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Curt Frenzel Stadion – Mit Vernunft die Dinge abwägen



Kritik an der Stadtspitze, der Stadtregierung und die hektische Suche nach Verantwortlichen ist derzeit vollkommen unangebracht. Die rechtlich richtige Reihenfolge hat unser Oberbürgermeister bereits aufgezeigt:

  • zuerst Planungsunterlagen überprüfen,
  • dann Nachbesserung zu verlangen
  • und schließlich den Zeitplan zu organisieren.

Diskussionen vor der Sonderstadtratsitzung am Dienstag sind daher wenig zielführend, zumal sie jeglicher Grundlage entbehren.

Dies schließt nicht eine Diskussion aus, sobald der Sachverhalt aufgeklärt ist. An erster Stelle muss jedoch eine zeitnahe, zielorientierte und zielführende Stadionsanierung stehen.

Völlig unangebracht ist es die Leistung der Stadtregierung in Frage zu stellen, zumal es dieser Stadtregierung trotz angespannter Haushaltslage gelungen ist, 16 Mio. € für den notwendigen Stadionumbau bereit zu stellen und zu sichern.

Alle am Eishockeysport- und Stadionumbauinteressierte fordern wir daher auf, mit Vernunft die Dinge abzuwägen.




Augsburg, 6. Dezember 2010

Bernd Kränzle, MdL

Fraktionsvorsitzender



Container hier, Container da

Die Figaro-Premiere zeigt ein Tollhaus – und der OB zieht Parallelen zum Container-Ärger

Von Frank Heindl

Es begann mit einer extrem schnell dirigierten Ouvertüre, es folgten Intrigen, Fehlentscheidungen, Verwicklungen, bis keiner mehr so richtig durchblickte, es gab Demos und Massenszenen und manchmal hatte man als Zuschauer das Gefühl: Jetzt rasten alle völlig aus. Nein, wir sprechen nicht von dem Theater um die geplante Ersatzspielstätte hinterm Theater, sondern von „Figaros Hochzeit“ auf eben diesem Theater. Aber vielleicht sollten wir doch von beidem sprechen.

Demo gegen den grapschenden Grafen – Jan Philipp Glogers Figaro-Inszenierung reizte alle Trümpfe des Themas aus: Er zeigte vom Aufbegehren der Dienerschaft …

Demo gegen den grapschenden Grafen – Jan Philipp Glogers Figaro-Inszenierung reizte alle Trümpfe des Themas aus: Er zeigte vom Aufbegehren der Dienerschaft …


Also nochmal von vorn: Kevin John Edusei am Dirigentenpult gab schon in der Ouvertüre ein enormes Tempo vor – musikalisch schien das nicht hundertprozentig optimal, der Inszenierung allerdings war’s sehr angemessen. Denn schon die ersten Szenen zeigten ein fleißiges bis hektisches Hin und Her im Arbeitertrakt jenes Grafen, um dessen außereheliches Liebeswerben sich Mozarts 1786 erstmals aufgeführte Oper spinnt. Der weitere Verlauf ist äußerst verwirrend – doch selbst wer zwischendurch den Faden verliert, kann ihn jederzeit wieder aufnehmen: Wichtig ist nur, dass in dieser screwball comedy bald keiner mehr weiß, wer wen warum betrügt. Und nicht nur das: Jan Philipp Glogers Inszenierung entfaltet schnell eine enorme Sogkraft und zeigt einen gräflichen Haushalt, in dem Moral ein Fremdwort ist, in dem es nahezu jeder mit jeder und jedem zu treiben scheint und in dem jeder Betrogene teils mehrfach wieder betrogen wird.

… bis zum hoch erotischen Verwirrspiel …

… bis zum hoch erotischen Verwirrspiel …


Allen voran ist der Graf ein bekannter Triebtäter – eine Demo seiner Bediensteten fordert Schluss mit der „sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz“. Dass alle weiblichen Teilnehmer schwanger sind, verursacht dem Grafen heftige Schweißausbrüche – bis sich herausstellt, dass die Bäuche mit Kissen gestopft sind – einer von Figaros meisterhaften Streichen. Die Dienerschaft ist aufmüpfig in Beaumarchais‘ Komödie, aus der Lorenzo da Ponte sein Libretto für Mozart gereimt hat, und Figaro ist nicht nur Protagonist dieser frechen Auflehnung, sondern mitunter auch Opfer seiner eigenen Vermessenheit, wenn er sich in den Stricken seiner Intrigen gegen den Grafen verheddert und zwischendurch glauben muss, auch seine Angebetete Susanna sei ihm nicht ganz treu.

Ein knisternd erotisches Vergnügen

… ein wahres Tollhaus fröhlicher Morallosigkeit (Fotos: A.T. Schaefer)

… ein wahres Tollhaus fröhlicher Morallosigkeit (Fotos: A.T. Schaefer)


Und sie ist’s auch nicht – zumindest ansatzweise. Die Szene etwa, in der die betrogene Gräfin und Figaros Susanna den schönen Cherubino für eines ihrer Racheunternehmen verkleiden wollen, baut Gloger zu einem hochexplosiven Verführungsreigen aus – zum Verkleiden gehört nämlich auch das Entkleiden, und die beiden Damen bereiten sich und dem Publikum daraus ein knisternd erotisches Vergnügen. Cherubino allerdings wird ein paar Szenen später schon mit einer neuen Gespielin hinter seinem Dienstherrn herumtollen, und überhaupt muss hier der Kater nicht einmal den Raum verlassen, damit die Mäuse auf den Tischen tanzen – nicht nur die Moral, auch die Feudalmacht ist völlig auch den Fugen. Ein Glück auch, dass Mozart für seine Oper einen Chor vorgesehen hat: Dessen Mitglieder verstärken noch das bunte Treiben der Hauptakteure, und mitunter glaubt man, nun seien alle toll geworden – zum Ende des zweiten Aktes tobt ein wilde Balgerei auf der Bühne, es werden Kissen umher geworfen, man tanzt und jagt sich durch die Gegend, rennt sinnlos hin und her – und Figaro spielt den wilden Stier.

Nach der Pause verliert dann das Geschehen ein wenig an Fahrt – aber Mozarts Musik überbrückt spielend ein paar kürzere Phasen, in denen lange Rezitative sich inszenatorisch nicht ohne weiteres aufpeppen lassen. Spaß hat man auch weiterhin an der bunten Szenerie, an Tohuwabohu und Intrigendschungel. Als sich am Schluss alles im unvermeidbaren Happy End auflöst, liegen sich nicht nur Mann und Frau, sondern auch Mann und Mann in den Armen, offiziell hat man sich versöhnt, inoffiziell hat man in dieser Inszenierung aber auch anerkannt, dass Liebe und Erotik gerne andere Wege als die offiziell anerkannten gehen – und dass das gut ist so.

„Ich mache es nicht!“, donnert die Intendantin

Was das alles nun mit der eingangs erwähnten Ersatzspielstätte zu tun hat? Nachdem wieder einmal der Plan vorläufig gescheitert ist, alsbald mit dem Bau des Containers zu beginnen, geißelte Intendantin Juliane Votteler in ihrer Rede auf der Premierenfeier im Foyer entschieden alle Unkenrufe, die das Interim als gescheitert betrachten und die alte Diskussion neu aufwärmen wollen, ob das Theater endgültig beispielsweise ins tim oder zu Dierig ziehen könnte – wo ja derzeit in der Tat gelungene Inszenierungen zu sehen sind. „Ich mache es nicht!“, donnerte die Intendantin zornig. Weder werde sie „dem Leiter des tim seine Räume wegnehmen“, noch werde sie sich auf ein neues „Hin-und-her-Wenden und -Planen“ einlassen. Votteler beschwor Zuschauer und den anwesenden Oberbürgermeister, „dass wir jetzt ein Machtwort brauchen“ – und dass in diesem Moment von draußen Polizei und Martinshorn zu vernehmen waren, hätte wieder eine lustige Regieidee von Jan Philipp Gloger sein können.

Auf den und die eben gesehene Oper bezog sich Gribl in seiner Entgegnung: So schwer, wie es gewesen sei, in Mozarts Verwirrstück den Überblick zu bewahren, so kompliziert seien inzwischen auch die Ereignisse um den Container geworden. Er stehe aber fest zu den getroffenen Entscheidungen, halte an der Ersatzspielstätte fest, lehne das tim als Dauerspielort ab und suche nach Lösungsmöglichkeiten innerhalb der zwei Optionen, entweder die Ersatzspielstätte neu zu definieren, um so ein Angebot im Rahmen der zur Verfügung stehenden 4,2 Mio. Euro zu erhalten, oder mehr Geld aufzutreiben, um das vorliegende, teurere Angebot annehmen zu können. Er halte an der Absicht fest, ohne neue, zeitaufwändige Ausschreibung zügig weiter zu planen und zu bauen. Dass Gribl anschließend noch auf die kuriose Debatte einging, wie das Projekt nun heißen solle (er plädierte engagiert für den auch nicht gerade romantischen Begriff „Theaterbox“ anstelle der offenbar weniger ansprechenden Bezeichnung „Container“) – das dürfte die wenigsten Zuhörer interessiert haben. Die wären ganz einfach froh, wenn das Ding endlich da wäre. Ganz egal, unter welchem Namen.



CFS-Debakel: Ehrenpräsident Neumann läuft Amok und entschuldigt sich dafür

Kommentar von Siegfried Zagler

Gottfried Neumann, in Personalunion viele Jahre Sponsor und Präsident des in der Vergangenheit nicht selten krisengebeutelten Augsburger Eislaufvereins, hat viel Gutes für den AEV bewirkt und als Emissär in Sachen CFS-Sanierung hätte er wirkungsvoll und dauerhaft das größte Kapital der Panther GmbH zur vollen Entfaltung bringen können: die Augsburger Eishockeyfans. Doch mit seinem zweiten Offenen Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl hat sich Neumann am 2. Dezember als inoffizieller Unterhändler der Fan-Interessen aus der Debatte gekegelt.

Hat sich die AGS zu einem Risiko-Satelliten entwickelt, den man wieder in den passenden Orbit zurückholen muss?

Verplante Südtribüne: Zufall oder Methode?

Verplante Südtribüne: Zufall oder Methode?


Auch ohne Neumann wird der Ausgang der Debatte, wie man das verplante CFS zu sanieren habe, die Augsburger Stadtgeschichte in hohem Maße prägen. Die Frage, ob die Stadt die Fehlplanungen auf ihrer Baustelle ohne Gewürge und ohne faule Kompromisse zu reparieren in der Lage ist, ist eine Frage, an der viel mehr hängt als C-Werte und Sichtlinienrabulistik. Die Sanierung des verpfuschten CFS wird als Antwort auf eine grundsätzliche Frage verstanden werden müssen: Sind die Fehlplanungen am CFS dem Zufall geschuldet, oder steckt dahinter Methode, ein System, das mit “strukturell gewachsener Verfilzung” und “speziellen Verflechtungen” zu umschreiben wäre? Kann man der Stadt in Zukunft weiterhin die hauseigene Immobilienentwicklung in dieser Form überlassen, oder hat sich die städtische Bau-Tochter AGS in den letzten Jahren zu einem aufgeblähten Risiko-Satelliten entwickelt, den man wieder in den passenden Orbit zurück holen muss?

Neumann ist für die Panther zur Belastung geworden

Gottfried Neumann scheint die Antwort bereits zu kennen und hat in seinem zweiten Offenen Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl vor wenigen Tagen einen unsäglichen Kommentar verfasst, der sich inhaltlich und formal wenig von dem Allerwelts-Dilettantismus sowie den üblichen Pauschalisierungen und Unterstellungen der lokalen Internetforen unterscheidet. Eine kleine Kostprobe gefällig? Gerne:

  • “Das Erscheinungsbild der nach gewonnener Rathauswahl handverlesen rekrutierter Referenten-Riege ist erbärmlich. Oder zum Stichwort Königsplatz: Wohl einmalig in Augsburgs Geschichte, dass ein OB einen gigantischen Wahlkampf gegen sein eigenes, wichtigstes Wahlversprechen geführt hat! Das ist toll !!! So gewinnt man Vertrauen – was kann man Ihnen noch glauben.”

Am Ende des Schreibens empfiehlt Neumann beinahe drohend OB Gribl den Wegzug aus Augsburg, damit er wieder in Ruhe leben könne. Mit diesem Amoklauf hat sich Neumann nicht nur als Emissär verbrannt, sondern sich auch als ernst zu nehmende Figur aus der Augsburger Stadtgesellschaft geschossen. Die Panther-Geschäftsführung geht inzwischen deutlich auf Distanz und dementiert ohne Wenn und Aber eine Zusammenarbeit mit Neumann. Sigl/Fedra, die zur Besonnenheit aufrufen: guter AEV. Neumann, der die Fans und die Medien aufwiegelt: böser AEV. Ein abgesprochenes Spielchen? – “Nein!”, versicherten die Panther-Verantwortlichen am Freitagabend glaubwürdig. Man hätte Neumann gerne mitgenommen – seitens der Stadt und seitens der Panther – das ist nun nicht mehr möglich. Neumann ist für die Panther zur Belastung geworden und zur “persona non grata” für die Stadtregierung.

Um weiteren Flurschaden zu vermeiden, hat Neumann am gestrigen Sonntag im “inoffiziellen aev-forum” ein Entschuldigungsschreiben als “Presseinformation” hinterlegt, da er sich im Ton vergriffen habe, wie Neumann einräumt. Mit der “Tonlage des Briefes” sei er der Vorbildfunktion des Ehrenamtes nicht gerecht geworden. Neumann legte aus diesem Grund gestern sein Amt als Ehrenpräsident des AEV nieder. Eine richtige Entscheidung, die Herr Neumann – so ist für alle Beteiligte zu hoffen – zu einer Tugend führt, die er als Emissär so krachledern vermissen ließ: Schweigsamkeit.



Moving Art unter dem Hammer

Graffiti-Auktion bringt 4.300 Euro für guten Zweck

Die Versteigerung der Kunstwerke von Augsburgs größtem Streetart-Wettbewerb “Moving Art” hat am vergangenen Samstag 4.300 Euro eingebracht.

Den Spitzenwert erreichte mit 900 Euro das Werk “Schreib was” von Robert Wilhelm, das die Kreissparkasse Augsburg erwarb. Auch “Feuergeister” von Creator Nine sowie “Modernes Feuer” von Andreas Kaiser erzielten mit 850 Euro bzw. 825 Euro respektable Preise. Die Zuschläge dafür erhielten Erdgas Schwaben und die Lechwerke. Insgesamt kamen zehn Werke mit Einstiegsgeboten von je 100 Euro unter den Hammer. Durch die Versteigerung führte Markus Heffner, Moderator bei hitradio.rt1. Vom Erlös gehen 2.150 Euro an die Stiftung Kartei der Not, die andere Hälfte erhalten die jeweiligen Künstler.

Prämierte Kunstwerke aus drei Wettbewerben

Die Werke entstanden bei drei Wettbewerben, die im Zeitraum Mai 2009 bis April 2010 gemeinsam von der Kreissparkasse Augsburg und dem Büro für Popkultur der Stadt Augsburg durchgeführt wurden. Junge Streetart-Künstler aus Augsburg und der Region gestalteten den 60 Meter langen Bauzaun der Kreissparkasse am Martin-Luther-Platz und konnten auf zwei mal zwei Meter großen Holztafeln ihre Ideen zu den Themen “Energie”, “Dialog” und “Innovation” künstlerisch umsetzen. Jeweils die drei besten Arbeiten wurden von einer fachkundigen Jury ausgezeichnet, mit einem Preisgeld prämiert und nun versteigert. Zudem wurde ein Sonderpreis vergeben.

“Wir freuen uns, dass es mit Moving Art gelungen ist, lebendige Impulse in der Augsburger Innenstadt zu setzen und in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit und Wertschätzung für eine Kunstform zu schaffen, die sonst kaum Beachtung findet”, so Manfred Stöckl, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Augsburg.

» Bauzaun mit Energie

» Moving Art II – Dialog auf dem Bauzaun

» Moving Art III: Graffiti bei Nacht


„Schreib was“



von Robert Wilhelm



Ersteigert zu 900 Euro von der Kreissparkasse Augsburg. Erzielte bei Moving Art II (Motto „Dialog“) den ersten Platz.



Der Künstler nahm die Aufforderung zum Dialog wörtlich. Er befestigte eine kleine Schale am Zaun, schrieb darauf „schreib was“ und legte Kreide und Schwamm hinein. Die Idee, Zaungäste und Passanten in den Dialog einzubeziehen, ging auf: Einige ließen es sich nicht nehmen, ihre Botschaften auf den freien Flächen am Zaun zu hinterlassen. Sie wurden – zumindest zeitweise – Teil des Kunstwerks.


CFS-Debakel: Freie Wähler sehen Baureferent Merkle in der Verantwortung

Am Wochenende nahmen die Augsburger Freien Wähler Stellung zur Umbausituation des Curt-Frenzel-Stadions, “nach umfangreicher Recherche”, wie es in der Pressemitteilung heißt.



Die “Hauptverantwortung und politische Verantwortung” ordnen die Freien Wähler dem Baureferenten Gerd Merkle zu. Dieser habe durch die Beschlussvorlage für den Stadtrat vom April 2009 den Verfahrensweg für den Stadionumbau “einschließlich der weiteren Bearbeitung durch die unerfahrene AGS” als Baubetreuerin vorgegeben. Baufachlich verantwortlich ist für die Freien Wähler Edgar Mathe, Geschäftsführer der AGS (Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung und Immobilienbetreuung). Er habe “im Stadionbau unerfahrene Planer” eingeschaltet und damit den Schaden “verursacht”.

Aufgeklärt sehen wollen die Freien Wähler, ob Merkle und Mathe “auf Anweisung” von OB Kurt Gribl oder Sportreferent Peter Grab gehandelt haben. Dies müsse “erforderlichenfalls ein gerichtliches Verfahren klären”. Den Panthern empfehlen die Freien Wähler, “eine externe Untersuchung durch einen erfahrenen Baujuristen zu veranlassen”. 30 Millionen Euro Haushaltsmittel seien “einfach zu viel, um über fachliche und politische Unfähigkeiten den Mantel des Schweigens zu decken”.

Foto: Bautafel am CFS