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Freitag, 31.3.2017 • Nr. 90 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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Theater für alle: André Bücker verspricht für seine erste Spielzeit ein facettenreiches Programm

Im Kulturausschuss stellte der designierte Intendant André Bücker sein Programm für die Spielzeit 2017/2018 vor. Das Augsburger Publikum kann sich auf Vertrautes, Ungewöhnliches und Neues freuen. Und auf einen Augsburger “Tatort”.

Von Halrun Reinholz

André Bücker

André Bücker

Sechs Erstaufführungen und drei Premieren von lebenden Künstlern hat André Bücker in seinem Portfolio für die neue Spielzeit, seine erste am Theater Augsburg. Seit Mai wohnt er schon hier und hatte bereits Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und Gespräche zu führen, wie er gestern dem Kulturausschuss verriet. Für seine erste Spielzeit in Augsburg präsentierte er ein beachtliches Programm, im Vertrauen darauf, dass die große Halle im Martinipark zeitgerecht fertiggestellt werde und für die geplanten Produktionen zur Verfügung steht. Genau dort, im Martinipark, soll es dann zur Eröffnung am 24. September das große Theaterfest geben (mit anschließender “Wahlparty”, am Tag der Bundestagswahl). Auch das Gelände auf dem Gaswerk, die Brechtbühne und der Hoffmannkeller sind weiter als Spielorte vorgesehen und die Sinfoniekonzerte werden wie gehabt in der Kongresshalle stattfinden. Neu wird die Öffnung in die Stadtteile sein, mit einem voraussichtlich publikumswirksamen “Tatort”. Erstmals im Oktober in Lechhausen, zwei weitere folgen dann im Dezember und im Juni.

Die erste Premiere wird der “Freischütz” im Musiktheater sein, eine Oper, die seit 35 Jahren in Augsburg nicht zu sehen war. Auch eine Operette ist geplant, Paul Abrahams “Roxy und ihr Wunderteam”, wo es um Fußball geht. In deutscher Erstaufführung steht die Kammeroper “Primadonna” von Rufus Wenwright auf dem Spielplan, die zu diesem Anlass übersetzt und in deutscher Sprache aufgeführt wird. Eine weitere deutsche Erstaufführung erwartet das Publikum mit der Oper “Solaris” des jungen japanischen Komponisten Daj Fujikura, die nach dem Buch von Stanislas Lem entstanden ist. Außerdem ist aber auch der Verdi-Klassiker “Die Macht des Schicksals” angesagt.

Das Ballett mit seinem neuen Ballettdirektor Riccardo Fernando steigt gleich mit einem Bühnenklassiker ein und zeigt den “Schwanensee” in der Eigenchoreographie Fernandos. Im Laufe der Spielzeit sind noch drei mehrteilige Ballettabende mit verschiedenen Choreographen geplant: “Rock it”, “Dimensions of Dance” und “New Comer”.

Fugger-Musical auf der Freilichtbühne

Fugger-Musical auf der Freilichtbühne

Ein Schwerpunkt Bückers wird das Schauspiel sein. Es wird keinen neuen Schauspieldirektor geben, stattdessen zwei Hausregisseure und zwei Dramaturgen, die das Ensemble betreuen und die Kommunikation nach außen sichern. Bücker selbst inszeniert “Peer Gynt”, doch es wird auch einige ungewöhnliche Titel geben, etwa die Komödie “Martin Luther, Thomas Münzer und die Erfindung der Buchhaltung” von Dieter Forte, die aus Anlass des Reformationsjubiläums gespielt wird. Auch eine Stückentwicklung zu den “68ern” (50 Jahre seit 1968) wird es als Auftragswerk geben. Geplant ist “Die Welt am Draht” nach Rainer Werner Fassbinder und “Rote Sonne” nach dem gleichnamigen Film von Rudolf Thome sowie das Stück des türkischen Autors Turgay Nar “Das Spiel der Schaharazad” oder das des israelischen Autors Hanoch Levin: “Das Kind träumt”. Dem wird auch wieder ein Klassiker entgegengesetzt: Shakespeares “Viel Lärm um nichts”. Zum Brechtfestival bietet das Theater den Eigenbeitrag “Der Untergang des Egoisten Fatzer” nach einem Dramenfragment des Dichters.

Das Märchenstück der neuen Spielzeit wird “Momo” sein. Bücker verspricht auch eine verstärkte pädagogische Arbeit am Theater durch Schaffung einer zweiten Stelle in der Theaterpädagogik, Workshops mit Schülern an verschiedenen Orten in der Stadt sind anvisiert. Ja, und dann noch der Blick auf die Freilichtbühne: Es bleibt beim Musical, das vom Publikum immer gut angenommen wird. Diesmal wird es eine eigene Kreation des renommierten Musical-Komponisten Stefan Kaya geben: “Herz aus Gold”, ein Fugger-Musical als Uraufführung, das sich möglicherweise auch touristisch vermarkten lässt.

Vielversprechend, der Blick auf die neue Spielzeit. Der Kulturausschuss zeigte sich beeindruckt und das Publikum kann mit Spannung auf die neue Saison blicken.


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