihrer Überparteilichkeit könnten die Bürgermeister von „Mayors for Peace“ manchmal etwas freier auftreten. „Bei uns in Deutschland hat dies dazu geführt, dass es inzwischen nicht nur Forderung der Friedensbewegung sondern der Bundesregierung ist, dass die letzten Atomwaffen aus Büchel in der Eifel abgezogen werden. Passiert ist es noch nicht. In der NATO wird im Moment ja über die neue Sicherheitsstrategie, also auch die Atomstrategie, diskutiert. Da ist es nochmal notwendig, dass wir von der Friedensbewegung und die ‘Mayors for Peace’ Druck machen.“

Schlupp-Hauck ermutigte die Stadt Augsburg, gerade auch weil sie ein Rüstungsstandort sei, eindeutig für die Sache des Friedens Stellung zu nehmen. Es gehe ihm darum, an die Orte zu radeln, „wo Krieg vorbereitet wird, also an Militärstandorte oder Standorte von Rüstungsfirmen. Und das ist, denke ich, für eine Stadt wie Augsburg nicht immer einfach – wenn man in seinem Gebiet Rüstungsindustrie hat –, damit umzugehen, wenn man Friedensstadt sein will, wenn man Mayor for Peace sein will…“. Mit Beifall und Dank wurden die Friedensradler im Rathaus verabschiedet. Der Augsburger „Mayor for Peace“, OB Gribl, wünschte in seinem Grußwort der „Friedensaktion auf Achse“ viel Erfolg.

Der Autor dieses Artikels ist Mitglied der Internet-Redaktion des Forums solidarisches und friedliches Augsburg.

» www.forumaugsburg.de



Leichtfüßig, leicht fallend und erfolgreich

Siegfried Zagler über Michael Thurk

Das deutsche Spiegelbild zu Filippo Inzaghi: Michael Thurk

Das deutsche Spiegelbild zu Filippo Inzaghi: Michael Thurk


Als Michael Thurk kurz nach der Halbzeit fünf Meter vor dem Tor freistehend den Ball in den Bremer Nachthimmel drosch und ihm wenige Sekundenbruchteile später die Erkenntnis in die Glieder fuhr, dass er soeben eine so genannte „Einhundertprozentige“ versiebte, begann unmerklich etwas, das Chronisten gern als „Anfang vom Ende“ bezeichnen. Die Rede ist vom Pokalhalbfinale des FC Augsburg im März 2010 im Weserstadion, als der FCA mit phasenweise großartigem Fußball seine zahlreich mitgereiste Anhängerschar entzückte. Die DAZ attestierte damals dem FCA „Bundesligatauglichkeit mit Abstrichen“, wovon der FCA im August 2011 sehr weit entfernt ist.

Thurks Fall zum Mitläufer hat die Defensivausrichtung des FCA erst denkbar gemacht

Der FCA hat sich am Montag von Michael Thurk getrennt, also von jenem Spieler, dessen unerwartete wie späte fußballerische Selbstfindung den Höhenflug der Augsburger in den Jahren 2009 und 2010 vorantrieb. Thurk verwandelte die Augsburger von der Grauen Maus zum Starlight-Express der Zweiten Liga. Das Ende dieser seltsamen Geschichte begann in Bremen. Nach diesem Spiel sollte Michael Thurk nie wieder zu seiner überragenden Form zurückfinden. Eine Form, die ihn kurzfristig ins Gerede brachte, für die WM in Südafrika nominiert zu werden. Thurks sensationelle Spätentwicklung zum spielenden wie treffenden Mittelstürmer hat im Zusammenwirken mit Ibrahima Traore, Marcel Ndjeng und vielen anderen den FCA 2009/2010 in den kleinen Kreis der spielstarken Mannschaften der Zweiten Liga katapultiert. Ein Status, der 2011 erloschen ist, was unter anderen mit Jos Luhukays Auftrag zum Aufstieg zu tun hatte, aber eben auch mit Michael Thurk, dessen Fall vom herausragenden Spieler zum Mitläufer die neue Defensivausrichtung des FCA erst denkbar machte.

Bei den Fans hat Thurk nichts von seinem Kultstatus eingebüßt

Jos Luhukay hat lange an Thurk festgehalten, auch dann, als er nur noch sporadisch traf und seine Laufwege überschaubarer wurden. Thurk vor dem Bundesligastart keine gute sportliche Prognose auszustellen, mag nicht nur aus Trainersicht verständlich sein, ihn aber dergestalt kurz entschlossen vor die Tür zu setzen, ist nicht nachvollziehbar und nun möglicherweise der Beginn vom Ende des niederländischen Trainers mit dem angedeuteten Oberlippenbart. Jos Luhukay hat offensichtlich mit dieser Aktion auf einen Schlag sein hart erarbeitetes Standing bei den Fans des FCA verspielt. Thurk, der mit seinem Tor im letzten Saisonspiel nicht nur den Ausgleich gegen FSV Frankfurt, sondern auch die Wende zum Aufstieg im letzten Saisonspiel eingeleitet hatte, hat bei den Ultra-Gruppierungen des FCA noch nichts von seinem Kultstatus eingebüßt.

Michael Thurk gehörte während der Saison 2009/2010 zu den besten Spielern, die je für den FCA die Fußballschuhe schnürten. Schnell im Antritt und mit dem unwiderstehlichen Cruyff-Schlenker bei eins zu eins Situationen im Halbfeld. In der Tempoaufnahme aus der Tiefe kommend, ähnelte Thurk in der Tat nicht selten dem großen Johann Cruyff, während er im Dribbling in Strafraumnähe etwas von Filippo Inzaghi hatte (leichtfüßig, leicht fallend und erfolgreich), doch Thurk war mehr als nur ein verschwommenes Abbild größerer Kaliber.

Es schien, als hätte Thurk einen Deal mit allen Fußballgöttern geschlossen

Er war auch ein ergebnisorientierter Kämpfer, der sich mit geschmeidigem Herzblutfußball (samt der dazugehörigen Theatralik) in ein Match hineinarbeitete und den Dienst am Gesamterfolg höher stellte, als man das von Diven bisher so gewöhnt war. Thurk spielte in Augsburg den besten Fußball in seiner Karriere und generierte dabei mit seiner eleganten Abschlusssicherheit etwas, das es in dieser zerbrechlichen Form in der deutschen Fußballlandschaft seit Mario Basler nicht mehr gab: Genialität. Zu seiner besten Zeit bewegte sich Thurk im Dress des FCA wie von Geisterhand geleitet mit traumwandlerischer Ball- und Treffsicherheit über den Platz, als hätte er für bestimmte Zeit einen Deal mit allen Fußballgöttern geschlossen. Thurks Zeit als Profifußballer ist vorbei. Und wie bei allen Auserwählten, die die Götter zu einem Geschäft überreden konnten, endete seine Zeit am Montag mit einem großen Knall, ohne Blumen und das übliche Prozedere der Nettigkeiten. Michael Thurk hat in Augsburg Sportgeschichte geschrieben und wird nicht nur in der lokalen Hall of Fame, sondern auch im Gedächtnis der Augsburger Fußballversteher eine Sonderstellung einnehmen, wovon zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder Jos Luhukay noch Andreas Rettig ausgehen können. Möglicherweise – im Fußball ist auch in Augsburg nichts auszuschließen – entwickelt sich in dieser Angelegenheit für Manager wie Trainer ein schädlicher Dauerkonflikt: ein langsamer Abschied mit Rosenkriegszenarien. Michael Thurk würde das möglicherweise sogar genießen können.



S‘ensemble Theater zieht positives Fazit

Während die negativen Schlagzeilen zum Augsburger Stadttheater nicht abreißen, sieht sich das kleine S´ensemble Theater auf der Erfolgsspur.



„Fünf Vorstellungen im Sommertheater Jakoberwallturm stehen noch aus. Aber bereits jetzt steht fest, dass im S’ensemble die erfolgreichste Saison seit Gründung des Theaters zu Ende geht“, so das von der Stadt geförderte Theater in der Kulturfabrik. Bei 140 Aufführungen im eigenen Haus und bei Gastspielen verbuchte das S´ ensemble insgesamt mehr als 12.000 Zuschauer. Im vor der Saison komplett renovierten Theater boten Theaterleiter Dr. Sebastian Seidel und sein Team sechs Premieren, darunter zwei Uraufführungen. Highlights der Saison waren die Verleihung des 3. Augsburger Dramatikerpreises sowie die Theatersport-Mini-WM, die vom Kulturfonds Bayern gefördert wurde.