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Rettet-die-Stabi.de: Nicht Tafelsilber sondern Familienschmuck



Wer je über den Klinkerberg in die Innenstadt gegangen oder gefahren ist, muss der ockerfarbenen Schönheit rechts – der Staats- und Stadtbibliothek (alias STABI) – dauerhaft verfallen sein. Von den inneren Werten wissen dennoch nur wenige, obwohl sie verblüffender Weise noch imposanter sind als der Außeneindruck (wann denn kommt so etwas im richtigen Leben jemals vor?). Hier lagert – von lokalen, nationalen und internationalen Kennern geschätzt, bewundert und verehrt – nicht etwa das Tafel-Silber, sondern der Familienschmuck der zweitältesten Stadt Deutschlands.

Damit er gepflegt und der Öffentlichkeit auch zukünftig zugänglich gemacht werden kann, muss baulich und funktionell so rasch wie möglich saniert werden. Die dafür notwendigen, im Stadt-Haushalt aber nicht aufzutreibenden 4,5 Millionen € sichern einen letztlich unschätzbaren Millionenwert.

Der Freistaat beharrt auf einem mehr als 100 Jahre alten Vertrag und „beteiligt“ sich an den jährlichen Unterhaltskosten (1 Million €) mit gerade einmal 19.000 €. Die Stadt selbst hat es jahrzehntelang verschlafen, die Vertragsinhalte zu normalisieren. Aktuell besteht keine Aussicht auf Besserung, da der Nachfolger zahlreicher CSU-Kultus-Minister, Herr Dr. Heubisch (FDP), unter dem Diktat rigoroser Sparzwänge steht und in allen seinen Zuständigkeitsbereichen massiv herunterfahren muss.

Da es um einen besonders wertvollen Teil des Augsburger Erbes geht, sollten wir nicht auf allenfalls zukünftig realisierbare Forderungen gegenüber dem Freistaat vertrauen, sondern selbst Hand bzw. Geld anlegen. Notwendig sind die umgehende Gründung eines/r STABI-Förderkreises / STABI-Allianz und eine unwiderstehliche Werbung dafür, dass sich geschichts- und wertebewusste Sponsoren für den Erhalt einer unserer imponierendsten Stadtschönheiten begeistern.

Die Augsburger Bildungselite, die sich im Moment so rührend um die Stabi sorgt, darf den Besen in die Hand nehmen, um die im Dachstuhl noch vorhandenen Brandreste aus dem 2. Weltkrieg zusammenzukehren. Oder eben sich via rettet-die-stabi.de als bürgerschaftlich engagierter Mäzen für eine zukünftige tatsächliche Rettung der Bestände und eine strukturelle Überarbeitung der Benutzbarkeit der Bibliothek zur Verfügung stellen.

Prof. Dr. Harzmann, Dr. Lorbeer



Mehr Sicherheit in Schulbussen!

Miriam Gruß fordert, jedem Kind im Schulbus einer Sitzplatz zur Verfügung zu stellen. Anlass dieser Forderung ist der Schulbusunfall letzte Woche in Lenting, bei dem 40 Kinder verletzt wurden.

Miriam Gruß: "Rösler hat den richtigen Mix vorgelegt"

“Wieder ein Schulbusunfall, wieder zu wenig Sitzplätze, und – zum Glück! – nur überwiegend kleine Blessuren. Aber was, wenn einmal etwas Schlimmeres passiert? Die Frage nach der Prioritätensetzung muss hier erlaubt sein: In jedem PKW und Reisebus gilt Anschnallpflicht, aber einem Kind auf dem Schulweg steht nicht einmal ein Sitzplatz zur Verfügung!”, moniert Miriam Gruß.

Der ADAC weise seit Jahren auf die Gefahren in Schulbussen hin, der Unfall in Lenting sei kein Einzelfall. “Ich appelliere an die Verantwortlichen, vor allem die Landkreise, Konsequenzen aus solchen Unfällen zu ziehen und die Sicherheit von Kindern in Schulbussen zu gewährleisten. Ein Sitzplatz muss zum Mindeststandard gehören”, fordert Gruß.

“Ich habe diesbezüglich auch an den Bayerischen Landkreistag geschrieben und die Kinderkommission des Bayerischen Landtags um Mithilfe gebeten.”



Wie der Orient im Exotismus verloren ging

Vladimir Ivanoff sprach über Orientalismus in der Musik

Von Frank Heindl

Die Minarette, die die Reisenden des 16. Jahrhunderts im Orient erblickten, erschienen ihnen von Anfang an von einem Fehler behaftet: Kirchtürme seien das, so schilderten es die Touristen der frühen Neuzeit, doch in Ermangelung von Glocken müssten die Kleriker der Muslime stündlich von da oben herunterschreien. Dass die westliche Wahrnehmung des Orients schon in ihren ersten Anfängen auch vom Klang geprägt war, und dass sie stets mit einem – wenig objektiven – Vergleich mit dem von zu Hause Gewohnten einherging, zeigte Vladimir Ivanoff am Mittwochabend mit einem spannenden Vortrag in der Stadtbücherei.



Ivanoff ist der Leiter und Initiator des Ensembles „Sarband“, das auf Hansi Ruiles „Festival der 1000 Töne“ geradezu ein Abonnement hat: Seit an die 20 Jahren ist sein Ensemble in wechselnden Besetzungen regelmäßig in Augsburg zu hören gewesen. Schon in den Anfängen war Ivanoff ein Experte für arabische Musik, mittlerweile ist er ein weltweit gern gehörter Star mit einem einzigartigen Repertoire und dem erklärten Ziel, seinem Publikum die gemeinsamen Wurzeln orientalischer und westeuropäischer Musik darzulegen. Sein lebendiger, mit Beispielen auch aus Musik und Bildender Kunst angereicherter, frei gehaltener Vortrag dreht sich um das Stichwort „Orientalismus“ – dem Thema also, wie sich der westliche Blick auf den Orient im Laufe der Jahrhunderte geändert hat.

Ivanoffs Urteil ist drastisch: Der durchschnittliche Gebildete habe im 18. Jahrhundert einen weit besseren Einblick in die Welt des Orients gehabt als heutzutage. Wie es dazu kam, konnte Ivanoff schnell deutlich machen: Eine Unzahl von Reiseberichten überschwemmte nämlich in der Frühen Neuzeit Europa – Ivanoff hat an die 3.000 davon selbst gelesen. Zwar war der Blick auf die rätselhaften Länder Arabiens immer ein europäischer Blick voller Missverständnisse – doch war das ursprüngliche Interesse ein weit weniger von Vorurteilen getrübtes als heutzutage. Während in der Folge Kunst, Literatur und Musik auf der einen Seite den Orient imitierten, wurde dieser auf der anderen Seite immer klischeehafter, vorurteilsbeladener rezipiert. Das habe, so Ivanoff, so lange angehalten, bis der Orient im Westen nur noch eine „Projektionsfläche für Fantasien“ gewesen sei. In das märchenhafte Morgenland verlegte der Europäer all jene Wünsche und Phantasien, die „zuhause“ nicht erlaubt oder moralisch verpönt waren: In die pornographischen Orientliteratur des 19. Jahrhunderts etwa habe der Westen seine unerfüllten erotischen Wünsche verlegt, in äußerst drastischen wie brutalen Gemälden wie beispielsweise Henri Regnaults „Hinrichtung ohne Urteil“ habe er heimlich seine sado-masochistischen Phantasien ausgelebt.

In der Musik verwandelte sich der Gebetsruf des Muezzin in ein zwar noch fremdartig tönendes, aber doch stark geglättetes Exotikum – in der Komposition „Le désert“ von Félicien César David vom Anfang des 19. Jahrhunderts beispielsweise endet er in einem geradezu banal „schönen“ Dur-Akkord. Und das, obwohl David den Orient vier Jahre lang erforscht hatte – zu seinem Reise-Equipment gehörte ein zwischen zwei Kamelen aufgehängter Konzertflügel, auf dem David an Ort und Stelle einheimisch Melodien nachspielte und notierte. Zu Ende des 19., erst recht zu Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich ist der Orient im Westen „am Ende“: Nord-Afrika ist kolonialisiert, die Türkei geschwächt, am Bosporus will man so westlich wie nur möglich sein. So verbietet die Türkei den Männern ihren traditionellen Kopfschmuck, den Fez, und propagiert den Zylinder. Die Janitscharen, deren Militärmusik der Westen jahrhundertelang imitiert hatte, werden verjagt und ermordet, in der Türkei musiziert das Militär jetzt westlich, der türkische Sultan Abdulaziz, hoch gebildet und ein Kenner der klassischen türkischen Musik, komponiert eine streng westeuropäische Barcarole.

Und in Westeuropa kann man nun, so Ivanoff, „auf den Orient hundertprozentig verzichten“ – man hat sich einen eigenen geschaffen, der mit der Realität überhaupt nichts mehr zu tun hat. Maurice Ravel etwa komponiert seine „Shéhérazade“, in der Chromatik und Pentatonik einen Musikstil schaffen, den es im Orient nie gegeben hat. Der Exotismus des beginnenden 20. Jahrhunderts sei, so drückt Ivanoff es aus, „etwas, was exotisch ist, aber gar keinen Ort mehr hat.“ Kein großer Schritt mehr also zu Rudolfo Valentino, dem Frauenheld des frühen 20. Jahrhunderts, der seine Karriere als „Scheich von Arabien“ beginnt. Ein guter Film, wie Ivanoff betont, aber ein weiterer Schritt auf dem Weg der Klischeebildung, ein weiterer Ort, an dem westlichen Phantasien die Realität und das Interesse an ihr überlagern. 1999 schließlich dreht Joel Schumacher den Film „8mm“ mit Nicolas Cage in der Hauptrolle, in dem es um so genannte „Snuff-Videos“ gibt, Filme, in denen echte Morde aufgezeichnet und an perverse Kunden verkauft werden. Jedesmal, wenn Cage als Polizist einen der Orte betritt, an denen diese Filme gehandelt werden, ertönt aus dem Off klassische arabische Musik. „Das Ende des Orientalismus“, so resümmiert Ivanoff, „ist seine völlige Vermarktung.“ Schon Mozart habe ja in der „Entführung aus dem Serail“ mittels mehrstimmiger türkischer Perkussion „einen riesen Kasperlekrach“ im Sinn gehabt und keineswegs eine „echte“ orientalische Stimmung – das immerhin ist nie so aufgeführt worden, wie der Komponist es gewollt hat.

Das „Ensemble Sarband“ führt im Rahmen des „Festivals der 1000 Töne“ unter anderem Maurice Ravels „Shéhérazade“, aber auch Kompositionen und Klaviermusik der türkischen Sultane, von Callisto Guatelli Pascha und von Franz Liszt am kommenden Samstag, 6. November um 20 Uhr im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses auf. Die Karten kosten 20 Euro.

Das Festival der 1000 Töne beginnt am heutigen Samstag sowie am Sonntag, mit den Klezmernächten in der Synagoge.



Störfall in Gundremmingen

In einer Augen-zu-und-Durch-Aktion hat die Bundesregierung das Gesetzespaket zum Ausstieg aus dem Atomausstieg beschlossen. Bis zu 14 Jahre länger als vorgesehen sollen Deutschlands Atomkraftwerke in Betrieb bleiben. Im Vorfeld dieses umstrittenen Gesetzes gab es in Gundremmingen einen Störfall, der – so die Grüne Landtagsabgeordnete Christine Kamm – der Aufsichtsbehörde verspätet gemeldet wurde.

„Mit der üblichen Beschwichtigungsrhetorik teilten die Betreiber den schon früher entdeckten Störfall erst am Donnerstag mit“, so Kamm gestern in einer Pressemitteilung. Im Meiler B des Atomkraftwerkes sei einmal mehr „zumindest ein undichtes Brennelement entdeckt worden“, weshalb die Betreiber den Meiler am kommenden Sonntag abschalten werden. Der Gundremminger Reaktor berge im Fall undichter Brennelemente die Gefahr, dass austretende hochaktive und gefährliche Spaltprodukte in den nicht-nuklearen Bereich der Anlage übergehen könnten und damit Beschäftigte und das Umfeld des Reaktors radioaktiv verseuchen könnten, so Kamm, die Informationspolitik der Betreiber und das verzögerte Abschalten als „unverantwortlich“ bezeichnete. – „Eine Gefährdung des Personals oder der Umgebung ist nicht zu befürchten”, so die Stellungnahme der Betreiber.



Stadtrat: Profilbildungsprogramm Renaissance 2.0 zur Kenntnis genommen

Der Stadtrat hat in seiner gestrigen Sitzung das „Profilbildungsprogramm Renaissance 2.0“ zur Kenntnis genommen. Das Projekt wurde in der Regenbogenära angestoßen und es ist damit zu rechnen, dass es nach der gestrigen Präsentation in der Versenkung verschwindet – wo es auch hingehört.

Von Siegfried Zagler

R 2.0 - Gestaltung: Robert Strauch, Stefan Bufler

R 2.0 - Gestaltung: Robert Strauch, Stefan Bufler


Der Begriff “Web 2.0” wurde 2003 zum ersten Mal in einem Fachmagazin für IT-Manager in die Öffentlichkeit eingeführt. Die neue Begrifflichkeit wurde verwendet, um die revolutionären interaktiven Nutzungsarten gegenüber dem “Web 1.0” zu verdeutlichen und um der Entwicklung des interaktiven Internets einen Namen zu geben. Das Web 1.0, in dem es nur wenige „Bearbeiter“, aber zahlreiche „Benutzer“ gegeben habe, werde durch das Web 2.0 abgelöst, was eine Renaissance der weltweiten Kommunikationsstrukturen bedeute, so die maßgeblichen Theoretiker der IT-Branche seinerzeit. Dafür, was das neue, interaktive Internet zu leisten in der Lage sei, wurden nicht selten die Begriffe „Renaissance“ oder „Revolution“ verwendet. Wenn man die kommunikationstheoretische und vor allem auch zu Beginn euphorische Diskussion über die prognostizierte Entwicklung des interaktiven Internets kennt, dann ist der Begriff „ Renaissance 2.0 selbsterklärend. Wer sich nie für die antike Sagenwelt interessiert hat, dem nützt es auch nichts, wenn ein Bratpfannenhersteller sein neues Produkt „Prometheus“ nennt. Man muss aber weder den Diskurs um das Web 2.0 noch den antiken Zorn Zeus´ auf Prometheus kennen, um die allzu naive Intention beziehungsweise die gutgemeinte Botschaft der Broschüre „Renaissance 2.0“ zu verstehen. Mehr als nettes Wortgeklingel und wohlfeile Zitate haben die Macher des Werks nämlich nicht zu bieten.

Kostprobe gefällig? Gerne: „Die Marke „Renaissance 2.0“ (R.2.0) erfüllt eine Klammerfunktion, indem sie erkennbar macht, dass völlig unterschiedliche Aktivitäten innerhalb der Stadt dem Erreichen eines gemeinsamen Zieles dienen. Entsprechende Initiativen und Projekte können eine gemeinsame Plattform nutzen und in ihrer Kommunikation auf die „Marke Renaissance 2.0“ verweisen. Damit wird deutlich, dass wir gemeinsam die Kultur und das Profil unserer Stadt gestalten und von den Erfolgen in anderen Bereichen der Stadtgesellschaft profitieren. Folglich muss es auch allen Bürgern möglich sein, einen Beitrag zum R. 2.0 zu leisten. Die Vielfalt des städtischen Lebens lässt sich somit im Prozess abbilden und wird als Stärke zum Tragen gebracht“. So geht das in einem fort weiter.

Fremdschämen bei den Medienvertretern

Man könnte glauben, des Regenbogenreferenten Konrad Hummels Geist (Bündnis für Augsburg) sei über den Körper von Professor Stefan Bufler (Hochschule, Fachbereich Gestaltung) in den Stadtrat zurückgekehrt. Fünfzehn angesehene Bürger der Augsburger Stadtgesellschaft zeichnen in der Broschüre für das Projekt verantwortlich.

„Der Augsburger ist aktiv, aber dabei meist allein“. Die Vernetzung der aktiven Augsburger müsse nun in „Form von medialen Aktionen und Kommunikationsmaßnahmen in Erscheinung treten. Damit werden insbesondere die verschiedenen Kommunikatsmedien zum zentralen Instrument des Prozesses. Deren strategisch geschickter und dem Anliegen angemessener Einsatz ist von größter Bedeutung. Es sind die Bürger der Stadt, die somit die Möglichkeit haben, „den Wandel der eigenen Stadt in ihrem Sinne zu gestalten. Sie entscheiden letztendlich, ob ihre Stadt die Initiative ergreift, Gestaltungsspielräume nutzt und langfristig denkt oder ob vornehmlich Sachzwänge den Kurs bestimmen.“ Man könnte stundenlang so weiter zitieren ohne mehr herausfiltern zu können, als eben den Gedanken, dass Plattformen und deren kanonisierten Vernetzung zu positiven Synergieeffekten im Sinne der Bürger und somit zu einer Weiterentwicklung und einer Profilschärfung der Stadt führen sollen. Konrad Hummel hätte das wesentlich besser vorgetragen. Buflers Vortrag kam allerdings fürchterlich platt daher. Man hat schon viel im Augsburger Stadtrat erlebt. Bufler und die Entwickler von „Renaissance 2.0 haben jedoch in dieser Hinsicht eine neue Qualität eingeführt: übereinstimmendes Fremdschämen bei den anwesenden Medienvertretern.

Renaissance 2.0 ist nichts anderes als ein verträumter Versuch, die Sprache der gesellschaftlichen Debatte um das Web 2.0 als allgemeine Strukturidee für innerstädtische Kommunikation vom Kopf auf die Beine zu stellen. Kalendersprüche gegen die Augsburger Wesensart der unorganisierten Vielstimmigkeit, die dummerweise als zu behebender Mangel vorangestellt wird. Renaissance 2.0 ist ein peinliches Flickwerk Text zu einer Idee, die man beliebig oft und überall vorstellen könnte, egal ob die Stadt nun Augsburg, Osnabrück, Paderborn oder Kleinkleckersdorf heißt.



Die Lutherstädte haben gewählt

Preis „Das unerschrockene Wort“ geht an Dimitrij Muratow

Die 15 im „Bund der Lutherstädte“ zusammengeschlossenen deutschen Städte, unter ihnen Augsburg, vergeben alle zwei Jahre den mit 10.000 Euro dotierten Preis „Das unerschrockene Wort.“ In diesem Jahr geht er an den russischen Journalisten Dimitrij Muratow – und mit ihm an das ganze Redaktionsteam der russischen Tageszeitung „Nowaja Gaseta“.



Jede der 15 Lutherstädte schlägt im Rahmen der Juryentscheidung Kandidaten für den Preis vor. Im Augsburg hatte eine Jury, in der unter anderem DAZ-Redakteur Frank Heindl vertreten war, Kandidaten vorgeschlagen, die letztlich nicht zum Zuge kamen. Stattdessen wurde nun der Journalist Muratow gekürt. Die Jury, der die Bürgermeister aller Lutherstädte angehörten (Augsburg war vertreten durch seinen 2. Bürgermeister Hermann Weber), würdigt damit Muratows staatsbürgerliches Engagement, das im Kampf seiner Tageszeitung gegen Korruption und organisierte Kriminalität sowie für die Einhaltung der Menschenrechte und eine friedliche Lösung des Tschetschenien-Konflikts.

„Chefredakteur Muratow“, schreibt die Jury, zähle „zu jenen russischen Intellektuellen, die seit der Perestroika für Demokratie und Menschenrechte eintreten. Für die Redaktion der von Muratow 1993 gegründeten Zeitung haben unter anderem die ermordeten Journalisten Anna Politkowskaja und Juri Schtschekotschichin gearbeitet.“ Der 49jährige Journalist stehe „stellvertretend für kritische, unabhängige Journalisten in Russland, die ihr eigenes Leben für die Pressefreiheit riskieren.“ Der Preis wird voraussichtlich am 14. Mai nächsten Jahres in Heidelberg überreicht.

» Nowaja Gaseta (englische Ausgabe)



Augsburger Friedenswochen starten

Zum 31. Mal finden vom 29. Oktober bis zum 3. Dezember die Augsburger Friedenswochen statt.



Die Palette der insgesamt 19 Veranstaltungen reicht dabei von der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Faschismus über diverse Vorträge und Diskussionsveranstaltungen bis hin zu einem Kinofilm und einem Benefizkonzert. Den Auftakt macht am heutigen Freitag, 29. Oktober um 19.00 Uhr im Bildungscafé, Fuggerstraße 9 RG die “Bundesweite Initiative gegen Rüstungsforschung – für eine Zivilklausel an der Universität Augsburg!” mit der Veranstaltung “Der Sciencepark bei der Uni darf kein Rüstungspark werden”.

Neben der Augsburger Friedensinitiative (AFI) beteiligen sich auch dieses Jahr etliche andere Gruppen und Organisationen an den Friedenswochen. Einen Überblick der Veranstaltungen gibt die Homepage der Augsburger Friedensinitiative, das ausführliche Programm kann als pdf heruntergeladen werden.

» Programm Friedenwochen 2010 (pdf 186 kB)



Curt-Frenzel-Stadion: Tagesordnung des Stadtrats wird nicht geändert

Der Tagesordnungspunkt 17 “Planungsstand Curt-Frenzel-Eisstadion” der heutigen öffentlichen Sitzung des Stadtrats wird nicht vorgezogen.



Dies teilten OB Kurt Gribl und Sportreferent Peter Grab anlässlich der Stadtrats-Pressekonferenz heute Mittag auf Anfrage mit. Die Teilnehmer und Gäste anderer Tagesordnungspunkte hätten sich bereits auf den geplanten Ablauf eingerichtet, so Gribl. Peter Grab wies darauf hin, dass Eishockey-Fans die Behandlung des Curt-Frenzel-Stadions im Sportausschuss am frühen Nachmittag des vergangenen Montags kritisiert hätten, weil dadurch Berufstätige keine Chance zur Teilnahme hatten. Dies könne heute nicht passieren. Die Stadtratssitzung am heutigen Donnerstag beginnt um 14.30 Uhr im Rathaus, Sitzungssaal 2. Stock. Mit der Behandlung des Stadions ist erst am späten Nachmittag oder in den frühen Abendstunden zu rechnen.

» Tagesordnung Stadtrat



Kunst am Bau für alle

Sieht man von letzten Problemen mit dem Kautschuk-Bodenbelag ab, wurde gestern mit der Präsentation der Installationen “delete” von lab binaer und “Echo” von Felix Weinold die Neue Stadtbücherei baulich vollendet.

“Echo” und “delete”: Einladungskarte zur Enthüllung der Kunst am Bau

Klangelektronisch umrahmt von ELKON (S. Giussani, T. Grewenig, Y. Kim, M. Krejci) und anmoderiert von der Lyrikerin Lydia Daher präsentierten der Künstler Felix Weinold und das Medienkunstkollektiv lab binaer ihre Arbeiten, mit denen sie als Sieger aus der Ausschreibung “Kunst am Bau” für die Neue Stadtbücherei hervorgegangen waren. Dr. Thomas Elsen, Museumsleiter des H2 Zentrums für Gegenwartskunst im Glaspalast, bescheinigte in seiner Laudatio beiden Arbeiten hohe Kreativität, eine “sehr raffinierte Art, mit der Situation umgegangen zu sein” sowie die Auseinandersetzung mit der Vermittlung von Wissen und dem möglicherweise wieder Vergessen.

“Ist nicht ein Knopf auch ein Angebot, ihn nicht zu drücken?”

Wer liest der löscht: "delete" von lab binaer

Wer liest, der löscht:"delete" von lab binaer


“Delete” von lab binaer, vor der Stadtbücherei platziert, ist eine mehrere Hundert Kilogramm schwere Stele aus Stahl und Glas mit einem riesigen Display. Im Kunstwerk eingespeichert ist die gesamte Wikipedia-Enzyklopädie, die durch Drücken eines roten Knopfes Stück für Stück abgerufen werden kann. Allerdings ist der Knopf mit “Delete” beschriftet und das Erwartete passiert: wer liest, löscht gleichzeitig das Gelesene. Dass dieser Ansatz destruktiv sei und die Betrachter zum Löschen auffordere, will Martin Spengler, einer der drei lab binaer-Künstler, allerdings nicht gelten lassen: “Ist nicht ein Knopf auch ein Angebot, ihn nicht zu drücken?”

“Zustimmung, weil sie unsichtbar ist”

Felix Weinold schilderte die Probleme, die er bei der Platzierung seines Werks “Echo” als Kunst “am Bau” hatte: Boden, Wände und Decken der Bücherei seien aus technischen Gründen tabu gewesen. Lernen habe er außerdem müssen, dass “alle Architekten auch Künstler” sind. Weinold wurde schnell klar: “Ich darf das Gesamtkunstwerk nicht verändern”. Deswegen setzte er eine Idee um, die “beim Architekten vollständige Zustimmung gefunden hat, weil sie unsichtbar ist”: Weiße Braille-Schrift auf einem weißen Geländer.

Fast unsichtbar: das 25 Meter lange Braille-Schriftband "Echo" auf dem Geländer im 1. Stock

Fast unsichtbar: das 25 Meter lange Braille-Schriftband "Echo" auf dem Geländer im 1. Obergeschoss


Wer die nach Louis Braille benannte Blindenschrift lesen kann, bekommt auf dem 25 Meter langen Umgang im ersten Stock der Bücherei das Kapitel “Regen” aus dem Buch “Im Dunkeln sehen” präsentiert. In dem Buch beschreibt der Oxford-Professor John M. Hull beeindruckend seinen dreijährigen Kampf um sein Augenlicht, den er letztlich verloren hat. Im Kapitel “Regen” geht er, bereits blind, hinaus auf seine Terrasse. Es regnet leicht und er hört die Geräusche des Regens auf den unterschiedlichen Oberflächen. Und plötzlich kann er die Umgebung “sehen”. Das war so beeindruckend beschrieben, so Weinold, dass er John Hull kontaktierte und um Erlaubnis fragte, das Kapitel für sein Werk verwenden zu dürfen. Aus dem anfänglichen Mailkontakt entwickelte sich ein persönlicher: Professor John M. Hull war gestern zusammen mit seiner Frau Ehrengast in der Neuen Stadtbücherei.



Tag der Offenen Tür in der Staats- und Stadtbibliothek



Am Samstag, 30. Oktober, veranstaltet die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg im Rahmen der bundesweiten Bibliothekswoche “Treffpunkt Bibliothek” von 14 bis 18 Uhr einen Tag der Offenen Tür unter dem Motto “Ein Schatz und sein Haus”. Benutzer der Staats- und Stadtbibliothek werden zusammen mit den Mitarbeitern die besonderen und kostbaren Bestände vorstellen.