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Frohe Weihnachten



Am vergangenen Donnerstag ist mit der letzten Stadtratssitzung das politische Jahr 2010 in Augsburg zu Ende gegangen. In den nächsten Tagen wird es auf der DAZ etwas ruhiger, denn Lokalpolitik ist unser Hauptthema. Es war ein turbulentes Jahr, denn zweimal griffen die Augsburger direkt via Bürgerentscheid ins politische Geschehen ein. Und es war das dritte Jahr, das wir als neues Medium informierend und kommentierend begleitet haben.

Mit einem Bild des Weihnachtsbaumes in unseren Redaktionsräumen wünscht das Team der DAZ allen Leserinnen und Lesern, die 2010 unserer Internetzeitung die Treue gehalten haben, ein Frohes Weihnachtsfest.

Augsburg, 24. Dezember 2010

Bruno Stubenrauch + Siegfried Zagler



Auf der Suche nach der Mitte müssen viele Irrtümer gelebt werden

Warum WBG-Chef Edgar Mathe Schalke-Fan ist

Von Siegfried Zagler

FCA gegen Schalke. Pokal. Flutlichlicht. Fußballfieber. Es wäre beim Augsburger Sport-Highlight des Jahres schöner gewesen, im M-Block hinter dem Tor zu stehen, um ungeniert mit MdB/Stadtrat und Hardcore-FCA-Fan Alexander Süßmair die üblichen Gesänge anzustimmen, aber eine nachhaltige Grippe im Vorfeld der Begegnung zwangen den Schreiber dieser Zeilen zu bitteren Umbuchungen, also:

Haupttribüne

Block D

Reihe 7

Sitz 21


Hardcore-FCA-Fan Alexander Süßmair

Hardcore-FCA-Fan Alexander Süßmair


Klasse Sicht, seltsamer Platz. Edgar Mathe und Kurt Idrizovic in unmittelbarer Nachbarschaft, Stadtrat Prof. Rolf Harzmann in Sichtweite, dahinter Bildungsreferent Hermann Köhler, also umstellt von einer Riege honoriger B-Promis. Zufall? Erster Gedanke: In der Halbzeit doch noch in den M-Block schummeln, dann röhrte Mathe kurz nach dem Anpfiff Schaaaaalke und der Abend roch wegen Mathes ungenierter Schalke-Leidenschaft und der insgesamt großartigen Atmosphäre im Stadion sofort – auch in dieser halbsaturierten Ecke – richtig nach Fußball.

Edgar Mathe ist in Lechhausen aufgewachsen als Lechhausen noch richtig bayerisch – und eine Fahrt in ins Stadtzentrum eine gefühlte Weltreise war. Mathes Vater war Elektriker bei Osram, und als Arbeiterkind hat man in den wichtigen Fragen des Lebens oft nicht die Wahl, sondern wird frühkindlich von der Leidenschaft des Vaters geprägt. Bei Mathe war das anders. Sein Vater war 60er-Fan und Mathes Hinwendung zu Schalke hat mit der für Mathes Generation klassischen Rebellion gegen die elterliche Autorität zu tun. Seine Hinwendung zu Schalke kam vermutlich aus der von Mathe seit frühester Jugend gepflegten Balance zwischen Nähe und Distanz. Der FC Bayern waren nicht erdig und barackig genug und die Löwen saßen in Gestalt des Vaters im Wohnzimmer. Also nicht der TSV und erst recht nicht der geleckte FC Bayern mit Beckenbauer, Müller, Maier, Roth, sondern die Kremers-Zwillinge, Libuda, Rüssmann, Fichtel und vor allen: Norbert Nigbur.

In Lechhausen Schalke-Fan werden zeugt von einer geordneten Rebellion

Schaaalke: geordnete Rebellion nach innen

Schaaalke: geordnete Rebellion nach innen


Mathe war ein lausiger Kicker und im damaligen Lechhausen verfuhr man auf den Lechwiesen nicht anders als am Strand von Copacabana: Wer es nicht konnte, musste ins Tor. Auf der Linie war Mathe trotz seiner Größe ein Riese, auch bei flachen Bällen. In der Strafraumbeherrschung und in der Spielantizipation…nun ja. Und so könnte man eine tiefe Identifikationslinie zu Norbert Nigbur aufbauen, der in seiner Zeit auf der Linie zu den weltbesten Torhütern gehörte, aber in der Strafraumbeherrschung seine Schwächen hatte. In Lechhausen aufwachsen und Schalke Fan werden, zeugt von einer geordneten Rebellion nach innen und von einem wohldosierten Widerstand gegen die äußeren Verhältnisse, die so schwer nicht zu ertragen sind, wenn man einen Fußballverein drüber legen kann. Die ewige Suche nach der eigenen Identität ist im aristotelischen Sinn nichts anderes als die Suche nach der Mitte. Auf dem langwierigen Weg dorthin, ist das menschliche Herz vielen Gefahren und Irrtümern ausgeliefert, denn die Mitte, die sich ohne große Pendelschläge herstellen lässt, bildet nach hellenistischer Auffassung kein allzu starkes Zentrum heraus. Zur “wahren Mitte” gehört zum Beispiel die Tugend, die uns zur Einsicht und Selbstkritik befähigt.

Vielleicht wollte Mathe zu Beginn seiner lebenslangen Schalke-Sucht nur mutig ausprobieren, ob ihm Schaaaalke jemand abnimmt und ob das in seinem Umfeld überhaupt durchsetzbar ist. Mathe ist mit seiner WBG in den letzten zehn Jahren zu einem der größten und wichtigsten Dienstleister der Stadt Augsburg geworden. Er ist nicht irgend einer, sondern der Finanzierungs- und Projektsteuerungsmeister für städtische Bauangelegenheiten. Dass er in dieser Funktion in absehbarer Zeit aufgrund der Baufehler im CFS im Feuer stehen könnte, sieht Mathe inzwischen mit der gebotenen Gelassenheit. Nach einem langgezogenem Schaaaaaalke zeigte Mathe auf die Frage, wie er denn die Sichtlinien hier so finde, sein außergewöhnliches Talent zur Spontankomik. Der WBG-Chef rückte sich die Brille zurecht und zog ein übertrieben ernstes Gesicht, um zu signalisieren, dass man ihm während des Spiels nicht mit der Hölle des aktuellen Alltags zu kommen habe: „Perfekt, Herr Zagler, perfekt!“



Rekord-Jahr für Augsburgs Nahverkehr

Es waren noch nie so viele Personen mit Bussen und Straßenbahnen in Augsburg unterwegs wie im zu Ende gehenden Jahr 2010. Diese Bilanz zogen die Stadtwerke gestern.



56,2 Millionen Personen werden bis Ende 2010 die Busse und Straßenbahnen der avg benutzt haben. Das sind über eine Million Fahrgäste mehr als im bisherigen Rekordjahr 2005 mit knapp 55 Millionen beförderten Personen und 1,5 Millionen mehr als 2009. Drei Gründe nennen die Stadtwerke in ihrer gestrigen Pressemitteilung für den Anstieg: So waren deutlich mehr schwerbehinderte Personen mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Augsburg unterwegs; deren Anteil am Gesamtaufkommen stieg auf über 10 Prozent. Daneben haben auch die steigende Zahl der Studenten-Semester-Tickets sowie Sonderfahrausweise, wie etwa das Kombiticket für FCA-Spiele, zum Rekordergebnis beigetragen.

Bild: Präsentation der neuen Cityflex. Mit dem Ende 2009 eingeführten Fahrzeug werden jetzt im Normalfall ausschließlich barrierefreie Niederflurwagen im Liniennetz eingesetzt (Foto: Kleeblatt-Film)



FCA verstärkt sich mit japanischem Nationalspieler

Der FC Augsburg rüstet sich für den Aufstieg in die Erste Bundesliga und verpflichtete deshalb für die Rückrunde Hajime Hosogai. Der japanische Mittelfeldspieler wird von Bayer 04 Leverkusen ohne Leihgebühr ausgeliehen. Derzeit ist der 24-jährige dreimalige A-Nationalspieler Japans als Kapitän beim Erstligisten Urawa Red Diamonds aktiv, von wo ihn Bayer Leverkusen verpflichtete. Hosagai erhält beim FC Augsburg ab Januar 2011 einen Vertrag bis zum 30. Juni 2012.