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Bauausschuss: Hyperaktivismus vor Weihnachten

Zwei Tage nach der Mammutsitzung zum Curt-Frenzel-Stadion forderte die gestrige Sitzung des Bauauschusses mit 20 Tagesordnungspunkten und einer 800-seitigen Beschlussvorlage den Stadträten das Äußerste ab. Einigen Teilnehmern schlug das gewaltig auf die Stimmung.

Stefan Quarg

Stefan Quarg


Ein noch unter dem Eindruck tage- und vermutlich auch nächtelanger Akteneinsichtsarbeit zum Eisstadion stehender Stadtrat Stefan Quarg (SPD) machte seinem Ärger als erster Luft. Er verstehe diesen “Hyperaktivismus vor Weihnachten” nicht. Obwohl er teils schon bis Mitternacht arbeite, sei er “nicht in der Lage, das durchzuarbeiten”, so der Architekt unter Verweis auf die umfangreichen Sitzungsunterlagen. Wenn das Schule mache, dann werde das Ehrenamt des Stadtrats nicht gewürdigt: “So macht das keinen Spaß mehr”. Bürgermeister Hermann Weber (CSU), der die Sitzung leitete, versuchte eine Rechtfertigung und wies darauf hin, dass das Problem ein selbst gemachtes sei: “Wenn wir mit unseren Beschlüssen der Verwaltung den Takt vorgeben und es dort bearbeitet wird, müssen wir es auch zur Entscheidung führen”.

Eva Leipprand (Grüne) wollte sich nicht in dieser Weise die Schuld zuschieben lassen. Unter Verweis auf die Themen der Tagesordnung (Königsplatz, Maximilianstraße, Hauptbahnhof, Fußgängerzone) und auf die Dicke der Beschlussvorlage (“Ich hab’s gemessen, es sind 5 Zentimeter”) entgegnete sie: “Wir müssen praktisch heute aufräumen, was an Chaos durch den Bürgerentscheid 2007 angerichtet wurde”. Es sei eine “große Zumutung”, unter Hast und Zeitdruck “nicht ganz durchdiskutierte Entscheidungen” fällen zu müssen.

“Gibt es Erläuterungsbedarf? Gibt es Wortmeldungen?”

Als Baureferent Gerd Merkle anschließend das Wort ergriff und sich ausgiebig und namentlich bei seinen Mitarbeitern in den Ämtern für die geleistete Arbeit bedankte, brachte dies bei Stefan Quarg das Fass zum Überlaufen: “Danke, dass Sie die Verwaltung gegen die Stadträte ausspielen. Die einen haben gemacht, da müssen die anderen eben nachziehen”.

Hermann Weber hatte Mühe, die Debatte von der persönlichen wieder auf die Sachebene zu ziehen. Es sei immer schon so gewesen, dass die Tagesordnungen der letzten Sitzungen vor der Sommer- und der Winterpause besonders umfangreich waren, versuchte er die Wogen zu glätten. Dass er selbst seinen Humor noch nicht verloren hat, zeigte Weber beim nächsten Tagesordnungspunkt: Das Thema “Königsplatz und Augsburg-Boulevard” mit einer 312 Seiten starken Drucksache rief er mit der Standardfrage “Gibt es hierzu Erläuterungsbedarf, gibt es Wortmeldungen?” auf und hatte damit die Lacher auf seiner Seite.

» Bebauungsplan 500: Bauausschuss votiert für Satzungsbeschluss



Bebauungsplan 500: Bauausschuss votiert für Satzungsbeschluss

Mit zwei Gegenstimmen empfahl gestern der Bauausschuss dem Stadtrat, den Bebauungsplan 500 “Königsplatz und Augsburg-Boulevard” satzungsmäßig zu beschließen.

Die Endfassung des Bebauungsplans enthält gegenüber dem Entwurf aus dem Billigungs- und Auslegungsbeschluss vom 10. Juni 2010 einige Änderungen. So wurde die vorsorgliche einspurige Entlastungsstraße in Süd-Nord-Richtung zwischen Konrad-Adenauer-Allee und Fuggerstraße aus dem Ratsbegehren in den Plan aufgenommen. Neu ist auch eine Fahrspur am Alten Einlass in Ost-West-Richtung von der Grottenau zum Bahnhof. Im Entwurf war dieser Bereich als reine Einbahnstraße in West-Ost-Richtung geplant. Der Manzubogen wird zwar gebaut, aber als “temporäre Maßnahme” nicht in den Bebauungsplan aufgenommen.

Am Alten Einlass – Grafik: Stadtratsdrucksache zum Satzungsbeschluss

In der eineinhalbstündigen Diskussion erläuterte Dr. Stefan Kiefer (SPD), warum seine Fraktion, die beim Billigungs- und Auslegungsbeschluss noch gegen den B-Plan 500 gestimmt hatte, jetzt zustimmen könne. Man stehe dem Plan zwar immer noch “mit Bauchschmerzen” gegenüber. 150 Meter Autofreiheit würden teuer erkauft, das meiste Geld werde dabei nicht in den ÖPNV, sondern in den motorisierten Individualverkehr investiert. Die Kritik der SPD habe sich aber nie gegen die Zielsetzung, sondern gegen die Umsetzung gerichtet. Seit Juni seien einige SPD-Kritikpunkte durch Detailverbesserungen abgemildert worden. Außerdem habe man beim Tunnel-Bürgerentscheid – auch im Hinblick auf den Hauptbahnhof – zusammenstehen müssen. In Richtung Grüne rechtfertigte Kiefer die SPD-Forderung nach der Entlastungsstraße über den Kö: “Falls es am Kaiserhof nicht funktioniert, dann können Sie nicht einfach die Augen zumachen”.

Grüne bleiben beim Nein zum “Bypass” über den autofreien Kö

Diskutiert wurde auch die Entlastungsstraße über die Ladehöfe beim Bahnhof. Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) wollte für die Bürger klargestellt haben, dass diese Straße für die Funktionsfähigkeit des Königsplatzes nicht erforderlich sei. Bedenken, falls die Trasse zur Fertigstellung des Königsplatzes nicht zur Verfügung stehe, seien nicht gerechtfertigt.

Auf Wunsch von Eva Leipprand (Grüne) wurden die sieben Punkte der 312-seitigen Beschlussvorlage einzeln abgestimmt. So hatte Leipprand die Möglichkeit, gegen den “Bypass” aus dem Ratsbegehren zu stimmen, das die Grünen eben wegen dieser Entlastungsstraße nicht mitgetragen hatten. Der Gesamtbeschluss fiel gegen zwei andere Stimmen: Karin Egetemeir (SPD) und die Freien Wähler lehnten den Bebauungsplan 500 ab.



Schaezlerpalais zeigt Franziskanerkrippe aus Ulm



Noch zu Lebzeiten des Franz von Assisi kamen im Jahre 1221 die ersten Franziskaner nach Augsburg. In den armen Handwerkervierteln fanden die „Barfüßer“, wie sie vom Volk genannt wurden, schnell Zulauf und förderten, neben ihrer sozial- und seelsorglichen Arbeit, Literatur und Musik und führten somit maßgeblich die Augsburger Stadtgeschichte fort. Nicht nur die „Rechtssätze“ (1275), sondern auch das Augsburger Stadtrechtsbuch stammen aus der Feder der Franziskaner, deren fundamentalchristliche Lehre sich als Bewegung in Augsburg zu formieren begann und sich von hier aus in ganz Deutschland verbreitete. Weshalb es zur Weihnachtszeit nicht verwunderlich ist, dass das Schaezlerpalais im Zugangsbereich der Deutschen Barockgalerie eine so genannte „Franziskanerkrippe“ ausstellt. Die Krippe stammt aus dem aufgelösten Franziskanerkloster Ulm. Entstanden ist sie wohl in den zwanziger Jahren, in denen auch das Kloster in Ulm gegründet wurde. Eine für die franziskanische Krippenfrömmigkeit typische Figur ist die zur Tonkrippe zugehörige Figur des hl. Franziskus von Assisi, der nach einer Schilderung in einer seiner Viten in Greccio das erste Krippenspiel aufführte und hier zusammen mit den Hirten und Königen das Christkind verehrt. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Schaezlerpalais, Maximilianstr. 46 kostenlos zugänglich.



Theater: Weihnachtsfeier und Herbergssuche

Zwei Kandidaten gibt es, die sich mit den Schwierigkeiten der Herbergsbesuche besonders gut auskennen: Joseph & Maria auf der einen Seite, das Augsburger Theater auf der anderen. Kein Wunder also, dass letzteres mit besonderer Inbrunst Weihnachten feiert – vielleicht leuchtet ja im nächsten Jahr endlich auch den Menschen am Kennedyplatz mal ein Stern.

Vorerst leuchtet er (unter anderem) bei Dierig, wo derzeit Nis Momme Stockmanns „Kein Schiff wird kommen“ aufgeführt wird“ – und am 19. Dezember ab 17 Uhr die festliche Weihnachtsfeier des Theaters stattfindet. Unter dem Motto „Auf der Suche nach einer Herberge“ gibt es ein spartenübergreifendes Programm u.a. mit Sophia Christine Brommer sowie Schauspielern des Ensembles. Der Extrachor des Theaters singt klassische Weihnachtslieder und das Philharmonische Orchester Augsburg stimmt mit Mozart auf die Weihnachtszeit ein. Der Eintritt kostet 12 Euro (8 Euro ermäßigt), Karten sind ab sofort beim Besucherservice erhältlich.



Nicolas Koeckert: Violinwerke im Rokokosaal

Sonaten von Francis Poulenc, Giuseppe Tartini und César Franck sowie eine Fantasie über George Gershwins „Porgy and Bess“ spielt der international bekannten Geiger Nicolas Koeckert am morgigen Samstag im Augsburger Rokokosaal der Regierung von Schwaben. Bereits als 19jähriger Solist hat Koeckert das Augsburger Publikum verzaubert. Gemeinsam mit seiner Frau, der mehrfach ausgezeichneten Pianistin Kristina Miller-Koeckert, bestreitet der inzwischen gereifte, vielgefragte Musiker nun ein schwungvoll-abwechslungsreiches Programm mit Werken aus der Barockzeit bis in die Zeit der frühen amerikanischen Musicals.

Nicolas Koeckert ist Münchner. Im Alter von fünf Jahren erhielt er bereits erste Geige, mit 16 Jahren studierte er an der Würzburger Hochschule für Musik Würzburg, später in Köln. 2007 schloss er sein Konzertexamen ab, doch schon 2001 hatte er den ersten Preis beim International Competition for Young Violinists Novosibirsk, den Spezialpreis für die beste Interpretation des Pflichtstückes und den Kulturpreis der Stadt Novosibirsk gewonnen. Nicolas Koeckert konzertiert mit führenden Orchestern – unter anderem mit dem Orchestre Symphonique de Montréal, dem Russian National Symphony Orchestra, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Royal Philharmonic Orchestra und den Bamberger Symphonikern. 2005 gastierte er in Augsburg bei einem Konzert im Rahmen des 5. Internationalen Violinwettbewerbs Leopold Mozart.



Nicolas Koeckert spielt Violinsonaten:

Samstag, 11. Dezember 2010, 20 Uhr.

Rokokosaal der Regierung von Schwaben,

Fronhof 10.

Eintritt: 22 Euro.

Vorverkauf: Böhm & Sohn, 0821 5028425