DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
DAZ-Archiv - www.daz-augsburg.de

Konsequenten Klimaschutz gibt es nur mit den Grünen

von Claudia Roth

Einen Erfolg können wir Grünen schon mal auf unsere Fahnen schreiben: Inzwischen kommt nicht einmal mehr die Union umhin, sich als Umweltpartei zu präsentieren. Kanzlerin Merkel lässt sich am Nordpol fotografieren und das Bayerische Kabinett hält Sitzungen auf der Zugspitze ab. Das soll zeigen: „Wir tun was!“

Im Alltag sieht es meist anders aus: Bei einer geplanten Verordnung zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes von Autos in der EU z.B. stellte sich ausgerechnet Deutschland quer. Doch nicht nur hier ist die Union vor der jeweiligen Lobby eingeknickt. Auch in Fragen der Laufzeiten für Atomkraftwerken vertritt sie die Interessen der Energieriesen.

Dabei kann man doch überall besichtigen, wie sinnvoll der Einsatz von Erneuerbaren Energien ist. Vor wenigen Wochen ging z.B. ein Windpark in der Nähe von Heidenheim in Betrieb, auf dem unter anderem auch zwei Windräder der Augsburger Stadtwerke stehen. Damit tragen die Stadtwerke zu einem besseren Klima bei und gewinnen ein Stück Unabhängigkeit. Schließlich erhalten sie durch solche Investitionen heimische Arbeitsplätze.

Damit der Ausbau weiter gehen kann, ist es von zentraler Bedeutung, dass die neue Regierung am gemeinsam mit der Industrie beschlossenen Atomkonsens festgehalten wird. Denn nur dann werden weiterhin mit großer Macht alternative und bessere Wege der Energieerzeugung ausgebaut.

CDU und CSU können nach wie vor nicht erklären, wie sie den produzierten Atommüll entsorgen wollen. Wenn jetzt Standorte in der Nähe von Ulm ins Visier kommen, kann man nachfühlen, wie sich die Menschen im Wendland fühlen. Die Vorstellung, dass hundert Kilometer von Augsburg entfernt radioaktiver Müll aus der ganzen Republik gelagert werden soll, der hunderttausende von Jahren strahlen wird, macht deutlich, wie leichtfertig jahrzehntelang mit der gefährlichen Atomtechnologie gefuhrwerkt wurde. Jetzt kommt es darauf an, dass nicht noch mehr dieses hochgefährlichen Mülls produziert wird.

Auch Herr Ruck muss sich die Frage gefallen lassen, wie er zum Atomausstieg steht. In einem Fragebogen des Bund Naturschutz hat er zwar prinzipiell dem Atomausstieg zugestimmt, dem aber bisher keine Taten folgen lassen. Dagegen hat er vor einiger Zeit noch für den Neubau von AKWs plädiert. Deshalb fordere ich Herrn Ruck auf: „Erklären Sie sich noch vor der Wahl zur Zukunft der Kernenergie und zur Atommüllentsorgung.“

Die Wählerinnen und Wähler haben am 27. September die Wahl: Wer konsequenten Klimaschutz und einen sicheren Ausstieg aus der Kernenergie will, sollte Bündnis 90/Die Grünen wählen.



Echt virtuelle Emotionen – Augsburger Informatikstudenten holen Preis in Amsterdam

Zum vierten Mal in Folge haben Augsburger Informatikstudenten auf der jährlich stattfindenden internationalen Tagung “Intelligent Virtual Agents” (IVA) in Amsterdam den GALA Award gewonnen. Ihre Anwendung “Spectators, a joy to watch” erhielt vom wissenschaftlichen Publikum die meisten Stimmen und damit den Public Award für die beste Demo.

Holten den Gala Award nach Augsburg: Kathrin Janowski, Ionut Damian und Dominik Sollfrank (v.l.)

Holten den Gala Award nach Augsburg: Kathrin Janowski, Ionut Damian und Dominik Sollfrank (v.l.)


GALA steht für “Gathering of Animated Lifelike Agents” und ist ein jährlich stattfindendes internationales Festival, auf dem die neuesten Entwicklungen im Bereich der intelligenten virtuellen Agenten vorgestellt werden. Ionut Damian, Kathrin Janowski und Dominik Sollfrank, die am Augsburger Lehrstuhl für Multimedia-Konzepte und Anwendungen (Prof. Dr. Elisabeth André) studieren, präsentierten bei der diesjährigen GALA ein von ihnen entwickeltes Computersystem, das ein virtuelles Publikum von Sportereignissen simuliert. Und mit “Spectators, a joy to watch” ging der GALA Award zum vierten Mal in Folge nach Augsburg.

Hunderte “Agenten” mit Echtzeit-Reaktionen

Die künstlichen Zuschauer reagieren in Echtzeit auf Ereignisse eines Tennisspiels und bringen ihre Emotionen – je nach Favorit – mit entsprechender Mimik, mit Körperhaltung und Gestik zum Ausdruck. Dass dabei jeder der Charaktere mit individuellem Verhalten ausgestattet ist, lässt nicht nur jeden einzelnen Agenten natürlicher erscheinen, vielmehr gewinnt dadurch auch die Glaubwürdigkeit der Gruppe in ihrer Gesamtheit. Mehrere Hundert Agenten lassen sich mit dem System der Augsburger Studenten gleichzeitig animieren.

Um den Spaßfaktor zu erhöhen, haben Damian, Janowski und Sollfrank ein interaktives Ping Pong-Spiel implementiertt, so dass sich die Konferenzteilnehmer unter Beobachtung der virtuellen Zuschauer und ihrer (realen) Kollegen selbst sportlich engagieren konnten. Basis von “Spectators, a joy to watch” ist übrigens die am Augsburger Lehrstuhl füt Multimedia und Anwendungen entwickelte “Horde3D GameEngine”, die frei zur Verfügung steht.



Jubel und Enttäuschung: Die “Spectators” reagieren unterschiedlich und individuell. YouTube-Video Spectators, a joy to watch – IVA09.

» Weitere Informationen auf der “Spectators, a joy to watch”-Webseite



Entlastung für die Staats- und Stadtbibliothek

Bei einem Ortstermin am 17. September in der Staats- und Stadtbibliothek machte sich der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Wolfgang Heubisch, ein Bild von der dringlichen Lage für die Statik des Gebäudes. Anschließend sagte er als Sofortmaßnahme eine Auslagerung von nach und nach bis zu 50.000 Bänden in die Bayerische Staatsbibliothek nach Garching zu.

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ist eine der bedeutendsten Stadt- und Regionalbibliotheken Deutschlands. Vor Inbetriebnahme der Universitätsbibliothek Augsburg im Jahr 1970 war sie die einzige größere allgemeinwissenschaftliche Bibliothek im Regierungsbezirk Schwaben. Ihre Gründung geht in die Zeit der Reformation zurück. Sie dient neben wissenschaftlichen Zwecken insbesondere der Fortbildung und Informationsversorgung der Bevölkerung. Den Namen Staatsbibliothek erhielt sie, weil die Bestände der Bibliothek nach der Säkularisierung und Mediatisierung anfangs des 19. Jahrhunderts in das Eigentum des bayerischen Staates übergegangen sind. Dieser verpflichtet sie seit 1987, von jedem im Regierungsbezirk Schwaben erscheinenden Druckwerk (auch Zeitungen) ein Exemplar zu archivieren. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist der Zuwachs am Bestand immens.

Schon seit geraumer Zeit leidet die Bibliothek an Platzmangel. Das enorme Gewicht der Papiermengen gefährdet zunehmend die Statik. Pläne zum Ausbau des Dachgeschosses bestehen seit vielen Jahren, scheiterten aber immer wieder an den wegen der besonderen statischen Anforderungen hohen Investitionskosten von inzwischen 4,4 Millionen Euro.

Historische Lastenverteilung

Obwohl ein großer und rapide größer werdender Teil des Bücherbestandes dem Freistaat gehört, obliegt der Unterhalt fast ausschließlich der Stadt Augsburg. Lediglich mit einem jährlichen Betrag von 18.900 Euro beteiligt sich bislang der Staat. Diese Kostenverteilung geht auf einen Vertrag aus dem Jahr 1898 zurück, der – zwischen dem Königreich Bayern und der Stadt Augsburg geschlossen – eine jährliche Verteilung der Aufwendungen für die Bibliothek von 9.000 Reichsmark für die Stadt und 2.000 Reichsmark zu Lasten des Staates festschrieb. Bei diesem Verteilungsverhältnis ist es erstaunlicherweise bis heute geblieben, obwohl der staatliche Bestand überproportional anstieg. Dies soll sich künftig ändern.

Wie Kulturreferent Peter Grab in einem Interview gegenüber der DAZ erklärte, wurde der Vertrag überprüft. Dabei stieß man auf eine Klausel, die eine Anpassung in beiderseitigem Einvernehmen vorsieht. Darauf poche man nun gegenüber dem Ministerium, denn es bestehe inzwischen ein krasses Missverhältnis in der Deckung der Kosten für die im Besitz des Freistaates stehenden Bücher. Eine Anpassung des Vertrages wird vor allem auch deswegen für notwendig erachtet, da im Ergebnis eines Fördergespräches am 24. März 2009 nur ein Zuschuss von unter 30% für die notwendigen Maßnahmen in Aussicht gestellt worden war. Man habe inzwischen mit dem zuständigen Ministerium vereinbart, ab Mitte 2010 vor Erstellung des Doppelhaushalts 2011/2012 in dieser Sache in Verhandlungen zu treten.

Staatsminister auf Ortsbesichtigung

Dr. Wolfgang Heubisch

Dr. Wolfgang Heubisch


Aufgrund dieser veränderten Ausgangslage sowie der schlechten Haushaltslage der Stadt wird der notwendige Ausbau des Dachgeschosses des Gebäudes an der Schaezlerstraße zunächst zurückgestellt, bis abgeklärt ist, zu welchen Teilen künftige Unterhaltsleistungen aufgebracht werden. Dies könne der Stadt Augsburg einen ordentlichen Betrag einsparen helfen, so Grab. Da sich die Situation in der Staatsbibliothek aber zunehmend als nicht hinnehmbar erweist – die Bücher werden mittlerweile bereits auf den Gängen gelagert und belasten die Statik damit bis zum Äußersten – hatte Grab mit Schreiben vom 20. August an Dr. Heubisch nochmals um ein dringendes Gespräch gebeten. Dieses fand am Montag, 14. September im Ministerium zwischen Staatsminister Dr. Heubisch und Oberbürgermeister Dr. Gribl statt. Bereits drei Tage später kam der Minister nach Augsburg, um sich die Sache vor Ort persönlich anzusehen. Diese Ortbesichtigung wurde maßgeblich von Stadträtin und Kulturausschussmitglied Rose-Marie Kranzfelder-Poth initiiert, die ebenfalls bei der Ortsbesichtigung zugegen war, wie auch die Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß, Bürgermeister und Finanzreferent Hermann Weber, Kulturreferent Peter Grab und der Leiter der Staats- und Stadtbibliothek Dr. Helmut Gier.

Sofortmaßnahme zugesagt

Die Zustände in den Räumlichkeiten der Bibliothek überzeugten Minister Dr. Heubisch, eine Sofortmaßnahme der Staatsregierung zuzusagen. Ab sofort sollen Zug um Zug in den nächsten Jahren bis zu insgesamt 50.000 Bände in die Speicherbibliothek der Bayerischen Staatsbibliothek nach Garching ausgelagert werden. In der Augsburger Bibliothek werden nun zunächst die wichtigen Bestände wieder in die eigentlichen Räume verlagert und die weniger wichtigen für die Auslagerung nach Garching vorbereitet. Die ausgelagerten Bücher bleiben per Fernleihe für die Nutzer jederzeit verfügbar. Zweimal pro Woche bringt ein Zulieferdienst aus Garching die angeforderten Bücher nach Augsburg. Für die Bücher ist diese Lösung vorteilhaft, da in Garching, im Gegensatz zu provisorischen Räumlichkeiten im Stadtgebiet, beste klimatische Bedingungen geben sind. Mietkosten fallen bei dieser Lösung nicht an, im Gegenteil beträgt die voraussichtliche Ersparnis für die Stadt mehr als 100.000 Euro. Die Zusage des Staatsministeriums sorgt umgehend für die dringend notwendige statische Entlastung des Gebäudes, künftig hoffentlich für eine des städtischen Haushalts und ist darüber hinaus für die pflegliche Behandlung des wertvollen Bestandes von großem Nutzen.



Verführung zur Kunst

Sybille Schiller las im Schaezlerpalais Emile Zola

Von Frank Heindl

Lesungen im Rahmen der Ausstellung “Irdische Paradiese” – eine gute Idee. Die Augsburger Literaturkennerin und Journalistin Sybille Schiller las am Dienstagabend im Festsaal des Schaezlerpalais aus Emile Zolas Roman “Das Werk” – eine passende Idee. Denn Zolas Geschichte spielt im Milieu der Pariser Impressionisten des 19. Jahrhunderts – von denen einige in den angrenzenden Räumen ausgestellt sind.

Doch “Das Werk” ist nicht nur eine der für Zola so typischen Milieustudien, sondern gar nicht so ganz nebenbei auch die großartige Beschreibung der Erotik der Kunst – und deren Bezug zur “echten” Erotik. Ganz unprätentiös liest Sybille Schiller die Beschreibung der ersten Nacht, die der Maler Claude Lantier mit Christine verbringt, einer jungen Frau, die er durchnässt und heimatlos vor seiner Tür aufgegabelt hat. Fasziniert betrachtet der Maler am Morgen heimlich den nackten Mädchenkörper und interessiert sich doch – vorgeblich – nur für dessen Malbarkeit, sieht in der Frau nur das Modell. Doch wie Zola nun in die Gedanken des Künstlers hinterrücks den Wortschatz der Erotik einfließen lässt, darin offenbart sich literarische Meisterschaft und ein großartiges psychologisches Einfühlungsvermögen lange vor Freuds Theorie des Unbewussten. Während der Künstler sein Modell mit den Augen geradezu frisst, “erregt von seinem starken Verlangen, dem Verlangen des Künstlers”, bewegt er, nun ja: “seinen Bleistift.” Die Theorie von der Sublimierung des Eros in der Kunst kann man kaum prägnanter in Worte fassen! Und als Christine sich – Monate später – noch einmal für Claude entkleidet, beschreibt Zola dessen Berührtheit mit den Worten “er fand sie wieder”, was sich an dieser Stelle fast wie das biblische “und er erkannte sie” anhört.

Aus der still-erotischen Liebesgeschichte wird schnell das dramatisch-verzweifelte Künstlerschicksal: Lantier weicht trotz verheerender Kritiken nicht von seinem künstlerischen Weg ab, endet erfolglos und verzweifelt und weist schließlich sogar Christine ab, die ihn noch einmal in ein Leben jenseits der Kunst zurückholen möchte. Ein Moment, in dem sich Sybille Schillers Lesetechnik auszahlt: Dem ganz großen dramatischen Moment leiht sie glücklicherweise nicht die ganz große dramatische Stimme, sondern lässt im moderaten Sprachduktus auch das ganz Jämmerliche dieser bewegenden Schlusssequenz aufscheinen, bemüht sich nicht, ein klägliches Scheitern mit überflüssigem Pathos zu überhöhen.

Wer auf dem Weg hinaus noch ein paar Blicke auf die Werke der “Paradiese”-Ausstellung geworfen hat, mag das unter Umständen mit anderen Augen getan haben als zuvor: Man hat sich möglicherweise den Künstler und sein Modell nicht unbedingt als glückliche Menschen vorzustellen.



Cityflex-Panne: ANA warnt vor Fahrzeugmangel bei der Tram

Wegen massiver Elektronikprobleme werden die neuen Cityflex-Straßenbahnen seit einer Woche nur in den Abendstunden eingesetzt. Die Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Augsburg e.V. (ANA) warnt jetzt vor einem Fahrzeugmangel bei der Tram.

Cityflex-Präsentation am 12. September

Cityflex-Präsentation

am 12. September


Den Beobachtungen der ANA zufolge verkehrt schon seit Montag mindestens ein Omnibus anstelle einer Tram auf der Linie 4. “Jetzt noch ein paar Fahrzeugausfälle wegen Störungen oder Unfällen und das Chaos ist perfekt”, warnt die Initiative. Lösung könnte laut Jörg Schiffler, dem Vorsitzenden der ANA, die Wiederinbetriebnahme der abgestellten Stuttgarter Straßenbahnen sein. Die Fahrzeuge seien, wie Stadtwerke-Sprecher Jürgen Dillmann erst kürzlich in augsburg.tv bekräftigte, technisch einwandfrei.

“Cityflex bitte ohne Fahrgäste testen”

Die ANA spricht sich zudem dafür aus, auch die Einsätze der Cityflex in den Abendstunden einzustellen. Selbst im Abendverkehr würden die Verspätungen auffallen und zu Verzögerungen für viele Fahrgäste führen. Die Fahrgäste am Abend seien nicht weniger wert als diejenigen untertags: “Gerade im Freizeitverkehr könnte man Fahrgäste gewinnen, aber mit Verspätungen oder schlimmstenfalls geplatzten Anschlüssen wird das nichts.”



Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl

Die evangelische Jugend Augsburg lädt am heutigen Mittwoch, 23. September um 19 Uhr zu einer jugendpolitischen Podiumsdiskussion ein. Regionale Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien stellen sich anlässlich der Bundestagswahl dem Publikum.

Die CSU wird mit Stadtrat Erwin Gerblinger verteten sein, die SPD schickt MdB Heinz Paula ins Rennen. Zugesagt haben weiter die Grüne Stadträtin Martina Wild und Silvio Heidbüchl (Die Linke). Auch die FDP will einen Jugendvertreter schicken. Moderieren werden Manu Paulak und Jan Stangenberg aus der Dekanatsjugendkammer. Die Piraten dürfen nicht nicht mitmachen, wollen sich aber zahlreich unter’s Publikum mischen, kritische Fragen zu bildungspolitischen Themen stellen und den Altparteien auf den Zahn fühlen.

Wann: Mittwoch 23. September 2009, 19 – 21.30 Uhr

Wo: Großer Saal des evangelischen Jugendwerks, Hooverstraße 1, 86156 Augsburg