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Städtetourismus: Augsburg verzeichnet deutschlandweit die höchsten Zuwachsraten

Augsburg ist Tabellenführer – zwar nicht der Fußball-Zweitligist FC Augsburg und nicht das Eishockeyteam der Augsburger Panther, dafür jedoch der Städtetourismus, der bundesweit boomt.  

Die Augsburger Zahlen schlagen im ersten Halbjahr selbst die Nächstplatzierten im Ranking – Berlin und München – um Längen. 18,8 Prozent Zuwachs verzeichnet die Statistik für Augsburg bei den Ankünften (insgesamt 152.000 Übernachtungsgäste). Rund 276.000 Übernachtungen wurden in Augsburg im Erfassungszeitraum registriert, das bedeutet und 23,10 Prozent Zuwachs bei der Anzahl der Übernachtungen. Für Berlin sind Zuwachsraten von 11,7 beziehungsweise 14,2 Prozent erfasst, München registriert Pluszahlen von 11,9 und 12,6 Prozent. 

„Profilbildung geht auf“ 

Augsburg ist Tabellenführer - bei den Zuwachsraten im Städtetourismus

"Augsburg ist Tabellenführer" - bei den Zuwachsraten im Städtetourismus


Interessant ist auch der Blick auf etwas vergleichbarere bayerische Reiseziele: In der Frankenmetropole Nürnberg wurden 9,9 Prozent Plus bei den Ankünften und exakt 10 Prozent bei den Übernachtungen gezählt, in Würzburg sind es 6,2 beziehungsweise 3,3 Prozent, in Regensburg 14 (Ankünfte) und 12,3 Prozent (Übernachtungen). Böse erwischt hat es dagegen die nahe Autostadt Ingolstadt: Dort konnten zwar die Ankünfte noch um 2,5 Prozent gesteigert werden, die Übernachtungen gingen allerdings um 6,3 Prozent zurück. Der gesamtbayerische Tourismus registrierte übrigens ein Plus von 6,5 Prozent bei den Ankünften und von 3,6 Prozent bei den Übernachtungen. Für Tourismusdirektor Götz Beck sind die 400 zusätzlichen Betten der beiden neuen Hotels in der Bügermeister-Ackermann-Straße und in der Haunstetter Straße in hohem Maße für die erstaunliche Entwicklung verantwortlich. Außerdem gehe die Augsburger Profilbildung im Städtetourismus langsam auf. Das Thema Fugger greife schon seit Längerem, mit dem Staatlichen Textil- und Industriemuseum sei ein neuer Impulsgeber für Augsburg hinzugekommen. Ganz sicher mitverantwortlich für die Steigerung der Gästezahlen sei die laufende bayerische Landesausstellung „Bayern – Italien“ mit ihren beiden Augsburger Teilschauen, so Beck.



Stuttgart 21: Claudia Roth contra Christian Ruck

Der Schlagabtausch zwischen den Augsburger Bundestagsabgeordneten bezüglich des umstrittenen Großbauprojektes Stuttgart 21 geht in die zweite Runde. In ihrem Antwortschreiben an Christian Ruck (CSU) hat Claudia Roth (Grüne) die Einschätzung Rucks, dass Roth die Verkehrsinteressen Augsburgs nicht wichtig nehme, als „freche Unterstellung“ bezeichnet.

Von Siegfried Zagler

Stuttgart 21: Briefdebatte zwischen Claudia Roth...

Stuttgart 21: Briefdebatte zwischen Claudia Roth...


Aufhänger des Briefes an Ruck ist ein Schreiben Rucks an Roth, in dem der Augsburger CSU-Chef und Bundestagsabgeordnete den Grünen und speziell Roth ein geringes Verantwortungsgefühl hinsichtlich der verkehrlichen Belange der Region Augsburg attestierte. Laut Ruck würde ein Verzicht auf die Schnellstrecke Stuttgart-Ulm der großräumige Verkehr im Korridor Rhein/Ruhr beziehungsweise Rhein/Main in Richtung München auf die dann deutlich schnellere Strecke Frankfurt-Nürnberg-Ingolstadt-München verlagert werden. „Eine solche Entwicklung wäre zwangsläufig – und absolut fatal für Augsburg und die Region“, so Ruck in seinem Schreiben an Roth, in dem er  keinerlei Planungsalternative sieht, die eine Neubaustrecke Stuttgart-Ulm ohne das Projekt Stuttgart 21 ermöglichen könnte. Am vergangenen Donnerstag konterte Roth und forderte Ruck auf, als „Augsburger Abgeordneter alle Fakten rational zu bewerten und keinen Luftschlössern nachzuhängen“.

„Ein Projekt mit solch niedrigem Nutzenvorteil müsste abgebrochen werden “

Es sei ein Skandal, so Roth, dass bereits mit dem Abriss des alten Stuttgarter Hauptbahnhofes begonnen wurde, obwohl weder Stuttgart 21 noch der Neubau der Strecke Wendlingen-Ulm-Augsburg planungstechnisch in trockenen Tüchern sei, da für drei Abschnitte von Stuttgart 21 und vier Abschnitte der Neubaustrecke keine rechtskräftige Planfeststellung vorliege. „Die Beschlüsse zum Bau von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm-Augsburg sind auf der Grundlage alter, überholter Zahlen zustande gekommen, die die tatsächlichen und zu erwartenden Kostensteigerungen nicht abdecken“, so Roth. Nach deren Auffassung das Durchziehen des unsinnigen Projektes „katastrophale Folgen“ nach sich ziehen würde. –  Die Grünen lehnen  das „Großprojekt Stuttgart 21 aus verkehrstechnischen, volkswirtschaftlichen und ökologischen Gründen ab“, wie es im Schreiben von Roth heißt. Zudem gebe es verlässliche Informationen, nach denen die Neuberechnung der Schienenprojekte durch den Bund ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von unter 1 ergebe, was bedeute, dass der Nutzen des Umbaus durch die entstehenden Kosten vollständig zunichte gemacht werde. „Der Grund, warum dieses Gutachten bis heute unter Verschluss gehalten wird, ist, dass ein Projekt mit solch niedrigem Nutzenvorteil abgebrochen werden müsste“, so Roth. Weshalb aus rein politischen Gründen an der Planung festgehalten werde – und „nicht wie vorgeschoben aus verkehrstechnischen oder wirtschaftlichen Gründen“, so Roth.

„Täglich gehen zehntausende Stuttgarter Bürger auf die Straße, weil sie die Milliarden-Verschwendung öffentlicher Mittel für ein Prestigeprojekt mit hohen ökologischen und baulichen Risiken und zweifelhaftem verkehrlichen Nutzen ablehnen. Die Wut richte sich gegen eine Politik, die über die Köpfe der Menschen Beschlüsse fasse und stur exekutiere.

„Eine Verbesserung der Planung ist möglich“

Um nicht, wie es Ruck formulierte aufs „Abstellgleis“ gestellt zu werden, sei für Augsburg eine verbesserte Anbindung an Ulm und Stuttgart durch eine verantwortungsbewusst und sinnvoll geplante Neubautrasse wichtig, die rational und nicht mit politischem Dünkel geplant werde. Die derzeit im Planfeststellungsverfahren beantragte Trassenführung ist, hinsichtlich der baulichen, ökologischen und

... und Christian Ruck

... und Christian Ruck


wirtschaftlichen Risiken, die kostenmäßig teuerste mögliche Trasse. Für den Güterverkehr sei die Trasse durch engere Kurven und steilere Steigungsstrecken sogar weniger gut geeignet als die Bestandsstrecke über die Geislinger Steige. „Da die Planfeststellung jedoch nicht abgeschlossen ist, sind Verbesserungen der Planung möglich“, so Roth. Bundesminister Ramsauer müsse jetzt die Reißleine ziehen und die Neubaustrecke und damit auch Stuttgart 21 stoppen.

„Augenwischerei und Stimmenfang“

In die öffentliche Briefdebatte der Protagonisten Ruck und Roth mischten sich am Wochenende Miriam Gruß (FDP) und der Kreisverband der Linken ein.  Gruß forderte gestern Roth in einem Schreiben auf, „beim Thema Stuttgart 21 zur Sachlichkeit zurückzukehren“. Roths inszenierte Kampagne sei Augenwischerei und diene ausschließlich dem Stimmenfang. „Stuttgart 21 bringt Vorteile für unsere Region und macht das Reisen mit der Bahn deutlich attraktiver und daran sollte auch Roth ein besonderes Interesse haben. Seien es mehr ICE-Verbindungen oder eine erhebliche Fahrzeitverkürzung in Richtung Stuttgart. Augsburg Stadt und Land profitiert von dem Großprojekt“, so Gruß. Ganz ohne inhaltliche Aussagen, aber dafür mit  marxistischen Worthülsen, kommentierte der Vorstandsvorsitzende der Augsburger Linken, Rainer Nödel, die gewalttätigen Vorkommnisse bei den Demonstrationen am vergangenen Donnerstag. „Wenn die neoliberale Regierung der Konzerne und des Großkapitals die Maske fallen lässt“, führe das eben zu Gewalt seitens der Polizei. „Das kann nicht Demokratie sein“, so Nödel. Von den beiden Augsburger Bundestagsabgeordneten Heinz Paula (SPD) und Alexander Süßmair (Linke) sind im Zwist um Stuttgart 21 noch keine Stellungnahmen bekannt.


Hauptbahnhof: Heinz Paula contra Miriam Gruß

Der Bundestagsabgeordnete der Augsburger SPD, Heinz Paula, sieht die Augsburger FDP in Sachen Hauptbahnhof „in klarem Widerspruch zum bayerischen Verkehrsminister Martin Zeil (FDP), der nach eigenen Worten zufolge einen schnellen Bahnhofsumbau will.“

Tunnelskizze des Bürgerbegehrens: Der Tunnel am Kö würde den Bahnhofsumbau massiv verzögern

Tunnelskizze des Bürgerbegehrens: Der Tunnel am Kö würde den Bahnhofsumbau massiv verzögern


Aufhänger für Paulas Kritik an der Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der Augsburger FDP, Miriam Gruß, ist deren Aussage, dass sich Bahn-Chef Rüdiger Grube ihr gegenüber dahingehend geäußert habe, dass die Untersuchungen für den Bau des Bahnsteiges F abgeschlossen seien. „Was der Bahnchef wohl in Unkenntnis der Augsburger Kommunalpolitik nicht weiß: Frau Gruß und ihre Partei agieren in Augsburg gegen den Bahnsteig F“, so Paula in der gestrigen Pressemitteilung der SPD. Die Augsburger FDP habe sich für einen Tunnel am Königsplatz positioniert, und mit dieser Haltung gefährde die lokale FDP den Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs – „und damit auch den Bahnsteig F“, so Paula, dessen Presseerklärung nicht nur Miriam Gruß, sondern die Augsburger FDP insgesamt ins Visier nimmt.

„FDP in Augsburg kaum relevant“

Da der Bau eines Tunnels am Königsplatz zu massiven Verzögerungen des Bahnhofsumbaus führen würden, richte sich – nach Auffassung Paulas – die Augsburger FDP in ihrer Haltung beim Königsplatzumbau nicht nur gegen die verkehrspolitische Ausrichtung aller Rathausfraktionen, sondern auch gegen den bayerischen Verkehrsminister Martin Zeil (FDP), der ebenfalls den schnellen Bahnhofsumbau in Augsburg wolle. Zeil solle im Zusammenwirken mit der Bayerischen Staatsregierung den Augsburger Liberalen, „beim Ankommen in der Realität behilflich sein“, so Paula, der die Augsburger FDP als politisch „kaum relevant“ und als widersprüchlichen Botschaftsträger bewertet, da die einzige FDP Stadträtin den Tunnel am Königsplatz ablehne.



Greenbox „politisch korrekt“

Stadt entschärft Internetauftritt „Projekt Augsburg City“



Die Gemeindeordnung schreibt im Fall eines Bürgerbegehrens vor, dass die vom Stadtrat und die von Vertretern des Bürgerbegehrens vertretenen Auffassungen in städtischen Veröffentlichungen „nur in gleichem Umfang“ dargestellt werden dürfen, schränkt also die Informationspolitik der Stadt ein. Um dem Bürgerbegehren „Tunnel statt Chaos“ keine juristische Angriffsfläche wegen eines eventuellen Verstoßes gegen dieses Neutralitätsgebot zu bieten, haben Stadt und Stadtwerke unmittelbar nach Feststellung der Zulässigkeit des Begehrens durch den Stadtrat am Donnerstag ihren Internetauftritt „projekt-augsburg-city.de“, der sich auch mit dem Autotunnel am Kö auseinandersetzt, modifiziert.

Insbesondere wurden die Video-Statements von Baureferent Gerd Merkle, Architekt Eberhard Wunderle und Stadtwerkechef Norbert Walter zum Thema Tunnel von der Internetseite genommen. Auffälligste Änderung ist der Austausch einer grünen Box, die rechts oben auf jeder Seite des Internetauftritts eingeblendet ist und auf die Unterseite zum Thema Tunnel verlinkt. Die Box zeigt nun den positiv formulierten Slogan „Fangen wir an – Ohne Tunnel geht das“ statt wie bisher „Nein zum Tunnel – Augsburg wäre der Verlierer“. Die neue Grafik trägt bezeichnender Weise den Dateinamen „green-box-polkorrekt.jpg“.

Vom Neutralitätsgebot befreit wäre die Stadt nur im Fall eines beschlossenen Ratsbegehrens. Für die Inhalte des Ratsbegehrens dürfte die Stadt dann ebenso einseitig werben wie die Initiatoren für ihr Bürgerbegehren. Der Beschluss eines Ratsbegehrens war am vergangenen Donnerstag gescheitert (DAZ berichtete). In einer Sondersitzung am 8. Oktober will der Stadtrat in einem weiteren Anlauf eine gemeinsame Formulierung finden.

» projekt-augsburg-city.de

Grafik: Greenbox vorher und nachher