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Hauptbahnhof: Erster Baum fällt

Am Mittwoch waren sie ein beherrschendes Thema im Stadtrat: die Bäume in der Innenstadt. Jetzt greift Petrus persönlich ein – oder war es Zeus?

Wie die Feuerwehr meldete, schlug heute nacht gegen 1.20 Uhr ein Blitz in einen 20 Meter hohen Baum in der Viktoriastraße ein. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte drangen bereits Flammen im unteren Bereich aus dem von innen brennenden Stamm. Die Löschmaßnahmen erwiesen sich als relativ schwierig, der Baum wurde mit mehreren Löschlanzen in ca. 6 – 8 m Höhe mit Löschschaum befüllt. Auch heute morgen um 8 Uhr war noch Rauchentwicklung zu beobachten. Der Baum wird vom Amt für Grünordnung schichtweise abgetragen.



Vom Paradies in die Hölle – und wieder zurück

Festliche Eröffnung der großartigen Ausstellung “irdische paradiese”



Von Frank Heindl


Sinnliche Farbgebung: Renoirs "Femme à la Draperie"

Sinnliche Farbgebung: Renoirs "Femme à la Draperie"


Ohne den Sündenfall wären wir immer noch dort: im Paradies. Wir würden Obst von den Bäumen pflücken, miteinander tanzen, malen, lesen, spielen. So wie es 1896 Paul Signac gemalt hat – “in den Zeiten der Harmonie” heißt sein Bild, mit dem Flyer und Plakate für die am Freitag eröffnete Ausstellung “irdische paradiese” werben. Andererseits: Wäre so ein Paradies auf Dauer nicht irgendwie langweilig? Haben wir nicht all die Fortschritte in Wissenschaft und Technik, Gesellschaft und Kultur gerade unserer Unzufriedenheit und dem ewigen Streben nach Wiedererlangung des Paradieses zu verdanken? Gedanken, über die man trefflich räsonieren kann in der großartigen, noch bis 11. November dauernden Ausstellung im Augsburger Schaezlerpalais.

103 Meisterwerke aus der Kasser Art Foundation warten auf Besucher – und was dem Publikum geboten wird, ist durchaus eine kleine Sensation. Denn was Alexander und Elisabeth Kasser von den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts an gesammelt haben, hat hohen Rang in der Kunstgeschichte. Aus mehr als 500 Stücken hat der Augsburger Ausstellungskurator Dr. Tilo Grabach 103 Skulpturen, Grafiken und Gemälde zur “Paradiese”-Ausstellung zusammengestellt. Die Liste der 54 Künstler reicht von Arp, Cezanne und Dégas über Grosz, Hrdlicka und Lipchitz bis Marini, Matisse, Monet, Picasso, Pollock und Renoir – um nur die allerberühmtesten zu nennen. In 14 Räumen des Schaezlerpalais sind ihre Werke thematisch angeordnet.

Ein “Gerechter unter den Völkern”

Der Ungar Alexander Kasser hatte schon Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts sein Interesse für die Kunst seiner Zeit entdeckt. Ein Interesse, das er wegen des zweiten Weltkrieges und der auch in Ungarn um sich greifenden Judenverfolgung nicht weiter verfolgen konnte. Kasser wurde in Budapest zum Mitarbeiter des berühmten Raoul Wallenberg, der mit echten und gefälschten “Schutzbriefen” der schwedischen Regierung zahllosen Juden die Emigration nach Schweden ermöglichte. Kasser sollte später ebenso wie Wallenberg in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zum “Gerechten unter den Völkern” ernannt werden – ihm selbst gelang die Flucht in die USA.

Und hier, erneut zu einigem Wohlstand gekommen, wurden Alexander Kasser und seine Frau Elisabeth zu Sammlern. Die Kasserschen Erwerbungen dienten dabei nie der Geldanlage, sie waren von Anfang an privater Natur, mit vielen der Künstler waren die Kassers eng befreundet. Als “full of emotion” – mit Gefühlen angefüllt – bezeichnete denn auch am Freitagabend Kassers Tochter Mary Mochary die Kollektion. Beim festlichen Eröffnungsakt im Goldenen Saal äußerte sie sich ebenso wie Kathrin Crockart vom amerikanischen Generalkonsulat in München begeistert von der Tatsache, dass die Sammlung nun im “paradiesischen” Ambiente des Schaezlerpalais gezeigt werde. Auch Peter Grab war verständlicherweise hoch zufrieden – die Ausstellung reihe sich, so der Kulturreferent, ein “in die Reihe bedeutender internationaler Kooperationen” wie schon bei der Rugendas- und der Zarengoldausstellung. Viele der Werke werden in Augsburg zum ersten Mal überhaupt der Öffentlichkeit zugänglich. Nach Beendigung der Ausstellung am 22. November sollen die Exponate nach Budapest weiterreisen, wo sie der Ungarischen Nationalgalerie einverleibt werden. Was Grab zu der Feststellung veranlasste, einmal mehr agiere Augsburg “auf Augenhöhe mit einer europäischen Hauptstadt.”

Gibt es einen Weg zurück?

Mensch gegen Natur: Marino Marinis "Kleiner Reiter"

Mensch gegen Natur: Marino Marinis "Kleiner Reiter"


Man darf gespannt sein, wie viele Besucher dieses neuerliche Highlight in der Augsburger Museumslandschaft anziehen wird. Sie erwartet ein schwelgerischer Rundgang, der mit Rodins Skulptur “Adam” schon im Treppenhaus beginnt. In den dann folgenden 14 Räumen geht’s von Bildern der “idealen Welt” zunächst direkt zu deren Gegenteil: Zur Kritik an der bestehenden, ganz und gar unparadiesischen Welt, repräsentiert etwa durch den Blick in eine triste Taverne, gemalt vom 16jährigen Pablo Picasso. Weiter geht es mit Akten, denen stark antithetisch einige “Höllentor”-Skulpturen von Rodin folgen. Danach führt die Route hinüber zu den bezaubernd paradiesischen Landschaften des Impressionismus. Und am Ende schließlich zu jenem Gemälde von Jackson Pollock, das, je nach Interpretation, einen Funken Hoffnung enthalten könnte: Das Bild von 1943 zeigt geifernde Hunde – und im Hintergrund eine Leiter. Führt sie zurück ins Paradies? Und wenn ja – gibt es eine Möglichkeit, unbeschadet an den Höllentieren vorbeizukommen? Der Besucher jedenfalls findet sich anschließend wieder im Prunksaal und hat es geschafft – vom Paradies in die Hölle und wieder zurück.

Fotos: Tim Fuller

Zur Ausstellung gibt es einen Katalog. Er zeigt alle Exponate und kostet an der Museumskasse 29,90 €.



Dementi: keine neue Fraktion um Kranzfelder-Poth

Spekulationen in der Augsburger Allgemeinen Zeitung über neue Konstellationen im Stadtrat waren gestern Anlass für Pro Augsburg und die FDP-Stadträtin Kranzfelder-Poth, mit Dementis an die Öffentlichkeit zu gehen.

Rose-Marie Kranzfelder-Poth

Rose-Marie Kranzfelder-Poth


Rose-Marie Kranzfelder-Poth sei – zusammen mit Rainer Schönberg (Freie Wähler) – “auf der Suche nach abwanderungswilligen Stadträten anderer Fraktionen”, um aus finanziellen Gründen eine eigene Fraktion zu bilden. Dies war gestern in der Augsburger Allgemeinen zu lesen.

“Mutmaßungen”, so dazu die Fraktion von Pro Augsburg. Die Fraktionsvorsitzende Beate Schabert-Zeidler, der 1. stv. Fraktionsvorsitzende Karl Heinz Englet sowie der 1. Vorsitzende des Vereins Pro Augsburg Nico F. Kummer stellten klar, “dass es zwischen Frau Kranzfelder-Poth und Herrn Karl Heinz Englet keine Fraktion oder fraktionsähnliche Verbindung geben wird”. Pro Augsburg suche inhaltlich den Konsens, respektiere individuelle Sichtweisen der Fraktionsmitglieder und trete letztlich in der politischen Meinungsäußerung geschlossen auf.

“Gesundheitsschädlich”

Auch Rose-Marie Kranzfelder-Poth dementierte: “Ich suche keine abwanderungswilligen Stadträte”. Sie sei allerdings von der jetzigen Stadtregierung zutiefst enttäuscht. Versprechen, die Belange der Bürger und Bürgerinnen dieser Stadt ernst zu nehmen, würden nicht eingelöst. Bürgerliches Engagement werde ausgegrenzt, diffamiert und lächerlich gemacht. Jüngstes Beispiel: sie selbst sei von Rolf Harzmann (Pro Augsburg) in der vergangenen Sondersitzung des Stadtrats, als es um Innenstadtthemen ging, als “gesundheitsschädlich” bezeichnet worden.

Karl Heinz Englet

Karl Heinz Englet


Für Stadträte, die sich “dieser Stadt und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern” jenseits parteipolitischer Interessen verpflichtet fühlen und danach handeln, sei allerdings “meine Tür für Gespräche offen”, so die FDP-Stadträtin. Auch Karl Heinz Englet weiß dies zu würdigen: “Ich schätze Frau Kranzfelder-Poth für Ihr Engagement um unser Augsburg”, teilte der Stadtrat in der gestrigen Pressemitteilung von Pro Augsburg mit.



Augsburger Messe weiter mit Interims-Geschäftsführer

In nichtöffentlicher Sitzung des Wirtschaftsausschusses gab es am Donnerstag eine Niederlage für den Wirtschaftsreferenten Andreas Bubmann. Sein Wunschkandidat für den Geschäftsführerposten der Augsburger Schwabenhallen Messe- und Veranstaltungs-GmbH, Gerhard Reiter, fiel bei der Abstimmung mit 6:7 Stimmen durch.

Wolfgang Färber, Mitarbeiter im Wirtschaftsreferat, bleibt weiter Interims-Geschäftsführer der neuen Messe-GmbH. Denn Rainer Schönberg (Freie Wähler) und Karl Heinz Englet (Pro Augsburg) schlugen sich auf die Seite der Opposition. Der Grund für die Ablehnung von Gerhard Reiter, der von der Findungskommission vorgeschlagen worden war, lag allerdings nicht in seiner Person. Reiter sollte nach den Vorstellungen des Wirtschaftsreferenten einen 5-Jahres-Vertrag bekommen. Eine zu lange Laufzeit für Schönberg und Englet, die einen Einstiegvertrag über zwei Jahre präferierten.

“Mir und Pro Augsburg ist es nicht zuzumuten, nach dem erst kürzlich mit enormen Abfindungen entlassenen Messemanager Leypoldt wieder das Risiko eines langfristigen Vertrages einzugehen”, so Karl Heinz Englet gestern. Gerhard Leypoldt, Ex-Vorstandschef der mittlerweile aufgelösten Augsburg AG, hatte für die vorzeitige Beendigung seines Beratervertrags mit der Stadt Augsburg einen goldenen Handschlag in Form von 100.000 Euro Abfindung bekommen.