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Für eine umweltfreundliche Verkehrspolitik

Am 21. November: Nein zum Auto-Tunnel!



Bündnis 90/Die Grünen wollen eine moderne, zukunftsfähige Verkehrspolitik. Das heißt: Vorfahrt für umweltfreundliche öffentliche Verkehrsmittel, für Radverkehr und Fußgänger/innen. Dafür müssen Hauptbahnhof und Königsplatz jetzt umgebaut und modernisiert werden.

In der Augsburger Innenstadt fahren zu viele Autos, dadurch entstehen zu viel Lärm und Abgase und eine geringe Aufenthaltsqualität. Deshalb muss moderne Verkehrspolitik dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen den ÖPNV nutzen können und weniger mit dem Auto in die Stadt fahren. Der Tunnel ist dafür die falsche Lösung, dadurch wird nur zusätzlicher Autoverkehr in die Stadt gezogen.

Mit dem Tunnel werden die Konrad-Adenauer-Allee und die Fuggerstraße auf Dauer mit langen und breiten Tunnelrampen (insgesamt ca. 240 Meter auf neun Metern Breite, mit entsprechend massiven Sicherheitsabsperrungen) verbaut. Dies wäre eine städtebauliche Katastrophe.

Der Tunnel würde die überfällige Weiterentwicklung der Augsburger Innenstadt auf Jahre hinaus blockieren und zudem die anstehende dringend erforderliche Sanierung des Hauptbahnhofs auf unabsehbare Zeit verhindern. Jetzt stehen für den Umbau Zuschussmittel in Höhe von ca. 160 Mio. Euro bereit. Ein Ja für den Tunnel erfordert eine komplette Neuplanung – die Zuschüsse wären dann verloren. Ob der Tunnel je gebaut würde, ist fraglich, da die ca. 20 Mio. Euro ohne Zuschüsse, rein mit städtischen Mitteln finanziert werden müssten.

Das Ergebnis des Bürgerentscheids 2007: Es sollte einen Ideenwettbewerb geben, dem ein Gesamtkonzept für die Innenstadt zugrundeliegt. Die Ergebnisse dieses Wettbewerbs: Der autofreie Königsplatz und die Reduzierung des Autoverkehrs in der Innenstadt. Die Jury hat einstimmig dafür gestimmt und einen Tunnel abgelehnt. Wer nun für den Tunnel eintritt, stellt sich gegen den Bürgerentscheid 2007 und den Ideenwettbewerb.

Wir Grüne fordern seit Jahren die Reduzierung des Autoverkehrs in der Innenstadt. Mit dem Nein zum Tunnel setzen Sie dafür ein klares Zeichen.

Deshalb im Interesse der Stadt: Nein zum Tunnel!



Königsplatz-Umbau: Der Souverän wird die richtige Entscheidung treffen

Kommentar von Siegfried Zagler

Am Sonntag wird in Augsburg gewählt. Es geht dabei nicht um eine politische Wahl, sondern um eine städtebauliche Weichenstellung. Nicht die Politik der aktuellen Stadtregierung steht zur Disposition, sondern die Frage, ob man am Königsplatz einen Tunnel bauen soll oder nicht. Wer glaubt, die Augsburger Bürgerschaft könnte das anders sehen und der angeschlagenen Regierungskoalition den Blattschuss verpassen wollen, unterschätzt im hohen Maße den Souverän, der in den vergangenen Bürgerentscheiden stets ein feines Gespür für die städtebaulich bessere, sprich zukunftsfähigere Lösung gezeigt hat. Im Januar 1996 lehnten die Augsburger den Bau der „Walter-Garage“ unter der Fuggerstraße mit großer Mehrheit (67%) ab. Im Juni 1997 gab die Augsburger Bürgerschaft mit breiter Zustimmung (80%) Grünes Licht für das Konzept einer Tangente (Schleifenstraße), die die Innenstadt deutlich spürbar vom Autoverkehr entlastete. In beiden Bürgerentscheiden sorgte die Augsburger Wählerschaft dafür, dass ihre Innenstadt städtebaulich fortgeschrieben werden konnte.

Der Ideenwettbewerb pulverisierte die Tunnel statt Chaos-Wahlkampf-Plattitüde

Webseite der Tunnelbefürworter

Webseite der Tunnelbefürworter


Der dritte Bürgerentscheid im November 2007 in Sachen Städtebau war allerdings von politischen Parolen geprägt. Die Kernaussage der Initiatoren forderte damals einen Ideenwettbewerb vor dem Königsplatz-Umbau. Die Wahlbeteiligung war niedrig (25%) und das Ergebnis knapp: 53,2 Prozent der Wähler stimmten für einen Ideenwettbewerb und legten somit die so genannte „Mobilitätsdrehscheibe“ der Regenbogenregierung auf Eis. Der Ideenwettbewerb wiederum pulverisierte die „Tunnel statt Chaos-Wahlkampf-Plattitüde“ von OB-Kandidat Gribl und der CSU. Beide, die CSU allerdings mit Abstrichen, zeigten sich lernfähig und webten zusammen mit den Siegerarchitekten die Idee eines autofreien Königsplatzes im Sinne des Siegerentwurfs des Ideenwettbewerbs in den neuen Bebauungsplan (B-Plan 500) ein.

Die Innenstadt als Ort der Begegnung

Ohne es zu genau wissen, stimmte also beinahe genau vor drei Jahren die Augsburger Bürgerschaft wiederum im Sinne einer modernen Stadtentwicklung. Der B-Plan 500 ist nämlich in der Tat ein kühner und ein mutiger Plan. Ein vom Autoverkehr weitgehend befreiter Boulevard vom Theodor-Heuss-Platz bis zum Stadttheater mit viel Grün und einer weitschweifigen Platzsituation am Königsplatz könnte der erste Schritt zu einer modernen Stadtplanung sein. Eine langfristige Stadtplanung, die auf Aufenthaltsqualität und auf eine neue Bewohnbarkeit und Nutzung der Innenstadt hinzielt.

Webseite der Tunnelgegner

Webseite der Tunnelgegner


Dieser erstaunliche städtebauliche Paradigmenwechsel könnte der Beginn einer bisher noch nicht gedachten Stadt sein. Eine Stadt, in der sich ein neues urbanes Lebensgefühl – ausgehend vom „Verkehrsknotenpunkt Königsplatz“ ausbreitet und die Innenstadt für deren Bewohner und deren touristischen Besucher zu einem belebten Ort der Begegnung verwandelt. Die Unbewohnbarkeit der Städte und deren Verödung durch die zu Shopping-Malls entwickelten Fußgängerzonen und Stadtautobahnen mit Verkehrsleitsystemen für gigantische Automobilströme sollte als Fehlentwicklung einer falsch gedachten Konsumqualität in die Geschichte des Städtebaus eingehen. Den ersten Schritt für ein neues Lebensgefühl in der Stadt kann nur eine planerische Philosophie leisten, deren erster Grundsatz den Durchgangsverkehr in der Innenstadt ausschließt.

Es kommt nicht darauf an, wo der Tunnel anfängt

Bei allem Respekt für die Tunnel-Initiatoren und die Unterzeichner für das Bürgerbegehren muss man festhalten, dass ein Tunnel am Königsplatz die Konrad-Adenauer-Allee und die Fuggerstraße als Durchgangsstraße festlegt. Eine Festlegung, die die Perspektive auf städtebauliche Weitereinwicklung des Augsburger Stadtzentrums auf ewig verstellt. Dieser Aspekt kommt in der aktuellen Diskussion, die in erster Linie von den Verkehrs- und Fördergeld-Experten und parteipolitischen Wettspielchen auf den Wahlausgang geprägt ist, zu kurz. Es geht also nicht nur darum, ob der Hauptbahnhof-Umbau durch die Tunnel-Planung in weite Ferne rückt oder nicht. Und es geht auch nicht in erster Linie darum, ob nach 2019 ähnlich hohe Fördermittel generiert werden können oder nicht. Und es kommt auch nicht darauf an, wo der Tunnel anfängt und aufhört, wie teuer er wird undsoweiter. Die Augsburger entscheiden am Sonntag in erster Linie darüber, ob die Innenstadt im Sinne ihrer Bewohner weiter entwickelbar bleibt oder nicht. Wer sich am Sonntag für die Option einer neuen urbanen Lebensform, also für die Vision einer neuen Belebung der Innenstadt entscheiden möchte, muss gegen den Tunnel stimmen. Auf diese Kernthese sollte in den letzten Tagen vor der Entscheidung die Diskussion heruntergebrochen werden.



New York im Höhmannhaus

Außergewöhnliche Stadtansichten von New York, fernab der bekannten Metropolensymbolik, zeigt die Künstlerin Nina Pettinato von Donnerstag, 19. November 2010 bis 9. Januar 2011 in der Neuen Galerie im Höhmannhaus.

Der Betrachter als Wanderer, der durch das Objektiv der Fotografin blickt – so schildert der Pressetext den Eindruck von Nina Pettinatos Fotos

Der Betrachter als Wanderer, der durch das Objektiv der Fotografin blickt – so schildert der Pressetext den Eindruck von Nina Pettinatos Fotos


Die unter dem Titel „If you see something say something“ vorgestellte Werkgruppe Nina Pettinatos entstand im Sommer des Jahres 2010 in New York. Pettinatos Motive sind durchweg unspektakulär, weit entfernt von gängigen Klischees, schaffen aber eine ganz eigentümlichen Atmosphäre, die an kaum etwas von dem erinnern, was Fotos der Stadt sonst meist vermitteln. Die Künstlerin wurde 1975 in Oettingen geboren, hat „Visuelle Kommunikation/Bildende Kunst“ an der HfG Offenbach studiert und 2009 den Kunstpreis des Bezirks Schwaben erhalten – verbunden mit der diesjährigen Teilnahme am International Studio and Curatorial Program ISCP, New York, wo sie drei Monate verbrachte.

Nina Pettinato: „If you see something say something”. Ausstellung in der Neuen Galerie im Höhmannhaus, Maximilianstraße 48. Eröffnung Donnerstag, 18. November, 19.30 Uhr. Öffnungszeiten: Dienstag 10 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.



CFS-Debakel: „Was gibt es zu verbergen?“

Die Kreisvorsitzende der Augsburger FDP, Miriam Gruß, kritisiert in ihrer gestrigen Pressemitteilung die Methodik der Stadtregierung in Sachen Aufklärung.

Miriam Gruß

Miriam Gruß


Es sei erschreckend, wie die Stadt mit der Öffentlichkeit umgehe. „Es ist immer noch nicht der Hauch von Transparenz erkennbar. Wieso wird das Gutachten von Herrn Dr. Nixdorf nicht jedermann zugänglich gemacht? Was gibt es zu verbergen?“ Gruß vertritt darüber hinaus die Auffassung, dass am Stadtrat vorbei entschieden – und die Panther-GmbH so „mangelhaft eingebunden“ wurde. Die Aufklärung dieser Fragen müsse schnell vorangetrieben werden und sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden, so Gruß, die die Stadtregierung mahnt, sich der Konsequenzen des CFS-Debakels bewusst zu werden.



Kö-Umbau: ÖDP gegen Tunnel

Die ÖDP lehnt den Bau eines Autotunnels unter dem Königsplatz ab und nimmt Rolf von Hohenhau unter Beschuss.

Die ÖDP habe den zügigen Umbau von Kö und Hauptbahnhof bereits innerhalb des damaligen Regenbogenbogenbündnisses gefordert und unterstützt, so der ÖDP-Vorsitzende Christian Pettinger, der mit den nun geforderten Tunnelbaumaßnahmen eine weitere Verzögerung des längst fälligen Projekts befürchtet. In diesem Zusammenhang nannte Pettinger es auch „befremdlich“, dass sich der Präsident des Bundes der Steuerzahler in Bayern, Rolf Baron von Hohenhau, an die Spitze der Tunnelbefürworter gestellt habe. Pettinger unterstellt dem Präsident des Bayerischen Steuerzahlerbundes Eigennutzinteressen. „Man darf darauf gespannt sein, ob von Hohenhau in seinem nächsten Steuer-Schwarzbuch die für einen Tunnel am Kö in Augsburg verplemperten Millionen brandmarken wird. Anscheinend lasse Hohenhau seine Grundsätze fallen, wenn es sich um Bauprojekte in seiner direkten Nachbarschaft handle, so Pettinger.



Von Papstkritik und Syphilis

Er war eine schillernde Figur: ein ewiger Student, ein Kämpfer gegen die „Verweltlichung“ der Kirche, ein Syphiliskranker, ein anerkannter Literat und Humanist, ein edler „Reichsritter“ und vieles mehr. Nächsten Mittwoch, den 24. November um 19 Uhr widmet sich ihm eine szenische Lesung an einem historischen Ort: der St. Anna Goldschmiedekapelle. „Die Passion des Ulrich von Hutten – Ritter, Humanist und Literat im Kampf gegen Papsttum, Fugger und die Syphilis“, heißt die Veranstaltung über den Schriftsteller, der bisher in Augsburg kaum wahrgenommen wurde, obwohl er hier im im reformationsentscheidenden Jahr 1518 ein wichtiger – und eloquenter – Zeitzeuge war. Im Rahmen der Lutherdekade – Vorlauf zu „500 Jahre 1517“ – soll sich das ändern. Mit den Mitteln der klassischen Literatur schrieb von Hutten Satiren auf seine Zeitgenossen, etwa den Kardinal Cajetan, aber auch über seine eigene Syphilis-Erkrankung, die er mit Hilfe der Fugger zu kurieren hoffte. Die Veranstalter kündigen an, es werde „teilweise durchaus heiter.“

„Die Passion des Ulrich von Hutten – Ritter, Humanist und Literat im Kampf gegen Papsttum, Fugger und die Syphilis“. Szenische Lesung mit Nicola Ressel (Parktheater) und Stadtdekanin Susanne Kasch in der Rolle des Kardinal Cajetan). Mit zahlreichen zeitgenössischen Bildern. Zusammenstellung und Präsentation von Dr. Michael Friedrichs.



Arbeiterlieder in Brechts Bistro



Der Musikhistoriker Dr. Jürgen Schebera ist Experte für Kunst und Kultur der Weimarer Republik und die Musik von Hans Eisler und Kurt Weill. Am kommenden Freitag, 19. November stellt er um 19.30 in Brechts Bistro (Auf dem Rain 6) seine neueste Edition vor: 150 Jahre Arbeiter- und Friedenslieder, gesammelt auf einer 4-teiligen CD-Ausgabe mit je drei CDs – eine einzigartige Musikdokumentation, deren Aufnahmen von frühen Tondokumenten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu Nachkriegsaufnahmen mit Liedern aus den Konzentrationslagern und Kampfliedern aus der DDR reichen. Unter dem Motto „Die Tradition ist höchst lebendig!“ stellt Schebera diese Edition vor – natürlich mit vielen Hörbeispielen aus den insgesamt 280 Liedaufnahmen. Zu hören sind bekannte und weniger bekannte Arbeiter-, Freiheits-, Kampf und Revolutionslieder in historischen und modernen Einspielungen, von Ernst Busch, Hannes Wader, Dieter Süverkrüp sowie Arbeiter-Chören und Instrumentalgruppen. Schebera berichtet aber auch vom Zustandekommen des ambitionierten Projekts – zum Beispiel über die Zusammenarbeit mit Schellackplatten-Sammlern.

Dr. Jürgen Schebera präsentiert die CD-Ausgabe: „DASS NICHTS BLEIBT, WIE ES WAR“ – 150 Jahre Arbeiter- und Friedenslieder. Freitag, 19. November, 19.30 in Brechts Bistro (Auf dem Rain 6).