DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

CFS-Debakel: Wer ist politisch verantwortlich?

Die Frage, wer die Baufehler am Curt-Frenzel-Stadion politisch zu verantworten hat, wird bereits am kommenden Donnerstag im Augsburger Stadtrat auf den Weg gebracht.

Von Siegfried Zagler



Beim gestrigen CFS-Ortstermin des Sportausschusses und des Sportbeirates erläuterte Architekt Stefan Öttl den Stadträten die Situation und die Sachzwänge aus Planersicht. Sportreferent Peter Grab will laut Dr. Holzapfel (Pro Augsburg) erst Anfang Oktober von der „Variante“ der Erneuerung der Eisaufbereitung mit Anhebung der Eisfläche erfahren haben. „Welche Varianten gab es denn noch?“, könnte eine der Fragen sein, mit der sich möglicherweise die morgen tagende „Elefantenrunde“ zu beschäftigen hat. Dr. Stefan Nixdorf wird dort den Planern, Edgar Mathe (AGS), den Machern der Panther GmbH und politischen Entscheidungsträgern wohl seine Gutachter-Ergebnisse vorstellen und seine Lösungsvorschläge unterbreiten. Ob Finanzreferent Hermann Weber daran teilnehmen wird, ist nicht bekannt. Die ersten Zahlen zu den Kosten für die Reparatur des Baupfusches sind bereits im Umlauf. Geschätzt 800.000 Euro soll die „Sanierung“ der Tribünen zur Verbesserung der Sichtlinien kosten.

“Etwas Untersuchungsausschussähnliches”

Um Personen und die Verwaltungsorgane zu schützen, „die wild spekulativ über alle Zuständigkeiten hinaus in ‚Generalverdacht’ genommen werden“, hat Pro Augsburg für die kommende Stadtratssitzung am Donnerstag einen Antrag gestellt, der darauf abzielt, ein „Gremium aus einem oder mehreren neutralen Gutachtern zu bilden, das „den gesamten Auftragsablauf und die Vorwürfe gegenüber allen Baubeteiligten und politisch Verantwortlichen objektiv aufarbeitet und diese Ergebnisse dem Stadtrat und der Öffentlichkeit vorstellt“.

Die Augsburger SPD trifft sich heute Nachmittag, um einen ähnlichen Antrag zu formulieren. Fraktionschef Stefan Kiefer äußerte sich gegenüber der DAZ auf Anfrage dahingehend, dass die SPD wohl für etwas „Untersuchungsausschussähnliches“ im Stadtrat plädieren werde. Für Kiefer steht fest, dass die rein juristische Klärung des Bauskandals nicht ausreiche, um den Fall aufzuklären. „Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, wer wann was wusste“, so Kiefer. Bei der Frage nach der politischen Verantwortlichkeit spiele die AGS eine untergeordnete Rolle, da die AGS als städtische Tochter kein Entscheidungsträger sei, sondern eine „nachgeordnete Behörde“, die – falls es sich um normale Vorgänge handeln sollte – nichts weiter als ein städtischer Erfüllungsgehilfe sei, so Kiefer.

“Und hinterher soll niemand politisch verantwortlich sein”

Die Grüne Stadtratsfraktion stellte gestern einen Berichtsantrag zum Umbau des Curt-Frenzel-Stadions. Danach soll der von der Stadt eingesetzte Gutachter Stefan Nixdorf in der kommenden Stadtratssitzung am Donnerstag umfassend berichten. Es sei davon die Rede, dass die Baustelle für Millionenbeträge nachgebessert werden müsse, so Martina Wild, die sportpolitische Sprecherin der Grünen. „Deshalb muss der Stadtrat endlich angemessen eingebunden werden“. Neben der Frage nach den Ergebnissen des Gutachters und deren Konsequenzen muss nach Ansicht der Grünen Fraktion vor allem geklärt werden, wer die politische Verantwortung für die verfahrene Situation zu tragen habe. Es könne nicht sein, so Fraktionschef Reiner Erben, dass „ein finanzieller Schaden in Millionenhöhe entsteht, die Nutzbarkeit des Eisstadions nur eingeschränkt besteht und ein enormer Imageschaden verursacht wird – und hinterher niemand dafür politisch verantwortlich sein soll“.



Augsburger Flüchtlinge im Hungerstreik

In der Neusässer Straße verweigern 200 Menschen die Nahrungsaufnahme

Von Frank Heindl

Schon seit vergangenem Donnerstag verweigern 200 Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft in der Neusässer Straße 206 in Augsburg die Annahme von Essenspaketen. Seit gestern nun nehmen Sie auch keine Essensspenden von den UnterstützerInnen der Flüchtlingsinitiative Augsburg (FIA) mehr an. Auf einer Versammlung beschlossen die Bewohner am Montagabend, die Essenspakete weiterhin abzulehnen und gemeinsam „für ein besseres Leben zu kämpfen.“

Spenden, um den Boykott aufrecht zu erhalten, wurden abgelehnt. Stattdessen fahren die Flüchtlinge schwere Geschütze auf: Notfalls wollen sie, wie die FIA berichtet, ihren Streik „bis zum Hungertod beibehalten“. Am heutigen Dienstag wollen sich weitere Flüchtlinge aus anderen Unterkünften der Umgebung dem Boykott der Essenspakete anschließen – ob auch sie einen Hungerstreik beginnen wollen, sei noch nicht abzusehen.

Ihre Anliegen haben die Flüchtlinge in der Unterkunft Neusässer Straße (Flakkaserne) bereits formuliert und über die Flüchtlingsinitiative der Öffentlichkeit übermittelt. Sie fordern vor allem

22. November, 18 Uhr: Beratung im Lager Neusässer Straße. Die Streikführer erläutern der Flüchtlingsinitiative Augsburg die Situation, die Beteiligten am Hungerstreik betonen ihre Entschlossenheit, bis zum Äußersten für eine Änderung ihrer Lage zu kämpfen (Foto: Peter Feininger)

22. November, 18 Uhr: Beratung im Lager Neusässer Straße. Die Streikführer erläutern der Flüchtlingsinitiative Augsburg die Situation, die Beteiligten am Hungerstreik betonen ihre Entschlossenheit, bis zum Äußersten für eine Änderung ihrer Lage zu kämpfen (Foto: Peter Feininger).


Geld anstelle von Essenspaketen und ein menschenwürdiges Wohnen mit Privatsphäre und akzeptablen hygienischen Verhältnissen. Fünf Toiletten für 80 Personen, ein Herd für 25 Personen, bis zu acht Menschen in 25 qm großen Zimmern – solche Verhältnisse seien unerträglich, die Schließung der Massenunterkünfte und die Unterbringung der Bewohner in privaten Wohnungen zwingend nötig. Des weiteren fordern die Flüchtlinge bessere medizinische Versorgung und psychologische Unterstützung – viele von ihnen sind durch Flucht und Verfolgung schwerstens traumatisiert. Auch die Abschaffung der Residenzpflicht (die es Flüchtlingen nicht erlaubt, die „Heimatgemeinde“ auch nur vorübergehend zu verlassen, etwa um Freunde in München zu besuchen) sowie Deutschkurse werden ebenso gefordert wie das Recht zu arbeiten, um sich selbst zu versorgen zu können.

Anna Feininger, Sprecherin der Flüchtlingsinitiative Augsburg, zeigte sich am Montagabend beeindruckt und schockiert von der Entschlossenheit der Flüchtlinge. „Ich finde es sehr krass, dass so viele Menschen keine Nahrung mehr zu sich nehmen wollen. Sehr viele von ihnen meinen das sehr ernst!“ Man habe seitens der FIA versucht, die Flüchtlinge zur Annahme von Essensspenden zu bewegen – „ich hatte einen Kofferraum voller Essen dabei“ – diese hätten das aber abgelehnt und sich stattdessen gewünscht, dass die Flüchtlingsinitiative die Öffentlichkeit von der Hungerstreik-Aktion informiere.

Schon im Frühjahr des Jahres hatte es einen ersten Boykott der Essenspakete gegeben, in dessen Folge es zu Gespräche mit Politikern aller Parteien, mit Vertretern von Landtag, Bundestag und der Regierung von Schwaben gekommen war – allerdings ohne konkrete Ergebnisse und feste Zusagen. Nun scheinen die Flüchtlinge keine andere Möglichkeit mehr zu sehen, als mit drastischen Mitteln an die Öffentlichkeit zu appellieren. Anna Feininger betont, die Flüchtlingsinitiative sehe es nicht gerne, „dass die Leute jetzt hungern wollen“ – man stehe aber voll hinter den Flüchtlingen: „Das sind erwachsene Menschen, die haben sich das gut überlegt und sich sehr bewusst für diese Aktion entschieden.“



„Mehr Musik!“ räumt „junge Ohren“ ab

Zwei Preise für Augsburger Neue-Musik-Produktionen

Der 1. Preis der „jungen Ohren“ ging an die Augsburger Produktion „Hörhülle“ (Foto: Frauke Wichmann)

Der 1. Preis der „jungen Ohren“ ging an die Augsburger Produktion „Hörhülle“ (Foto: Frauke Wichmann)


Gleich zwei Preise beim Wettbewerb „junge ohren“ konnte sich das Augsburger Projekt „Mehr Musik“ in München abholen. Die international besetzte Fachjury konnte aus mehr als 100 Bewerbungen wählen, die aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg eingegangen waren und sich um die Prämie für gelungene Projekte der Musikvermittlung bemüht hatten.

„Mehr Musik!“ ist der einzige bayerische Preisträger – und das gleich in zwei Kategorien: In der Kategorie „LabOhr” erhielt das Projekt HÖRHÜLLE den 1. Preis (2.500 Euro), in der Kategorie “best practice” gab es keinen ersten und dafür zwei zweite Preise, weil sich die Jury nicht entscheiden konnte – hier wurde das Augsburger Projekt „Die Abenteuer von Tom Dumm“ neben einem Projekt der Leipziger Oper mit 2.000 Euro belohnt. Das Preisgeld fließt in weitere Projekte des Programms zur Vermittlung Neuer Musik in Augsburg und Umgebung.

Der “junge ohren preis” wird seit 2006 vom Netzwerk Junge Ohren ausgelobt, das u.a. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, von Jeunesses Musicales Deutschland und der Deutschen Orchestervereinigung unterstützt wird. Erster Preisträger waren 2006 die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle für ein Projekt im Rahmen ihres Education Programms “Zukunft@Bphil”.

Einer der beiden zweiten Preise in der Kategorie „best practice“ ging an die Schüleroper „Tom Dumm“ (Foto: A.T. Schäfer)

Einer der beiden zweiten Preise in der Kategorie „best practice“ ging an die Schüleroper „Tom Dumm“ (Foto: A.T. Schäfer)


Kulturbürgermeister Grab zeigte sich hocherfreut über die Auszeichnung: „Ich gratuliere dem MEHR MUSIK!-Team sehr herzlich zu diesem großartigen Erfolg! Er zeigt einmal mehr, dass das Projekt in Augsburg angekommen und buchstäblich auf offene Ohren gestoßen ist.“ Mit 75.000 Euro, betonte Grab, leiste auch das Kulturreferat einen wesentlichen Beitrag – “ich freue mich, so am Erfolg von MEHR MUSIK! teilhaben zu können.“

„Mehr Musik!“-Leiterin Ute Legner gab sich „riesig stolz“ auf diese Würdigung ihrer Arbeit, die auf das Netzwerk Neue Musik zurückgeht – ein Projekt der Kulturstiftung des Bundes, das die Neue Musik in Deutschland fördern möchte. Das mit dem 1. Preis prämierte Projekt „Hörhülle“ war von dem Augsburger Architekten Christian Z. Müller (Team A 3 Architekten) entwickelt und umgesetzt worden. Die Jugendoper „Tom Dumm“ (DAZ berichtete: http://www.die-augsburger-zeitung.de/?p=11879) war eine Ko-Komposition mehrerer Autoren (Gordon Kampe, Juliane Klein und Fredrik Zeller, Regie Julia Hübner) und wurde im vergangenen April an verschiedenen Stationen auf dem Gelände des Kulturparks West aufgeführt.



Beim Denken zuschauen

„Raus aus dem Elfenbeinturm und um die Wahrheit ringen“, heißt es am Sonntag den 28. November wieder im Textilmuseum (tim). Sechs Kandidatinnen und Kandidaten treten auf die Bühne, präsentieren ihre philosophischen Gedanken und wetteifern beim Philosophy Slam um die Gunst des Publikums – tiefschürfend, witzig und entwaffnend offen.

Die Themenpalette reicht von den uns alle betreffenden Sorgen des menschlichen Lebens und wie man mit ihnen umgehen kann über die ethische Verantwortung in der gegenwärtigen Zeit bis hin zur platonischen Idee des Guten. Was meint Platon, wenn er das Gute als die wahre Wirklichkeit bezeichnet? Eine Künstlerin tritt mit Wort, Bild und Ton in den Ring, um damit zu erklären, was für sie Schönheit bedeutet, und eine hochschwangere Pädagogin wird über die Entstehung des Lebens philosophieren. Eine bunt besetzte Fachjury kommentiert auf anregende und unterhaltsame Weise die Vorträge, die dadurch für das Publikum nochmals eine neue Qualität erreichen. Denn das Publikum ist es, das über den Gewinner des Abends abstimmen wird. Als erster Preis winkt übrigens (rätselhafterweise?) ein Schierlingsbecher – der Philosoph Sokrates soll mit solch einem Getränk hingerichtet worden sein.

Musikalisch wird der Abend von „Bataillon Modern“ begleitet. Im Anschluss an die Veranstaltung sind alle Zuschauerinnen und Zuschauer eingeladen, im Museumsrestaurant nunó mit den Slammern und Juroren weiter zu diskutieren.

„Philosophy Slam am Sonntag, 28. November 2010, 19.00 im tim, Provinostraße 46, Einlass ab 18.30 Uhr. Preise: regulär 10, ermäßigt 5 Euro für Schüler, Studenten und Auszubildende.

Kartenvorverkauf: tim, Buchhandlung am Roten Tor, nunó, Universität Augsburg, Raum 2036, Geb. D, im Dr.-Hofweber-Institut für Philosophie und Wirtschaft.