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Kurzkritik zur Nacht: Sperriger Text – gelungenes Debut

Die erste Premiere der Saison



Hoch konzentriert und mit nicht abreißendem Spannungsbogen – so brachte das Stadttheater die erste Premiere der Herbstsaison auf die kleine Bühne bei Dierig. Niels-Momme Stockmanns teils witziger, teils sperriger, teils bewegender, auf jeden Fall vielschichtiger Text, der den Fall der Mauer thematisieren will – und dann doch nicht – und dann wieder doch – war eine eigenwillige Herausforderung nicht ohne Wagnis. Dass das Experiment „Kein Schiff wird kommen“ gelang, ist zuvorderst einem Neuling am Stadttheater zu verdanken: Der 28jährige Ulrich Rechenbach gibt Stockmanns Hauptfigur mal zögernd, mal genervt, mal verstockt, ohne je Balance und Präsenz zu verlieren, und kommt authentisch rüber – ein toller Einstand. Morgen mehr darüber in der DAZ.

Frank Heindl

Bild: Ulrich Rechenbach als junger Autor in Niels-Momme Stockmanns „Kein Schiff wird kommen“



Ballett, Chanson und wenig Theater

Brecht/Shakespeare-Matinee der Brechtfreunde im Theaterfoyer

Von Frank Heindl

Zu den größten des Theaters zählen sie beide allemal. Was sie sonst noch verbindet, wollten die Brechtfreunde am Sonntagvormittag im Foyer des Stadttheaters aufzeigen. „Brecht & Shakespeare“ nannte sich die Vorstellung, das Kaufmanns-& zwischen den Namen könnte auf eine gemeinsame geschäftliche Verbindung hinweisen: Denn beiden, Brecht wie Shakespeare, ging es unter anderem darum, mit neuen Methoden und Tricks möglichst viel Publikum ins Theater zu locken.



Helmar von Hanstein, neben der erkrankten Ursula Galli treibende Kraft der Inszenierung, wies in seinem zwischen die einzelnen Darbietungen gestreuten Vortrag darauf hin, dass dem englischen Dramatiker mit dem Londoner Globe Theatre eine Spielstätte zur Verfügung stand, die an die tausend Besuchern Platz bot, der oftmals dreimal täglich (!) zu füllen war. Theater war für Shakespeare auch ein Geschäft – keine öffentlichen Kassen unterstützten ihn und auch die Schauspieler wollten von den Theatereinnahmen leben. Das konnte nur gelingen, wenn man mit allgemeinverständlichen Themen die Vertreter aller Schichten ins Haus lockte. Ein Ansatz, der Bertolt Brecht fasziniert haben dürfte, ging es doch auch ihm darum, jene Klasse zurück ins Theater zu holen, die von der bürgerlichen Kultur nahezu ausgeschlossen war – „bildungsferne Schichten“ gab es auch zu seiner Zeit.

So bediente sich Brecht, der berüchtigte „Abschreiber“, also auch bei dem altehrwürdigen Kollegen aus London, krempelte aber, wie immer, wenn er abkupferte, dessen Geschichten nach seinem Gusto um. Die Rede des Antonius etwa, die dieser bei Shakespeare an Cäsars Grab hält, um das Volk gegen den ehrenwerten Mitbürger Brutus aufzuwiegeln, baute Brecht flugs in seinen Arturo Ui ein. Hier allerdings erhält Ui, dargestellt von Matthias Klösel als eine Mischung aus Hitler und Al Capone, anhand dieser Rede von einem Schauspieler (Stefan Schön) Unterricht in Schauspielerei und Volksverhetzung – und so entlarvt Brecht nicht nur Hitler als miesen Schauspieler, sondern auch Antonius‘ Rede als agitatorische Rhetorik.

Die „ideale Liebe“ wird von Julias Dienerin bloßgestellt

Ähnliche Kunstgriffe konnten die Brechtfreunde in Brechts Übungsszenen für Schauspieler deutlich machen: Julias (Isabell Münsch) bedingungslose, aber hoffnungslos idealisierte Liebe zu Romeo etwa konfrontiert Brecht mit der weitaus realistischeren Weltsicht einer Dienerin (Karla Andrä) – die auch noch wegen der Verliebtheitsmarotten ihrer Herrin ihren Zukünftigen aus den Augen verliert. Und wenn Brecht zeigt, wie Romeo Hab und Gut verkauft, um eine alte Liebschaft loszuwerden, vergisst er darüber nicht, das Schicksal des Pächters darzustellen, der nun nicht weiß, wohin er mit seiner Familie soll und dafür auch noch die Verachtung Romeos mit auf den Weg bekommt.

Diese und andere Szenen sowie von Hansteins Vortrag verknüpfte die Inszenierung mit diversen Einlagen: Maria Bader und Daniel Zaboj tanzten die Balkonszene aus Sergej Prokofjews Romeo-und-Julia-Ballett in reinem Glücksempfinden, das noch nicht die geringste Vorahnung des kommenden Unheils enthält. Die Sopranistin Isabell Münsch ließ mit Geoffrey Abbott am Klavier zu Beginn Brechts „Ballade vom ertrunkenen Mädchen“ in Kurt Weills Fassung hinreißend mit scharfem Jazzakzent in der Stimme erklingen, um später umso opernhaft „schöner“ eine Arie aus Charles Gounods „Roméo et Juliette“ vorzutragen. Zum Schluss gab’s dann noch Brechts „Sentimentales Lied Nr. 78“, in dem es auch ums Sterben und Vererben geht und Brecht frech warnt, man werde es einst bereuen, ihm nicht „alles“ gegeben zu haben.

Ob die Veranstalter der Matinee angesichts solch einer Drohung ruhig schlafen können, mag dahingestellt bleiben. Man habe sich bemüht, im Rahmen der eingeschränkten Möglichkeiten der Brechtfreunde zu bleiben, hatte Helmar von Hanstein zu Beginn betont. Vielleicht hätte man sich noch mehr einschränken, weniger kursorischen Diskurs bieten und stattdessen einige Szenen länger ausspielen sollen. So kam das, was Brecht wie Shakespeare am meisten am Herzen lag, doch ein wenig kurz: das Theaterspiel.



Volleyball: Dämpfer für DJK-Frauen

Hinter den Aufstiegsplänen der DJK Augsburg Hochzoll steht seit vergangenen Samstag ein dickes Fragenzeichen. Die Augsburger Volleyballerinnen verloren das Spitzenspiel der Zweiten Bundesliga-Süd gegen die Frauen des SV Lohhof mit 1:3.

In der von beiden Seiten als „richtungsweisende Partie“ bezeichneten Begegnung schlugen die Damen des SV Lohhof sicherer auf und agierten in der Defensive disziplinierter als die Augsburgerinnen, die am Ende unverblümt einräumten, dass an diesem Tag die bessere Mannschaft gewonnen habe. Am kommenden Samstag empfangen die Augsburger Volleyball-Frauen den VV Grimma.



S21: Schwabens Piraten fordern sofortigen Baustopp

Der Bezirksverband Schwaben der Piratenpartei fordert angesichts der Ereignisse des Wochenendes zum Tag der deutschen Einheit den sofortigen Baustopp für Stuttgart 21.



In ihrer Pressemitteilung vom vergangenen Freitag fordern die Piraten außerdem die Veröffentlichung aller Unterlagen, Pläne, Bescheide und des gesamten Briefverkehrs zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Bahn AG zum Projekt Stuttgart 21 sowie personelle Konsequenzen: Ministerpräsident Mappus, Innenminister Rech und Bürgermeister Schuster sollen zurücktreten. Diese hätten die „blutige Auseinandersetzung im Schlosspark“ zwar nicht gewollt, aber „unbestreitbar billigend in Kauf“ genommen.

„Eine Schande, was sich in den vergangen Tagen in Stuttgart zutragen hat. Ich bin zutiefst erschüttert über die Härte, mit der die Polizisten vor Ort mit den Demonstranten umgegangen sind. Ich finde es wichtig, dass durch friedliche Demonstrationen ein Zeichen gesetzt wird, um zu verdeutlichen, dass wir, die Bürger, keinesfalls mit dieser Vorgehensweise einverstanden sind“, so die Vorsitzende des Bezirksverbands Schwaben, Bundesland Bayern, in der Piratenpartei Deutschland, Kathrin Eberhardt. Piraten aus dem ganzen Bundesgebiet wollen auch diese Woche wieder in Stuttgart demonstrieren und sich an Mahnwachen in allen Städten beteiligen.



Junge Freie Wähler für mehr Volksabstimmungen

Angesichts der Demonstrationen gegen Stuttgart 21 wünscht sich der Bayerische Landesvorstand der JFW mehr Volksentscheide auf kommunaler und auf Landesebene.



In einem demokratischen Rechtsstaat könne man es sich kaum leisten, bindende Beschlüsse von demokratisch gewählten Gremien von Demonstrationen torpedieren zu lassen, so Josef Graubmann, Landesvorsitzender der Jungen Freien in Bayern. „Ein Volksentscheid über ein solches Milliardenprojekt hätte diesen Konflikt erst gar nicht zum Ausbrechen gebracht.“

Deshalb sei „die Zeit gekommen, den Prozess vom Volksbegehren zum –entscheid zu erleichtern“, so die JFW am vergangenen Freitag in einer Pressemitteilung. Der Weg zu mehr Volkssouveränität könne durch eine Reduzierung der notwendigen Unterschriften und weitere geringere Hürden bei den Begehren geebnet werden. Nichts schaffe mehr öffentliche Akzeptanz als eine Abstimmung des Volkes. „Wer gegen die Mehrheitsmeinung agiert, macht sich in der Regel keine Freunde“, so Fabian Mehring, stellv. Landesvorsitzender der JFW Bayern.

» Volksbegehren und Volksentscheid in Bayern