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Wiederauferstehung: Jean Stein kommt zurück

Stadt genehmigt drei Konzerte im November „am alten Ort“ mitten in der Stadt

"Am alten Ort": offenes Wohnzimmer des Jean Stein

"Am alten Ort": offenes Wohnzimmer des Jean Stein


Geplant war, wie so oft im Leben, alles ganz anders. Die Szenekneipe „Jean Stein“ schloss Mitte Juli zum Bedauern Vieler, die sich in das alternative Milieugemisch aus Punk, Kunst und Musik in Verbindung mit preiswerter Wirtshauskultur verliebt hatten. Als happy end konnte man es damals immerhin ansehen, dass zwar die Kneipe dicht machte, dass die Initiatoren aber ihren Erfolg zumindest zum Teil in ein neues Projekt einbringen wollten: Jean-Stein-Konzerte sollte es schon bald in der neuen Ballonfabrik geben.

Ruhe ist Pflicht

Doch auch hier steckte der Teufel im Detail – und da steckt er noch immer, denn an der Austraße lassen sich nach wie vor noch keine Konzerte durchführen – das dauert noch ein bisschen. Doch manchmal kommt, wenn alles schief geht, auch was Gutes raus: Nun haben sich die Ex-Jean-Stein-Betreiber mit der Stadt auf „erstmal“ drei Konzerte im November geeinigt, die am alten Ort mitten in der Stadt (Kapuzinergasse 15) stattfinden dürfen. Zwischen den Zeilen der diesbezüglichen Pressemitteilung kann man allenfalls herauslesen, dass die Genehmigung mit gewissen Bedingungen verknüpft ist: „Wichtig ist dabei allerdings, dass sich die BesucherInnen im Außenbereich möglichst ruhig verhalten und nicht auf der Straße Krach machen, rumbrüllen o.ä. Wenn also die drei Abende ruhig ablaufen, sprich die Nachbarn keinen Anlass sehen, sich bei offizieller Stelle zu beschweren, dann besteht eine Chance für uns, zukünftig ein paar Mal im Monat Konzerte zu organisieren!“

Zum Auftakt gibt’s übermorgen, am Freitag, 19. November ab 21 Uhr, die „Princes Chameaux“ aus Frankreich. Die Prinzen seien „erfrischend jung, ungestüm, mitreißend und liefern regelmäßig sehr energievolle Konzerte ab“, wirbt die Jean-Stein-Website. Tags darauf, am Samstag, 20.11., folgt die russische Band „Dobrantoch“, die „mit zu den spannendsten Erscheinungen der russischen Ethno-Punk-Szene“ gehört. Und am darauf folgenden Wochenende endet die November-Trilogie mit einer weiteren französischen Band: „Les Fils du Teuhpu“ bringen eine angesagte Mischung aus Ska, Balkan, Rock und Südamerika (Freitag, 26.11.). Mehr zu Jean Stein und den Bands der beiden nächsten Wochenenden gibt’s unter www.jean-stein.de.

Wer hingeht, sollte die Bitte der Jean-Stein-Leute beachten: „Also kommt vorbei, habt eine Menge Spaß und geht gaaaaaanz leise wieder heim.“



CFS-Debakel: AGS rechtfertigt Vergabeverfahren zur Architektenleistung

Seit letzten Freitag steht gutachtlich fest, dass im Curt-Frenzel-Stadion die Sicht aufs Eis wegen der intransparenten Köpfe der Vorderleute im Publikum getrübt ist. Gegen den Vorwurf weiterer Intransparenz, nämlich beim Architektenauswahlverfahren, wehrte sich gestern die mit der Baubetreuung beauftragte AGS.

Entwurf "Leuchtende Eisscholle" von Hermann + Öttl: Mehrheitliche Jury-Entscheidung

Entwurf "Leuchtende Eisscholle" von Hermann + Öttl: Mehrheitliche Jury-Entscheidung


Die Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung und Immobilienbetreuung GmbH (AGS) stellte in einer Pressemitteilung klar, dass das im Auftrag der Stadt Augsburg durchgeführte Auswahlverfahren zur Architektenfindung streng nach den einschlägigen Regeln der Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) durchgeführt wurde. Auf eine EU-weite Ausschreibung im Juni 2009 hatten sich zehn Büros für die Teilnahme am Verfahren beworben, davon seien entsprechend den Ausschreibungsbedingungen fünf Bewerber ausgewählt worden. Dies sei anhand einer Bewertungsmatrix (500-Punkte-System) gemäß den Empfehlungen der Bayer. Ingenieurkammer geschehen. Kriterien seien u.a. Art, Umfang und Qualität von Referenzobjekten, gewonnene Architektenwettbewerbe sowie Erfahrung mit Umbaumaßnahmen im Bestand gewesen. Da drei Architekturbüros sich den fünften Platz gleichbewertet teilten, sei gemäß § 10 Absatz 3 VOF am 2. Juli 2009 eine Entscheidung durch das Los bei einem Augsburger Notar herbeigeführt worden.

Mehrheitliche Jury-Entscheidung für anonymisierten Entwurf

Die verbleibenden fünf Bewerber habe man aufgefordert, einen Vorentwurf für die Fassade zu erarbeiten. In der Sitzung am 21. Juli 2009 entschied sich die Jury aus den vier Fachpreisrichtern Thomas Glogger, Prof. Ulrich Holzscheiter, Gerd Merkle und Prof. Sebastian Zoeppritz und den drei Sachpreisrichtern Alexandra Holland, Peter Grab und Lothar Sigl mehrheitlich für den anonymisierten Entwurf des Büros Hermann + Öttl, München. Mit in der Jury saßen sechs beratende, nicht stimmberechtigte Sachpreisrichter: Leo Dietz, Willi Leichtle, Reiner Erben, Prof. Rolf Harzmann, Bernhard Kopp und Wolfgang Tanzer. Im Anschluss daran sei das Vergabeverfahren, das von keinem der beteiligten Architekten beanstandet worden sei, wie in der VOF geregelt zum Abschluss gebracht worden.



Grüne: Stadt droht Zwangsverwaltung von der Regierung von Schwaben

In der angespannten politischen Situation vor der Entscheidung um den Königsplatzumbau wäre die Meldung, dass sich die Regierungskoaltion vorgenommen hat, den 2011er Haushalt mit einer Neuverschuldung von zirka 50 Millionen Euro “ausgeglichen zu gestalten”, beinahe nicht zur Kenntnis genommen worden.



Ein wenig spät, aber dafür in aller Schärfe, meldet sich nun der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Christian Moravcik, als erster Oppositionspolitiker zu Wort. Einen Haushalt mit mindestens 50 Millionen Euro Neuverschuldung als ausgeglichen zu bezeichnen, sei blanker Hohn und ein Schlag ins Gesicht der nachfolgenden Generationen, so Moravcik. “Die katastrophale Finanzlage ist nicht die Folge der Wirtschaftskrise, sondern der kurzsichtigen Haushaltspolitik, der Verwaltungsaufblähung und Schaffung neuer Stellen von CSU und Pro Augsburg geschuldet”. Nach Auffassung der Grünen “ist der aktuelle Haushaltsentwurf nicht genehmigungsfähig”. Moravcik äußerte sich auf Anfrage der DAZ dahingehend, dass sich die Stadtregierung mit diesem Plan von der Regierung von Schwaben abhängig mache. “Es droht die Zwangsverwaltung durch die Regierung von Schwaben. Ein Desaster auf ganzer Linie”.



Wahl-Splitter: Gribl Punktsieger im Barbarasaal

OB Kurt Gribl hatte gestern Abend bei der Diskussionsveranstaltung der Augsburger Allgemeinen vor zirka 500 Besuchern im Barbarasaal gegenüber den Tunnelbefürwortern Volker Schafitel und Erika Still-Hackel auf der Applaus-Skala die Nase vorn.

Insgesamt gab es nichts Neues und die Diskussion war zu stark von verkehrs- und bautechnischen Differenzierungen geprägt. Jeden Abend finden derzeit Veranstaltungen zum Kö-Umbau statt. Am heutigen Mittwoch laden die Linken um 19.30 Uhr zu einer Podiumsdiskussion in den Filmsaal im Zeughaus ein. – Am kommenden Sonntag sind in Augsburg zirka 195.000 Bürger dazu aufgerufen, an dem Bürgerentscheid teilzunehmen. Für die Wahl stehen an diesem Tag 139 Wahllokale im Stadtgebiet zur Verfügung. Gewählt werden kann von 8 Uhr bis 18 Uhr. In diesem Zeitraum sind 1.060 ehrenamtliche Helfer für die Stadt im Einsatz. Vergütet wird das temporäre Ehrenamt der Wahlhelfer mit 100 Euro pro Nase.



IHK-Regionalversammlung warnt vor Tunnel

Die IHK Augsburg-Stadt lehnt das Tunnel-Bürgerbegehren ab und hat dies auf ihrer jüngsten Regionalversammlungung bekräftigt.



„Es darf nicht sein, dass durch die Umsetzung der Tunnel-Pläne der Umbau des Hauptbahnhofs ausgehebelt wird. Der Bahnhof ist das eigentliche Herzstück des Gesamtprojekts ‘Mobilitätsdrehscheibe’, und dessen Finanzierung würde durch Umplanungen für einen Tunnel hochgradig gefährdet“, so der Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Ernst Holme. Außerdem forderte Holme die Stadt fünf Tage vor dem Bürgerentscheid auf, öffentlich zu klären, welche Variante sie für die so genannte “Entlastungsstraße” verfolge. Es könne nicht sein, dass die Bürger am Sonntag in dieser Frage keine Klarheit haben, so Holme.