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“Ab Mitternacht ist die Luft zum Schneiden”

Die erste kritische Zahl für 2011 lässt so sicher prognostizieren wie die Umlaufbahn des Mondes: Der zulässige EU-Grenzwert für Feinstaub wird zu Beginn des Jahres wegen der Silvesterknallerei um zirka das Doppelte überschritten werden.

Explosionsartiger Anstieg der Feinstaubwerte: Silvesterfeuerwerk

Explosionsartiger Anstieg der Feinstaubwerte: Silvesterfeuerwerk


Der EU-Grenzwert liegt bei 50 µg/m³. Beim Jahreswechsel 2009/2010 wurden an den Messstellen Königsplatz, Karlstraße und Bourges-Platz mehr als zehn Stunden lang Werte um 100 µg/m³ gemessen. Alle Jahre steigen zum Jahreswechsel die Feinstaubwerte explosionsartig an. Durch das Abbrennen der Silvesterböller werden große Mengen an Partikeln freigesetzt, die beim Einatmen die Gesundheit langfristig schädigen können. “Pünktlich ab Mitternacht ist die Luft in Augsburg in der Regel zum Schneiden”, so Gabriele Neupert vom Umweltamt in Augsburg. Wie schnell sich die Feinstaubbelastung nach dem Silvesterfeuerwerk wieder reduziere, hänge hauptsächlich von den Witterungsverhältnissen ab. Bei einer stabilen Inversionswetterlage können sich die Schadstoffe über viele Stunden lang nicht verflüchtigen und würden wie eine Glocke über der Stadt hängen.

An 40 Tagen wurde der EU-Grenzwert in Augsburg überschritten

Insgesamt wurde in Augsburg im Jahr 2010 der EU-Grenzwert für Feinstaub an 40 Tagen überschritten (Stand 23. Dezember). Erlaubt sind nicht mehr als 35 Überschreitungstage. Auch im Jahr 2011 wird wohl der Neujahrstag wieder der erste Tag des Jahres mit einer Grenzwert-Überschreitung sein. Beim Silvesterfeuerwerk rät Umweltreferent Rainer Schaal nicht nur deshalb zur Zurückhaltung und verweist darauf, dass in einzelnen Teilen der Innenstadt das Abbrennen von Böllern, Raketen undsoweiter an Silvester und am Neujahrstag auch aus Brandschutzgründen verboten ist.



Beim tim: Neue Straßennamen erinnern an Textilgeschichte

Das Areal der ehemaligen Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS) wird einer städtebaulichen Neuordnung zugeführt. In seiner Mammutsitzung vom 16. Dezember hat der Stadtrat neben dem Bebauungsplan Nr. 475 I “Kammgarnspinnerei” auch fünf neue Straßennamen beschlossen.

Stadtplan-Ausschnitt (Quelle: Stadtvermessungsamt)

Stadtplan-Ausschnitt

(Quelle: Stadtvermessungsamt)


“Zur Kammgarnspinnerei”, “Am Färberturm”, “Am Schäfflerbach”, “Barbara-Gignoux-Weg” und “Friedrich-Merz-Straße” lauten die neuen Bezeichnungen. Sie erinnern rund um das Textil- und Industriemuseum (tim) an Augsburger Textilgeschichte.

Die Kammgarnspinnerei entstand 1836, als Friedrich Merz seine mit Pferdekraft betriebene Spinnerei von Nürnberg nach Augsburg verlegte. Der Kaufmann, der als sozialer Unternehmer galt, setzte auf die Wasserkraft des Schäfflerbaches, eines Lechkanals. Anfangs nutzte er die Gebäude und die Wasserrechte einer stillgelegten Tabakmühle. 1845 erfolgte der Neubau der bis heute größtenteils erhaltenen Fabrikanlage. Beschäftigt waren bis zu 2400 Mitarbeiter. In den 1950er Jahren begann der rasante Niedergang der deutschen Textilindustrie. Im Jahr 2004 stellte die Augsburger Kammgarnspinnerei die Produktion endgültig ein.

Der hölzerne Färberturm, das letzte Bauwerk dieser Art in Augsburg, entstand 1760 und wurde später von der Augsburger Kammgarnspinnerei genutzt. Neben AKS-Gründer Friedrich Merz wird auf Vorschlag des Frauengeschichtskreises auch eine weibliche Persönlichkeit der Augsburger Textilgeschichte gewürdigt. Anna Barbara Gignoux war eine liberale und kunstsinnige Textilunternehmerin. Im Jahre 1764 beauftragten sie und ihr Mann den Bau einer Kattun-Manufaktur mitten in der Altstadt. So entstand das Gignouxhaus, welches bis zum Juli dieses Jahres die Komödie beherbergte.

» Lage im amtlichen Stadtplan