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Initiativen ohne Raum – ein Offener Brief

ARBEITSLOSENINITIATIVE Augsburg e.V.

Vater-Mutter-Kind (VaMuKi e.V. Augsburg)

Hirblinger Straße 2a

86154 Augsburg





An die Stadträte

der Stadt Augsburg


Augsburg, den 01.09.2010




Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,

Mit Bestürzung mussten wir erkennen, dass offensichtlich wir, die ARBEITSLOSENINITIATIVE AUGSBURG e.V. und der Vater-Mutter-Kind Verein (VaMuKi e.V.) diejenigen sind, die von der Stadt Augsburg ziemlich bedenkenlos anderen Interessen geopfert werden sollen. Unsere Initiativen sind nicht wirtschaftlich ausgerichtet, sondern wir sind gemeinnützig tätig und daher für viele Ratsuchende in prekären Arbeitsverhältnissen, bei Arbeitsplatzverlust oder Armut oft die einzige unabhängige Anlaufstelle in Augsburg.

Die Vereine konnten und wollten ihre Tätigkeiten nicht vergüten lassen, sondern denen anbieten, die in unserer Wirtschaftsordnung benachteiligt sind. Wäre dies nicht so, müssten wir nicht darauf achten, dass wir neben der freiwilligen ehrenamtlichen Tätigkeit und der Kosten sparenden Arbeitsweise auch um Spenden bitten müssen.

Die Arbeitsloseninitiative Augsburg e.V. ist seit mehr als 20 Jahren tätig, berät rat suchende Erwerbslose über ihre Rechte und Pflichten, Gesetzesänderungen, dem Ausfüllen der Behördenformulare und dem Verfassen von Anträgen. Auf Wunsch begleiten wir Erwerbslose auch zur Arbeitsagentur oder zu den ARGEN. In der Öffentlichkeit setzen wir uns für die berechtigten Interessen der Benachteiligten in unserer Gesellschaft ein. Wir bieten für Selbsthilfe-Gruppen eine Begegnungsmöglichkeit und Gesprächsrunden an. Hierbei können die Teilnehmer zwanglos über ihre Lage sprechen und sich gegenseitig bestärken und Mut machen, schwierige Lebenssituationen zu meistern.

VaMuKi e.V. hat einen Frauenclub, deutsche und ausländische Frauen können zu uns kommen. In Einzelgesprächen oder in Gruppen. Sie können ihre Kleinkinder mitbringen (Wir haben ein hübsches Spielzimmer nur für die Kinder). Es wurden in letzter Zeit zahlreiche Anfragen nach der Einrichtung einer Stillgruppe an uns gerichtet. Über die Durchführung wurde noch nicht entschieden.

Wir sind offen für Frauen (mit und ohne Kinder) unterschiedlicher Herkunft, insbesondere für Mitbürgerinnen, die sich Integrationskurse nicht leisten können. Bei uns können Menschen (es müssen nicht nur Frauen sein) gemeinsam ratschen, singen, feiern, Essen kochen, Kuchen backen und essen. Wir erhoffen uns im Lauf der Zeit ein besseres Verstehen und ganz praktische Integration, die ohne Pauken und Lehrplan auskommt und dennoch auch Wissen vermittelt.

Meine sehr geehrten Stadträte/innen, wenn Sie die Entscheidung der Verwaltung billigend hinnehmen und es zulassen, dass die o.g. Vereine im Dezember 2010 keine Räume mehr haben, werden davon etliche Augsburger Bürger mit geringem Einkommen betroffenen sein. Bitte helfen Sie uns, dies zu verhindern.

Zum geschichtlichen Ablauf:

Bereits in den 80-iger Jahren erkannten Gewerkschaftskollegen in Augsburg das Problem der Arbeitslosigkeit. Es wurde ein Verein gegründet, der sich dieser Problematik annahm, die erwerbslosen Menschen beriet und nach Lösungen suchte.

Daraus entstand später die ARBEITSLOSENINITIATIVE Augsburg e.V. ein gemeinnütziger Verein, der die Betroffenen beriet, bei Behördengängen und Bewerbungen half und zur Mitarbeit animierte. Hilfe durch Selbsthilfe war unser Motto. Leider waren unsere Werbemöglichkeiten begrenzt, so dass uns in Augsburg nicht jeder kannte. Dennoch sind wir im Laufe der Zeit so bekannt, dass wir Anrufe nicht nur aus der Stadt, sondern darüber hinaus aus den umliegenden Landkreisen erhalten.

Bis September letzten Jahres hatten wir unseren Büroraum im „Alten Hauptkrankenhaus“ (Henisiusstr. 1). Mit dem Verkauf an die Barmherzigen Schwestern wurden wir gekündigt. Es war nicht leicht etwas zu finden. Glücklicherweise konnte die ARBEITSLOSENITIATIVE dann Räume im Vater-Mutter-Kind Verein (VaMuKi e.V.) mitnutzen.

Nun erhielten beide Initiativen die Kündigung. Meine Damen und Herren Stadträte/innen, Ihr solltet Euch alle fragen lassen: Was macht die Stadt Augsburg mit uns?

Eine Alternative kann die Stadt uns nicht bieten. Wir fordern Sie alle auf, helfen Sie der ARBEITSLOSENINITIATIVE Augsburg e.V. und Vater-Mutter-Kind (VaMuKi e.V) Verein.

Veranlassen Sie die Stadtverwaltung Augsburg, die Kündigung gegen uns zurückzunehmen!

Die uns angebotene Version:

Die Vereine ARBEITSLOSENINITIATIVE und VaMuKi müssen raus. Damit ein Verein einziehen kann, der nicht auf die Selbsthilfe setzt, sondern mit bezahlten Kräften, Leistungen gegen Bezahlung anbietet. Dies berücksichtigt überhaupt nicht diejenigen, die nicht das Geld dafür haben. Da die von uns genutzten Räume nicht für das Jugendzentrum der Stadt genutzt werden sollen, ist die Entscheidung, uns herauszusetzen, damit die IBB nicht so weit umziehen muss, nicht überzeugend.

Wir haben Vertretern der Stadt Augsburg angeboten, uns mit einem Teil der Fläche zufrieden zu geben, wenn dadurch allen geholfen wird. Dies wäre bautechnisch leicht möglich, da der von uns genutzte Raum früher aus zwei Wohnungen bestand.

Mit freundlichen Grüßen

Hubert Reiß

1.Vorsitzender

Arbeitsloseninitative


Barbara Steinwachs-Richter

1. Vorsitzende

VaMuKi e.V



„Technologie Zentrum Augsburg“ – die Stadt muss nicht der Unternehmer sein

Die Stadt Augsburg hat sich positioniert. Sie will mit einem Projektteam, das im Referat OB angesiedelt ist, den Innovationspark rund um Faserverbund, Mechatronik und Software vorantreiben. Im Lenkungsausschuss liefern IHK und HWK den regionalen wirtschaftspolitischen Beistand.

Im Vergleich zu einem ersten Entwurf aus dem Wirtschaftsreferat vom Januar ist nun der Kompetenzrat in seiner dynamisierenden Wirkung erkannt und in den Mittelpunkt gerückt worden. Prof. Hirt (Renk), Herr Holzamer (SGL Carbon) und Herr Wiedemann (Kuka) sind deshalb die wirklichen Garanten für das Generieren von Entwicklungsdynamik. Sie haben sich bereit erklärt, mit einem “letter of intent” Verpflichtungen von Partnern und Unternehmungen einzusammeln, ihre Entwicklungsinteressen in Augsburg anzusiedeln. Dem Kompetenzrat muss in der Strukturentwicklung eine zentrale Rolle eingeräumt werden. Der Kompetenzrat sollte auch rechtzeitig internationalisiert werden. Andere Wirtschafträume wie Frankreich, USA, Südamerika sollen sich am Augsburger Projekt beteiligen, es ist keine regionale Angelegenheit. Die neue Basistechnologie verspricht vielmehr, im Bereich der grünen Technologie zu Einsparungen von Energie und CO2-Reduktion einen global wichtigen Beitrag zu leisten.

OB Gribl stellt sich als Beitrag der Stadt ein Technologiezentrum Augsburg mit einer Kostenschätzung der Gesamtkosten von 33,7 Mio. € vor. Er rechnet dabei mit einer staatlichen Förderung von 24,4 Mio €.

Die Aufgabe der Stadt ist die Sicherung der Nachhaltigkeit der Promotion der Projektidee “Augsburger Innovationspark”, die Darstellung der Glaubwürdigkeit gegenüber staatlichen Zuschussgebern sowie Investoren und die Bereitstellung der lokalen wie regionalen Infrastruktur. Die Stadt sollte nicht versuchen Unternehmer sein zu wollen, – das ging am Flughafen schon einmal gründlich schief -, sondern ihren jetzt eingeschlagenen Weg der professionellen Projektenwicklung fortsetzen.

So ist es natürlich und verständlich, dass sich die Stadt mit Stellung des Grundstücks, Planungs- und Infrastrukturaufwendungen am “Innovationspark Augsburg” beteiligt. Die Initialzündung muss durch Zusammenarbeit der Stadt mit lokalen Wirtschaftsinstitutionen gelingen. Aber der Bau des Technologieparks ist letztlich ein Immobiliengeschäft, in das man besser kapitalstarke und erfahrene Immobilienentwickler einbindet um sich nicht zu überfordern. Es sollte möglich sein, mit den “letters of intent” namhafter Mittelstands- und Industriebetriebe in der Hand, einen Infrastrukturinvestor zu finden, der hier ein überschaubares Immobilienrisiko und eine im Projekt engagierte Stadtverwaltung vorfindet.

OB Gribl hat recht, wenn er mit der Festlegung der Organisationsstrukturen zögert: “Organisationsstrukturen können auch behindern”. Es ist wichtig, im Prozess Entwicklungsdynamik zu behalten und den Beitrag der Stadt nicht in der Bewirtschaftung einer Immobilie “Technologie Zentrum Augsburg” zu sehen. PRO AUGSBURG wird alle Schritte unterstützen, die diese Dynamik unterstützen. Die Stadt sollte auch bei der Entwicklung des “Technologie Zentrum Augsburg” möglichst nahe an ihrer Rolle als Strukturlieferant, Projektgarant und Impulsgeber bleiben.

Dr. Werner Lorbeer

Fraktion Pro Augsburg



Integration muss so früh wie möglich beginnen

FDP Augsburg begrüßt Pläne der Stadt für die Augsburger Schulen

Die geplanten Maßnahmen der Stadt sind sehr begrüßenswert und auch dringend notwendig. Ganztagesklassen sowie Sprachförderung im Kindergarten und der Grundschule spielen eine wichtige Rolle beim Abbau vorhandener Defizite. Hier werden die Weichen gestellt und die Kinder müssen gezielt gefördert werden. Vor allem bei Sprachproblemen ist es wichtig, frühzeitig gegenzusteuern.

Seit Jahren setze ich mich für frühkindliche Bildung ein, deren Bedeutung immer weiter wächst. Gerade in einer Stadt, die einen so hohen Migrationsanteil hat wie Augsburg, ist es von immenser Bedeutung, mit gezielten Projekten Integration voranzutreiben. Dabei ist neben einer Förderung der Kinder auch die Einbeziehung der Eltern wichtig. Lehrerinnen und Lehrer spielen eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von Kindern, sie dürfen und sollen aber nicht zu Ersatz-Eltern werden.

Deshalb ist es gut, dass die Bundesregierung im kommenden Jahr 400 Millionen Euro zusätzlich in frühkindliche Bildung investieren wird.

Miriam Gruß

familienpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion

und Generalsekretärin der FDP Bayern