DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Flüchtlinge gehen in den Hungerstreik

Alexander Süßmair

Alexander Süßmair


Über hundert Flüchtlinge in der Augsburger „Flakkaserne“ boykottieren seit Donnerstag, den 18. November die Essenspakete. Einen ähnlichen Versuch gab es bereits im Frühjahr, der wurde dann beendet, als Vertreter des Landtages versichert haben, in diesem Punkt und anderen (Arbeitserlaubnis, Residenzpflicht, Ersetzen der Lager durch Wohnungen etc.) den Flüchtlingen entgegenzukommen. Tatsächlich wurden dann einige Verbesserungen beschlossen, die aber bisher in keiner Weise umgesetzt wurden.

So kam es zu einer Neuauflage. Inzwischen ist ein gewisser Grad der Verzweiflung erreicht. Die Flüchtlinge haben am Montag sich strikt geweigert, Geld oder Lebensmittel von Unterstützern anzunehmen. Sie wollten lieber verhungern als unter diesen Bedingungen weiterleben. Sie leiden nicht nur, so versichern sie, an einseitiger Ernährung, sondern vor allem an ihrer Freiheitsberaubung.

Spätestens jetzt muss klar sein, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Die Essenspakete müssen durch Geld ersetzt werden, das Aufenthaltsrecht mindestens auf Bayern erweitert werden. Städtische Einrichtungen müssen die Unterbringung in Sozialwohnungen oder Privatwohnungen anbieten. All dies erfordert rasches Handeln, da sonst akute Gefahr für die Gesundheit besteht.

Eine Stadt, die stolz auf ihre Weltoffenheit ist und das Markenzeichen Friedensstadt trägt, kann sich das nicht leisten.

Die Linke Augsburg, die Stadtratsgruppe DIE LINKE und der Bundestagsabgeordnete Alexander Süßmair unterstützen die Forderungen der Flüchtlinge.




Augsburg, 25. November 2010

Stadtrat

Alexander Süßmair

Stadtrat

Benjamin Clamroth



CFS-Debakel: Nixdorf spricht heute nicht im Stadtrat

Zu den Abläufen um den Umbau des Curt-Frenzel-Stadions gibt es erheblichen Aufklärungsbedarf. Dies ist das Ergebnis eines siebenstündigen Hearings, an dem Politiker, Vertreter der WBG und der Panther GmbH sowie der Stadion-Gutachter Dr. Stefan Nixdorf gestern teilnahmen. In der heutigen Stadtratssitzung wird Nixdorf jedoch nicht sprechen.

Erschöpfte Gesichter nach sieben Stunden Sitzung: Peter Grab, Kurt Gribl, WBG-Chef Edgar Mathe (v.l.)

OB Kurt Gribl fasste die Ergebnisse des Hearings auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz zusammen:

  • Die Änderungsvorschläge des Gutachters Dr. Nixdorf wurden vertiefend besprochen.
  • Die Nachbesserungsmaßnahmen stehen noch nicht fest.
  • Ab 23. Dezember wird das CFS in etwa 4.000 Besucher fassen können.
  • Das Vergabeverfahren wird einer rechtlichen Prüfung durch einen Fachanwalt und die Regierung von Schwaben unterzogen.
  • Der Vorwurf der Panther GmbH, bei der Planung nicht im notwendigen Maß eingebunden worden zu sein, soll überprüft werden.
  • Der Stadtrat wird in seiner Sitzung am 25. November informiert werden, aber nicht von Dr. Stefan Nixdorf.
  • Bis zum 5. Dezember sollen die Entscheidungen zur Planungsänderung sowie Kosten feststehen. Danach soll es eine Sondersitzung des Stadtrats geben.

Kein Tabu bei Nachbesserungen

„Es gibt keine Nachbesserung, die ein Tabu beinhaltet“, so OB Gribl auf die Frage, ob auch ein Rückbau der Tribünen in dem Hearing angedacht worden sei. Man müsse von Fehlleistungen im planerischen Teil sprechen, beantwortete Gribl die Frage, wie er den gesamten Verlauf des CFS-Debakels bewerte. Zum Gesamtverlauf bestehe weiterhin Aufklärungsbedarf, so Gribl. Inzwischen hat auch die SPD Antrag auf „umfassende Akteneinsicht“ gestellt.

Zur Frage der Verantwortlichkeit vertrat Gribl gestern die Rechtsauffassung, dass der Bauherr den Architekten – auch wenn die Stadt Bauherr ist – „keine Überwachung schulde“. Falls die Architekten gewarnt hätten oder die AGS Anweisungen gegeben hätte, würde sich nach seiner Auffassung die Frage nach der Zuständigkeit außerhalb der planerischen Fehlleistungen stellen.



Die Kunst der Komödie: Premiere im tim

Und weiter geht es mit dem Reigen von Premieren des Stadttheater, die nicht im Stadttheater stattfinden. Am Samstag, 27. November 2010, findet mit Eduardo De Filippos „Die Kunst der Komödie” die erste Premiere im Staatlichen Textilmuseum (tim) statt.

Foyer des tim

Foyer des tim


Sein oder Schein – das ist hier die Frage! Der neu berufene Präfekt de Caro tritt seinen ersten Arbeitstag in einer italienischen Kleinstadt an. Sein erster Besucher ist Oreste Campese, der Leiter der städtischen Schauspielkompanie. Dieser hat – Nachtigall, ick hör dir trapsen – seine alte Spielstätte verloren und bittet nun den Präfekten, eine Theatervorstellung mit seiner Anwesenheit zu beehren, damit das Publikum die neue Spielstätte annimmt. Man weiß nicht, mit welchen Tricks es Theaterintendantin Juliane Votteler gelingt, die städtischen Verantwortlichen in die neuen (Ersatz-)Spielstätten zu locken – der Präfekt in De Filippos Stück jedenfalls verweigert sich, weist dem Schauspielleiter die Tür und bereut es kurze Zeit später. Denn Campese drohte beim Abgang, das Theaterspektakel gleich hier, in de Caros Büro, stattfinden zu lassen.

Und tatsächlich lassen die Honoratioren, die sich danach mit ihrem Antrittsbesuch Gehör verschaffen wollen, den Präfekten an ihrer wahren Identität zweifeln. Ein chaotischer Amtsarzt, ein kauziger Pfarrer und eine hysterische Dorflehrerin verwandeln die Präfektur innerhalb kurzer Zeit in ein Tollhaus. Oder verbergen sich etwa hinter diesen Gestalten nur die Schauspieler aus Campeses Truppe? Der italienische Dramatiker Eduardo de Filippo (1900-1984) stellt sich mit dieser Farce, in der das Theater sich selbst thematisiert, in die Tradition von Pirandellos Komödien: Die Schauspielkunst vermag die Gewissheit, was Realität ist, gründlich zu verunsichern.

Marcel Keller, der am Theater Augsburg bereits „Warten auf Godot”, „Die Zauberflöte” und „Ronja Räubertocher” inszeniert hat, ist für Regie und Bühnenbild verantwortlich. Ann Poppel hat die Kostüme gestaltet. Schauspieldirektor Campese wird von Anton Koelbl gespielt, den Präfekten de Caro gibt Klaus Müller. Beginn ist um 19.30 Uhr.



„ … und weil der Mensch ein Mensch ist“

Unter dem Titel „Friedensstadt und Menschenrechte – …und weil der Mensch ein Mensch ist“, findet am Tag der Menschenrechte, 10. Dezember, von 19 bis 22 Uhr in der Stadtmetzg in Augsburg eine Veranstaltung mit Ausstellungen, Gedichten, Video-Installationen und Aktionskunst zum Thema „Armut“ statt. Organisiert wird das Programm von verschiedenen sozialpolitisch aktiven Institutionen in Zusammenarbeit mit der Stadt Augsburg. Der Eintritt ist frei.