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CFS-Debakel: OB Kurt Gribl beantwortet Offenen Brief

Ebenfalls offen hat gestern OB Kurt Gribl den Offenen Brief von AEV-Ehrenpräsident Gottfried Neumann zum Thema Curt-Frenzel-Stadion beantwortet.



Kurt Gribl zeigt in dem Brief, der heute den Medien zur freien Verfügung zuging, großes Verständnis für die Aufregung um die derzeitigen Baumaßnahmen und verweist auf seine getroffenen Entscheidungen zur Sicherstellung eines funktionsgerechten Stadions nach Ende der Umbaumaßnahmen. Bevor es aber an die Feststellung von Verantwortlichkeiten gehe, müsse erst “von fachkundiger Seite” festgestellt werden, dass “Mangelhaftigkeit” vorliege. Gribl verweist in diesem Zusammenhang auf die Beauftragung des externen Sachverständigen Dr. Nixdorf. Im zweiten Teil des Schreibens geht der OB Punkt für Punkt auf die von Gottfried Neumann am 20. Oktober aufgeworfenen Fragen ein.

» Offener Brief Gottfried Neumann

» Offener Brief von OB Kurt Gribl

(pdf-Dokumente, 39 bzw. 870 kB)



„Das Geheimnis liegt im Funktionalen“

Staats- und Stadtbibliothek ist ein architektonisches Kleinod

Von Frank Heindl

Der Plan der Stadtregierung, das Gebäude der Staats- und Stadtbibliothek (Stabi) an der Schaezlerstraße dicht zu machen und ihre Bestände auf verschiedene andere Institutionen zu übertragen, mithin einen kulturellen Schatz von kaum zu bezifferndem Wert aus den Händen zu geben, ist in der Öffentlichkeit auf enorme – und durchweg negative – Resonanz gestoßen. Die Webseite der Stabi-Freunde (www.rettet-die-stabi.de) ist ein Forum für Solidaritätsadressen und offene Briefe geworden, die sich ohne Wenn und Aber für die Erhaltung der Stabi einsetzen. Dabei ging es bisher – und wohl auch zu Recht – ausschließlich um den Inhalt, sprich die zehntausende von Büchern, Folianten, Dokumente, die das Haus beherbergt. Die altaugsburggesellschaft bringt nun einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein, der bisher vernachlässigt wurde: Das Gebäude selbst, in dem die Stabi seit mehr als hundert Jahren residiert.

Geradezu eine Verkleidung: Fassade der Staats- und Stadtbibliothek

Ulrich Heiß weist in einer Analyse für die altaugsburggesellschaft zunächst auf den städtebaulichen Zusammenhang hin: Das Gebäude der Stabi bilde an der Schaezlerstraße „zusammen mit dem Stadttheater, dem Justizpalast, dem Stadtarchiv, der Schule am Stadtpflegeranger, der Hauptpost und den vielen Wohn- und Geschäftsbauten zwischen Altem Einlass, Fuggerstraße und Grottenau ein großstädtisches Forum.“ Auch dass das Gebäude – im Gegensatz zu allen anderen in seiner Umgebung – in einer Grünanlage steht und von der Straße nach hinten abrückt, hebt Heiß hervor. Befürworter der Stabi-Schließung könnten einwenden, dem Gebäude geschehe ja nichts, wenn die Bibliothek ausziehe.

Einem modernen Hochregallager ähnlich: Stabi mit 8 Buchgeschossen

Heiß weist allerdings sehr schlüssig nach, dass mit dem Gebäude nichts anderes anzufangen wäre: Der Augsburger Stadtbaurat Fritz Steinhäußer hat es als Bibliothek konzipiert – und nur als Bibliothek. Denn das Äußere des imposanten Gebäudes ist geradezu eine Verkleidung: Scheinbar besteht es aus einem Sockel und einem eingeschossigen Baukörper – in Wahrheit verbergen sich dahinter aber nicht weniger als acht Stockwerke! Das gelang dem Architekten durch die niedrige Raumhöhe von zumeist nur zwei Metern – die auch dem Besucher verborgen bleibt, der in die Bibliothek „wie in ein Schloss“ trete und hinauf zum Lesesaal durch das „herrschaftliche Treppenhaus“ gelange.

Das Geheimnis der Bibliothek, so Heiß, „liegt im Funktionalen.“ Sie ist nämlich im Inneren einem modernen Hochregallager ähnlich – „der neubarocke Aufwand des Äußeren umrahmt eine selbständige Eisenkonstruktion im Inneren.“ Diese Konstruktion stützt das Gebäude vom Dach bis ins Fundament (einer Granitplatte), die horizontalen Eisenverstrebungen schließlich verbinden das Ganze zu einer Art „Rasterkäfig“. Die Idee dahinter ist einfach und geradezu genial: Die Fassade der Stabi ist völlig von allen anderen Aufgaben befreit, kann sich „kolossale Fenster“ leisten, die ihr „Ruhe und Größe“ verleihen – und dabei einen hochpraktischen Zweck erfüllen. Da das Gebäude ausschließlich als Bibliothek geplant wurde, haben die Buchgeschosse nie über eine Heizung verfügt – dagegen sprachen damals Brandschutzargumente. Die großen Fenster dagegen lassen viel Licht – und im Sommer auch viel Wärme herein. Die niedrigen Raumhöhen dagegen erleichtern den Bibliothekaren die Arbeit und sorgen für maximale Stellflächen.

Ulrich Heiß weist auch auf den kaum zu überbietenden Erhaltungszustand des Gebäudes hin: Er sei „in denkmalpflegerischer Hinsicht nicht zu übertreffen. Bis ins letzte Detail der Türgriffe und des Briefkastenschlitzdeckels ist alles erhalten. Die spezielle Konstruktion mit den niederen Decken, der spartanischen Infrastruktur im Inneren sowie der maßgeschneiderten Architektur machen eine Umnutzung undenkbar.“ Sein Fazit: „Das Haus ist als Bibliothek gebaut und kann nur als Bibliothek genutzt werden. Für immer.“

Literaturhinweise von Ulrich Heiß:

  • Fritz Steinhäuser: Augsburg in kunstgeschichtlicher, baulicher und hygienischer Beziehung. Fest-Schrift den Teilnehmern an der 15. Wander-Versammlung des Verbandes deutscher Architekten und Ingenieur-Vereine gewidmet von der Stadt Augsburg. Augsburg 1902, Seite 74-80.
  • Bernt von Hagen, Angelika Wegener-Hüssen: Denkmäler in Bayern, Stadt Augsburg. München 1994.

Beide Bücher sind in der Staats- und Stadtbibliothek einseh- und auch ausleihbar.



Der gesamte Text von Ulrich Heiß zur Stabi:

» Rettet-die-Stabi-Webseite

» altaugsburggesellschaft



Freie Fahrt auf der B17

Mit einem großen Festakt wurde gestern die Fertigstellung des Knotenpunktes B17 / Leitershofer Straße offiziell begangen. Damit ist die B17 nun zwischen Donauwörth und Landsberg kreuzungsfrei befahrbar.

Blick von der Leitershofer Straße auf die tiefer gelegte B17

Der Augsburger Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl und Stadtbergens erster Bürgermeister Ludwig Fink übergaben die Leitershofer Straße feierlich dem Verkehr. Gastredner war Dr. Bernhard Zanker von der Obersten Baubehörde in München. Der Freistaat Bayern förderte das 16 Millionen teure Gemeinschaftsprojekt von Stadtbergen und Augsburg mit 80 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten.

Die B17 trägt die Hauptlast des über Augsburg in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Verkehrs und verbindet die A8 mit der A96 bei Landsberg. Bereits der Bau der B17 trug zur Verkehrsentlastung bei, allerdings brachten die drei höhengleichen, beampelten Kreuzungen Eichleitner-, Gabelsberger- und Leitershofer Straße aufgrund der enormen Zunahme des Verkehrsaufkommens den Verkehrsfluss zum Stocken. 1995 beschloss der Augsburger Stadtrat diese höhenfrei auszubauen. Es erfolgte die Tieferlegung der B17 um bis zu 4 Meter und der Bau entsprechender Überführungen für die querenden Verbindungsstraßen. Mit der Leitershofer Straße wurde nun der letzte Knotenpunkt fertiggestellt.

Schutz von Anwohnern und Natur

Zusätzlich wurde der gesamte neu gestaltete Streckenabschnitt der B17 mit so genanntem “Flüsterasphalt” belegt. An entscheidenden Stellen wurden Lärmschutzwände errichtet. Zwei Kreisverkehre am Knotenpunkt Leitershofer Straße dämpfen das Geschwindigkeitsniveau und vereinfachen gleichzeitig den Übergang von der zweistreifig ausgebauten Bundesstraße zu den städtischen Erschließungsstraßen. Auch an den Naturschutz wurde gedacht. Im Rahmen einer übergeordneten Biotopverbundkonzeption wurde an der Leitershofer Straße eine 25 Meter breite Grünbrücke über der B17 errichtet, die mit Gehölz und Wiesenflächen bepflanzt wird.

Heute nutzen um die 65.000 Fahrzeuge pro Tag die B17 auf Höhe der Wertachbrücke. Mit dem Ausbau kann auch der bis ins Jahr 2025 erwartete Zuwachs auf ungefähr 78.000 Fahrzeuge pro Tag bewältigt werden, so Baureferent Gerd Merkle.

Karte der Überführung Leitershofer Straße mit Radweg und Grünbrücke

Symbolische Freigabe: Das Band zerschneiden (v.l.) Dr. Bernhard Zanker (Oberste Baubehörde), Augsburgs OB Kurt Gribl, MdL Max Strehle, Stadtbergens 1. Bürgermeister Ludwig Fink, Ex-Baureferent Dr. Karl Demharter, Baureferent Gerd Merkle

Seifenkistenrennen der Bürgermeister auf dem neuen Straßenabschnitt:

Kurt Gribl (links) entschied das Rennen gegen Ludwig Fink dank größerer Schwungmasse und ausgefeilter Wipptechnik für sich



China entdeckt Augsburg

Hohe Steigerungsraten bei Gästen aus China meldete die Regio Augsburg Tourismus GmbH für das erste Halbjahr 2010.



1996 Übernachtungen von Januar bis Juni 2010 aus dem „Reich der Mitte“ bedeuten für Augsburg einen Zuwachs von 67,2 Prozent. Die Regio Tourismus GmbH erhofft sich weiter große Zuwachsraten vom boomenden Megamarkt im fernen Osten. Das Tourismusmarketing der Regio Augsburg Tourismus GmbH in China wird deshalb künftig von der in Königsbrunn lebenden Wang Bei als freiberuflicher Repräsentantin betreut.

Die prozentual höchsten Zuwächse hatte Augsburg in den ersten sechs Monaten des Jahres allerdings bei den Übernachtungsgästen aus Norwegen (137,3 Prozent), Polen (98,0 Prozent) und Schweden (70,6 Prozent) zu verzeichnen. Der in Zahlen gegossene stärkste „Auslandsmarkt“ bleibt weiterhin Italien, das die Statistik mit 6.361 Übernachtungen im ersten Halbjahr 2010 anführt, womit auch bei den “italienischen Nächten” in Augsburg eine Steigerung von 36,3 Prozent zu verbuchen ist.

Foto: Septembernachmittag auf dem Augsburger Rathausplatz