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Container kriegt die Kurve!

Nach einer zweieinhalbstündigen Diskussion über eine „unzumutbare Verwaltungsvorlage“ kam der Stadtrat gestern mit 48:8 Stimmen dem Ansinnen der Stadtregierung nach, die Interimsspielstätte für das Schauspiel, also den Theatercontainer mittels einer „Spende“ der Stadtsparkasse Augsburg über 1,7 Millionen Euro zu bewerkstelligen. Damit ist die Finanzierung der Interimsspielstätte gesichert. Die notwendigen 5,9 Millionen Euro stehen somit für das Leichtbauwerk zur Verfügung, womit der Container hat nach langem Hin und Her  die Kurve bekommen hat.



Stadtrat verabschiedet Haushalt mit Rekordverschuldung

Nach längerer Debatte mit Grundsatzreden aller Fraktionen verabschiedete der Stadtrat gestern den Haushalt für das Jahr 2011. Der Ausgleich gelang nur durch eine Netto-Neuverschuldung von 49,99 Millionen.

Das Gesamtvolumen des Haushalts beläuft sich auf 769,8 Millionen. Der Verwaltungshaushalt hat daran einen Anteil von 632,5 Millionen. Der Vermögenshaushalt, in dem die städtischen Investitionen enthalten sind, liegt bei 137,3 Millionen. Erstmals in dieser Legislaturperiode stimmte auch die SPD dem Haushalt zu, während Grüne, Linke und Freie Wähler der Vorlage des Stadtkämmerers geschlossen eine Absage erteilten.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Stefan Kiefer bezeichnete in einer langen Rede den Haushalt wegen seiner hohen Neuverschuldung als “einzigartig”. So etwas habe es in der Nachkriegszeit bisher nicht gegeben. Die Pro-Kopf-Verschuldung Augsburgs steige mit diesem Schritt auf einen Schlag um 20 Prozent, von 1.000 auf 1.200 Euro. Eine Nichtzustimmung würde die Verschuldung allerdings nicht verhindern. “Die ist de facto schon da”, so Kiefer, und stamme im Wesentlichen aus 2009. Dieses Jahr sei mit 38 Mio. Minus abgeschlossen worden.

“So einzigartig sind die 50 Millionen nicht”

"Blanker Hohn und ein Schlag ins Gesicht der nachfolgenden Generationen" - Christian Moravcik

"Blanker Hohn und ein Schlag ins Gesicht der nachfolgenden Generationen" - Christian Moravcik


Den Vorwurf der “Einzigartigkeit” wollte CSU-Chef Bernd Kränzle nicht gelten lassen. Er zitierte aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung zum Haushalt 2006. Dort habe ein Fehlbetrag von ebenfalls 50 Mio. nur durch den Verkauf städtischer Beteiligungen, darunter Anteile an Bayern-Gas, aufgebracht werden können, nachdem die Regierung von Schwaben einer Neuverschuldung der Stadt die Zustimmung verweigert hatte.

Auch der jetzt geplanten Verschuldung muss die Regierung von Schwaben erst zustimmen. Kämmerer Hermann Weber, der diesbezüglich noch keine Zusage vorliegen hat, geht aber von einer Genehmigung aus. Anders als der finanzpolitische Sprecher der Grünen Christian Moravcik: “Der Haushalt ist aus unserer Sicht nicht genehmigungsfähig. Einen Haushalt mit 50 Mio. Neuverschuldung als ausgeglichen zu bezeichnen, ist blanker Hohn und ein Schlag ins Gesicht der nachfolgenden Generationen”.

Rückführung der Schulden in 10 Jahren

Zur Rückführung der Verschuldung schlug der Kämmerer gestern eine progressive Tilgung innerhalb von 10 Jahren vor, beginnend mit 1 Mio. im Jahr 2012 und einer bis auf 9 Mio. ansteigenden Rate im letzten Tilgungsjahr. Für Karl-Heinz Schneider (SPD) stellte nicht das Herunterkommen von den Schulden, sondern vom zu hohen Ausgabenniveau das Hauptproblem dar. Den Verwaltungshaushalt dürfe man dabei nicht zum Tabu erklären.

Ralf Schönauer, Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion im Finanzausschuss, verortete die Gründe für die notwendige Verschuldung in den vielen laufenden Projekten, die gemeinsam beschlossen worden seien und nun auch zu Ende gebracht werden müssten. Damit lag er auf einer Linie mit der Einschätzung von Stefan Kiefer (SPD). Eine von den Linken und Grünen in den vorangegangenen Beratungen im Finanzausschuss gern gesehene Erhöhung der Gewerbesteuer hätte maximal 11 Mio. gebracht und eine Neuverschuldung nicht verhindert, so Schönauer.

“Das werden wir miteinander bestehen müssen”

OB Kurt Gribl, der erst nach der Abstimmung über den Haushalt das Wort ergriff, bemühte wie Stefan Kiefer die Nachkriegszeit. Mit der Wirtschafts- und Finanzkrise habe man in diesem Zeitraum einen “einmaligen und erstmaligen” Vorgang erlebt. Diese Erkenntnis helfe allerdings nicht bei der Lösung der Situation. Argumenten – vor allem von Karl-Heinz Schneider -, dass man es “früher auch ohne Verschuldung hinbekommen” hätte, hielt er eine “Gesamtbetrachtung” entgegen, in der er auf gemachte Schulden am Klinikum, am Flughafen und bei der Altenhilfe und auf die Auswirkungen der Rückabwicklung des Geschäfts mit den Wassergrundstücken verwies. Gribl schloss mit den Worten “Das werden wir miteinander bestehen müssen”. Ein Tenor, der sich auch in Stefan Kiefers Haushaltsrede fand: “Erstmals seit zwei Jahren war ein Miteinander beim Haushalt wieder möglich”.



Es weihnachtet in den Theatern

Jetzt wird’s ernst mit Weihnachten – auch im Theater. Schon am heutigen Freitag, 16. Dezember wird im Parktheater „Russische Weihnacht“ gefeiert – mit dem Großen Chor der Chorkunstakademie Moskau unter der Leitung von Alexej Petrow, der einen Querschnitt durch die jahrhundertealte Tradition der russischen Chor- und Kirchenmusik bis hin zu rituellen Volksliedern der Weihnachtszeit zelebriert.

Weihnachten allerorten: Im Parktheater ist der Chor der Chorkunstakademie Moskau zu Gast

Die weihnachtlichen Kirchengesänge und die stimmungsvollen Zeremonien der Russischen Kirchen hatten selbst den religiösen Skeptiker Peter I. Tschaikowsky zu einer Liturgie inspiriert. Ausdrucksstark näherte er sich darin den orthodox-liturgischen Gesängen an. Unmittelbar auf Tschaikowskys Liturgie bezog sich im Jahr 1915 Sergej Rachmaninow mit seiner „Chrysostomos-Liturgie op.31“ – Gesänge, die allesamt die Sinnlichkeit der russischen liturgischen Musik atmen. Der zweite Teil des Konzerts beleuchtet ergänzend die bedeutende Rolle, die das Volkslied in der russischen Musik generell, insbesondere aber zu Weihnachten spielt. In diesem Zeitraum sind wie bei keinem anderen Fest in Russland zahllose Brauchtümer und Rituale zu erleben.

Die Hochschule der Chorkunstakademie wurde 1991 gegründet. Sie sieht sich jahrhundertealten Traditionen der russischen Ausbildung im Bereich der Chorkunst verpflichtet und vereint heute sieben Chorensembles: einen Knabenchor, einen Jugendchor, vier gemischte Chorensembles und einen Männerchor. Das Repertoire der Akademie-Ensembles umfasst weltliche und geistliche Musik russischer und europäischer Komponisten, vom Altertum bis hin zu zeitgenössischer Musik.

Das Konzert im Parktheater beginnt am Freitag, 16.12. um 19.30 Uhr. Die Tickets kosten 25, 29 und 32 € zzgl. Gebühren. Info und Tickets unter Tel. 906 22 22 sowie unter www.parktheater.de, dort gibt’s auch ein Video des Chores.

Tags darauf, am Samstag, 18.12., weihnachtet es im Parktheater gleich nochmal: Eine „weihnachtliche Ballettgala“ steht auf dem Programm. Der „Förderkreis DanceArt e.V.“ lädt ein zu einer Vorführung mit junge Eleven, ehemaligen Spitzentalenten und Preisträgern der Ballettakademie DanceCenter No1. Ziel des neu gegründeten Vereins „DanceArt“ ist es, junge Talente im Tanz zu fördern und hochbegabte Kinder bei wirtschaftlicher Überforderung zu unterstützen. Erstklassige Solisten, Preisträger und ehemalige Schüler und die YDC (Young DanceCompany) in farbenprächtigen Kostümen zeigen Ballett-Highlights aus dem Klassischen wie Modernen Repertoire, das Programm verspricht „unvergessliche Melodien, mitreißende Tanzszenen, weihnachtliches Ambiente.“ Der Ballettabend beginnt um 19.00 Uhr, es gibt Tickets zu 20 und zu 30 € zzgl. Gebühren.

Das einzige Problem an der Sache: Am selben Abend findet auch die Weihnachtsfeier des Stadttheaters statt. „Auf der Suche nach einer Herberge“ nennt sich – wieder mal eindeutig zweideutig – die festliche Weihnachtsfeier, zu der das Theater Augsburg bei Dierig einlädt. Geboten wird ein spartenübergreifendes Programm u.a. mit der Sopranistin Sophia Brommer, Schauspielern des Ensembles, dem Extrachor des Theaters und dem Philharmonischen Orchester Augsburg. Stimmen Sie sich gemeinsam mit uns auf die Weihnachtszeit ein! Beginn ist um 17.00 Uhr, der Eintritt kostet 12 Euro (8 Euro ermäßigt), Karten sind beim Besucherservice erhältlich.



Maxfest: Nichts als Barbarei

Kommentar von Siegfried Zagler

„Die Maximilianstraße soll man sich nicht als Straße vorstellen, sondern als eine Abfolge von Plätzen“, dies haben wir als Kernaussage in der Diskussion um die anstehende Sanierung der Maximilianstraße gelernt. Dabei geht es um städtebauliche Überlegungen und insbesondere darum, ob man durch die Maximilianstraße eine Straßenbahn führen soll – oder nicht. Die Debatte ist zwar spät, aber immerhin wirkungsvoll geführt worden. Dass die Maximilianstraße wie kein anderer Ort die Geschichte dieser Stadt reflektiert – und somit in gewisser Weise vom Glanz und vom Elend dieser Stadt erzählt -, ist in der aktuellen Debatte um die Maxnullsoundso-Feste nicht von Relevanz. Würde man eine ernsthafte Diskussion über die schädlichen Effekte führen, die die drei Ballermann-Tage auf der Maxstraße generieren, müssten sich die Maxfest-Macher vor Scham in Luft auflösen.

Maxnullsoundso: Ästhetisches Fiasko

Davon ist man allerdings noch weit entfernt, auch wenn sich am heutigen Freitag Augsburgs Popkulturbeauftragter Richard Goerlich gegenüber dem CIA-Geschäftsführer Stinglwagner bezüglich seines Ansinnens, die Max-11-Party zum Bestandteil des kulturellen Rahmenprogramms der Frauen-WM zu machen, abschlägig äußern wird. Goerlich will sich die hausgemachte und fein abgestimmte Suppe seines “City of Peace”-Projektes nicht versalzen lassen. Heinz Stinglwagner kann sich somit seinen naiven Plan abschminken, die Stadt bezüglich der verschärften Sicherheitsauflagen stärker in die Pflicht zu nehmen, indem man die Party-Exzesse einer enthemmten Szenegastronomie in eine städtische Veranstaltung einbindet.

Die Sanierung der Maxstraße beginnt im Kopf

Die CIA hat das Maxfest überzogen und den Erfolg der Veranstaltung an den Besucherzahlen gemessen, und dabei – anders kann man den Vorstoß der „Ordnungsbehörde“ und der Polizei nicht deuten – den Bogen sicherheitstechnisch überspannt, auch wenn im letzten Jahr außer den üblichen „Alkoholleichen“ nichts dramatisches passiert ist. Mit ihrem Größer, Größer und Größer-Gedöns als einziger konzeptioneller Grundaussage hat sich die CIA als Veranstalter schon längst selbst ins Knie geschossen.

Trading-Down-Effekt durch enthemmte Szenegastronomie

Die sinnfreien Sauf-Sausen auf der Maximilianstraße haben die Augsburger Prachtstraße zur Partymeile definiert und seit 2004 den Trading-Down-Effekt einer Straße eingeleitet, die die Stadt bisher im Innersten zusammenhielt. Die aktuelle Situation in der Maxstraße sollte nicht als gravierendes Anwohnerproblem betrachtet werden (obwohl sie das natürlich auch ist), sondern als allgemeiner Niedergang eines Ortes, der früher der Stolz der gesamten Bürgerschaft dieser Stadt war. Die kulturelle Verslumung – nicht nur in gastronomischer Hinsicht – der Maximilianstraße hat viele Gründe, einer ist das Maxfest in seiner jetzigen Machart. Die CSU, die SPD und die FDP haben bereits ihre populistischen Unterstützerdepeschen verschickt, ohne zu ahnen, dass eine solide Mehrheit der Augsburger Bürgerschaft das Maxfest als nichts anderes als Barbarei empfindet und dem Elend der touristischen Umlandveranstaltung fernbleibt. Die Maxfeste brauchen ein Konzept, weshalb eine einjährige Pause, ein Innehalten im Jahr der Frauen-WM sehr sinnvoll wäre. Der Popkulturbeauftragte Richard Goerlich sollte zusammen mit Raphael Brandmiller ein kulturelles Nutzungskonzept für die Maximilianstraße entwickeln. Es wäre Goerlich hoch anzurechnen, wenn er in der jetzigen Situation die Stirn hätte, öffentlich zu sagen, dass die Sanierung der Maxstraße im Kopf beginnt, und deshalb die Massenparty in ihrem jetzigen Format auf der Maximilianstraße nichts verloren hat.