DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Theaterführung strukturiert sich neu

Nach Weggang von Ralf Waldschmidt kein Operndirektor mehr

Von Frank Heindl

Ralf Waldschmidt, scheidender Operndirektor am Augsburger Drei-Sparten-Haus, wird keinen direkten Nachfolger bekommen. Waldschmidt wechselt zum Jahresende als Intendant ans Theater Osnabrück, doch seine Position wird in Augsburg nicht mehr besetzt. Stattdessen hat Intendantin Juliane Votteler in Zusammenarbeit vor allem mit Generalmusikdirektor Dirk Kaftan die Leitung des Hauses neu strukturiert. Votteler selbst will wie auch Dirk Kaftan verstärkt in die Opernleitung einsteigen, Kaftan bekommt zu seiner Entlastung einen persönlichen Referenten, hinzu kommt eine Chefdramaturgin, die für Oper und Schauspiel zuständig sein wird.

“In diesen schwierigen Zeiten” – Theater Augsburg

Aus der Perspektive der Intendantin macht die Umstrukturierung durchaus Sinn. Da ist zunächst das Orchester: Dirk Kaftan hat seine Eingewöhnungsphase hinter sich, Waldschmidt habe ihm „den Einstieg leicht gemacht“ – doch nun sollen „die Strukturen durchlässiger werden.“ Eine personelle Trennung zwischen Philharmonischem Orchester und der Oper sei nicht mehr nötig. Auch „für das Bewusstsein im Haus“ sei es wichtig, betont Votteler, „dass in diesen schwierigen Zeiten“ keine „Einzelkämpfermentalität“ entstehe. Kaftan wird in seiner Arbeit ab sofort durch den 41jährigen Tillman Böttcher unterstützt. Der wird nicht nur persönlicher Referent des GMD, sondern soll Kaftans Jugendarbeit weitertreiben. Dafür bringt Böttcher beste Referenzen mit: Er war bisher Leiter der „jeunesse musicale“ in Weikersheim – einer Akademie für die musikalische Weiterbildung von Jugendlichen – und hat dort auch das konzert- und musikpädagogische Programm verantwortet. Man kann sich gut vorstellen, dass Kaftan mit Böttchers Unterstützung noch deutlich mehr aus seiner Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Schulen herausholen will und kann. „Musik und Menschen zusammenbringen“ will Böttcher und sich dabei auf „junge Leute zwischen fünf und 35“ konzentrieren.

Als weitere Unterstützung der Musiksparte kommt Katharine John ans Stadttheater. Die 40-Jährige ist im Moment noch stellvertretende Chefdramaturgin an der Deutschen Oper Berlin – in Augsburg steigt sie schon teilweise ein, endgültig dann von der kommenden Spielzeit an wird sie Chefdramaturgin nicht nur für die Oper, sondern für das ganze Haus, also auch für das Schauspiel. Hauptgrund für Johns Ausscheiden in Berlin dürfte der Weggang von Intendantin Kirsten Harms sein – und die Tatsache, dass sie in Augsburg selbst Chefin wird. Sie bringe Erfahrungen aus dem äußerst schwierigen Umfeld der Berliner Oper mit, sagt sie – die Konkurrenz mehrerer Opernhäuser und die politisch permanent unsichere Situation in der Hauptstadt mit schwierigen Kommunikationsstrukturen hätten sie in den letzten Jahren geprägt. John verspricht sich von Augsburg die Möglichkeit, „sich direkter mit den Themen einer Stadt auseinanderzusetzen“ und in die Stadt hineinzuwirken.

Böttcher wie John scheinen sich auf Augsburg zu freuen – von den Bauproblemen am Stadttheater wollen sie sich nicht schrecken lassen, Böttcher betont, er habe bei seiner Entscheidung vor allem „auf die spannenden und positiven Aspekte von Augsburg geguckt“ und viele solche gefunden. Auch Katharina John betont, Augsburg sei „nicht nur eine Handels- und Banken-, sondern auch Kulturstadt“ und resümiert, sie habe da „noch große Hoffnung“. Große Hoffnungen hat auch Ralf Waldschmidt: Er sei gerne in Augsburg gewesen und gehe „schweren Herzens.“ Nun reize ihn zwar die größere Aufgabe in Osnabrück, er sei sich aber bewusst, dass es „nicht geklappt hätte“ mit der dortigen Intendanz, „wenn nicht die letzten drei Jahre in Augsburg so gut gelaufen wären.“ Die Verbindung nach Augsburg soll aber nicht abreißen: Osnabrück nennt sich – wegen der dortigen Unterzeichnung des Westfälischen Friedens – „Friedensstadt“ wie Augsburg. Votteler und Waldschmidt sehen in dieser Gemeinsamkeit Ansatzpunkte für zukünftige gemeinsame Projekte.



Karl Ganser im Presseclub

Prof. Karl Ganser stellt am morgigen Mittwochabend im Presseclub sein Buch „Industriekultur in Augsburg“ vor.

Ganser „führt Leser wie Zuhörer gemeinsam mit den Pionieren des Industriezeitalters auf fünf Wegen zu den ‘Perlen der Augsburger Industriekultur’, ins Textilviertel, ins alte Stadtbad, in den Bahnpark, in die Nähfadenfabrik Göggingen und zum Hochablass“, wie es im Einladungstext des Veranstalters heißt.

Augsburger Gaswerk

Augsburger Gaswerk

Foto: Kleeblatt-Film


Den Hinterhof des Ruhrgebiets hat Professor Karl Ganser erfolgreich zum Emscher Park umgemodelt – seine Vision, aus dem Augsburger Gaswerk eine „grüne Oase der Schönheit in einer gewerblichen Wüste“ zu machen, steht der Realisierung noch fern. Aus den Augen verloren hat der „Architekt des neuen Ruhrgebiets“ das Augsburger Denkmal dennoch ebenso wenig wie andere historische Industriebauten am Lech. – „Deutsches Manchester“ nannte man Augsburg im 19. und 20. Jahrhundert wegen seiner vielen Textil- und Maschinenfabriken. Hier entstanden einige der frühesten Industrien Deutschlands. Im Augsburger Textilviertel reihte sich ein Fabrikschloss ans nächste. In Augsburg wurden Innovationen wie Flugdrachen und die erste Zentralheizung Deutschlands, die früheste deutsche Zeitungsrotationsdruckmaschine und der von Rudolf Diesel entwickelte Motor geschaffen. Das Augsburger Wasserwerk war eine europaweit bestaunte technische Sensation, das ehemalige Gaswerk ist heute in ganz Europa einzigartig. Vom Lech bei Augsburg ging die Elektrifizierung der Region mit Strom aus Wasserkraft aus.

Näheres über die Augsburger Industriekultur, das Buch dazu und die damit verbundenen Intentionen erzählt Professor Ganser im Gespräch mit Presseclub-Mitglied Ingrid Bergmann. Der Talk mit Ganser findet am Mittwoch, 15. Dezember um 19.30 Uhr im Georgenkeller, Georgenstr. 24 statt.



Ein Jahr „Regionalwährung“ LechTaler in Augsburg

Erweiterung um elektronische Version wird vorgestellt



Seit einem Jahr gibt es in Augsburg das regionale Gutscheinsystem “LechTaler”, das ähnlich wie der “Chiemgauer” funktioniert. Ziel ist es, Arbeit und Wertschöpfung in der Region zu belassen und durch kurze Transportwege das Klima zu schützen. Am Donnerstag blicken die Betreiber zurück und nach vorn, unter anderem wird das neue elektronische Verrechnungssystem eLT für den LechTaler vorgestellt. Die Hintergründe für „Regiogelder“ werden in einem Vortrag beleuchtet. Hierzu sind die Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen.

Vortrag im Bildungscafé YouED

Fuggerstr. 9, Rückgebäude

Donnerstag, 16. Dezember, 19 Uhr