DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Silvester: Kein privater Feuerwerkszauber um den Rathausplatz und die City-Galerie

Aus Gründen des vorbeugenden Brandschutzes dürfen in einigen Bereichen der Augsburger Innenstadt zum Jahreswechsel keine Feuerwerkskörper abgebrannt werden.

Darauf weist die Stadt Augsburg in einer Pressemitteilung hin. Betroffen sind Straßen und Plätze, wo sich “brandgefährdete Aufbauten” – Buden des Christkindlesmarktes, des Winterlands oder Brunnenabdeckungen – befinden. Dort dürfen zu Silvester und am 1. Januar 2011 keine Feuerwerkskörper abgebrannt werden. Im Einzelnen gilt das Verbot an folgenden Orten:

  • Rathausplatz
  • Philippine-Welser-Straße
  • Martin-Luther-Platz mit anschließendem Teilbereich der Annastraße
  • Maximilianstraße von der Einmündung Perlachberg bis Apothekergäßchen
  • Königsplatz im Teilbereich zwischen Bgm.-Fischer-Straße und Fuggerstreße (um den Manzubrunnen)
  • Unter dem Bogen mit anschließendem Teilbereich der Annastraße
  • Steingasse vom Rathausplatz bis Anwesen Nr. 8
  • Willy-Brandt-Platz
  • An den Willy-Brandt-Platz angrenzender Teil der Jakoberwallstraße und der Straße “Am Vogeltor”

Ein generelles Feuerwerksverbot in der Innenstadt wie in einigen anderen Städten gibt es in Augsburg laut Ordnungsamt nicht. Das Verbot umfasst das Abbrennen von Kleinfeuerwerken der Klasse II – wie etwa Knallfrösche und Kanonenschläge, Riesenfackeln und Petarden, China-Böller und Leuchtraketen aller Art. Die Feuerwerksklasse ist auf den Verkaufsverpackungen angegeben. Verstöße gegen das Abbrennverbot können mit einem Bußgeld bis zu 5.000 Euro geahndet werden.

Grafik: Kleinfeuerwerksverbotszone um den Rathausplatz



“Das Maxfest ist ein schwarzer Fleck für unsere Stadt”

DAZ-Leser melden sich zu Wort

Partymeile Maximilianstraße

Die DAZ erhält regelmäßig Post von ihren Lesern. Bisher hat sich die Redaktion beinahe bei jedem “Leserbriefverfasser” für die lobende Zustimmung beziehungsweise für die Kritik mit ein paar Zeilen bedankt. Bei dem durchschnittlich guten Dutzend Zuschriften pro Monat kein großer Arbeitsaufwand. Zu den beiden Kommentaren zur Maxstraße erreichte die DAZ im Verhältnis dazu eine wahre Flut von Zuschriften. Die meisten Mails bestanden nur aus wenigen Worten beziehungsweise einem Wort (“Super!”). Viele Mails waren anonymisiert und einige Verfasser reagierten auf die DAZ-Anfrage, ob man die Zuschrift veröffentlichen dürfe, abschlägig, einige gar nicht. Viele Mails trudelten noch während der Feiertage ein, zwei noch am gestrigen Mittwoch. Grund genug, um zum ersten Mal Leserreaktionen auf der DAZ zu veröffentlichen. Die meisten Zuschriften waren nicht für die Öffentlichkeit gedacht, aber alle Zuschriften, die wir unseren Lesern nun mangels Autorisation vorenthalten müssen, hatten in etwa den ähnlichen Ton wie diese: “Sehr gut Ihr Kommentar zur Max-Sause. Ich fürchte bloß, es wird nichts nützen”. Eine konsequente Positionierung für das Maxfest in seiner derzeitigen Form gab es keine.

“Ort der Beliebigkeit von Konsum, Rausch und Pseudobegegnung”

Es könnte sein, dass sich die pessimistischen Prognosen der DAZ-Leser bezüglich der Maxfeste an den Rändern aufzulösen beginnen und sich ein wenig Hoffnung auf ein anderes Maxfest breit machen könnte, wenn sie nun die politischen Stellungnahmen zu den Massenaufmärschen auf der Maximilianstraße lesen sollten.

“Mit der Umgestaltung der Maxstraße muss auch eine Neukonzeption für das Maxfest kommen”, so Beate Schabert-Zeidler für die Regierungspartei Pro Augsburg. Schabert-Zeidler will zwar das Fest noch in dieser Form für 2011, aber mit allen geforderten Sicherheitsauflagen und ohne Alimentierung von städtischer Seite.

Das Maxfest sei dem Finanztrieb der Gastro-Kapitalisten und einer “einfachen Wahlarithmetik von uns Politikern” geschuldet, konstatiert sarkastisch der kulturpolitische Sprecher der SPD Frank Mardaus, dem zu wünschen ist, dass er in seiner SPD mit seiner rigorosen Haltung zu den Maxfesten eine Mehrheit findet.

In die gleiche Richtung argumentieren Reiner Erben und Verena von Mutius für die Augsburger Grünen: “Es kann nicht sein, dass die kommerziellen Interessen einzelner Wirte das Bild dieses für die Ausstrahlung der gesamten Stadt so wichtigen Straßenzugs bestimmen. Von Jahr zu Jahr hat sich die Wahrnehmung der Maxstraße als Partymeile verstärkt. Die Folgen davon bekämpft die Stadtregierung nach wie vor erfolglos”, so die Grünen in ihrer Stellungnahme zur DAZ.

Toni Resch (FDP) hätte gerne eine gut organisierte Bürgerversammlung beauftragt, das Thema adäquat abzuarbeiten. Am leidenschaftlichsten äußert sich die Chefin der neuen Rathausfraktion der Freien Wähler, Rose-Marie Kranzfelder-Poth: “Ein gigantischer Schrott mit gigantischen Scheinwerfern und gigantischen Lautsprechern vermüllt die Straße, um dann drei Tage lang einer wogenden Menschenmasse mit dröhnender Beschallung bis in die frühen Morgenstunden als Ort der Beliebigkeit von Konsum, Rausch und Pseudobegegnung zu dienen”.

» Alle politischen Stellungnahmen und Leserzuschriften (pdf 80 kB)

» Kommentar: Maxfest: Nichts als Barbarei

» Kommentar: Maxfeste: Ein schlechteres Zeugnis kann man der politischen Kaste kaum ausstellen



AEV: Panther besetzen die elfte Ausländerstelle

Die Sichtverhältnisse im Curt-Frenzel-Stadion haben sich durch die Zusatztribünen und die Aufdoppelungen im Sitzpatzbereich deutlich verbessert und nun hat die Pantherführung im sportlichen Bereich nachgebessert, um im kommenden Jahr die Play-Offs zu erreichen.



Vom kasachischen Spitzenclub Barys Astana wechselt der 26 Jahre junge Angreifer Riley Armstrong zum Deutschen Vizemeister. Armstrong war in seiner Karriere hauptsächlich in der American Hockey League aktiv, in 415 AHL-Spielen verbuchte der Außenstürmer 178 Punkte. Im Jahr 2008 absolvierte der Rechtsschütze, obwohl er nie gedraftet wurde, sogar zwei Partien in der NHL für die San Jose Sharks. – Im November dieses Jahres wagte Armstrong erstmals den Sprung ins Ausland und erzielte für den KHL-Club Barys Astana in neun Einsätzen ein Tor.

Panther-Trainer Larry Mitchell, der Mitchell fünf Mal beobachtete, vertritt die Auffassung, dass Armstrong für den AEV eine Verstärkung darstellt. „ Riley ist ein exzellenter Schlittschuhläufer, der über einen guten Schuss verfügt. Er ist der Typ Spieler, der aus allen Lagen auf das Tor schießen kann und mehr Torjäger als Passgeber ist. Sein schnelles, körperbetontes Spiel passt zu unserer Spielweise. Auch in seiner Rolle als Verteidiger im Überzahlspiel hat er mich beeindruckt“, so Mitchell. Der in Kanada geborene Armstrong wird für den AEV am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen Mannheim sein Debüt geben.

Riley Armstrong (Foto: Panther Medieninformation)



Umweltzone: Fahrzeuge mit roter Plakette müssen draußen bleiben

Ab Samstag, 1. Januar 2011 tritt in Augsburg die Stufe 2 der Umweltzone in Kraft. Die Umweltzonenbeschilderung wird in der ersten Kalenderwoche 2011 angepasst.

Schilder an der Umweltzone: das rote Symbol wird in der ersten Januarwoche verschwinden

Schilder an der Umweltzone: das rote Symbol wird in der ersten Januarwoche verschwinden


Darauf wies die Stadt Augsburg am Montag noch einmal hin. Mit der Verschärfung der Regelung dürfen zusätzlich zu Fahrzeugen ohne Umweltplakette auch diejenigen, die lediglich mit einer roten Plakette gekennzeichnet sind, den ausgewiesenen Bereich nicht mehr befahren. Derzeit sind gut 2.000 der in Augsburg zugelassenen 110.000 PKW und rund 1.000 Augsburger Nutzfahrzeuge mit roter Plakette unterwegs. Die Verschärfung der Umweltzone ist nicht unumstritten. So wies IHK-Vizepräsident Ernst Holme bereits im September darauf hin, dass zentrale Einflussgrößen wie Hausbrand und Witterung sowie die Gesamtverkehrsbelastung innerhalb der Stadt durch eine Umweltzone “nicht in einem signifikanten Maß” regelbar seien. Auch für den ADAC trägt die Einführung von Umweltzonen nicht zur Luftverbesserung in den Städten bei.



“Ab Mitternacht ist die Luft zum Schneiden”

Die erste kritische Zahl für 2011 lässt so sicher prognostizieren wie die Umlaufbahn des Mondes: Der zulässige EU-Grenzwert für Feinstaub wird zu Beginn des Jahres wegen der Silvesterknallerei um zirka das Doppelte überschritten werden.

Explosionsartiger Anstieg der Feinstaubwerte: Silvesterfeuerwerk

Explosionsartiger Anstieg der Feinstaubwerte: Silvesterfeuerwerk


Der EU-Grenzwert liegt bei 50 µg/m³. Beim Jahreswechsel 2009/2010 wurden an den Messstellen Königsplatz, Karlstraße und Bourges-Platz mehr als zehn Stunden lang Werte um 100 µg/m³ gemessen. Alle Jahre steigen zum Jahreswechsel die Feinstaubwerte explosionsartig an. Durch das Abbrennen der Silvesterböller werden große Mengen an Partikeln freigesetzt, die beim Einatmen die Gesundheit langfristig schädigen können. “Pünktlich ab Mitternacht ist die Luft in Augsburg in der Regel zum Schneiden”, so Gabriele Neupert vom Umweltamt in Augsburg. Wie schnell sich die Feinstaubbelastung nach dem Silvesterfeuerwerk wieder reduziere, hänge hauptsächlich von den Witterungsverhältnissen ab. Bei einer stabilen Inversionswetterlage können sich die Schadstoffe über viele Stunden lang nicht verflüchtigen und würden wie eine Glocke über der Stadt hängen.

An 40 Tagen wurde der EU-Grenzwert in Augsburg überschritten

Insgesamt wurde in Augsburg im Jahr 2010 der EU-Grenzwert für Feinstaub an 40 Tagen überschritten (Stand 23. Dezember). Erlaubt sind nicht mehr als 35 Überschreitungstage. Auch im Jahr 2011 wird wohl der Neujahrstag wieder der erste Tag des Jahres mit einer Grenzwert-Überschreitung sein. Beim Silvesterfeuerwerk rät Umweltreferent Rainer Schaal nicht nur deshalb zur Zurückhaltung und verweist darauf, dass in einzelnen Teilen der Innenstadt das Abbrennen von Böllern, Raketen undsoweiter an Silvester und am Neujahrstag auch aus Brandschutzgründen verboten ist.



Beim tim: Neue Straßennamen erinnern an Textilgeschichte

Das Areal der ehemaligen Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS) wird einer städtebaulichen Neuordnung zugeführt. In seiner Mammutsitzung vom 16. Dezember hat der Stadtrat neben dem Bebauungsplan Nr. 475 I “Kammgarnspinnerei” auch fünf neue Straßennamen beschlossen.

Stadtplan-Ausschnitt (Quelle: Stadtvermessungsamt)

Stadtplan-Ausschnitt

(Quelle: Stadtvermessungsamt)


“Zur Kammgarnspinnerei”, “Am Färberturm”, “Am Schäfflerbach”, “Barbara-Gignoux-Weg” und “Friedrich-Merz-Straße” lauten die neuen Bezeichnungen. Sie erinnern rund um das Textil- und Industriemuseum (tim) an Augsburger Textilgeschichte.

Die Kammgarnspinnerei entstand 1836, als Friedrich Merz seine mit Pferdekraft betriebene Spinnerei von Nürnberg nach Augsburg verlegte. Der Kaufmann, der als sozialer Unternehmer galt, setzte auf die Wasserkraft des Schäfflerbaches, eines Lechkanals. Anfangs nutzte er die Gebäude und die Wasserrechte einer stillgelegten Tabakmühle. 1845 erfolgte der Neubau der bis heute größtenteils erhaltenen Fabrikanlage. Beschäftigt waren bis zu 2400 Mitarbeiter. In den 1950er Jahren begann der rasante Niedergang der deutschen Textilindustrie. Im Jahr 2004 stellte die Augsburger Kammgarnspinnerei die Produktion endgültig ein.

Der hölzerne Färberturm, das letzte Bauwerk dieser Art in Augsburg, entstand 1760 und wurde später von der Augsburger Kammgarnspinnerei genutzt. Neben AKS-Gründer Friedrich Merz wird auf Vorschlag des Frauengeschichtskreises auch eine weibliche Persönlichkeit der Augsburger Textilgeschichte gewürdigt. Anna Barbara Gignoux war eine liberale und kunstsinnige Textilunternehmerin. Im Jahre 1764 beauftragten sie und ihr Mann den Bau einer Kattun-Manufaktur mitten in der Altstadt. So entstand das Gignouxhaus, welches bis zum Juli dieses Jahres die Komödie beherbergte.

» Lage im amtlichen Stadtplan



Zum Tod von Michail Umansky



Er war einer der herausragenden Spitzenspieler im Augsburger Schach. Er sprach wenig, auch in seiner Muttersprache, und er hatte, als er im Frühjahr 1998 im Augsburger Hauptbahnhof aus dem Zug stieg, einen hochangesehenen Titel im Gepäck. Michail Umansky war damals frischgebackener Schachweltmeister – im Fernschach. Das Fernschach wird heute über Mailaustausch ausgetragen und für einen Zug bekommt man – je nach Modus – bis zu sechs Stunden Zeit. Computerhilfe ist erlaubt. In Russland errang Umansky in seiner Jugendzeit einige großartige Erfolge, weshalb in der damaligen Sowjetunion der Name Umanskys in allen Kaderschulen ein Begriff war und somit “Umansky” auch in der aktuellen Profiszene des Weltschachs ein schillernder Name ist. Einige seiner Fernschachpartien sind die Geschichtsbücher des Schachs eingegangen. Umanskys Partie gegen den amerikanischen Professor für Künstliche Intelligenz, Hans Berliner, ist eine Legende in der wissenschaftlichen Schachwelt. Michail Umansky verließ 1998 seine Heimatstadt Stawropol (Russland) mit dem Ziel im „Goldenen Westen“ als Schachprofi Fuß zu fassen. Über das „Übergangslager“ in Haunstetten kam der 13. Fernschachtweltmeister nach Augsburg. Es sollte eine Reise ohne Wiederkehr werden. Michail Umansky starb vergangene Woche kurz vor seinem 59. Geburtstag an einem Herzleiden.



Frohe Weihnachten



Am vergangenen Donnerstag ist mit der letzten Stadtratssitzung das politische Jahr 2010 in Augsburg zu Ende gegangen. In den nächsten Tagen wird es auf der DAZ etwas ruhiger, denn Lokalpolitik ist unser Hauptthema. Es war ein turbulentes Jahr, denn zweimal griffen die Augsburger direkt via Bürgerentscheid ins politische Geschehen ein. Und es war das dritte Jahr, das wir als neues Medium informierend und kommentierend begleitet haben.

Mit einem Bild des Weihnachtsbaumes in unseren Redaktionsräumen wünscht das Team der DAZ allen Leserinnen und Lesern, die 2010 unserer Internetzeitung die Treue gehalten haben, ein Frohes Weihnachtsfest.

Augsburg, 24. Dezember 2010

Bruno Stubenrauch + Siegfried Zagler



Auf der Suche nach der Mitte müssen viele Irrtümer gelebt werden

Warum WBG-Chef Edgar Mathe Schalke-Fan ist

Von Siegfried Zagler

FCA gegen Schalke. Pokal. Flutlichlicht. Fußballfieber. Es wäre beim Augsburger Sport-Highlight des Jahres schöner gewesen, im M-Block hinter dem Tor zu stehen, um ungeniert mit MdB/Stadtrat und Hardcore-FCA-Fan Alexander Süßmair die üblichen Gesänge anzustimmen, aber eine nachhaltige Grippe im Vorfeld der Begegnung zwangen den Schreiber dieser Zeilen zu bitteren Umbuchungen, also:

Haupttribüne

Block D

Reihe 7

Sitz 21


Hardcore-FCA-Fan Alexander Süßmair

Hardcore-FCA-Fan Alexander Süßmair


Klasse Sicht, seltsamer Platz. Edgar Mathe und Kurt Idrizovic in unmittelbarer Nachbarschaft, Stadtrat Prof. Rolf Harzmann in Sichtweite, dahinter Bildungsreferent Hermann Köhler, also umstellt von einer Riege honoriger B-Promis. Zufall? Erster Gedanke: In der Halbzeit doch noch in den M-Block schummeln, dann röhrte Mathe kurz nach dem Anpfiff Schaaaaalke und der Abend roch wegen Mathes ungenierter Schalke-Leidenschaft und der insgesamt großartigen Atmosphäre im Stadion sofort – auch in dieser halbsaturierten Ecke – richtig nach Fußball.

Edgar Mathe ist in Lechhausen aufgewachsen als Lechhausen noch richtig bayerisch – und eine Fahrt in ins Stadtzentrum eine gefühlte Weltreise war. Mathes Vater war Elektriker bei Osram, und als Arbeiterkind hat man in den wichtigen Fragen des Lebens oft nicht die Wahl, sondern wird frühkindlich von der Leidenschaft des Vaters geprägt. Bei Mathe war das anders. Sein Vater war 60er-Fan und Mathes Hinwendung zu Schalke hat mit der für Mathes Generation klassischen Rebellion gegen die elterliche Autorität zu tun. Seine Hinwendung zu Schalke kam vermutlich aus der von Mathe seit frühester Jugend gepflegten Balance zwischen Nähe und Distanz. Der FC Bayern waren nicht erdig und barackig genug und die Löwen saßen in Gestalt des Vaters im Wohnzimmer. Also nicht der TSV und erst recht nicht der geleckte FC Bayern mit Beckenbauer, Müller, Maier, Roth, sondern die Kremers-Zwillinge, Libuda, Rüssmann, Fichtel und vor allen: Norbert Nigbur.

In Lechhausen Schalke-Fan werden zeugt von einer geordneten Rebellion

Schaaalke: geordnete Rebellion nach innen

Schaaalke: geordnete Rebellion nach innen


Mathe war ein lausiger Kicker und im damaligen Lechhausen verfuhr man auf den Lechwiesen nicht anders als am Strand von Copacabana: Wer es nicht konnte, musste ins Tor. Auf der Linie war Mathe trotz seiner Größe ein Riese, auch bei flachen Bällen. In der Strafraumbeherrschung und in der Spielantizipation…nun ja. Und so könnte man eine tiefe Identifikationslinie zu Norbert Nigbur aufbauen, der in seiner Zeit auf der Linie zu den weltbesten Torhütern gehörte, aber in der Strafraumbeherrschung seine Schwächen hatte. In Lechhausen aufwachsen und Schalke Fan werden, zeugt von einer geordneten Rebellion nach innen und von einem wohldosierten Widerstand gegen die äußeren Verhältnisse, die so schwer nicht zu ertragen sind, wenn man einen Fußballverein drüber legen kann. Die ewige Suche nach der eigenen Identität ist im aristotelischen Sinn nichts anderes als die Suche nach der Mitte. Auf dem langwierigen Weg dorthin, ist das menschliche Herz vielen Gefahren und Irrtümern ausgeliefert, denn die Mitte, die sich ohne große Pendelschläge herstellen lässt, bildet nach hellenistischer Auffassung kein allzu starkes Zentrum heraus. Zur “wahren Mitte” gehört zum Beispiel die Tugend, die uns zur Einsicht und Selbstkritik befähigt.

Vielleicht wollte Mathe zu Beginn seiner lebenslangen Schalke-Sucht nur mutig ausprobieren, ob ihm Schaaaalke jemand abnimmt und ob das in seinem Umfeld überhaupt durchsetzbar ist. Mathe ist mit seiner WBG in den letzten zehn Jahren zu einem der größten und wichtigsten Dienstleister der Stadt Augsburg geworden. Er ist nicht irgend einer, sondern der Finanzierungs- und Projektsteuerungsmeister für städtische Bauangelegenheiten. Dass er in dieser Funktion in absehbarer Zeit aufgrund der Baufehler im CFS im Feuer stehen könnte, sieht Mathe inzwischen mit der gebotenen Gelassenheit. Nach einem langgezogenem Schaaaaaalke zeigte Mathe auf die Frage, wie er denn die Sichtlinien hier so finde, sein außergewöhnliches Talent zur Spontankomik. Der WBG-Chef rückte sich die Brille zurecht und zog ein übertrieben ernstes Gesicht, um zu signalisieren, dass man ihm während des Spiels nicht mit der Hölle des aktuellen Alltags zu kommen habe: „Perfekt, Herr Zagler, perfekt!“



Rekord-Jahr für Augsburgs Nahverkehr

Es waren noch nie so viele Personen mit Bussen und Straßenbahnen in Augsburg unterwegs wie im zu Ende gehenden Jahr 2010. Diese Bilanz zogen die Stadtwerke gestern.



56,2 Millionen Personen werden bis Ende 2010 die Busse und Straßenbahnen der avg benutzt haben. Das sind über eine Million Fahrgäste mehr als im bisherigen Rekordjahr 2005 mit knapp 55 Millionen beförderten Personen und 1,5 Millionen mehr als 2009. Drei Gründe nennen die Stadtwerke in ihrer gestrigen Pressemitteilung für den Anstieg: So waren deutlich mehr schwerbehinderte Personen mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Augsburg unterwegs; deren Anteil am Gesamtaufkommen stieg auf über 10 Prozent. Daneben haben auch die steigende Zahl der Studenten-Semester-Tickets sowie Sonderfahrausweise, wie etwa das Kombiticket für FCA-Spiele, zum Rekordergebnis beigetragen.

Bild: Präsentation der neuen Cityflex. Mit dem Ende 2009 eingeführten Fahrzeug werden jetzt im Normalfall ausschließlich barrierefreie Niederflurwagen im Liniennetz eingesetzt (Foto: Kleeblatt-Film)