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Curt-Frenzel-Stadion: Es werde Sicht

Ein energischer Oberbürgermeister Kurt Gribl trat gestern Mittag, am ersten Tag nach seinem Kurzurlaub, vor die Presse, um zu den Querelen um das Curt-Frenzel-Stadion Stellung zu nehmen. Eishockey-Fans klagen dort seit drei Wochen über die schlechten Sichtverhältnisse nach der ersten Etappe des Stadionumbaues.

Die aktuelle Situation sei “außerordentlich betrüblich für die Stadt Augsburg”, so Gribl, der sich am Sonntag selbst ein Bild von der Situation vor Ort gemacht hat. Er sei verärgert, ohne im derzeitigen Stadium zu wissen auf wen. Die Eishockey-Fans dürften jedoch sicher sein, dass man seitens der Stadt den jetzigen Zustand am Curt-Frenzel-Stadion nicht akzeptieren werde.

Anschließend stellte Edgar Mathe, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, deren Planungsabteilung AGS den Stadionumbau koordiniert, fünf Punkte vor, die zur Verbesserung der Sichtverhältnisse beitragen können. Auch Architekt Jürgen Hermann vom planenden Büro Hermann + Öttl stellte sich den Fragen der Journalisten.

Fünf Vorschläge zur Optimierung der Sichtverhältnisse

Heute im Sportausschuss: Edgar Mathe (Mitte) erläuterte die Vorschläge der Planer für das CFS

Gestern im Sportausschuss: Edgar Mathe (Mitte) erläuterte die Vorschläge der Planer für das CFS


Geplant ist, die Eisbahn um einen Meter anzuheben. Durch diese Maßnahme soll für alle Zuschauer die Hinterkante der Tore sichtbar sein, bei bis zu 75 Prozent Auslastung des Stadions auch die Oberkante der Bande. Die Kosten von einer bis 1,2 Mio. Euro würden sowieso anfallen, so Mathe, da die mit Ammoniak betriebene Alt-Anlage zur Eisbereitung sowohl marode als auch in einem geschlossenen Stadion nicht mehr zulässig sei. Mit der Eisanhebung – ursprünglich für 2012 geplant – soll unmittelbar nach Abschluss der laufenden Saison, also im April/Mai 2011 begonnen werden. Auf der Vorschlagsliste steht weiter die versetzte Anordnung der Sitze der Osttribüne, eine sog. Kinobestuhlung. Außerdem sollen die Sitzschalen der hinteren Reihen sukzessive um bis zu 5 cm angehoben werden. Die Sitzschalen werden im Dezember montiert.

Als kostenwirksame Maßnahme wird vorgeschlagen, die Betonbrüstungen auf den beiden langen Stadionseiten abzutragen und gegen transparente Elemente aus Dreifachglas zu ersetzen. Edgar Mathe nannte hierfür Kosten von 200.000 Euro plus X. Diese Maßnahme soll erst nach Fertigstellung der Einhausung angegangen werden. Letzter Vorschlag ist die Umwandlung der Blöcke D und H – derzeit Stehplätze – in Sitzplätze. Dies würde knapp 250 Plätze kosten, aber die Sicht aus den Stadionkurven über die beiden Blöcke hinweg verbessern.

Alle Vorschläge sollen mit den Panthern besprochen und auf Wunsch umgesetzt werden. OB Kurt Gribl will sich dabei nicht allein auf Planzeichnungen und Berechnungen verlassen: “Alles wird erprobt und muss Hand und Fuß haben”. In zwei Wochen soll der Effekt der Anhebung der Eisfläche mittels einer kleinen Plattform für die Stadträte des Sportausschusses im Stadion simuliert werden.

Stadion-Papst als Gutachter beauftragt

Erste Informationen gab es auf der Pressekonferenz auch zu dem am 20. Oktober beauftragten Gutachten. Die Wahl sei auf den Osnabrücker Dr. Stefan Nixdorf – laut Baureferent Gerd Merkle einer der beiden führenden Stadion-Sachverständigen in Deutschland – gefallen. Nixdorf ist DFB-Berater und Autor des international anerkannten Kompendiums “Stadium Atlas – Technical Recommendations for Grandstands in Modern Stadia”.

Wie Sportreferent Peter Grab im anschließend an die Konferenz öffentlich tagenden Sportausschuss erläuterte, soll Nixdorf nicht nur die beiden von der Stadt an den Gutachter gestellten Fragen beantworten, sondern auch die Fragen aus der Fanrunde, die vor einer Woche am Runden Tisch gestellt wurden. So soll der Gutachter u.a. die Skizzen auf Richtigkeit prüfen, die von einem User aus dem AEV-Internetforum erstellt wurden und beantworten, ob die Sichtverhältnisse im neuen Curt-Frenzel-Stadion besser sind als im alten. Wann mit dem Ergebnis des Gutachtens zu rechnen ist, konnte weder Edgar Mathe noch Sportreferent Peter Grab beantworten. Mathe rechnet mit mindestens zwei Ortsterminen, die der Stadionspezialist durchführen wird.

Die an den Gutachter gestellten Fragen

  1. Entspricht die Planung und Planumsetzung der Tribünenbauten den allgemein anerkannten Regeln der Technik unter Berücksichtigung
    • der Kriterien Sichtlinien und Sicherheit
    • der technischen, wirtschaftlichen und funktionsbezogenen Rahmenbedingungen (Stadtratsbeschluss vom 6.4.2009)
    • der Nutzung als Spielstätte in der Deutschen Eishockey Liga (DEL).
  2. Unabhängig von Frage 1 soll der Gutachter prüfen, welche Maßnahmen zur Sichtverbesserung von den Tribünen im Rahmen des vorgelegten Budgets auf die Eisfläche möglich sind.


„Man könnte glauben, es ist ein Haufen Deppen am Werk“

Kommentar von Siegfried Zagler

Der Umbau des Augsburger Eisstadions schlägt hohe Wellen und sorgt für „Land unter“ bei der Stadtregierung. Grund der Krise sind Proteste der Panther-Fans, die massiv über zu schlechte Sichtverhältnisse auf der Baustelle Curt-Frenzel-Stadion wettern und – dieser Kalauer muss erlaubt sein – aus ihrer Sicht natürlich Recht haben. Das Publikum hat immer Recht, müsste man korrekterweise noch hinzufügen. Weshalb die Stadtregierung sich genötigt sah, am gestrigen Montag vor dem Sportausschuss mittels einer Pressekonferenz in die Offensive zu gehen. „Ich bin verärgert, ohne genau zu wissen auf wen“, so eröffnete OB Kurt Gribl gestern die Bühne für ein Theaterstück mit dem Titel „Beschwerden über die Sichtverhältnisse auf der Baustelle“. Botschaft des Stücks: „Wir werden alles tun, um das Publikum zufrieden zu stellen“. Zweck der Veranstaltung: politische Schadensbegrenzung. „Wir sind mit dem Zustand nicht zufrieden und werden ihn auch nicht akzeptieren“, so Gribls zweiter Satz, bevor er den zahlreichen Medienvertretern die städtischen „Lösungsvorschläge zur Optimierung der Sichtverhältnisse“ vorstellte. Ein Zugeständnis an die Beschwerden des Publikums und ein Eingeständnis hinsichtlich der politischen Verantwortung für ein Orakel, das schlimmer nicht sein könnte: Die Stadt baut dem klammen Eishockeyprofiklub quasi ein neues Stadion und statt des erwarteten Beifalls stehen die Bauherren im Feuer und die Panther vor dem finanziellen Ruin, weil das Publikum zu wenig sieht.

"Wer genau ist eigentlich der Deppenhaufen?" - Modell-Präsentation im April 2010

"Deppenhaufen am Werk?" - Modell-Präsentation im April 2010


So weit wird es nicht kommen, das war die Kernaussage der gestrigen Veranstaltung. Denn es spielt in der Tat keine Rolle, ob sich die AGS an die Beschlussvorlage des Stadtrats gehalten hat oder nicht, oder ob man dem Architekturbüro Planungsfehler nachweisen kann oder nicht. Entscheidend ist nämlich nur die Frage, ob die Augsburger Eishockeyfans das Stadion annehmen oder nicht. Aktuell geht der Daumen des Souveräns nach unten und voraussichtlich wird sich daran auch nichts ändern, bis die Sichtlinien vom Publikum akzeptiert werden. Ein Freispruch erster Klasse bestünde darin, dass der bestellte Gutachter feststellt, dass die Sicht im neuen Stadion (so wie jetzt geplant) besser ist als im alten CFS. Ende der Debatte. Doch dass der Souverän so schwer daneben liegt, darauf will sich niemand verlassen.

„Mit diesen Optimierungen sollen die Sichtverhältnisse besser werden, als sie momentan befürchtet werden“. Dieser Satz sagt alles über die derzeitige Situation. Er könnte im Semantiklehrbuch für Komiker stehen. Das Zitat stammt aber nicht etwa von Karl Valentin, sondern von Kultur- und Sportreferent Peter Grab, der mit diesem Bekenntnis der Zerknirschtheit die gestrige Sportausschusssitzung eröffnete. „Hoffentlich wird es nicht so schlimm, wie es schon ist“, so heißt es bei Valentin. Baureferent Gerd Merkle wirkte weniger fatalistisch. Für ihn findet derzeit in der veröffentlichten Meinung eine Vorverurteilung statt, und zwar dergestalt, „dass man glauben könnte, es ist ein Haufen Deppen am Werk“. Merkle brachte damit auf den Punkt, was das Eishockeypublikum derzeit von der Stadtregierung denkt. Dabei darf man davon ausgehen, dass sich die Ausführenden genauestens an die Planung der Architekten gehalten haben. Die wiederum von einem hochrangigen Gremium von Sach- und Fachpreisrichtern für ihre Aufgabe ausgewählt wurden. Und deren Planung im hohen Maße vom Panther-Management mitbestimmt und mitgetragen wurde. Wer genau ist eigentlich der Deppenhaufen? Es wäre schön, wenn zur Klärung dieser Frage der Gutachter auch Stellung bezöge.



Englet: „Container kommt nicht“

Der fraktionslose Stadtrat Karl Heinz Englet ist sich sicher, dass der „Schauspiel-Container“ nicht kommt. „Der Container war von Anfang eine Totgeburt“, so Englet gestern zur DAZ auf Anfrage.

Karl Heinz Englet

Karl Heinz Englet


Es gibt nur zwei Angebote für die geplante Interimsstätte des Schauspiels (Container), beide von der gleichen Firma, und beide Gebote liegen deutlich über dem Billigungsbeschluss des Stadtrats, der nicht mehr als die geschätzten 4,2 Millionen Euro zulässt. Die Angebote sind das Ergebnis einer 400 Seiten umfassenden Ausschreibung, die im August dieses Jahres gestartet wurde. Beide liegen deutlich über der vorgesehenen Summe, die das Stadttheater als Bauherr zu 90 Prozent zu finanzieren hätte. Von der Augsburger Allgemeinen kolportieren Gerüchten über eine grundsätzlich anderweitige Verortung der Interimsspielstätte aufgrund einer ungesicherten Finanzierung erteilte Kulturreferent Peter Grab eine klare Absage: “Eine neue Standortdiskussion wird nicht eröffnet”, so Grab vergangene Woche zur DAZ.

Englet sieht das anders. Allerdings will der streitbare Stadtrat nun nicht mehr jeden Euro in das Schauspielhaus investiert sehen, sondern für die Generalsanierung des Großen Hauses. Man müsse sich darauf beschränken, den Betrieb des Großen Hauses mit seinen drei Sparten zu sichern. Der bauliche Zustand des Theaters sei so besorgniserregend, dass man nun alles dafür tun müsse, dass es nicht zur Schließung komme, so Englet, der davon überzeugt ist, dass die „großartige Theaterleitung“ die Situation der dauerhaften Auslagerung des Schauspiels auf verschiedene Spielstätten meistern werde.



Freie Wähler: Informationsboykott für die DAZ



Wie am Rande der Architekten-Demo gegen einen Tunnel am Königsplatz zu erfahren war, hat sich die neue Fraktion der Freien Wähler in einem ihrer ersten Beschlüsse darauf geeinigt, die DAZ bis zum Jahresende aus ihrer Pressearbeit herauszunehmen, um zu hinterlegen, „dass ich nachtragend bin“, so Rainer Schönberg. – Grund für die “Straf-Maßnahme” war der DAZ-Kommentar, in dem Schönberg als „Polit-Clown“ bezeichnet wurde. Die Fraktionsbildung der Freien Wähler wurde durch die Parteiübertritte von Regina Stuber-Schneider (ehemals CSU) und Rose-Marie Kranzfelder-Poth (ehemals Frauenliste und FDP) möglich. Ein Grund für die Bildung der neuen Politgruppierung sei die mangelnde Transparenz der Rathausregierung gewesen, wie es auf der ersten Pressekonferenz der Freien Wähler hieß.

Foto: Wegen DAZ-Etikettierung nachhaltig beleidigt: Rainer Schönberg