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Tunnel-Begehren erreicht Etappenziel

Das erste Ziel des Bürgerbegehrens “Tunnel statt Chaos” ist erreicht: 10.900 Unterschriften für einen Autotunnel unter dem Kö sind beisammen und sollen am 1. September bei der Stadt eingereicht werden.

Tunnel-Begehren: "Wo können wir unterschreiben?"

Tunnel-Begehren: "Wo können wir unterschreiben?"


9.730 Unterschriften – 5 Prozent der Wahlberechtigten – beträgt das Quorum, das ein Bürgerbegehren in Augsburg erfüllen muss. 1.200 hat man zusätzlich gesammelt und alles “vierfach geprüft”, so Mitinitiator Wolf Noack gestern zur DAZ. Ein Missgeschick wie kürzlich beim Bürgerbegehren Maximilianstraße, bei dem Unterschriften nachgesammelt werden mussten, wolle man unbedingt vermeiden. Die Übergabe der Unterschriften an Bürgermeister Hermann Weber ist für Mittwoch, 1. September um 13 Uhr geplant.

Die Stadt hat dann gemäß Gemeindeordnung einen Monat Zeit, um die Unterschriften zu prüfen und über die Zulässigkeit des Begehrens zu entscheiden. Die Chancen auf eine Zulassung stehen nicht schlecht. Zumindest OB Kurt Gribl hat im Vorfeld eingeräumt, dass ein Bürgerentscheid durchgeführt werden müsse, sollten die nötigen Unterschriften zusammenkommen. Die endgültige Entscheidung über die Zulässigkeit könnte in der nächsten Stadtratssitzung am 30. September fallen.

Beginn der Unterschriftensammlung war am 29. Mai 2010, die Fragestellung lautete: “Muss die Stadt zur Gewährleistung eines flüssigen motorisierten Individualverkehrs unter dem Königsplatz zur Verbindung von Konrad-Adenauer-Allee und Fuggerstraße einen Tunnel bauen?” Mit Ausnahme der FDP haben sich alle politischen Parteien in Augsburg gegen die geforderte Tunnellösung positioniert. Darauf kommt es allerdings nicht an. Im Fall des Falles entscheiden allein die Bürger.

So soll der Tunnel nach dem Wunsch des Bürgerbegehrens verlaufen

(Grafik: © Gottfried E. Schröder)



Flutkatastrophe im Gebiet von Liberec

Der Landkreis von Augsburgs Partnerstadt Liberec ist massiv von Hochwasser betroffen. OB Dr. Gribl bittet um Spenden für die Hochwasseropfer.

Das Gebiet um Liberec wurde innerhalb von 14 Tagen zweimal von schweren Unwettern heimgesucht. Häuser sind überflutet, Brücken eingestürzt, 200 Brücken sind beschädigt. Fünf Menschen kamen ums Leben. Es wird mit einem Schaden von mehr als 180 Mio. Euro gerechnet. Zusammen mit OB Dr. Kurt Gribl bittet der Heimatkreis Reichenberg Stadt und Land e.V. mit Sitz in Augsburg um finanzielle Unterstützung und ruft alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt auf, möglichst rasch mit Spenden zu helfen. Unter dem Kennwort “Hochwasserhilfe” werden auf folgendes Konto Spenden erbeten:

Heimatkreis Reichenberg Stadt und Land e.V.

Konto 1265180 02

BLZ 733 700 08

Deutsche Bank AG

» Pressemeldung der Stadt Augsburg



Kreissparkasse macht doppelt Druck

Als erste Bank in Deutschland stellt die Kreissparkasse Augsburg ab dem 1. September sukzessive auf zweiseitigen Kontoauszugsdruck um.



“Damit gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung ‘Energiesparkasse’ und tragen zum Umweltschutz bei”, so die Kreissparkasse gestern in einer Pressemitteilung. Das so genannte Zwei-Seiten- Thermodruckverfahren ist eine von NCR patentierte Technologie. Die Kontoauszüge am SB-Drucker werden dabei gleichzeitig auf der Vorder- und Rückseite bedruckt. Die Kreissparkasse spart durch den zweiseitigen Druck 1,6 Mio. Blatt Papier im Jahr ein, auch die CO2-Bilanz verbessert sich. Kunden profitieren von schnelleren Druckprozessen am Gerät und damit von kürzeren Wartezeiten sowie von einer kleineren Ablage.



Neue Stadtbücherei: Ein Schritt in die richtige Richtung

Von Siegfried Zagler

Im fünften Gesang der „Ilias“ erzählt Homer, wie der verletzte Aeneas von Apoll in den „Adyton“ gebracht wird. Das Adyton ist Teil eines Tempels, das für alle Unbefugten ein verbotener ist. Seitdem ist das Adyton ein für den gewöhnlich Sterblichen schwer zugänglicher Ort der Genesung und des göttlichen Zuspruchs. Diesen Gedanken hat die Schriftstellerin Pat Barker in „Union Street“ aufgegriffen. Ein Roman aus dem Arbeitermilieu, in dem einer der erwachsenen Protagonisten mühevoll Lesen lernt. „Union Street“ wurde 1995 von Martin Ritt mit Robert De Niro und Jane Fonda in Zelluloid gelegt. „Stanley und Iris“ gehört zu den wenigen epischen Meisterwerken Hollywoods, die sich einer wirklichkeitsnahen Ausarbeitung sozialer Milieus widmen. Am Ende Films geht Stanley mit Iris in eine öffentliche Bibliothek, nimmt ein Buch aus dem Regal, liest ein paar Sätze mit aufgeregter Stimme daraus vor, legt es zurück, nimmt ein anderes Buch, liest daraus vor, um seiner ehemaligen Lehrerin zu zeigen, dass er seinen Analphabetenstatus überwunden hat. „Seien Sie bitte leise, das ist eine Bibliothek“. „Ich weiß“, erwidert Stanley der Bibliothekarin, „es ist meine Bibliothek“.

„Es ist unsere Bücherei“

Ritt hat diese Passage eins zu eins aus „Union Street“ übernommen, um zu unterstreichen, dass sich Stanley den Zugang zum Adyton erarbeitet hat. Die öffentliche Bibliothek steht hier als Metapher für die Überwindung sozial festgelegter Lebensformen und Einbahnstraßen. Stanley bekommt einen seinen Fähigkeiten angemessenen Job und wird somit von seiner „sozialen Verletzung“ geheilt.

Bereich für Zeitungsleser: Vom Unort in einer windigen Passage ...

Bereich für Zeitungsleser: Vom Unort in einer windigen Passage ...


Die Neue Stadtbücherei in Augsburg steht unter dem Motto „offen für alle“. Das Architekturbüro Schrammel hat sich der Aufgabe gestellt, dieses Motto baulich zu gestalten. Das Gebäude soll von außen ein aufgeschlagenes Buch symbolisieren und die Innenarchitektur ist durchgängig von Übersichtlichkeit und offenen Strukturen geprägt. Kein Labyrinth für Eingeweihte, keine versteckte Leseinseln, keine kontemplativen Schmökerecken oder PC-Einheiten. Die 36 Internetzugänge sind im Haus verteilt und die Regale sind niedrig genug, um das große Ganze, das offene Haus in seiner Gesamtheit nicht aus dem Blick zu verlieren. Das schwer erreichbare Adyton Homers ist in Augsburg, vorausgesetzt man ist des Lesens mächtig, kein schwer zugänglicher Ort für Auserwählte. „Es ist unsere Bücherei“, können die Augsburger ohne den geringsten Anflug von Ironie behaupten.

... mit ein paar Handgriffen in eine Leseecke verwandelt.

... mit ein paar Handgriffen in eine Leseecke verwandelt.


Das musste kürzlich Peter Grab lernen, als er zusammen mit dem Leiter der Neuen Stadtbücherei den symbolischen Ort ein wenig schwerer zugänglich gestalten wollte. Und das muss nun seit Freitag der Architekt Stefan Schrammel zur Kenntnis nehmen, dessen „Zeitungs-Windfang“ von der stellvertretenden Leiterin (Chef Lutzenberger ist im Urlaub) kurzerhand in eine „Leseecke“ verwandelt wurde. Jutta Olbrich vollzog damit nach einem Jahr voller Beschwerden eine beinahe homerische Heldentat. Bisher war das Lesen von Zeitungen im eigentlichen Sinn des Lesens an dem dafür vorgesehenen Ort nämlich nur unter unsäglichen Bedingungen möglich. Im Winter saßen die Zeitungsleser mit Schal, Mantel und Mütze im kalten Windzug zwischen dem unruhigen und sehr häufig von Passanten gequerten Eingangsbereich der Bücherei und dem Cafe Tivoli. Im Sommer und den anderen Jahreszeiten nahmen weder Windzug noch Beschwerden ab. Der offene Bereich für Zeitungsleser war ein Unort in einer windigen Passage, bis am vergangenen Freitag Jutta Olbrich mit ein paar Handgriffen Abhilfe schuf. Es handelt sich noch nicht um eine Heilung eines gravierenden Planungsfehlers, aber um eine wundersame Linderung der schlimmsten Symptome – und somit um einen kleinen Schritt in die richtige Richtung. Manfred Lutzenberger, der sich korrekt und gehorsam – trotz Einsicht, also besseren Wissens – achselzuckend an die strengen Vorgaben Schrammels gehalten hat, wird sich nach seinem Urlaub darüber wundern dürfen, wie einfach man mit einem kleinen Akt der Ungehorsamkeit gegenüber der diktatorischen wie naiven Planungsrechthaberei des Architekturbüros das Haus weiter nach vorne bringen kann.



Junge Freie Wähler fordern die „Nullte Klasse“

Auf ihrem Thementag in Meitingen im Landkreis Augsburg haben sich der Landesvorstand der Jungen Freien Wähler Bayern und Mitglieder aus zahlreichen Ecken des Freistaats für eine sogenannte „Nullte Klasse“ ausgesprochen.



Hinter der „Nullten Klasse“ steht die Idee, frühkindliche Bildung zu fördern, das Sozialverhalten der Schüler zu verbessern und eine längere gemeinsame Schulzeit zu ermöglichen. Die „Nullte Klasse“ soll den Übergang vom Kindergarten zur Grundschule erleichtern und den Schülern einen Einstieg ins Lernen ermöglichen, so Josef Graubmann, Landesvorsitzender der bayerischen JFW. Michael Schramm, stellv. Landesvorsitzender aus Oberfranken sieht den Vorschlag als einen Kompromiss, der ohne einen Systemwechsel – wie z.B. die Einführung der Gesamtschule oder eine sechsjährige Grundschulzeit – auskommt.

Besonders betonten die Jungen Freien Wähler in ihrer Pressemitteilung vom vergangenen Montag, dass es sich Deutschland “als ein Staat, dessen einzige wirklich große Ressource ‘Wissen’ heißt”, nicht leisten könne, an der Bildung zu sparen. Auch bei der „Nullten Klasse“ gelte: „Jetzt bei der Bildung zu investieren erspart uns später eine Flickschusterei im Bildungssystem“.

Foto: Josef Graubmann



Donnerstag ist Gründertag

Der Gründertag der IHK Schwaben hat sich als Informationsquelle seit vielen Jahren bewährt. Am 2. September ist es wieder so weit.



Bei den Gründertagen werden die wichtigsten Schritte einer Unternehmensgründung erklärt und Tipps für die richtige Strategie gegeben. Ab 14 Uhr informieren in der IHK Schwaben in Augsburg wieder externe Fachleute zu den Themen Business-Plan, Recht, Steuern, Finanzierung, Fördermöglichkeiten und Zuschüsse. Der Teilnahmepreis beträgt 35 €. Darin enthalten sind die Tagungsunterlagen und ein Beratungsgutschein im Wert von 20 € für eine ermäßigte individuelle Beratung.

IHK-Gründertag

Do, 2.9.2010 14:00 – 18:15 Uhr

August-Märker-Raum 1+2/1.OG

Stettenstraße 1 + 3, Augsburg

Ansprechpartner: Jörg Reise

Telefon: 0821 3162-381

Mehr Informationen unter www.schwaben.ihk.de unter dem Menüpunkt “Kompetenzzentrum Gründung, Finanzierung, Sanierung”



Nutzungsrichtlinien für öffentliche Plätze bleiben unverändert

Der Ferienausschuss des Stadtrats hat am Donnerstag darauf verzichtet, die städtischen Nutzungsrichtlinien für Veranstaltungen auf öffentlichen Flächen und Plätzen zu verschärfen. Mit der Anpassung der Richtlinien sollte ein zusätzliches Regularium für das vor der City Galerie geplante “Winterland” geschaffen werden.

Soll vor Konkurrenzveranstaltungen geschützt werden: Augsburger Christkindlesmarkt

Sollte vor Konkurrenzveranstaltungen besser geschützt werden: Augsburger Christkindlesmarkt


Zum Verzicht auf die Erweiterung der Richtlinien kam es, nachdem die im Publikum anwesenden Veranstalter des Events “Winterland” ihren Antrag während der Sitzung des Ferienausschusses modifiziert hatten. Beim “Winterland” handelt es sich um eine Eislauffläche mit Ausschank, die temporär auf dem Willy-Brandt-Platz errichtet werden soll. Ursprünglich wollten die Antragsteller ihr Event vom 4.11.2010 bis zum 9.1.2011 betreiben, bei Öffnungszeiten bis 22 Uhr, freitags und samstags bis 23 Uhr. Dagegen richtete sich die Formulierung einer Gestaltungs- und Vergabebeschränkung: Veranstaltungen mit weihnachtlichem Ambiente sollten erst mit Beginn des Christkindlesmarktes zulässig sein und maximal fünf Wochen dauern dürfen (DAZ berichtete).

“Die Nutzung von Plätzen ist stadtbildprägend”

Die Antragsteller wollen nun zeitgleich mit dem Christkindlesmarkt am 22. November beginnen und die Eislauffläche acht Wochen lang anbieten. Ende des Eislaufbetriebs mit Musik soll um 21.30 Uhr sein, der Ausschank soll um 22 Uhr enden. OB Kurt Gribl schlug darauf hin vor, auf eine Anpassung der städtischen Nutzungsrichtlinien zu verzichten: “Das Handwerkszeug reicht aus, um über den Antrag zu entscheiden”. Statt dessen solle der Verwaltung zunächst nur aufgegeben werden, die Richtlinien zu evaluieren.

Eva Leipprand zeigte sich damit nicht einverstanden. Die Nutzung von Plätzen sei ein wichtiges und emotional besetztes Thema. Veranstaltungen wie diese würden das Stadtbild und die Ausstrahlung der Stadt prägen. “Ich verstehe deshalb nicht, dass wir nicht über die Richtlinien entscheiden”, so die Grüne Stadträtin, “dies ist eine entscheidende Arbeit, die wir zu machen haben”.

“Winterland”-Eis aus Kunststoff

Eva Leipprand konnte sich mit ihren Bedenken nicht durchsetzen. Gegen ihre Stimme verzichtete der Ferienausschuss auf die Anpassung der Nutzungsrichtlinien. Gegen das “Winterland” selbst stimmte neben Leipprand auch Stadtrat Benjamin Clamroth (Die Linke). Die abendlichen Öffnungszeiten waren nicht Beschlussgegenstand. Die Veranstaltung wurde nur für den kommenden Jahreswechsel genehmigt, nicht für weitere Folgejahre.

Auf Nachfrage räumten die Antragsteller ein, dass die Laufbahn nicht aus echtem Eis, sondern aus Polyethylen bestehen wird. Sehr zum Bedauern von Rolf Harzmann (Pro Augsburg) – schließlich sei eine Eislauffläche beantragt. “Da erwarte ich eigentlich eine Fläche aus Eis.”



FCA: Sieg gegen Paderborn

Der FC Augsburg konnte sich in einer spielerisch erneut enttäuschenden Partie gegen den SC Paderborn mit 1:0 durchsetzen und führt nun zusammen mit Aue die Tabelle der Zweiten Liga an.

Von Siegfried Zagler

Vor 14.134 Zuschauern in der heimischen impuls arena ließen die Paderborner die fußballerisch überlegene Luhukay-Truppe durch geschickte Raumaufteilung und hohe Laufbereitschaft nicht zur Entfaltung kommen. Der FCA tat sich aber nicht nur deshalb schwer, dem Spiel ein erkennbares Gestaltungsmuster aufzudrücken. Das Augsburger Angriffsspiel war die komplette Spielzeit über von Ungenauigkeiten im Passspiel wie fehlendem Spielverständnis geprägt. Dass sich dennoch Torchancen für die Augsburger ergaben, war mehr dem Zufall als durchdachten Aktionen geschuldet. Die Defensivabteilung des FCA steht immerhin wesentlich stabiler als zu Beginn der vergangenen Saison, während der Angriff um Nando Rafael, dessen Abstauber – nach schöner Vorarbeit von Stefan Hain – in der 61. Minute das Spiel entschied, wenig Überzeugendes zustande brachte. Dass der FCA am Ende als Sieger vom Platz ging, darf man wohl auf die bessere Fitness der Augsburger zurückführen. Zwanzig Minuten vor Spielende schien den Paderbornern die Kraft auszugehen, was vermehrt zu aussichtsreichen Torchancen der Augsburger führte. Von einer „beängstigenden Frühform“ kann man trotz der drei Pflichtspielsiege in Folge nicht sprechen. Dreimal schlecht gespielt, dreimal gewonnen. Für einen Aufstiegsfavoriten eine gemalte Startbilanz. Für eine Steigerung nach oben ist noch viel Platz. Das gilt vor allen für Michael Thurk, der sich mit seiner Spielweise immer mehr der offensiven Zehn aus den Siebzigern nähert, und dabei eine schlechte Dublette der Spielweise von Johan Cruyff abgibt. – Am Sonntag, 12. September spielt der FCA um 13.30 auswärts gegen Bochum.

FCA: Jentzsch – M. Ndjeng , Möhrle, Sankoh, Bellinghausen – Brinkmann, Werner, Baier – Oehrl – Rafael, Thurk.  46. S. Hain für Werner. 67. Bertram für Baier. 89. de Jong für Rafael.



Stadtbücherei: „Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht“

Von Siegfried Zagler

Im 14köpfigen Ferienausschuss der Stadt Augsburg, ein Gremium, das mit der gleichen politischen Kompetenz wie der Gesamtstadtrat ausgestattet ist, wurde gestern einstimmig beschlossen, dass die vom Kulturausschuss am 19. Juli beschlossene Kürzung der Öffnungszeiten der Neuen Stadtbücherei nicht vollzogen wird. Im Mittelpunkt der Debatte standen die schwer verständlichen Vorgänge im Kulturausschuss.

Neue Stadtbücherei – Bild: Kleeblatt-Film



Es bleibt – was die Öffnungszeiten betrifft – somit in der Neuen Stadtbücherei alles wie es war. Damit wurde einem Dringlichkeitsantrag der SPD in der Stadtratsitzung vom 29. Juli entsprochen. Der Antrag wurde damals zurückgestellt, da Gribl nicht vorhatte, den an ihn adressierten Beschluss („OB-Verfügung“) zu vollziehen. Damit ging gestern eine Eskapade zu Ende, die wochenlang für Schlagzeilen und eine kulturpolitische Debatte gesorgt hatte. Kulturreferent Peter Grab, der dabei am stärksten beschädigt wurde, wurde gestern von Gribl zu Beginn der zirka 40 Minuten andauernden Aussprache in Schutz genommen: „Herr Grab hat sich entsprechend der Ratschläge der Arbeitsgruppe verhalten“. Gribl referierte noch kurz über die Alternativlösung ( personelle Verstärkung und eingeschränkte Servicezeiten) und gab zu bedenken, dass damit die Probleme der Neuen Stadtbücherei nicht aufgehoben seien. „Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht“.

„Der OB als Deus ex machina“

Wie es Ende 2011 aussieht, wenn 6 Stadtbüchereimitarbeiter die Freistellungsphasen der Altersteilzeit beziehungsweise ihren Ruhestand antreten, „kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden, da in diesen Fällen die für die gesamte Stadtverwaltung die geltende Wiederbesetzungssperre greift“, heißt es in der Beschlussvorlage, der nach Ansicht von SPD-Fraktionschef Kiefer ein formal wichtiger Schlusssatz fehlt: „Der gegenlaufende Beschluss vom 19. Juni wird aufgehoben“.

Gribl nahm den Ball an („ Nehme ich gerne auf“) und eröffnete damit die Diskussion um die unverständlichen Vorgänge seinerzeit im Kulturausschuss. Diese hätten – so die Auffassung von Stadträtin Eva Leipprand (Grüne) – Verena von Mutius beschädigt, da von Mutius den Eindruck gewonnen habe, dass die Angelegenheit bereits entschieden sei. Die Geschichte sei deshalb sehr ärgerlich, weil die Stadträte im Ausschuss nicht adäquat informiert worden seien. Man habe damals laut von Mutius den Eindruck gewonnen, dass man nur zwischen weniger Service und kürzeren Öffnungszeiten entscheiden könne. Nicht nur die Grüne Stadträtin von Mutius, sondern auch Manfred Lutzenberger, der Leiter der Neuen Stadtbücherei, sei durch diese Vorgänge beschädigt worden, so Leipprand. Nach der Entscheidung im Kulturausschuss sei Gribl als Deus ex machina erschienen und habe den Beschluss nicht vollzogen. Der Oberbürgermeister solle Kulturreferent Grab bestellen, dass er mit seinem Ausschuss besser umgehen solle. Gribl wollte das nicht so stehen lassen. „Der Vorgang ist nicht so tragisch, weder von Mutius noch Lutzenberger sind beschädigt worden“.

„Wir hätten eventuell nicht abstimmen sollen“

Rolf Harzmann (Pro Augsburg) versuchte die Debatte ins Komödiantische zu ziehen. „Wir haben nun begriffen, dass die Opposition Recht gehabt hat, aber haben wir denn wirklich keine anderen Probleme? Peter Grab ist in die Schlacht gezogen, um zu sparen – und kaum hat der arme Kerl getan, was man von ihm verlangt hat, schon wurde er beschädigt“. Es sei kaum nachvollziehbar, so Harzmann, was eine Stunde Kürzung pro Tag für ein Theater heraufbeschworen habe, „wenn man bedenkt, dass die alte Stadtbücherei einen kompletten Werktag geschlossen hatte“.

Das brachte Christa Stephan (SPD) in Rage: „Hier geht es nicht um irgendetwas, sondern um jede Menge.“ Die Neue Stadtbücherei habe eine sehr wichtige soziale Funktion. Peter Grab sei nicht nur Fachreferent, sondern auch Bürgermeister. Grab müsse schon tiefer in die Verwaltung hineinsehen können. „Wir können das nicht gut finden, wenn der Oberbürgermeister immer als Retter auftauchen muss“. Karl–Heinz Schneider (SPD) brachte das Dilemma der Opposition – also in diesem Fall das Dilemma der SPD – auf eine formal interessante Ebene. Einerseits sei der Kulturausschuss einer Empfehlung der Verwaltung nachgekommen, andererseits sei der Beschluss nicht vollzogen worden. „Wie kommen wir also von dem Beschluss wieder weg?“ Schneider brachte die Geschäftsordnung und die Gemeindeordnung ins Spiel und vertrat die Auffassung, dass es formal richtig wäre, wenn man den Beschluss von der Regierung von Schwaben annullieren ließe.

„Dazu brauchen wir keine Regierung von Schwaben“

Dieser formalistischen Spitzfindigkeit wollte der Ferienausschuss nicht folgen. Der Fraktionschef der CSU, Bernd Kränzle, gab zwar das Durcheinander im Kulturausschuss zu, kam aber zu einer anderen Schlussfolgerung: „Wir hätten eventuell nicht abstimmen sollen“, da man nicht in die Befugnisse des OB eingreifen solle, aber man könne gut damit leben, dass der Beschluss zurückgenommen wurde. „Dazu brauchen wir keine Regierung von Schwaben“. Theo Gandenheimer (CSU) wollte die Debatte verkürzen – oder zumindest in ruhigere Gewässer führen – und merkte an, dass es im obersten Verwaltungsgremium der Stadt (Stadtrat) eigentlich keine Opposition gebe. „Ich finde es nicht schön, dass wir hier immer von der Opposition reden, es gibt vielleicht eine andere Meinung, aber keine Opposition.“ „Wenn es keine Opposition gibt“, so Eva Leipprand in ihrer Replik, „warum haben Sie uns dann aus allen Gremien rausgehalten?“



Heimatpfleger: Bachhuber wirft seinen Hut in den Ring

Der Architekt Walter Bachhuber ist nach dem überraschenden Rücktritt von Eberhard Hilbich von der SPD als neuer Stadtheimatpfleger ins Gespräch gebracht worden. Gestern hat sich Bachhuber via Pressemitteilung erstmalig zu Wort gemeldet.



„Ich bin gefragt worden – und ich habe es mir überlegt, und ich habe ja gesagt, dabei bleibe ich“, so Walter Bachhuber zur DAZ. Er stehe als Kandidat zur Verfügung. Ein Stadtheimatpfleger müsse Wunden und Chancen erkennen und versuchen einen breiten Diskurs darüber zu entfachen. Bachhuber legt in seiner Pressemitteilung dar, wie er das Amt definiert. Ziel sei es, „Konzepte im Dialog zu entwickeln, wenn möglich auf hohem Niveau und gleicher Augenhöhe der Beteiligten. In ergebnisoffenem Diskurs ist eine tragfähige Lösung herauszuarbeiten, mit Respekt vor gebauter Geschichte, einer guten zeitgemäßen Architektur verpflichtet und mit Liebe zu unserer Stadt – das ist meine Vision. Ich würde mich mit Leidenschaft dieser Aufgabe widmen.“

Walter Bachhuber: “Ich würde mich mit Leidenschaft dieser Aufgabe widmen”