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FCA bleibt an der Tabellenspitze

Am 17. Spieltag der Zweiten Fußballbundesliga trennten sich am gestrigen Samstag der FCA und Hertha BSC mit einem 1:1 Unentschieden. Auf schwerem Geläuf entwickelte sich in der Augsburger impuls arena vor 25.647 Zuschauern eine dramatische aber keineswegs hochwertige Partie, in der die Berliner den Lauf der Dinge bestimmten – und Schiedsrichter Peter Gagelmann.

Von Siegfried Zagler



„Der Ausbau der Tabellenführung“, um es mit Augsburgs Sportreferent Peter Grab zu sagen, ist dem FCA in einem aufregenden und von zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen bestimmten Zweitligaspiel am letzten Spieltag der Vorrunde zwar nicht gelungen, aber immerhin: Der fulminante Angriff der sportlich haushoch überlegenen Hertha auf die Tabellenspitze wurde von den Augsburgern mit Kampfgeist und einem geschenkten Elfmeter abgewehrt. – Augsburgs Trainer Jos Luhukay ließ bis auf eine Ausnahme die gleiche Formation spielen, die vor einer Woche in Frankfurt in der zweiten Halbzeit mit einer sehr starken Vorstellung überzeugen konnte. De Jong wurde von Bertram ersetzt. Positionell sowie in der taktischen Ausrichtung hatte dieser verletzungsbedingte Wechsel für die FCA-Marschrichtung keine Folgen, wenn man einmal davon absieht, dass in der ersten Viertelstunde die ballsicheren Berliner mit temporeichem Kombinationsfußball die Augsburger schwindelig spielten. „Erste gegen zweite Liga“, raunte man auf der Haupttribüne fatalistisch und als die ersten Wetten abgeschlossen wurden, wann es zum erstem Mal bei Simon Jentzsch klingeln wird, zeichnete sich nach 15 Minuten eine Großchance für den FCA ab. Nando Rafael drückte sich sehr geschickt an Berlins Abwehrchef Mijatovic vorbei und wäre allein auf Berlins Torhüter Schascha Buchert zugelaufen, hätte Andre Mijatovic nicht die Notbremse gezogen. Die korrekte Konsequenz: Freistoß für den FCA, Rot für Mijatovic. Für den FCA brachte der Freistoß nichts ein, die numerische Überlegenheit verstanden die Augsburger ebenso wenig zu nutzen.

Die Berliner waren beinahe in jeder Hinsicht besser als der FCA

Aber zumindest wurde durch den Platzverweis des Berliner Kapitäns das Spielgeschehen dergestalt verändert, dass man bei oberflächlicher Betrachtungsweise zur Einschätzung hätte kommen können, dass der FCA nun auf Augenhöhe mitzuspielen verstand. Bei genauerem Hinsehen musste man allerdings zur Kenntnis nehmen, dass die Berliner, trotz Unterzahl und der Umstellung auf zwei Verteidigungslinien, im Spiel nach vorne zumindest optional torgefährlich waren als die Augsburger mit einem Mann mehr auf dem Platz. In der 27. Minute lief Nikita Rukavytsa „Bello“ Bellinghausen einfach davon und schob das Spielgerät an dem herausstürzenden Simon Jentzsch zum 1:0 für die Hertha vorbei. Jentzsch muss sich dabei den gleichen Fehler wie am Bornheimer Hang vorwerfen lassen. Wäre er im Tor geblieben, hätte Rukavytsa zum Schuss ausholen müssen – und Bellinghausen hätte diesen noch blocken können – so aber „zwang“ Jentzsch den blitzschnellen Rukavytsa zur leichtesten Variante der Verwertung. Die Berliner schienen nun mit ihrer tief stehenden Abwehr und ihren schnellem Konterspiel die richtige Mixtur gefunden zu haben, um gegen den spielerisch schwächeren FCA auch in Unterzahl auf der Siegerstraße zu bleiben. Hätte Herthas Ronny nach Möhrle-Patzer aus 14 Meter freistehend vor Jentzsch zum 2:0 verwandelt, wäre das Spiel gelaufen gewesen. In der ersten Halbzeit war der FCA in der Offensive abgemeldet. Die erste Ecke für die Augsburger ereignete sich mehr oder weniger zufällig in der 42. Minute. Das klingt zwar vorwurfsvoll, ist aber nicht so gemeint.

Gegen Schalke muss der FCA noch eine dicke Schippe zulegen

Die Berliner waren an diesem Nachmittag beinahe in jeder Hinsicht besser als der FCA. Sie waren zweikampfstärker und stellten nach dem Platzverweis dem FCA mit großer Laufbereitschaft die Räume zu. Daran änderte sich auch in der zweiten Halbzeit nicht viel. Der FCA hatte zwar mehr Ballbesitz und verstand es auch das Leder in den eigenen Reihen zu halten, doch zu großen Torgelegenheiten führte das nicht, auch wenn es Augsburgern phasenweise gelang, die dezimierten Berliner in deren Hälfte einzuschnüren. Das 1:1 geht auf die Kappe von Schiedsrichter Peter Gagelmann, der sich von einer Schwalbe des eingewechselten Torsten Oehrl täuschen ließ. Der Elfmeter für den FCA in der 71. Minute war eine klassische Fehlentscheidung des Unparteiischen, der an diesem Nachmittag mit diversen Entscheidungen beide Trainer in Rage brachte. Nach dem Ausgleich vom Elfmeterpunkt durch Nando Rafael hofften die Augsburger Fans auf einen Sieg, schließlich spielte der FCA nun beinahe eine Stunde auf schwerem Boden in Überzahl, doch Daniel Baier stelle durch Nachtreten – kurz nach seiner Einwechslung das numerische Gleichgewicht wieder her. In der Schlussphase überstand der FCA mit Glück und Kampfgeist die Angriffe der Berliner. Gagelmann stellte in den letzten Minuten der urplötzlich offenen Partie, als beide Mannschaften ungestüm auf Sieg spielten, noch Bellinghausen (88.) und Berlins Hubnik (90.) vom Platz. Unterm Strich ist das Remis für den FCA ein glückliches Ergebnis. Am 16. Januar geht es in der Liga für die Augsburger zu Hause mit dem Derby gegen Ingolstadt weiter. Bis dahin – und hoffentlich darüber hinaus – bleiben die Augsburger Tabellenführer. Will man am kommenden Dienstag im DFB-Pokal gegen Schalke 04 nicht sang und klanglos ausscheiden, muss der FCA in der Offensive noch eine dicke Schippe zulegen.