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Lärm und Balkan, Wohlklang und Banales

“Sounding D”: Augsburgs Rahmenprogramm machte die Stadt hörbar

Von Frank Heindl

Schon mal durch den Ellbogen gehört? Schon mal den Augsburger Kanälen gelauscht? Schon mal Betonmischer-Sound genossen? Wer’s versäumt hat, hat was verpasst: Am vergangenen Donnerstag war “Sounding D” zu Gast in Augsburg, das ganztägige Rahmenprogramm bot nicht nur Freunden moderner Musik neue Klang- und Hörerlebnisse.

“Sounding D” – das ist eine Aktion, mit der die Berliner Bundesstiftung für Kultur eines ihrer Großprojekte präsentierte: das “Netzwerk für Neue Musik”. 15 Städte erhalten aus dem Topf dieses Netzwerks über vier Jahre verteilt 400.000 Euro – darunter das Augsburger Projekt “Mehr Musik” unter Leitung von Ute Legner und in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater. Um auf die neumusikalische Arbeit der 15 Netzwerk-Städte aufmerksam zu machen, war ein D-Zug unter dem Titel “Sounding D” zwei Wochen lang unterwegs durch Deutschland – am gestrigen Sonntag endete die Reise in Eisenach, vier Tage vorher hatte er Station im Augsburger Hauptbahnhof gemacht: “Ein Zug mit Klangkunst”, verkündete einen Tag lang die Anzeigetafel auf Gleis 2 Nord.

Banales und Betörendes: Klangkünstler Ludger Hennig und Gefolge beim "Soundwalk"

Banales und Betörendes: Klangkünstler Ludger Hennig und Gefolge beim "Soundwalk"


Im Zug selbst gab es unter anderem Videos über die Arbeit des Netzwerks zu sehen. Wer Zeit hatte, konnte sich viele interessante Aspekte des deutschlandweiten Projekts näher anschauen – die Filme entbehrten glücklicherweise der üblichen Marketingsprache, wenngleich natürlich nur Schönes und Gelungenes gezeigt wird. Ob die Videos nach Ende der Zufahrt nun auch auf die “Sounding D”-Homepage kommen, steht noch nicht fest. Spannender wurde es im nächsten Wagen: Bläuliches Schummerlicht empfing den Besucher, noch mehr Wirkung hatte die Klanginstallation, wenn man die Augen einfach ganz schloss. Bahnhofsklänge, Kirchenglocken, Hintergrundrauschen, kreischende Bremsen, ein Gong – kam die Bahnhofsdurchsage jetzt von draußen oder gehörte sie zum Kunstwerk? Realität und Kunstsound verschmolzen zu einer durchaus beeindruckenden Melange. In Waggon Nr. 3 ging’s eher physisch zur Sache: Hier konnte man seine Ellbogen in eine Art Klangschale stützen und anschließend die Hände zu den Ohren führen: So wurde der vibrierende Unterarm zum Klangkörper, der Sounds zum Ohr transportierte – eine bemerkenswerte Erfahrung, so ganz ohne Lautsprecherbox den eigenen Körper zum Resonanzboden eines Hörexperiments zu machen, während draußen “Kayfidelity und Bataillon modern” musikalisch den Balkan auf den Bahnsteig holten. Für manchen Sarazzinfan wohl eine eher alptraumhafte Vorstellung, in diesem Fall ein Hinweis aufs Völkerverbindende in der Musik, zu haben nur mit offenen Ohren und der Fähigkeit, Fremdes vorurteilsfrei wahrzunehmen.

Verkabelt durch den Hauptbahnhof

Schon schwieriger war dieses Unterfangen bei der Hörführung “Soundwalk” des Computermusikers und Improvisationskünstlers Ludger Hennig. Er verkabelte acht Kopfhörer mit seinem Verstärker und gab den solcherart an ihn gefesselten Zuhörern direkt auf die Ohren, was sein ultraempfindliches Richtmikrophon auf einem Spaziergang durch den Bahnhof alles aufschnappte. Da gab es viel Belangloses, aber auch Überraschungen: Keine Musik zwar, aber die Wahrnehmung der Umgebungsgeräusche als ganz eigene Klangwelten, das Klacken eines Schaukastens, der verschlossen wird, das Ächzen und Knarzen in den Kupplungen eines stehenden Güterzuges. Wenn das Mikrophon dann in harmlose Gespräche eindrang, die gleichwohl nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, zeigte sich, dass in all dem Lärm die menschliche Sprache eine herausragende Sonderrolle einnimmt. Eben wollte man deshalb dem Klangerlebnis etwas geradezu Sakrales zugestehen, als der junge Mann im Bus, von acht unter Kopfhörern versteckten Neugierigen belauscht, beim Fahrer “eine Einzelfahrkarte bis … äh, bis … äh, Batzenhofen” verlangte – nun ja, nicht jeder Klang ist Wohlklang, nicht jeder menschliche Satz ein Brunn der Weisheit, nicht jeden Reisenden zieht es ins Elysion.

Der Sound der Stadt: vor allem Autolärm

Augen zu, Ohren auf: "a-guide"-Chef Jürgen Kannler (links) und DAZ-Redakteur Frank Heindl beim Probehören für den Augsburger Hörspaziergang

Augen zu, Ohren auf: "a-guide"-Chef Jürgen Kannler (links) und DAZ-Redakteur Frank Heindl beim Probehören für den Augsburger Hörspaziergang


Ähnlich ging’s dem Zuhörer später beim Hörspaziergang durch Augsburg. Sicherlich ein lohnendes Experiment, sich an verschiedenen Stationen eine Maske über die Augen zu stülpen und damit das dominanteste Sinnesorgan auszuschalten und sich ganz den Klängen der Stadt hinzugeben. Nur bleibt die Stadt auf diese Weise trotzdem Stadt – und die besteht, erschreckend aber wahr, zum größten Teil aus Baustellen- und Autogeräusche. Ruhig ist es allenfalls im Fuggerschen Stadtpalast hinter dem Damenhof, andernorts gab’s zu dieser Jahreszeit nicht mal mehr ausreichend Vogelgezwitscher, um vom brausenden städtischen Höllenlärm abzulenken. Am Ende gab man seine Augenmaske gerne zurück, um sich wieder mit visuellen Eindrücken von den akustischen Dauerbelästigungen ablenken zu lassen. Auch das eine wichtige Erfahrung, aber leider kein rundum angenehmer ästhetischer Genuss. Während viele Exponenten der Neuen Musik versuchen, den dröhnenden Ansturm der Umwelt auf das Ohr in ihre Kunst zu integrieren, darf man nach diesem Erlebnis durchaus auch zum umgekehrten Schluss kommen: Dass wir als Gegenpol zum infernalischen Klang-Tohuwabohu die “schöne” Musik nicht nur gerne hören, sondern geradezu brauchen.

Bereichernd und sinnvoll war die Idee, den Hörspaziergang mit weiteren Informationen anzureichern: Eine Stadtführerin der Regio steuerte allerhand Historisches zu Lärm und Geräusch in Augsburg bei. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit scheint es ein wenig ruhiger, aber keineswegs leise gewesen zu sein. Luther und Cajetan etwa sollen sich in den Gängen des Fuggerpalais geradezu angeschrien haben. Und im Schaezlerpalais ließ man das Eingangsportal nicht etwa mit Steinen pflastern, sondern mit Holzbohlen auslegen. Und zwar sozusagen aus verkehrstechnischen Gründen: Man dämpfte so das nervige Hufgeklapper.

» www.sounding-D.net

» www.mehrmusik-augsburg.de

“Sounding D” endete in Augsburg mit einem Konzert im Textilmuseum. Eine Besprechung dazu lesen Sie in der DAZ vom Dienstag.



Hauptbahnhof: Pläne liegen öffentlich aus

Das Planfeststellungsverfahren zum Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs im Rahmen der Mobilitätsdrehscheibe hat begonnen. Ab dem heutigen Montag, 13. September liegen die Pläne öffentlich aus.

Die Planfeststellung ist ein besonderes Verwaltungsverfahren, das für große Vorhaben an Stelle eines Bebauungsplanverfahrens oder eines Baugenehmigungsverfahrens durchgeführt wird. Antragstellerin beim Hauptbahnhof ist eine Projekt-GmbH der Stadtwerke Augsburg. Zuständig für die Durchführung des Planfeststellungsverfahrens ist die Regierung von Schwaben. Der Beschluss, das Verfahren einzuleiten, war am 29. Juli 2010 im Stadtrat gefallen, die Unterlagen wurden Ende August eingereicht.

Ab heute, 13. September, bis einschließlich 12. Oktober 2010 liegen die Pläne einschließlich einer landschaftspflegerischen Begleitplanung, zahlreichen Gutachten zu Brandschutz, Schallschutz, Baugrund und Verkehr sowie ein Flucht- und Rettungskonzept öffentlich aus. Jeder Bürger kann die Unterlagen im Tiefbauamt (Annastr. 16, 1. Stock, Zi.Nr. 104, 86150 Augsburg) einsehen.

Anhörungsverfahren mit Erörterungstermin

Mit der Auslegung beginnt das so genannte Anhörungsverfahren, das in Art. 73 des Bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetzes geregelt ist. Jeder, dessen Belange durch die Planung berührt werden, kann Einwendungen gegen diese bis spätestens 2 Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist, also bis zum 26. Oktober 2010, schriftlich beim Tiefbauamt oder bei der Regierung von Schwaben (Fronhof 10, 86152 Augsburg, Südflügel, Zi.Nr. S 114 oder Zi.Nr. S 204) erheben. Einwendungen per E-Mail sind nicht möglich.

Alle rechtzeitig erhobenen Einwendungen werden in einem Termin erörtert, den die Regierung von Schwaben noch ortsüblich bekannt machen wird und an dem die Einwender teilnehmen können. Über die Einwendungen wird nach Abschluss des Anhörungsverfahrens durch die Regierung von Schwaben als Planfeststellungsbehörde entschieden. Die Entscheidung ergeht als Planfeststellungsbeschluss. Mit dem Beschluss zum Hauptbahnhof wird zum Jahreswechsel 2011/2012 gerechnet. Baubeginn könnte dann im Jahr 2012 sein, 2018 könnte der umgebaute Hauptbahnhof in Betrieb gehen.



Suizid-Aktionstag in Augsburg

“Der Suizid von Menschen geschieht immer aus individuellen Gründen – aber zusammen genommen ist es eines der größten Gesundheitsprobleme in der Welt”.



Dies betonte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert zur Augsburger Aktion anlässlich des Suizidpräventionstages der WHO, der seit 2003 jährlich am 10. September stattfindet, erstmals am vergangenen Freitag auch in Augsburg. Teil war eine von der Selbsthilfegruppe “AGUS – Angehörige um Suizid” organisierte Informationskampagne in der Augsburger Innenstadt. Neben dem Bezirkskrankenhaus Augsburg war zudem auch das Präventionsmobil des Polizeipräsidiums Schwaben-Nord und der Annapunkt mit Seelsorger Frank Witzel mit vor Ort. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten das Angebot, um sich über die Thematik, die nach wie vor mit einem Tabu belastet ist, zu informieren. “Man muss offen darüber reden, damit man aktiv helfen kann – auch den Angehörigen und Freunden, die oft lange unter Schuldgefühlen und Zweifeln leiden”, betonte Reichert zum Abschlussgottesdienst in der ev. Kirche St. Ulrich.

Foto: Jürgen Reichert, Ursula Mai (Selbsthilfegruppe AGUS)



Bochum vs. FCA 0:2

Der FC Augsburg schlug in der Zweiten Fußballbundesliga den VfL Bochum im Rewirpower-Stadion mit 2:0 und hat sich somit nach dem dritten Sieg im dritten Spiel in der Zweiten Bundesliga mit einem optimalen Start an der Tabellenspitze verankert.



Jos Luhukay überraschte zu Beginn mit einer taktischen Neuausrichtung. Michael Thurk spielte diesmal ganz vorne in der Mitte als einzige Spitze und Torsten Oehrl agierte als arbeitender Stürmer freischaffend dahinter. Nando Rafael, der zuletzt in der Sturmmitte – im Gegensatz zu Thurk- überzeugen konnte, blieb auf der Bank. Dafür spielte Kees Kwakman den rechten Sechser. In der Abwehrreihe musste Marcel Ndjeng für Paul Verhaegh pausieren. Daniel Baier hatte alle Freiheiten und war bis zu seiner Auswechslung der Kreativposten im offensiven FCA-Mittelfeld. Oehrl und Baier arbeiteten viel nach vorne und störten das Bochumer Aufbauspiel mit großer Laufbereitschaft. Überhaupt bestand die Stärke des FCA in der Rückwärtsbewegung. Auf den ersten gekonnten Angriff der Augsburger musste man bis zur 50. Minute warten. Der schulmäßig freigespielte Baier flankte präzise auf Thurk, der den Ball nicht verwerten konnte. Thurk blieb auch gestern die Schwachstelle des Augsburger Spiels. Trotz der insgesamt sehr starken Mannschaftsleistung des FCA, konnte der Augsburger Goalgetter wiederum nicht überzeugen. Schnelle Ballverluste, mangelhafte Übersicht und ungenaue Zuspiele sind das aktuelle „Markenzeichen“ des “Torminators” der vergangenen Saison. Bei einem anderen Schlüsselspieler aus zurück liegenden Tagen war es nicht viel besser: “Ibo” Traore hatte nach seiner Einwechslung für de Jong viel Raum und bestach vor allem dadurch, dass er ihn nicht nutzen konnte.

Die Bochumer luden den FCA zum Siegen ein

In einer von Kampf und Laufarbeit geprägten Partie war der FCA von Beginn an die bessere Mannschaft und stand nach dem frühen 1:0 in der 12. Minute durch Thurk in keiner Phase der Partie ernsthaft unter Druck. Die FCA-Abwehr ging sehr konzentriert zu Werke und erstickte die Bochumer Angriffsbemühungen bereits im Ansatz. Ein nicht unwesentlicher Teil des verdienten FCA-Erfolges war allerdings der katastrophalen Leistung der Bochumer Mannschaft geschuldet. Beim Kopfballtor von Thurk befand sich die komplette Hintermannschaft der Bochumer im Tiefschlaf. In der 41. Minute leistete sich VfL-Keeper Philipp Heerwagen einen dicken Schnitzer und de Jong musste nur noch einnicken. Kein Druck nach vorne, keine Kreativität in allen Mannschaftsteilen und zahlreiche Fehler in der Ballkontrolle: Die Bochumer luden den FCA regelrecht zum Siegen ein. Das Manko des FCA bestand in erster Linie darin, an diesem Sonntagnachmittag in Bochum zu wenig Tore geschossen zu haben. In der zweiten Halbzeit war dennoch klar ersichtlich, dass die Brechtstädter sich klug verstärkt haben. Ohne im Kaffeesatz lesen zu müssen, kann man aufgrund ihres durchgängig hervorragend besetzten Kaders in dieser Saison davon ausgehen, dass sie im Aufstiegsorchester der Zweiten Liga einen wichtigen Part spielen werden. Am Sonntag, 19. September kommt Osnabrück in die impuls arena, am Mittwoch geht es nach Duisburg und am Sonntag, 26. September kommen die Münchner Löwen nach Augsburg.

FCA: Jentzsch – Verhaegh, Möhrle, Sankoh, Bellinghausen – Kwakman, Brinkmann – Baier, de Jong – Oehrl – Thurk.

Einwechslungen:

55. Traore für de Jong, 77. Rafael für Thurk, 87. Bertram für Baier.