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Erläuterung

Die Erläuterungen des Entwurfsverfassers

Städtebauliche Leitideen und Visionen:

  • Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer, gegenseitige Rücksichtnahme.
  • Entschleunigung des Verkehrs führt zu mehr Sicherheit und Lebensqualität.
  • Mehr Grün für besseres Klima und mehr Aufenthaltsqualität.
  • Steigerung der Einkaufs- und Arbeitsqualität durch gute Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Nahverkehr und individuellen City-Zielverkehr.
  • Bewusste Gestaltung der städtischen Freiräume zur Aufwertung der gebauten Umwelt.

Allgemeines zum Verkehr

Unser Entwurf sieht vor, die gesamte Innenstadt innerhalb der geplanten Umweltzone als Tempo-30-Zone auszuweisen und den MIV auf den erforderlichen Ziel- und Quellverkehr zu beschränken. Wir folgen dabei Empfehlungen des Deutschen Städtetages und der Planungswerkstatt "Innenstadt und Mobilität".


(zum Vergrößern anklicken)

Die Verlangsamung des Autoverkehrs auf einem Gebiet von rund 2,5 x 3,0 km hilft:

  • die Feinstaub-, Abgas- und Lärmbelastung zu verringern
  • die Verkehrssicherheit maßgeblich zu verbessern
  • Bewegungs- und Spielräume für Kinder zu schaffen und zu sichern
  • Bewegungs- und Aufenthaltsräume für Senioren zu schaffen und zu sichern
  • Fahrbahnen zu entsiegeln, mehr Baumstandorte und Grünflächen zu entwickeln
  • mehr Parkraum zu gewähren.

Um den ÖPNV und den geschwindigkeitsreduzierten MIV gleichmäßig und störungsfrei fließen zu lassen, haben wir Kreuzungen reduziert und die Knoten vereinfacht.

Fußgänger

Für die ursprünglichste und natürlichste Fortbewegungsart bietet die Tempo-30-Zone die meisten Vorteile.

Gemäß § 45 (1c) StVO sollen generell Ampeln vermieden werden, ausgenommen Vorrechtsampeln für Tram und Busse. Ausnahme ist die Verampelung von starken Fußgängerströmen (Königsplatz – Bahnhofsstraße), um dem Autoverkehr ausreichende Leistungsfähigkeit zu sichern.

Zur Erleichterung der Querung sind 2 bis 3m breite Trennstreifen zwischen den meisten Fahrbahnen, höhengleich, im Belag abgesetzt, eingeplant. Sie können auch Bäumen, Leuchten, dem Linksabbiegen und Parken dienen.

Beispiele sind in Eichstätt die Stadtdurchfahrt der B 13, in Ludwigshafen die Mauracher Straße, die Neue Mitte Ulm, die Landesstraßendurchfahrt von Könitz bei Bern.

Radfahrer

Gemäß § 45 (1c) will die StVO bei Tempo 30 den Mischverkehr von Fahrrädern und Autos fördern und dafür die Radfahrstreifen und Radschutzstreifen beseitigen. Das vergrößert die nutzbare Breite der Fahrbahnen.

Ampeln sollen Radfahrschleusen erhalten. Sie erlauben den Radfahrern, sich vor dem Kraftfahrzeugverkehr aufzustellen, und gewähren ihnen vor den Autos die Einfahrt in die Kreuzung.

Die Stadt Augsburg soll Fahrrad-Magistralen erhalten, die wichtigste entsteht im Augsburg-Boulevard.


(zum Vergrößern anklicken)

Trambahn
 
Das Trambahnnetz wird im Sinne des Gesamtverkehrsplanes ausgebaut. Einen wichtigen Beitrag bildet das Dreieck der Umsteigepunkte, was zu einer Entlastung des Königsplatzes führt. Das verkürzt die Fahrtweiten und schafft an den Umsteigepunkten Theodor-Heuss-Platz, Kennedyplatz und Stadtbad städtebauliches Potential.

Durch den verminderten Kfz-Verkehr wird eine Straßenbahnlinie in Forsterstraße – Oberer Graben ermöglicht, fortgeführt über Karlstraße und Theater bis zum Bahnhof; damit erschließt sie den Nordrand der City.

(Grafik zum Vergrößern anklicken)

MIV

Der Innenstadtverkehr soll möglichst gleichmäßig und kreuzungs- und ampelfrei fließen.

Im Norden der Innenstadt ermöglicht die großteils getunnelte Nordtangente einen störungsfreien Verkehr zwischen den Stadtteilen. Diese Tangente ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Innenstadt vom Ost-West-Durchgangsverkehr zu entlasten.

Dazu trägt auch die Entlastungsstraße oberhalb der Rosenaustraße in der Gleisharfe bei.

In verkehrsreduzierten Bereichen dienen eingesparte Fahrspuren und Fahrbahnbreiten dem Parken und erweiterten Grünstreifen Liefer- und Anliegerverkehr soll im gesamten Boulevard-Bereich zufahrtsfrei ermöglicht werden. Für den Lieferverkehr werden in regelmäßigen Abständen eigene Parkbuchten freigehalten.


Hauptbahnhof, Tunnel

Die neue Unterführung des Hauptbahnhofs soll neben Trambahn und Fußgängern auch Radfahrer aufnehmen. Hohe Frequenz ist die beste Gewähr für soziale Kontrolle. Der Fußgänger-/Radtunnel endet auf dem Bahnhofsvorplatz.

Die Unterführung liegt auf dem Niveau minus Eins, auf Höhe der Bahnsteigunterführungen und senkt sich neben dem Trambahntunnel zum Westausgang auf das Niveau des Sebastian-Buchegger-Platzes ab. Die Ebene minus Zwei nimmt die unter dem Hauptbahnhof liegenden Straßenbahnhaltestellen als U-Haltestelle auf.

Bahnhofplatz Ost

Hinweis: zwei gute Grafiken zum Bahnhof gibt es hier (Seite der Stadt Augsburg).

Der Platz direkt vor dem Bahnhofsgebäude ist für den Verkehr gesperrt, Parken und Taxivorfahrt findet im vorgelegten Grünbereich statt. Die Taxiwartezone liegt in der Prinzregentenstraße.

Die Blickachse Richtung Bahnhofstraße wird freigehalten, hier tauchen Passanten, Reisende und Fahrradfahrer aus der Unterführung auf. Der Brunnen wird auf die Achse in das Ende der Bahnhofstraße gelegt.

Für die Busse wird ein ordentlicher Bahnhof auf der Achse des historischen Bahnhofgebäudes errichtet und bietet mit weiteren ergänzenden Bauten eine schienenbegleitende städtische Raumkante, die sich bis zur neuen Gögginger Grünbrücke zieht.

Fahrräder parken in den zwei unteren Geschossen des bestehenden Parkhauses.

Bahnhofplatz West, Buchegger-Platz

Der erweiterte Platz bildet das großzügige Eingangs-Portal zu Bahnhof und Innenstadt für die westliche Vorstadt. Neu entstehende Bauflächen im Bereich der Gleisharfe können so auf kurzem Weg mit dem ÖPNV erschlossen werden. Die Geste der auskragenden markanten Überbauung des Tunnelzugangs signalisiert weit sichtbar die Bedeutung der neuen Zentrumsverbindung.

Bahnhofstraße, Citytram

Weniger Auto- und Busverkehr macht die Bahnhofstraße für Fußgänger attraktiver.

Die 1,6 m schmale, batteriebetriebene Citytram auf Gummirädern verbindet die 1.000 Meter vom Bahnhof zur Grottenau/Karlstraße. Bei einer Geschwindigkeit von 0,8 m/s (2,3 km/h), der Geschwindigkeit von Fahrtreppen, kann ein Fahrzeugtyp gewählt werden, auf den kontinuierlich aufgestiegen werden kann.

Alternativ Citytram kann dann mit rund 10 km/h (3 m/s) fahren mit Einstieg in kurzem Haltestellenabstand 100 m bis 150 m. Ab Beginn der Bahn am Bahnhof zum Martin-Luther-Platz Wenn sich das Projekt bewährt könnte auf eine Bahn mit Meterspurgleisen umgestellt werden, was dauerhaftere Aufmerksamkeit sichern würde. Die Fahrt mit dem "Bähnle" könnte kostenfrei sein, gesponsert von den Händlern der Innenstadt.


Augburg-Boulevard

Zwischen Stadttheater und Theodor-Heuss-Platz erstreckt sich der 1.200 Meter lange Augsburg-Boulevard mit dem Königsplatz im Zentrum. Er ist geprägt von seinen drei aufeinanderfolgenden Plätzen und seine großstädtischen Abmessungen. Der MIV wird in der Hauptsache auf Schießgraben und Schaezlerstraße verlegt.

Die Aufenthaltsqualität wird erheblich aufgewertet, profitieren werden von den breiten Gehwegen und Bewegungsflächen Fußgänger, Spaziergänger und Flaneure.

Der Boulevard ist im südlichen Teil zwischen Theodor-Heuss-Platz und Königsplatz durch den parkähnlichen Grünzug geprägt und im nördlichen Teil zwischen Königsplatz und Kennedyplatz durch eine vierreihige Allee und eine mittige, unversiegelte Flaniermeile.

Der Radweg ist im Bereich des Königsplatzes zugunsten einer freien Begegnungszone aufgelöst. Zwischen Königsplatz und Kennedyplatz und nördlich des Theaters bis zum Klinkertorplatz fahren die Radfahrer auf dem Corso.

Zwischen Hallstraße und Katharinen-Gasse und im Bereich der Kreuzung am Kennedy-Platz übernimmt der Boulevard als Fahrradstraße den Kfz-Erschließungsverkehr in beiden Fahrtrichtungen.

Auf allen drei Plätzen sollen Beläge, Bepflanzung, Wasserflächen und Wasserspiele verbindende Akzente setzen. Bauminseln werden durch Grünstreifen ersetzt.

Stadttheater

Der Platz, der durch Stadttheater, Justizgebäude, Grünanlagen und Patrizia-Verwaltung gefasst ist, wird im Bestand durch die Verkehrsadern in kleinste Elemente zerschnitten.

Wir geben ihm ruhige Strukturen. Das Vorgelege im Süden des Stadttheaters wird vergrößert und auf ein Niveau mit dem südlich beginnenden Boulevard gelegt, um in der Blickachse eine städtebauliche Aufweitung zu erhalten. Der direkte Umgriff des Theaters einschließlich Schauspielhaus, Hofmannkeller und den östlich liegenden Lokalen wird über eine gleichgestaltete Oberfläche zusammengehalten.

Die Grünflächen zwischen St.-Anna-Grundschule und Justizgebäude werden gestärkt.

Westlich des Stadttheaters entsteht eine neue Haltestelle für drei Tramlinien.

Der Boulevard wird nördlich durch eine dreireihige Allee bis in die Grünanlagen am Gesundbrunnen fortgeführt

Königsplatz

Der Königsplatz mit der Fußgängerzone wird in einer freien Begegnungszone zusammengefasst.

Der Baumbestand des Königsplatzes wird zugunsten einer sich in Richtung der Bürgermeister-Fischer-Straße öffnenden Blickachse reduziert, wobei hauptsächlich schwache Bäume entfallen, die grüne Lunge des Zentrums bleibt jedoch erhalten. Entlang dieser Aufweitung wird ein Veranstaltungsbereich für publikumsintensive Nutzungen entstehen, die zurzeit auf dem Rathausplatz stattfinden.

Die historische Achse Richtung Göggingen zur Hermannstraße wird beibehalten.

Der vollständige Umbau des Haltestellendreiecks wird durch den Bau der neuen Umsteigepunkte überflüssig.

Die Verlagerung des Süd-Nord-Autoverkehrs auf die Schaezlerstraße erlaubt es, die notwendigen Verkehrsflächen nach Osten und Süden etwas zu erweitern. Die Bahnsteige nehmen zwei komplette Züge auf. In einer Zwischenphase, in der sich am Königsplatz vier Straßenbahnlinien treffen, endet eine der vier Linien in der Endschleife am Hauptbahnhof. Diese Linie ist im Dreieck ohne Erweiterung unterzubringen. Sie fährt um zwei Minuten versetzt zu der Taktzeit der anderen Linien ein und entsprechend nach der Schleife am Hauptbahnhof zurück. Sogar eine fünfte Linie kann übergangsweise integriert werden.

Luftbildplan (zum Vergrößern anklicken)

Theodor-Heuss-Platz

Die Verkehrsberuhigung wird sich besonders am Theodor-Heuss-Platz am Eserwall mit seinen ursprünglich acht Verkehrsspuren auswirken. Durch Reduzierung und Verlangsamung des MIV wird die Zugänglichkeit und Attraktivität für den Endpunkt des Augsburg-Boulevards erheblich gesteigert. Der Platz wird ansonsten durch die Parkanlagen bei der IHK und seine bis zu achtstöckige Nachkriegsbebauung geprägt sein.

Da auch weiterhin starke Emissionen vorherrschen werden, bekommt der Platz eine schützende Wandscheibe. Auf deren lauter Seite wird als Aktionsbereich für Jugendliche eine Scaterbahn mit Halfpipe angeboten und auf der leisen Seite wird plätscherndes Wasser für ein ruhigeres Klima sorgen.

In Verlängerung des Boulevards führt der Eserwall in Zukunft als dreireihige Allee Richtung Osten zum Roten Tor.

Plan "Achse Theater / Theodor-Heuss-Platz"
(zum Vergrößern die entsprechende Stelle anklicken, es öffnet sich ein Ausschnittplan)



Rotes Tor

Angesichts der hohen Attraktivität der Rote-Tor-Wall-Anlagen mit Freilichtbühne und Puppenkiste erscheint es wünschenswert, diesem Bereich durch eine geänderte Trassenführung von Tram und Straße ein größeres Vorgelege einzuräumen.

Mit einem kurzen Tunnelstück für den MIV wäre sogar eine Grünvernetzung mit dem Park am Eserwall denkbar.

Grottenau, Karlstraße

Zwei Tramlinien transportieren viele Menschen direkt in das Geschäftszentrum. Durch die Reduzierung des MIV wird eine Querung der Straße wesentlich erleichtert. An der Kreuzung zum Mittleren Graben sollte langfristig das besonders störende Eckgebäude abgebrochen werden, um einen attraktiven Freiraum und eine Haltestelle vor dem Jugendstil-Stadtbad zu erhalten.

Der Abstand von dort zur Haltestelle am hohen Weg ist gering, aber angesichts der Steigung und der Wichtigkeit der Kreuzung akzeptabel. Der bergauffahrende MIV fährt hinter der Tram, Abbieger in Karolinenstraße und Hohen Weg fahren über den Schmiedberg.

Maximilianstraße

Die Belastungen der Maximilianstraße durch Nachtlokale und Straßenfeste können durch eine entsprechende Nutzungsverlagerung an den Boulevard in der Fuggerstraße verringert werden. Hier gibt es wenig direkte Anwohner.

Wünschenswert wäre es, wenn Augsburgs Prachtstraße auf Dauer gleis- und oberleitungsfrei zu bekommen.

Forsterstraße/Oberer Graben

Die vorgeschlagene Tramlinie bedient die ganze Augsburger Unterstadt und das ECE-Center. Der nach Süden führende MIV erhält eine eigene Spur, nach Norden folgt er der Tram. Drei attraktive Haltestellen am Schwibbogen-Platz, Willy-Brandt-Platz und an der Brühlbrücke erschließen die wichtigsten Zubringer für die Geschäfte und Restaurants der Augsburger Altstadt, die Wohnviertel der südlichen Jakobervorstadt und die Fuggerei.

Bereich Gögginger Brücke

Die inneren Ladehöfe vom Friedhof in der Hermann-Straße bis zur Gögginger Brücke werden mit einem grünen Dach bedeckt. Unter diesem Dach entstehend Park-und Ride-Plätze sowie ein innenstadtnahes Einkaufs- und Gewerbezentrum. Besucher und Nutzer werden durch die gleisbegleitende Bebauung bis zum Bahnhof geführt.

Die Grünbrücke über die Bahn verbindet die neuen Parkflächen mit dem Wittelsbacher Park. Durch ein "Abtauchen" der neuen Entlastungsstraße entsteht eine autofreie Grünverbindung bis zum Hotelturm. Der Park wird mit dem Schutzgrün der Hangkante und den Wohn- und Bauflächen auf den ehemaligen Rangiergleisen zusammengerführt.

Die "Augsburg 3000–Vision" ist es, eine stetig erweiterbare Gründecke über die Bahnanlagen zu schaffen. Der Wittelsbacher Park wird zum "CentralPark".