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Mehr Power für Mozart

Thomas Weitzel will die Mozartgesellschaft in eine aktivere Zukunft führen

Von Frank Heindl

Thomas Weitzel, Leiter des Augsburger Kulturamtes, ist am vergangenen Wochenende zum Präsidenten der Deutschen Mozartgesellschaft (DMG) gewählt worden. Für die Mozartgesellschaft ist der Wechsel im Präsidium keine Formalie: Weitzel plant Korrekturen im Auftreten und der Ausrichtung der Organisation – mit Konsequenzen auch für die Präsentation Augsburgs als Mozartstadt.



„Mit dem jährlich stattfindenden Mozartfestival hat Thomas Weitzel Augsburg als die Deutsche Mozartstadt im Bewusstsein einer breiten, auch überregionalen Öffentlichkeit verankert. Als Präsident der DMG kann er diese Profilbildung noch intensiver fördern und begleiten“, freut sich Kulturreferent Peter Grab in einer Pressemitteilung zum Thema. In der Tat kommt der neue „Job“ für Weitzel nicht zufällig, sondern ist auch das Resultat strategischer Überlegungen in der Stadtspitze, die darauf abzielen, die Mozartaktivitäten in Augsburg zu bündeln, deren Qualität auf hohem Niveau zu sichern und durch die Nutzung von Synergien stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Es habe die Gefahr bestanden, so Thomas Weitzel zur DAZ, dass die Mozartgesellschaft – sie residiert im Augsburger Mozarthaus in der Frauentorstraße – ins sächsische Chemnitz abwandere. Das Hauptproblem aber sei, dass die Gesellschaft nicht professionell gemanagt worden sei. Weitzel will zunächst vor allem den Kontakt zu den Mitgliedern intensivieren – die DMG besteht aus 17 regionalen Mozartvereinigungen – und auf diese Weise Synergieeffekte erzeugen. So sollen Konzertprogramme und dramaturgische Konzepte entstehen, die auch nach außen deutlich machen, „wo der Mehrwert dieser Organisation liegt.“ Weitzel sieht diesen Mehrwert zum Einen in den „Acta Mozartiana“, einer von der DMG herausgegebenen, zweimal jährlich erscheinenden Fachzeitschrift, in deren Beiträgen sich, so Weitzel, die „Crème de la crème“ der Mozartforschung treffe: „Darum beneidet uns sogar das Mozarteum in Salzburg.“ Doch neben der Erhaltung dieses wissenschaftlichen Forums gelte es zum Andern, für die Konzertprogramme „einen gewissen Qualitätsstandard durchzusetzen“ und ideenreicher mit dem „Schatz“ Mozart umzugehen.

Die Mozartgesellschaft als Mozart-Koordinator

Beides sieht Weitzel derzeit nicht in allen Bereichen gegeben. So sei es beispielsweise versäumt worden, aus dem zu Ende gehenden Mahler-Jahr 2010 Kapital zu schlagen: „Es hat keine Versuche gegeben, zum Thema Mozart und Mahler etwa ein Symposium oder eine Tagung zu machen.“ Eine neue Chance, die Mozartgesellschaft deutlich zu profilieren, sieht er aber schon 2012, wenn sich der Todestag von Leopold Mozart zum 225. Mal jährt. Dann, so Weitzel, „sollten wir nicht nur einfach ein paar Konzerte machen, sondern auch ein wissenschaftlich abgesichertes, in die Zukunft blickendes Programm.“ Und zwar mit der Mozartgesellschaft als Koordinator: Es gebe in Augsburg eine Vielzahl an Akteuren, die sich um Mozart kümmern, und die des Öfteren aneinander vorbei arbeiten: „Wir müssen in Zukunft Programmdoppelungen vermeiden und das Thema auch strategisch sehen.“ So gelte es beispielsweise die Frage zu klären, wie viele Kammerkonzerte die Stadt vertrage und ob das Publikum vielleicht mit noch mehr Interesse reagiere, wenn die Veranstalter nach einem gemeinsamen Konzept arbeiten. „Das müsste auch in Augsburg aus einem Guss sein, so wie das in Salzburg schon seit Jahrzehnten der Fall ist.“

Dies sei auch der Wunsch von OB Kurt Gribl gewesen, der Weitzels Kandidatur fürs Präsidium unterstützt habe. Die Stadtspitze wolle in Zusammenarbeit mit der Regio die „Dachmarke“ Mozart stärken und national – „wenn nicht sogar international“ – bekannter machen. Das soll sich auch für den Tourismus auszahlen – „das ist natürlich auch eine Marketinggeschichte“ – es werde aber auf keinen Fall darum gehen, Programme gleichzuschalten: „Hier ist die Vielfalt an sich schon eine Qualität!“

Der Pferdefuß ist das liebe Geld

Der „Pferdefuß“ des Ganzen, so Weitzel, sei wie so oft das Budget: „Es gibt keinen Etat, um die derzeitigen Aktivitäten zu verstärken.“ Deshalb müsse zunächst der Stellenwert von Mozart als Dachmarke geklärt werden. Augsburg mache auch mit anderen Marken von sich reden: „Wir haben die Popkultur, die Neue Musik, die Brechtstadt, die Friedensstadt, die Mozartstadt.“ Wo Mozart in diesem Konzept zu positionieren ist, wird in den nächsten Jahren deutlicher geklärt werden müssen. Weitzel hatte auch schon in der Vergangenheit vor dem Kulturausschuss deutlich gemacht, dass er für die städtischen Mozartaktivitäten Planungssicherheit und damit einen verlässlichen Etat braucht. Ein Verdrängungswettbewerb mit den anderen städtischen „Dachmarken“ ist zwar nicht zu erwarten, wohl aber, dass um Gewichtung und Budgets gestritten werden muss.

Weitzel sieht sich selbst als Übergangspräsident, der den Wechsel der Mozartgesellschaft und der Stadt zu einem aktiveren Umgang mit Mozarts Erbe vollziehen wolle. Wenn das gelinge – „es kann auch scheitern!“ – dann könne diese Arbeit irgendwann nicht mehr der Kulturamtsleiter nebenbei bewältigen. Doch auch solch große Ziele müssen in kleinen Etappen angegangen werden. In der ersten Vorstandssitzung mit neuem Präsidium möchte Weizel zunächst einmal in die Zukunftsplanung einsteigen: „Man wird kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele vereinbaren. Und dann sehen wir weiter.“

» Kommentar: Mozart gegen Brecht und Neue Musik?



Mozart gegen Brecht und Neue Musik?

Ein Kommentar von Frank Heindl

Die Deutsche Mozartgesellschaft ist sicherlich für die Entscheidung zu beglückwünschen, den dynamischen und ideenreichen Augsburger Kulturamtsleiter Thomas Weitzel zu ihrem neuen Präsidenten gewählt zu haben. In den vergangenen Jahren hatten ihre Aktivitäten zu sehr „Hinterzimmercharakter“ angenommen – die Öffentlichkeit ahnte kaum, was im Mozarthaus an der Frauentorstraße eigentlich vor sich geht. Thomas Weitzel wird das ändern, und es wird kein Schaden für die Stadt und keiner für die Mozartgesellschaft sein.

Beflügelnd für die Stadt könnte auch ein anderer Aspekt der Präsidiumswahl werden: Weitzel ist bekannt als Kämpfer für Mozart. Er will eine deutliche Positionierung Augsburgs als Mozartstadt, hat Ideen und Konzepte dafür parat, will den Musikpädagogen Leopold Mozart stärker ins Rampenlicht stellen. Und er hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass eine aktive Mozartpolitik Geld kostet und Verlässlichkeit braucht. Gute Orchester zum Beispiel muss man frühzeitig buchen – da kann man nicht auf die aktuelle Etatdebatte warten.

Deshalb wird es in der nächsten Zeit und in den nächsten Jahren, sollte Augsburgs Kulturetat nicht durch irgendein Wunder deutlich wachsen, unvermeidbar auch unter den „Dachmarken“ zu Verteilungskämpfen kommen. Die Wettbewerber haben sich längst in Stellung gebracht: Weitzel leitet geschickt vom Kulturamt aus seine Mozart-Aktivitäten; Timo Köster vertritt aktiv und sehr erfolgreich die Dachmarke Friedensstadt; Richard Goerlich kann mit seinem Büro für Popkultur Imagegewinne verbuchen und hat sich erst kürzlich erfolgreich in die programmatische Gestaltung des zukünftigen „Modularge“-Festivals eingeklinkt; Ute Legners „Mehr Musik“-Projekt hat mehr Publikum gewonnen, als man zu träumen wagte, und verfügt über eine starke Bastion in der engen Zusammenarbeit mit dem Stadttheater; Joachim Lang schließlich bereitet mit Verve das nächste Brechtfestival vor, nachdem schon sein erstes mit gutem Publikumserfolg über die Bühne ging.

Ob Augsburg sich so viele „Dachmarken“ leisten und diese erfolgreich vermarkten kann, ob der Kulturetat das auf Dauer hergibt und ob das Publikum mitzieht, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Thomas Weitzel hat sich im Wettbewerb der Dachmarken erneut deutlich ins Gespräch gebracht – und dieser Wettbewerb dürfte für Augsburg kein Schaden sein. Mozart, Brecht, Neue Musik, Pop und Frieden werden hoffentlich nicht gegeneinander, sondern für ihre Adressaten ins Feld ziehen. Dann werden sich diejenigen Programme durchsetzen, die mit den besseren Konzepten die besseren künstlerischen Leistungen erbringen und die größere Außenwirkung erzielen. Der Wettbewerb sollte also nicht nur ums Budget gehen, sondern auch um uns, das Publikum.

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Stuttgart 21: Gruß und Ruck greifen Grüne an

Augsburgs CSU-Chef und Bundestagsabgeordneter Christian Ruck verurteilte gestern per Brief an die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, den Widerstand der Grünen gegen das Großprojekt Stuttgart 21. Augsburgs FDP-Chefin und Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß blies im Rahmen eines Gespräches mit dem Vorstandsvorsitzenden der Bahn Rüdiger Grube ins gleiche Horn und unterstellte den Grünen in dieser Angelegenheit „Populismus“. Die Grünen bekämpfen das 3 Milliarden Euro teure Großprojekt in der Kommune, im Land wie im Bund und bekommen dafür offensichtlich hohen Zuspruch von der Wählerschaft. In Wahlumfragen liegen die Grünen derzeit bei 24 Prozent.

Miriam Gruß: "Mit ihrem jetzigen Vorgehen setzen die Grünen die Zukunft unserer Region aufs Spiel"

Miriam Gruß: "Mit ihrem jetzigen Vorgehen setzen die Grünen die Zukunft unserer Region aufs Spiel"


“Die von den Grünen betriebene Kampagne gegen dieses wichtige Infrastrukturprojekt für Süddeutschland ist Populismus. Es war über ein Jahrzehnt Zeit, sich konstruktiv in die politische Debatte einzubringen. Mit ihrem jetzigen Vorgehen negieren die Grünen die verkehrlichen und städtebaulichen Notwendigkeiten und setzen die Zukunft unserer Region aufs Spiel”, so die bayerische Frontfrau der FDP, Miriam Gruß über das No-Go der Grünen zu Stuttgart 21. Christian Ruck betrachtet den Widerstand der Grünen gegen Stuttgart 21 „mit Unverständnis und Empörung“, wie es in einer gestrigen Pressemitteilung des Augsburger CSU-Chefs heißt. „Ich bitte Sie, zum Wohl der Stadt Augsburg dieses Vorgehen zu verhindern. Ein Stopp von Stuttgart 21 hätte katastrophale Folgen insbesondere für die Region Augsburg. Eine der wirtschaftlich stärksten Regionen des Landes darf vom europäischen Schnellverkehr nicht abgehängt werden“, so Ruck an die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth. Laut Ruck würde ein Verzicht auf die Schnellstrecke Stuttgart-Ulm der großräumige Verkehr im Korridor Rhein/Ruhr beziehungsweise Rhein/Main in Richtung München auf die dann deutlich schnellere Strecke Frankfurt-Nürnberg-Ingolstadt-München verlagert werden.

„Eine solche Entwicklung wäre fatal für Augsburg“

Augsburg nicht aufs Abstellgleis stellen: Christian Ruck

Augsburg nicht aufs Abstellgleis stellen: Christian Ruck


„Eine solche Entwicklung wäre zwangsläufig – und absolut fatal für Augsburg und die Region“, so Ruck, der keinerlei Planungsalternative sieht, die eine Neubaustrecke Stuttgart-Ulm ohne das Projekt Stuttgart 21 ermöglichen könnte. Eine Kombination Neubaustrecke und Kopfbahnhof in Stuttgart würde, so Ruck, eine neue Einfädelung der Schnellstrecke in Stuttgart voraussetzen. Bis für eine solche Lösung die planerischen und baurechtlichen Voraussetzungen bestünden, würden mindestens 10 Jahre vergehen. Der Vorschlag, die Schnellstrecke von Ulm bis Wendlingen zu bauen und dort in die alte Strecke einzufädeln, sei wirtschaftlich nicht haltbar, da so der vorher erzielte Zeitgewinn wieder verloren ginge, so Ruck. Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm seien ein “untrennbares Gesamtprojekt”. „Ich appelliere an Ihr Verantwortungsgefühl: Stellen sie Augsburg nicht aufs Abstellgleis!“, so Ruck, dessen Appell an Roth somit in der Debatte die Augsburger Befindlichkeit, in den ureigenen verkehrlichen Interessen in der Vergangenheit zu kurz gekommen zu sein, ins Feld führt.