DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

CFS-Debakel: Stadtspitze dementiert Artikel der Augsburger Allgemeinen

In dem heutigen Aufmacher der Lokalredaktion der Augsburger Allgemeinen ist unter anderem zu lesen, dass sich die Stadt Augsburg aufgrund der bekannten Sichtprobleme beim Umbau des Curt-Frenzel-Stadions für eine Millionenklage rüste. Außerdem soll aufgrund der Probleme beim CFS, so die Augsburger Allgemeine, zwischen Oberbürgermeister Kurt Gribl und Bürgermeister Peter Grab “ein derzeit mehr als frostiges Klima herrschen”.

Merkle, Gribl, Grab, Öttl, Hermann bei der Modellpräsentation im April 2010.

Als alles noch in Butter war: Merkle, Gribl, Grab, Öttl, Hermann bei der Modellpräsentation im April 2010.


In dem von OB Gribl und Bürgermeister Peter Grab unterzeichneten Dementi legen beide Wert darauf, dass der Eindruck, dass sich die Stadt für eine Millionenklage rüste, völlig falsch sei. Außerdem gebe es zwischen Oberbürgermeister und Bürgermeister “keinerlei atmosphärische Störungen”. – Das komplette Dementi der Stadtspitze im O-Ton:

„Der Eindruck, die Stadt rüstet sich wegen der Probleme beim Umbau des Curt-Frenzel-Stadtions für eine Millionenklage, ist schlichtweg falsch und entspricht nicht den Tatsachen. Bei der Aufarbeitung der Probleme gibt es eine klare, mit allen Beteiligten abgestimmte Vorgehensweise. Derzeit untersucht ein renommierter Gutachter die vorliegenden Planungen. Aufgrund dessen gutachterlichen Aussagen werden wir Klarheit darüber bekommen, ob und inwieweit das Stadion auf Basis der vorliegenden Planung bei Fertigstellung Mängel aufweisen wird. Dann erst werden Entscheidungen über die weitere Vorgehensweise getroffen, sprich, können konkret etwaige Verbesserungen ins Auge gefasst werden. Sollten diese wiederum notwendig sein, müssen dann auch mögliche Regressforderungen überprüft werden. Diskussionen über hypothetische Klagen, die derzeit überhaupt nicht auf der Tagesordnung stehen, begründen nur unerfüllbare Erwartungshaltungen: Solche Spekulationen behindern nicht nur konstruktive Lösungsansätze, sondern haben auch gravierende negative Auswirkungen auf alle Beteiligten. – Im Verhältnis zwischen dem Oberbürgermeister und dem Sportreferenten gibt es keinerlei atmosphärische Störungen. Es herrscht vielmehr ein ständiger Informationsfluss. Beide stimmen die Vorgehensweise in Sachen Curt-Frenzel-Stadion andauernd miteinander ab. Insbesondere hatte der Sportbürgermeister den Oberbürgermeister sofort nach Bekanntwerden der Schwierigkeiten im Stadion Anfang Oktober eingebunden und alle wesentlichen Schritte mit ihm abgesprochen; dies wird auch so bleiben.”

Am schnellsten bewertete die Kreisvorsitzende der Augsburger FDP, Miriam Gruß, das städtische Dementi. “Eine Pressekonferenz einzuberufen, nur um dann die Vorbereitung einer Klage zu dementieren und das hervorragende Verhältnis zwischen OB und Bürgermeister zu betonen, ist angesichts der aktuellen Lage eine Farce”, so Gruß, die die Stadtregierung in Sachen CFS weiterhin mit grobem Schrot unter Beschuss nimmt: “Priorität sollte zur Zeit eigentlich die Aufklärung der undurchsichtigen Vorgänge rund um die Auftragsvergabe und eine Lösung der Probleme haben. Alles andere ist für die Augsburger Steuerzahler blanker Hohn!”



CFS-Debakel: Wer trägt die Verantwortung?

Die Stadtratsfraktion der Augsburger Grünen wundert sich über OB Gribls beim TV-Sender Sky getätigte Einschätzung, dass die Planer für die derzeitige Umbausituation des Curt-Frenzel-Stadions verantwortlich seien.



Noch in der vergangenen Stadtratssitzung habe der Oberbürgermeister eine Diskussion zu dieser Frage abgelehnt. Eventuelle Fehler solle ein Gutachten klären, über Verantwortung sei derzeit nicht zu reden, so der Grüne Fraktionschef Reiner Erben, der sich darüber erstaunt zeigt, dass Gribl bereits vor Veröffentlichung des Gutachtens mutmaßt, wer seiner Ansicht nach die Schuld trage. „Das passt nicht zusammen und ist schlechter Stil“, so Erben.

„Einer Abwägung aus Zeitgründen keinen Raum gegeben“

Eine Aufklärung darüber, ob es Planungs- und/oder Realisierungsfehler gegeben habe, müsse zeitnah und objektiv erfolgen. Genauso notwendig sei aber eine Diskussion über die politische Verantwortung für dieses Projekt. „Die Stadtregierung hat verschiedene politische Entscheidungen getroffen. Sie hat sich dafür entschieden, dass der Umbau von der AGS federführend durchgeführt wird, mit der hierfür ein Betreuungsvertrag abgeschlossen wurde. Sie hat sich für ein VOF-Verfahren entschieden, an dessen Ende ein bestimmtes Architekturbüro einen Auftrag erhielt. Sie hat sich dazu entschieden, gegenüber der vom Stadtrat verabschiedeten Planung grundlegende Veränderungen durchzuführen und einer Abwägung hierzu aus Zeitgründen keinen Raum zu geben“, so Martina Wild im O-Ton der gestrigen Pressemitteilung der Grünen. Nach Auffassung der Grünen Stadtratsfraktion sind „all diese Entscheidungen von den zuständigen Referenten getroffen worden – und dies ohne Einbindung der zuständigen Gremien“.

Foto: schlechte Sicht von der Osttribüne des CFS



Hochdepressive Chansons zum Vombalkonrunterspringen

Wer täglich Pressemeldungen zu bearbeiten hat, der weiß ein Lied zu singen von umständlichen Formulierungen, Missachtung jeglicher Kommaregeln, phantasielosen Phrasen und schief bis verkehrt herum hängenden Bildern. Meistens schreibt der DAZ-Redakteur zum Nulltarif alles neu und flucht über wohlbestallte Kollegen, die trotz hoher Millionengehälter nicht in der Lage sind, einen halben Meter geradeaus zu schreiben. Ganz anders dies hier: Das Stadttheater lädt sein Publikum in den Hoffmannkeller ein – und man kann die Meldung nicht nur einfach so stehen lassen, sondern sie bereitet sogar Lesevergnügen. Allein schon die Überschrift, die wir ebenfalls Eins zu Eins übernommen haben! Und hier der Rest:

Ein bisschen Mitgefühl, bitte! Gemeinsam leidet’s sich doch gleich viel besser. Inniger. Intensiver. Lassen Sie sich hineinziehen in den Strudel des leidenschaftlichen, melancholischen, verzweifelten Leidens auf höchstem Niveau – primitiv glücklich sein kann jeder! Die Tage sind blass und das Leben ist grau. Hurra! Stricke, Messer und Arsenkapseln liegen bereit.

Susanne Brantl – leidet. Und singt. Und manchmal spricht sie sogar. Ihre Partner an Klavier, Violine und Kontrabass seufzen, schluchzen und stöhnen. Hochdramatisch. Mit ausgesuchten Gesängen von Georg Kreisler und Gerhard Bronner bis Tom Waits sowie Texten von u. a. Mascha Kaléko und Erich Kästner zu allem, was morbid ist und leiden macht …

Schöner Jammern erhielt den AZ-Stern des Jahres der Münchner Abendzeitung. Von und mit Susanne Brantl, Anton Waas (Klavier), Ludwig Hahn (Violine), Alex Haas (Kontrabass).

SCHÖNER JAMMERN

Gastspiel.

13. November 2010, 20.30 Uhr im Hoffmann-Keller des Stadttheaters.

Weitere Termine: Samstag, 13.11., Freitag, 3.12. und Freitag, 14.1.2011.

Der Eintritt beträgt 15 Euro.


„Die Stimme der einfachen Leute“

Am heutigen Mittwoch, 10. November findet um 19.30 Uhr im Stadtarchiv in der Fuggerstraße 12 ein Themenabend zur Sprachgeschichte „von unten“ statt.



Schmähschriften, Schandlieder, Bestätigungsschreiben von Patientinnen, Erlaubnisscheine zum Besuch der umliegenden Dörfer (sogenannte „Zechzettel“), Anträge auf Gewährung des Judengeleits – solche und andere bisher kaum beachtete schriftliche Zeugnisse aus dem 16. und 17. Jahrhundert erlauben einen ganz neuartigen Blick auf das Alltagsleben im frühneuzeitlichen Augsburg. Sie wurden nicht von professionellen Kanzleischreibern und Angehörigen der Oberschicht geschrieben, sondern von einfachen Leuten unterschiedlichsten Bildungsstandes. Untertitel des Themenabends: „Die Stimme der einfachen Leute in den frühneuzeitlichen Beständen des Stadtarchivs Augsburg“.

Dabei handelt es sich um ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das von der amerikanischen Sozialhistorikerin B. Ann Tlusty und dem Augsburger Sprachwissenschaftler Helmut Graser gemeinsam durchgeführt wird. Die Ergebnisse werden in der Schriftenreihe „Beiträge zur Geschichte der Stadt Augsburg“ publiziert. Im Mittelpunkt steht die Frage, welcher Stellenwert dem geschriebenen Wort in der reichsstädtischen Gesellschaft zukam, in der eine zumindest rudimentäre Lese- und Schreibfähigkeit bereits erstaunlich weit verbreitet war. Der Eintritt ist frei.

Foto: Kleeblatt-Film



Klangstation im Sicherheitsbereich



Menschen aus verschiedenen Nationen arbeiten unter schwierigen Bedingungen auf engstem Raum zusammen, stellen sich mental perfekt auf einander ein, reagieren in Sekundenbruchteilen auf kritische Situationen bei der Erfüllung heikelster Missionen… Ort des Geschehens: Die „Internationale Klangstation“ bei MT Aerospace. Die Besatzung: Zwölf Cello-Spezialisten aus Deutschland, Polen, Israel, Frankreich, Kroatien, Japan, England, Italien, Holland, USA und Südkorea. Die Mission: Erkundung des Exoplaneten Iannis Xenakis und seiner Trabanten Arvo Pärt und Gordon Kampe. Außerdem Weltraumspaziergänge mit Heinz Holliger, Gilbert Amy und Krzyztof Penderecki.

Das Konzert der Reihe Zukunft(s)musik findet am 17. November um 20 Uhr in einer beeindruckenden Montagehalle für Ariane 5 Booster-Raketen bei MT Aerospace in Augsburg statt. MT Aerospace ist ein bedeutender Hersteller für Komponenten und Subsysteme für Trägerraketen, Satelliten und Orbittransfer-Systeme. Das Konzert wird ermöglicht vom 1000-Töne-Festival, von MEHR MUSIK! und von MT Aerospace.

Ab 19.00 Uhr gibt es einen kostenlosen Shuttle-Service vom Moritzplatz zu MT Aerospace – und nach dem Konzert wieder zurück. Da das Konzert in einem Sicherheitsbereich von MT Aerospace stattfindet, ist eine namentliche Anmeldung bei der Theatergemeinde unter Tel. 0821/30984 notwendig, außerdem sollte man am Abend der Vorstellung unbedingt seinen Personalausweis dabeihaben, um die Wartezeiten zu verkürzen.