DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Zweimal NEIN ist ein JA für einen besseren Umbau am KÖ

Erklärung zu den beiden Bürgerentscheiden am 21. November

Wir lehnen sowohl den Bau eines Tunnels als auch das Ratsbegehren ab. Beide Projekte kosten viel zu viel Geld und führen nicht zu entscheidenden Verbesserungen für den Öffentlichen Personennahverkehr, Fußgänger und Radfahrer. Man könnte viel bessere Ergebnisse erzielen bei geringerem Aufwand.


Der Tunnel ist ein rückwärtsgerichteter Ansatz, der den Autoverkehr in der Innenstadt mindestens erhalten wenn nicht sogar anziehen wird. Er würde das ohnehin viel zu teure Königsplatz-Umbau-Projekt um vielleicht bis zu 40 Mio. Euro verteuern (dem stehen mögliche Einsparungen durch die vermiedene Tramverlegung am Eserwall von ca. 7 Mio. Euro gegenüber). Weiter halten wir ein solches Bauwerk, mit dem Charakter einer Umgehungstrasse, an dieser zentralen Stelle der Stadt für völlig ungeeignet. Er würde den Königsplatz völlig verschandeln.


Das Ratsbegehren suggeriert, eine durchdachte Alternative zum Tunnel zu bieten (auf der Basis des Bebauungsplans 500). Es wird dafür aber das gesamte Haltestellendreieck abgerissen und einige Meter weiter wieder aufgebaut. Deshalb müssen 166 Bäume gefällt werden.

Es müssen 72 Straßenbahnen pro Stunde über die Kaiserhofkreuzung geschleust werden. Gleichzeitig kommt es während der Hauptverkehrszeiten zum Dauerstau an der Kaiserhofkreuzung, der natürlich auch die Straßenbahnen behindern wird. Die „vorsorgliche Entlastungsstraße“ soll dies zwar reduzieren. Aber dadurch wird die ohnehin übertriebene Rede vom „autofreien KÖ“ vollends relativiert – und dadurch wohl auch die Fördergelder aufs Spiel gesetzt. Wie die Entlastungsstraße aussehen und verkehrstechnisch geregelt werden soll, ist vollkommen ungeklärt.

Für einen kostengünstigeren und behutsamen Umbau am Königsplatz

Die Kosten des Projekts Mobilitätsdrehscheibe werden derzeit auf ca. 270 Millionen Euro geschätzt. Dafür soll es bis zu 160 Mio. Euro Fördergelder geben. Etwa 16 Mio. Euro trägt die Bahn AG. Die Stadt Augsburg und die Stadtwerke Augsburg werden mit mindestens 94 Mio. Euro belastet. Dies wird sich höchstwahrscheinlich negativ auf die Tarife und den Takt der Stadtwerke auswirken. Es wird durch den überdimensionierte Umbau des Königsplatzes und die Untertunnelung des Hauptbahnhofes, unnötig viel Geld ausgegeben. Wir halten dies für eine Verschwendung von öffentlichen Geldern, bei dem der Aufwand in keinem vertretbaren Verhältnis zu den erzielten Vorteilen steht.

Weniger ist hier mehr: Man könnte bei einem kleineren Umbau des KÖ das Haltestellendreieck am Standort umbauen, unter Abriss der Kioske, Einbeziehung der Kurzen Herrmannstraße und evtl. einer Spur der Konrad-Adenauer-Allee (wie dies auch die Sieger des Innenstadtwettbewerbs, Wunderle und Billinger, vorgesehen hatten). Dies wäre kostengünstiger, würde zu geringeren Behinderungen während der Bauphase führen und es müssten nur wenige Bäume gefällt werden.

Eine der drei Tramlinien, die heute über den Theodor-Heuss-Platz fahren, könnte über die Maximilianstraße geführt werden. Man könnte den Gleissalat vermeiden und die Trassenverlegung am Eserwall wäre unnötig. Mittelfristig muss eine Dezentralisierung des ÖPNV-Systems, mit etwa den Knotenpunkten Hauptbahnhof, Kennedyplatz, Rathaus, Rotes Tor und Königsplatz, realisiert werden. Dies war auch schon so im Gesamtverkehrsplan von 1978 vorgesehen und wurde 1998 mit der Fortschreibung bestätigt.

Deshalb rufen wir die Bürgerinnen und Bürger auf, am kommenden Sonntag beide Begehren abzulehnen, also Nein ankreuzen, und die Stichfrage frei zu lassen.



Stadtrat

Alexander Süßmair, MdB


Stadtrat

Benjamin Clamroth



Und Brecht war doch ein Frauenverschlinger!

Im Musiclett von Peter Dempf und Wolfgang Lackerschmid kommt der Dichter nicht gut weg

Von Frank Heindl

Versonnener Blick zurück von den 50er-Jahren in die Zeit des Ersten Weltkriegs: Stefanie Schlesinger als Paula Banholzer in Peter Dempfs Musiclett „Jetzt ist er tot, der Hund“ mit Musik von Wolfgang Lackerschmid (Foto: Eric Zwang Eriksson)

Versonnener Blick zurück von den 50er-Jahren in die Zeit des Ersten Weltkriegs: Stefanie Schlesinger als Paula Banholzer in Peter Dempfs Musiclett „Jetzt ist er tot, der Hund“ mit Musik von Wolfgang Lackerschmid (Foto: Eric Zwang-Eriksson)


Wie kann er nur, dieser Peter Dempf! Haben wir denn nicht ein Brechtfestival hinter uns, in dem es den Initiatoren erklärtermaßen darum ging, das gängige Brechtbild nicht nur zu hinterfragen, sondern es auch gründlich zu überarbeiten? Haben nicht Festivalleiter Joachim Lang und sein wissenschaftlicher Kompagnon Jan Knopf mit aller Entschiedenheit argumentiert, Brecht sei – unter anderem – eben kein „Frauenverschlinger“ gewesen! Ein Filou möglicherweise, ein Schwerenöter, aber einer, der seine Beziehungen ernst nahm, dem es um Austausch, Partnerschaft, Synthese ging!

Und nun also der Augsburger Schriftsteller Peter Dempf: Schreibt dem Augsburger Musiker Wolfgang Lackerschmid Texte für ein „Musiclett“, die dieser für seine Frau Stefanie Schlesinger vertont. Und in diesen Texten wird der erst kürzlich von seinen Sünden reingewaschene „BB” erneut mit allem konfrontiert, was man nicht mehr sagen sollte: „Ein Frauenverschleißer“ sei er gewesen, singt Frau Schlesinger, pausenlos monologisiert habe er und fast nie zugehört, und während sie seinen Sohn Frank zur Welt gebracht habe, habe jener schon mit einer anderen poussiert …

Die „Wunde Brecht“ war 1955 noch nicht verheilt

Des Rätsels Lösung liegt wohl in der Perspektive. Auf dem Brechtfestival Anfang des Jahres wurde unter anderem Heinrich Breloers Film „Bi und Bidi“ von 1978 gezeigt – eine Dokumentation, in der die damals 77jährige Paula Banholzer, von Brecht fünfzig Jahre zuvor zärtlich „Bi“ genannt, sich erinnerte – großmütig, verzeihend, verständnisvoll. Dempf hat sich an eine andere Quelle gehalten: In ihrer Autobiographie, sagt er, zeige sich viel deutlicher, „dass sie die Wunde Brecht lange nicht schließen konnte.“ Banholzer sei es – im Gegensatz zu den meisten anderen Frauen um Brecht – schließlich gelungen, sich von dem Dichter wieder zu lösen. Dafür aber habe sie einleuchtende Gründe gehabt, die sie auch deutlich formulieren konnte.

Dempfs Perspektive wirkt sich aufs „Musiclett“ – so nennt er diese Kleinform des Musicals für eine Sängerin und einen Musiker – deutlich aus. Im S’ensemble-Theater – es ist die 30. Uraufführung auf dieser Bühne! – wird uns nicht die selbstbewusst gereifte, abgeklärte Paula Banholzer aus Breloers Film präsentiert, sondern jene mit einem Augsburger Kaufmann verheiratete 55jahrige, die sie bei Brechts Tod 1956 war – da waren die Wunden möglicherweise noch nicht so gut verheilt. Eine nachdenkliche „Bi“ zeigt Dempf, eine, die sich an ihrer Vergangenheit abarbeitet, am frühen Tod des Kindes leidet, das sie mit Brecht gezeugt hatte (Frank Banholzer starb 1943, 25-jährig, an der Ostfront), die sich traurig und gequält an die Zeiten erinnert, als sie von den Eltern des Hauses verwiesen wurde, mit 17 schon Mutter.

Viel Trauer, wenig Wut

Schade, dass Dempf ihr nur viel Trauer, nicht aber im gleichen Maße Wut zugesteht. „Jetzt ist er tot, der Hund“, eröffnet ihr der Ehemann, der eben aus der Zeitung von Brechts Tod erfahren hat, und verlässt dann das Zimmer. Dempf Stück zeigt – unter der Regie von Sebastian Seidel – im Anschluss eine innerliche Frau, die beim Tischdecken im gutbürgerlichen Wohnzimmer, beim Abnehmen der Wäsche auf dem Balkon, in Erinnerungen wühlt, mal traurig, mal froh, und nur ab und zu auch mal ärgerlich ihren Ex einen „Mistkerl“ nennt. Wolfgang Lackerschmid hat dazu Songs geschrieben, die er auf einem elektronischen Keyboard begleitet, das mal E-Piano, mal Klavinett und mal Klavier sein kann, und die mal nach Blues, mal nach Midnight-Jazz klingen, und manchmal auch ein bisschen nach Kurt Weill. Stefanie Schlesinger pendelt zwischen diesen Genres ohne Übergangsschwierigkeiten – vor allem verblüfft sie, wenn sie metallisch kalt und vibratolos in den Weillschen Duktus verfällt und diesen expressiven Stil singt, den man fast als „brechtisch“ bezeichnen könnte, weil man ihn so gut von Gisela Mays Brecht-Interpretationen kennt.

Was man vom Pianisten, der abseits hinter einem Gaze-Vorhang musiziert, fraglos erwarten kann, ist für eine Sängerin nicht selbstverständlich: Stefanie Schlesinger singt und agiert 75 Minuten lang nonstop, und sie hätte wohl auch eine selbstbewusster auftretende Paula Banholzer gut bewältigt. So war’s am Ende doch viel Jammern um und wenig Aufbegehren gegen den bösen Brecht, aber eine deutliche Lektion dahingehend, dass der große Bertolt Brecht zumindest zu gewissen Zeiten eben doch als Frauenverschlinger empfunden wurde!

Weitere Termine: 19., 20., 26. und 27. November, 3., 4., 10. und 11. Dezember, dann wieder im April und Mai 2011.

» www.sensemble.de



Haushaltsentwurf 2011 sieht Neuverschuldung von 50 Millionen Euro vor

Die Stadtratsfraktionen der Regierungskoalition (CSU / PRO AUGSBURG) haben in ihrer Haushaltsklausur am vergangenen Samstag die Weichen für einen „insgesamt ausgeglichenen Haushalt mit einer Neuverschuldung von maximal 50 Millionen Euro gestellt“.

Ralf Schönauer

Ralf Schönauer


Der vorliegende Haushaltsentwurf 2011 weise nach Ausgleichung des Verwaltungshaushaltes im Vermögenshaushalt ein Defizit von 68 Millionen Euro aus, wie es in der gestrigen Pressemitteilung der finanzpolitischen Sprecher der beiden Fraktionen heißt. – Die Stadt könne derzeit aufgrund der Nachwirkungen der Wirtschaftskrise, bei dem weiterhin hohen Anteil von Jugend- und Sozialhilfekosten und den bestehenden Pflichtaufgaben dies nicht mehr aus eigener Kraft und ohne eine weitere Neuverschuldung schultern, so die beiden finanzpolitischen Sprecher der Regierungskoalition Ralf Schönauer (CSU) und Werner Lorbeer (Pro Augsburg).

„Weitere Kürzungen wären nicht darstellbar gewesen“

OB Kurt Gribl, die anwesenden Referenten sowie die Fraktionsvorsitzenden und die anwesenden Stadträte seien sich im Ergebnis einig gewesen, dass weitere Kürzungen „zu Lasten der Handlungsfähigkeit“ gehen würden und wegen der Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern nicht darstellbar seien. Die Neuverschuldung sowie die „umsichtige Haushaltsplanung der Regierungskoalition“ habe es ermöglicht, dass Projekte wie der der Umbau des Königsplatzes mit der dazugehörigen Sanierung der Maximilianstraße und der Philippine-Welser-Straße, die Verlagerung des Stadtarchivs sowie die Sanierung des Bühnenturms in den Haushaltsplan aufgenommen werden konnten, so Schönauer und Lorbeer in ihrer gestrigen Pressemitteilung.



Öffentliche Begehung der Wassertürme am Roten Tor

Aufgrund des großen Interesses an den Wassertürmen am Roten Tor bietet die Regio Augsburg Tourismus GmbH weitere Termine zur Besichtigung an.

Am Sonntag, den 28.11.2010 finden um 13.30 Uhr, um 15.00 Uhr und um 16.30 Uhr Führungen statt. Weitere Termine sind am Sonntag, den 12.12.2010. An diesem Tag können sich Interessierte um 9.00 Uhr, um 10.30 Uhr, um 13.00 Uhr, um 14.30 Uhr und um 16.00 Uhr einer Besichtigung anschließen. Bei den 1-stündigen Besichtigungen werden den Besuchern das Brunnenmeisterhaus und der kleine und der große Wasserturm gezeigt. Das Ensemble am Roten Tor zählt zum ersten Wasserwerk Augsburgs und versorgte bis ins Jahr 1879 die Stadt mit Wasser. Von 2006 bis 2010 wurden die Türme grundlegend saniert und sind seit 2010 im Rahmen von Führungen wieder zu besichtigen.

Eine Anmeldung unter Telefon 0821 50207-0 ist unbedingt erforderlich, da aufgrund von Brandschutzauflagen die Teilnehmerzahl auf 14 Personen pro Führung begrenzt ist. Treffpunkt der Führungen ist direkt am Eingang der Wassertürme in der Spitalgasse. Die Führung kostet 3,-€ pro Person.

Weitere Informationen gibt es bei der Regio Augsburg Tourismus GmbH unter Telefon 0821 50207-24 oder im Internet unter augsburg-tourismus.de.

Foto: Kleeblatt-Film