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“Bullshit” und “Worthülsen”

Kulturpark West im Fokus der Kritik

Die kulturpolitische Debatte um den aktuellen Stellenwert des Kulturpark West ist neu entbrannt und hat sich zu einem offenen Schlagabtausch zwischen der Geschäftsführung der gGmbH und den beiden Hauptkritikern Richard Goerlich und Raphael Brandmiller entwickelt.

Richard Goerlich: „Das einzig kreative Management im Kulturpark findet in der Kantine statt“

Richard Goerlich: „Das einzig kreative Management im Kulturpark findet in der Kantine statt“


In einem Interview in der gestrigen Augsburger Allgemeinen hat ein Geschäftsführer der Kulturpark gGmbH, Peter Bommas, gegen die Kritik des Popkulturbeauftragten Goerlich sowie des Vorsitzenden des Stadtjugendrings Brandmiller Stellung bezogen, und dabei „eindeutig den Rahmen der bisher gebotenen Fairness verlassen“, so Goerlich. Der Popkulturbeauftragte äußerte sich gestern Abend gegenüber DAZ sehr zugespitzt: „Das einzig kreative Management im Kulturpark findet in der Kantine statt, der Rest sind Worthülsen“. Bommas habe mit diesem Interview dafür gesorgt, dass es nun auf einen offenen Schlagabtausch ohne Rücksicht auf Verluste hinauslaufe. Besonders verärgert zeigte sich Goerlich darüber, dass seine Kritik am Kulturpark („mehr Schein als Sein“) laut Bommas „aufgrund seines Jobs und der anstehenden Verhandlungen um die Verlängerung seiner Stelle“ geäußert worden sei. Ein wenig pointierter formulierte es Bommas bereits vor mehr als zwei Monaten gegenüber der DAZ: „Wir haben einen Vertrag bis 2017 und können strukturell arbeiten, während Goerlich täglich um seine Stelle kämpfen muss“. Für Goerlich ist das nichts als „Bullshit“.

In dem gestrigen Interview in der Augsburger Allgemeinen unterstrich Bommas die Position der KuPa-Geschäftsführung: „Wir diskutieren gerne über konkrete Verbesserungsmaßnahmen, aber als unabhängige, gemeinnützige GmbH setzten wir das im „Grundsatzpapier Kulturpark-West“ formulierte Konzept auf der geplanten Zeitachse und im Rahmen der gegebenen Finanzierungsmöglichkeiten um“. Goerlich könne nichts anmahnen, sondern Vorschläge machen „und unsere Tätigkeit kritisch beratend begleiten“, so Bommas.

„Es fehlt an einer Gesamtkonzeption“

Organigramm Kupa West - zum Vergrößern anklicken

Organigramm Kupa West: 6000 Quadratmeter vermietete Nutzfläche


Dafür ist das zweimal jährlich tagende Kuratorium, in das unter anderen auch der Stadtjugendring zwei Vertreter einbringt, per Stadtratsbeschluss eingerichtet worden. „Ein Abnickgremium ohne jegliche Mitbestimmungsmöglichkeit“, so der Vorsitzende des Stadtjugendrings Raphael Brandmiller. Brandmiller erneuerte gestern seine bereits vor zwei Monaten scharf formulierte Kritik an dem Pilotprojekt, das in seiner derzeitigen Form von der alten Regenbogenregierung auf die Beine gestellt wurde. Für Brandmiller ist es evident, dass das Potenzial, das in dem Projekt stecke, von den beiden Geschäftsführern Peter Bommas und Thomas Lindner nicht genutzt werde. „Es fehlt an einer Gesamtkonzeption und an einer praxisorientierten Systematik“, so Brandmiller, der der damaligen Kulturreferentin Eva Leipprand ankreidet, das Projekt aus dem Einflussbereich der Kommune genommen zu haben.

„Wir hätten das gerne gemacht“

„Das war der falsche Schritt“, so Brandmiller, da man nun als Stadt nur noch schwerlich „mehr rausschlagen“ könne. Brandmiller legte gestern Abend gegenüber der DAZ betont Wert darauf, dass die von Peter Bommas verbreitete „Legende“ nicht zutreffe, dass eben Bommas und Lindner diesen Job nur übernommen hätten, „da die ursprüngliche geplante Trägerschaft durch den Stadtjugendring beziehungsweise eine kommunale Lösung aus finanziellen und rechtlichen Gründen nicht zustande kam“. „Der Stadtjugendring hätte das gerne gemacht. Das war aber damals politisch nicht gewollt“.

» Kulturpark West: Ein ambitioniertes Projekt im Fokus der Kritik



Tempo 30 statt Tunnel

Die Bürgeraktion Pfersee “Schlössle” e.V. empfiehlt in einer Stellungnahme zum Bebauungsplan “Königsplatz und Augsburg-Boulevard” flächendeckend Tempo 30 im Bereich der Umweltzone als Lösung aller Verkehrsprobleme.

Die Pläne der Stadt Augsburg zum Königsplatzumbau, besonders die endgültige Ablehnung einer Tunnellösung, sei richtungs- und zukunftsweisend, heißt es einleitend im Anschreiben der Bürgeraktion an das Stadtplanungsamt. Um den Konflikt zwischen mehr Aufenthaltsqualität einerseits und Erreichbarkeit der Innenstadt andererseits aufzulösen und den berechtigten Anliegen betroffener Anwohner nach Verkehrsminderung zu entsprechen, schlägt die Bürgeraktion eine flächendeckende Tempo-30-Regelung in der Innenstadt vor.

Als Vorteile von Tempo 30 sieht die Bürgeraktion die zu erwartende Entlastung von Durchgangsverkehren sowie den verminderten Ausbaubedarf der betroffenen Straßenzüge. So könnten in der Konrad-Adenauer-Allee bei einer reduzierten Verkehrsbelastung sämtliche Einmündungen der nach Osten abgehenden Straßen ohne Signalanlage bleiben. Verwiesen wird auch auf die durchweg positiven Erfahrungen mit Tempo 30 in der Augsburger Straße in Pfersee. Seither sei der Lärmpegel gesunken, Fußgänger könnten problemlos die Straßenseite wechseln und die Radfahrer im Verkehr „mitschwimmen“.

“Als ob die neue Linie 6 nur heiße Luft transportieren würde”

Modal Split Augsburg: 18% Verkehrsanteil für den ÖPNV

Modal Split Augsburg: 18% Verkehrsanteil für den ÖPNV


Unverständnis erntet bei der von Architekt Dietmar Egger vertretenen Pferseer Gruppierung der Ansatz eines unveränderten “Modal-Split” bei den Verkehrsberechnungen der Verwaltung, “als ob die neue Linie 6 nur heiße Luft transportieren würde”. Der Modal-Split gibt das prozentuale Verhältnis der einzelnen Verkehre ÖPNV, Individualverkehr, Fußgänger und Radfahrer zueinander an.

Auch die Grüne Stadtratsfraktion hatte im Vorfeld der Sondersitzung zum Kö-Bebauungsplan den Ansatz eines unveränderten Modal-Split in den Verkehrsprognosen kritisiert. Hätte man den Bürgern erklärt, dass mit einer Abnahme des Individualverkehrs insgesamt zu rechnen sei, wären Ängste vor einer Verkehrsverlagerung in Wohngebiete gar nicht erst entstanden. Baureferent Gerd Merkle verteidigte den unveränderten Modal-Split damit, dass so das Funktionieren der Planung im Worst Case nachgewiesen werde.