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„Unsere Show“ erhält Bayerischen Rockpreis „Pick up“

Der bayerische Rockpreis „Pick up“ geht in diesem Jahr nach Augsburg. Preisträger ist das Projekt „Unsere Show“.

„Unsere Show“ war ein schulartübergreifendes Gemeinschaftswerk des städtischen Bildungsreferats, des Büros für Popkultur im Kulturamt und des Downtown Music Institute Augsburg unter Beteiligung des Kulturfonds Bayern. Es überzeugte die Jury in hohem Maße durch seine „integrative Leistung“. „Unsere Show bot Kindern aus fünf Augsburger Schulen (Löweneck-Grund- und Mittelschule, Kapellen-Mittelschule, St. Georg-Mittelschule, Agnes-Bernauer-Realschule und Martinschule) ein Jahr lang die Möglichkeit, unter Anleitung von Profis und Pädagogen ein Instrument zu erlernen und das Erlernte in einem gemeinsamen Abschlussprojekt („Unsere Show“) umzusetzen. – Kulturreferent Peter Grab und Bildungsreferent Hermann Köhler bewerteten die Auszeichnung in einer Pressemitteilung vom vergangenen Montag als „großen Erfolg“.

Preisgeld soll in die Weiterführung des Projekts investiert werden

Für Bildungsreferent Köhler hatte das Projekt für die beteiligten Schüler nachhaltige Effekte. „Die Jugendlichen entwickeln außerhalb des normalen Schulalltags ganz neue Talente und Fähigkeiten – das ist eine wertvolle Erfahrung, die auch das Selbstvertrauen und die Leistungsbereitschaft stärkt“, so Köhler. Der Preis wird am Freitag, 19. November, im Rundfunkhaus des Bayrischen Rundfunks von Minister Dr. Wolfgang Heubisch an den Popkulturbeauftragten der Stadt, Richard Goerlich, und an Markus Becker vom „Downtown Music Institute überreicht. Das Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro möchten die Preisträger in die Weiterführung des Projektes investieren.

» Schulprojekt: Jugendliche lernen Popmusik



Herbstliche Literatur-Reflexionen

Um Bücher geht’s in der Stadtbücherei, bei der Spät-Lese und im Literarischen Salon

Von Frank Heindl

Am vergangenen Donnerstag gab’s zum ersten Mal in der neuen Saison wieder den „Literarischen Salon“ im Foyer des Stadttheaters, am gestrigen Dienstag ging auch schon die erste Veranstaltung der herbstlichen „Spät-Lese“-Reihe über die Bühne – das literarische Leben in Augsburg erwacht zu einem interessanten Herbst. Augsburgs „Chef-Leser“ und Buch-Protegé Kurt Idrizovic hatte schon in der vergangenen Woche zur Pressekonferenz in die Stadtbücherei eingeladen, um das literarische Herbstprogramm vorzustellen.

Allerdings stemmt natürlich nicht Idrizovic allein die vielfältigen Aktivitäten rings ums Buch, lobt stattdessen, dass der Literatur in Augsburg mit der Neuen Stadtbücherei ein stabiles Standbein gewachsen ist. Auch Büchereichef Manfred Lutzenberger und seine Veranstaltungs-Koordinatorin Christine Hempel freuen sich, dass es die Bücherei binnen kurzer Zeit geschafft habe, „zu einem kulturellen Zentrum der Stadt zu werden“ – nicht zuletzt, wie Hempel betont, aufgrund der interkulturellen Öffnung der Bücherei. So finden denn auch bis auf eine Ausnahme alle Veranstaltungen der Spät-Lese in der Stadtbücherei statt – Bücher müssen schließlich dort präsentiert werden, wo sie hingehören.

Tatort-Carlo liest Bronski-Krimis

In der nächsten Veranstaltung der Spät-Lese-Reihe wird am Samstag, 23. Oktober (19.30h) der als Carlo Menzinger – Assistent der Münchner Tatort-Kommissare – sattsam bekannte Michael Fitz aus den ebenso bekannten München-Krimis von Max Bronski lesen. Zwar bestreitet Fitz wie eh, selbst der Autor der Krimis zu sein – der echte Schriftsteller Bronski sei unbekannt und äußere sich nur literarisch, er, Fitz, vertrete ihn aber bei Lesungen – jedenfalls aber liest er vor, als ob’s ein Stück von ihm selber wäre.






Es folgen in lockerem Abstand der Augsburger Erfolgsautor Peter Dempf, der nicht nur aus neuen Werken lesen, sondern auch Einblicke in seine „literarische Werkstatt“ und Arbeitsweise geben wird (Mittwoch, 10. November, 19.30h), anschließend parliert der Schriftsteller und Kolumnist Jochen Schmidt über „Weltall. Erde. Mensch.“ Ein wenig aus der Reihe fällt am Samstag, 19. November um 19.30h die CD-Präsentation „Dass nichts bleibt, wie es war.“ Sie findet ausnahmsweise nicht in der Stadtbücherei statt, sondern in Brechts Bistro (Auf dem Rain 6). Der Herausgeber Dr. Jürgen Schebera aus Berlin präsentiert seine bei der Büchergilde erschienene Sammlung von Arbeiter- und Friedensliedern. „Wir sind ja eine Arbeiterstadt“, meint Kurt Idrizovic, „und dazu bekennen wir uns.“ Aus den 280 Aufnahmen wird Schebera die prägnantesten vorstellen – man wird Ernst Busch, Hannes Wader, Dieter Süverkrüp und viele mehr zu hören bekommen.

Von Verleger- und Dichterfürsten

Am 30. November folgt dann noch eine Lesung mit Norbert Gstrein – er liest aus seinem Werk „Die ganze Wahrheit“, das in literarischen Kreisen für Furore sorgt, weil es relativ unverschlüsselt über die Vorgänge im Verlagshaus Suhrkamp nach dem Tod des Verlegers Siegfried Unseld berichtet. Gstrein bestreitet zwar, dass es sich um einen „Schlüsselroman“ handle – die Parallelen zur vielfach als skandalös empfundenen Machtübernahme durch Suhrkamps Frau Ulla Berkéwicz sind aber unübersehbar. Zum Schluss gibt’s dann noch eine der deutschen Literaturgeschichte gewidmete Veranstaltung: Der Philosoph Rüdiger Safranski liest aus seinem Buch „Goethe und Schiller“ – die Doppelbiographie einer Schriftsteller-Freundschaft, in der auch Liebe, Neid und Eifersucht ihre Rollen spielen, stellt die beiden Dichterfürsten in ein teilweise neues Licht.

Damit allerdings sind noch längst nicht alle Veranstaltungen aus der Literatur und angrenzenden Gebieten in der Neuen Stadtbücherei erwähnt, geschweige denn gewürdigt. Gleich am kommenden Sonntag, 10. Oktober präsentiert beispielsweise Christian Krug in einer Matinee (11 Uhr) „Nachdenkliches zum 150. Geburtstag“ von Anton Tschechow, am 13. Oktober (19.30 Uhr) erzählt Henrik Broder aus seinem neuesten Buch „Früher war alles besser“ – man darf sich da auf einen interessanten, auch kontroversen Abend mit dem streitbaren und sehr streitfreudigen Journalisten freuen. Am 15. Oktober (20 Uhr) präsentieren die Schauspielerin Karla Andrä und der Musiker Josef Holzhauser ihr Programm mit Lyrik von Bertolt Brecht unter dem Titel „O Lust des Beginnens“, am 29. Oktober (19.30 Uhr) liest Georg Klein aus seinem „Roman unserer Kindheit“ – und, und, und. Das vollständige Programm gibt’s auf Flyern und demnächst auch auf den Internetseiten der Stadtbücherei.

Literatursalon startet einmütig

Schon am vergangenen Mittwoch (29.9.) war im Foyer des Stadttheaters der Startschuss für den „Literarischen Salon“ in der neuen Theatersaison. Moderiert von der Schauspielerin Daniela Nering (S’ensemble Theater) diskutierten im voll besetzten Foyer der Erste Kapellmeister des Stadttheater Kevin John Edusei, Michael Schreiner, Kulturchef der Augsburger Allgemeinen, und Christiane Hempel von der Stadtbücherei über drei literarische Neuerscheinungen. Im Großen und Ganzen herrschte auf dem Podium Einigkeit über die Bewertung der drei vorgestellten Romane – es gab wenig Kontroverses zu hören. Martin Suters „Der Koch“, vorgestellt von Christiane Hempel, von als „leichte Kost“ bewertet, Schreiner fand das Buch „stellenweise zu platt“, lesenswert scheint es trotzdem zu sein. Ein schwerer Brocken ist wohl „Cash“ von Richard Price. Edusei war von der „filmischen Schreibweise“ des US-Autoren beeindruckt, Schreiner nannte das einen „Stil mit schnellen Schnitten“ und zeigte sich auch begeistert von den langen, durchweg spannenden Dialogen. Eine Verhörszene, die sich über 48 Stunden und 100 Buchseiten hinzieht, sei zu keiner Zeit langweilig geworden.

Während in Price’s Roman ein Mord am Schluss aufgeklärt wird, ohne das allerdings das Problem von schuldig und nicht schuldig gelöst werden kann, ist das in Paul Austers neuem Buch ganz anders. Auch er handelt in New York, und auch hier geht es um einen Mord. Doch was wirklich passiert ist, was Phantasie der Beteiligten, was bewusste Täuschung durch den Schriftsteller ist, bleibt auch am Schluss ungeklärt. „Typisch Auster“, erklärte Michael Schreiner, der das Buch vorstellte, und auch hier waren sich die drei Diskutanten einig: Auster schaffe es auf brillante Weise, den Leser „mit in die Werkstatt des Schreibens rein“ zu nehmen (Hempel), das Buch sei „unglaublich souverän und meisterhaft komponiert“ (Schreiner), der Leser werde beständig hinters Licht geführt (Edusei). Ein bisschen Kritik kam da lediglich von den Zuhörern: Sie finde den Roman „maniriert und konstruiert“ klagte eine Frau aus dem Publikum.

Die besprochenen Bücher:

* Martin Suter, Der Koch. Diogenes Verlag, Zürich 2010. 272 Seiten, 21,90€.

* Richard Price: Cash. Fischer Verlag, Frankfurt 2010. 521 Seiten, 19,95 €.

* Paul Auster: Unsichtbar. Rowohlt Verlag, Reinbeck 2010. 320 Seiten, 19,95 €.


Der nächste Literarische Salon findet am Mittwoch, 27. Oktober, um 20 Uhr wiederum im Foyer des Stadttheaters statt. Karten gibt es zu 5 Euro an der Theaterkasse. Es diskutieren Roland Marzinowski (Dramaturg am Stadttheater), Kurt Idrizovic (LiteraturTeam) und Frank Heindl (DAZ). Die Moderation übernimmt Christiane de Santana von der IG Metall Augsburg. Vorgestellt werden: „Unter dieser furchterregenden Sonne“ von Carlos Busquet, „Die ganze Wahrheit“ von Norbert Gstrein, „Drei starke Frauen“ von Marie Ndiaye.



Königsplatz: Lokale Agenda 21 gegen Bypass

Gegen einen Autotunnel am Königsplatz, aber auch gegen einen Bypass für den PKW-Verkehr spricht sich die lokale Agenda 21 in einer aktuellen Stellungnahme zum Bebauungsplan 500 und dem bevorstehenden Bürgerentscheid aus.

In der lokalen Agenda 21 engagieren sich Augsburgerinnen und Augsburger für Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung und eine zukunftsfähige und lebenswerte Stadt. Mit dabei sind Umweltgruppen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, kirchliche Gruppen, Vertreter der Wirtschaft, der Stadtverwaltung und andere Organisationen. Gemeinsam arbeiten sie für eine zukunftsfähige und lebenswerte Stadt Augsburg.

Die beiden Fachforen Verkehr und Nachhaltige Stadtentwicklung der lokalen Agenda 21 begrüßen in ihrer Stellungnahme den Bebauungsplan 500, insbesondere der Vorschlag einer vom Durchgangsverkehr befreiten Konrad-Adenauer-Allee und Fuggerstraße. Eine Tunnellösung für den motorisierten Individualverkehr am Königsplatz lehnen die Fachforen „strikt“ ab. Aber auch „eine Bypasslösung, egal in welcher Form“ stößt bei der lokalen Agenda 21 auf Ablehnung, da sie das Ziel einer Verringerung des motorisierten Durchgangsverkehrs konterkariere. Es gelte, den begrenzten Platz in der Innenstadt nicht weiterhin dem Auto „zum Fraß vorzuwerfen“.

„Wir setzen auf elegante Mobilität“

Zur Begründung bezieht sich die Agenda auf ihr im Jahr 2004 vom Stadtrat beschlossenes Handlungsprogramm. Dieses fordert eine Verkehrsentwicklung mit Vermeidung des motorisierten Individualverkehrs, Erhöhung der Verkehrssicherheit insbesondere für Kinder, Senioren und Behinderte und die Stärkung der Umweltverbundverkehrsarten Fahrrad, Fuß und ÖPNV.

In der an den Oberbürgermeister, die Bau- und Umweltreferenten, die Stadtratsfraktionen und die Stadtwerke adressierten Stellungnahme heißt es abschließend eindringlich: „Wir fordern die Entscheidungsträger dazu auf, ein Ratsbegehren zu formulieren, das die jetzt vorliegenden Planungen ohne Bypass aufnimmt“.

Die Verabschiedung eines Ratsbegehrens als Gegenentwurf zur Fragestellung des Tunnelbegehrens steht auf der Tagesordnung der am Freitag, 8. Oktober stattfindenden Sondersitzung des Stadtrats. Nach Informationen unserer Zeitung ist mit einer Formulierung zu rechnen, die am Kö eine „Bedarfsüberfahrt bei Leistungsdefiziten“ vorsieht.



Stuttgart 21: „Pyramiden-Bau der Neuzeit“

Der Bundestagsabgeordnete der Augsburger Linken Alexander Süßmair hat sich gestern in einer Stellungnahme zu den umstrittenen Neubauplänen der Strecke Stuttgart-Ulm sowie zu Stuttgart 21 positioniert. Süßmair vertritt die Auffassung, dass das geplante Großprojekt eine Verschlechterung der verkehrlichen Situation für die Region Augsburg bedeuten würde.

Die verkehrliche Situation von Augsburg und Schwaben werde nicht durch Stuttgart 21 gerettet, so Süßmair, der nur dann eine Verbesserung für die Schienenanbindung Augsburgs erwartet, „wenn es einen Strategiewechsel bei der Bahn gibt und die Bahn wieder vollständig in ein öffentliches Unternehmen zurückgeführt wird“. Anstatt für ein gut ausgebautes, engmaschiges Fernverkehrsnetz zu sorgen, würden Milliarden Euro für den kostspieligen und großmächtigen Ausbau von wenigen Strecken und Bahnhöfen ausgegeben. Der einzige Augsburger Stadtrat mit Bundestagsmandat sieht wie die Grüne Bundestagsabgeordnete Claudia Roth bei dem Bahnprojekt eine viel zu große Diskrepanz zwischen Nutzen und Kosten.

„Großprojekte verfolgen den Zweck, durch ihre mächtige Existenz zu wirken“

MdB Alexander Süßmair

MdB Alexander Süßmair


Prestigeträchtige Großprojekte wie Stuttgart 21 psychologisiert Süßmair als „Pyramiden-Bau der Neuzeit“. Sie verfolgten den Zweck, durch ihre „mächtige Existenz zu wirken“ und als Meisterstücke moderner Architektur, Technik und Ingenieurskunst zu „verzaubern“. In den Sphären dieser metaphysischen Welt seien „gerne neoliberale Politiker und Vertreter der Wirtschaft unterwegs“. Man verfolge dabei die Intention zu zeigen, was man könne und hoffe auf positive ökonomische Effekte. Wer glaube, dass sich diese Situation mit dem geplanten Bau von Stuttgart 21 verbessern würde, verkenne die Zusammenhänge. Erst wenn wieder „mehr finanzielle Mittel, für einen flächendenkenden, kostengünstigen und attraktiven Zugverkehr für die gesamte Bevölkerung, zur Verfügung stehen“, werde die Region Augsburg wieder eine positive Zukunftsoption haben.

Süßmair sieht die Region Augsburg vom Schienenverkehr in erster Linie durch den Neubau der ICE-Strecke über Ingolstadt „abgehängt“. Dieser „entscheidende Schlag, der die Region aufs Abstellgleis schickte“, sei weder von der damals im Bund regierenden CDU/CSU noch von der Bayern-CSU verhindert worden.