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Sonntag, 25.9.2016 • Nr. 269 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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FCA vs. BVB: Es könnte grausam werden

Am heutigen Sonntag (17.30 Uhr) treffen in der ausverkauften Augsburger WWK Arena Borussia Dortmund und der FC Augsburg aufeinander. War der FCA in der vorherigen Saison nach dem 34. Spieltag noch vor den Dortmundern platziert, trennen die beiden Klubs inzwischen wieder Welten.

Von Siegfried Zagler

Erstes Heimspiel gegen Dortmund

Erstes Heimspiel gegen Dortmund

Mit Borussia Dortmund ist in Augsburg eine Mannschaft zu Gast, die nicht nur in der Bundesliga die aktuell erfolgreichste und modernste Spielweise an den Tag legt, sondern auch in Europa alles an die Wand spielt und zusammen mit dem FC Barcelona zu den Favoriten in Sachen Champions League-Sieg zählen würde, wären sie in diesem Wettbewerb dabei. Die taktischen Defizite, die am Ende der Klopp-Ära die Dortmunder in schwere Nöte brachten, sind von Thomas Tuchel ins Gegenteil verkehrt worden. Die Dortmunder Offensiv-Phalanx Mkhitaryan, Reus und Aubameyang sind eine Art Messi-Neymar-Suarez-Analogmodell: Jeder kann jeden mit einem Pass in den freien Raum in Szene setzen und jeder kann selbst mit dem Ball hohes Tempo Richtung Tor aufnehmen und vollstrecken. Bei der Borussia 2016 weiß jeder was zu tun ist. Das gilt mit und auch gegen den Ball. Vermutlich sind die Dortmunder aktuell die Mannschaft in Europa, die mit ihrer Organisiertheit und ihrer taktischen Disziplin alle anderen überragt, ohne dabei kalkuliert oder abgekocht zu wirken. Spielfreunde und Inspiration sind nämlich auch systemisch anzulegen und zu entwickeln. So hat Tuchels Mannschaft längst damit aufgehört, das Spiel in der Eröffnung sehr früh auf die Außen zu verlagern: Die Ballsicherheit Gündogans führt zum Beispiel oft dazu, dass die Innenverteidigung nicht den seitlich positionierten Spieler sucht, sondern das Spiel mit Tempo über Gündogan durch die Mitte treibt.

Es ist weder fatalistisch noch zynisch motiviert, wenn  man sagt, dass die Dortmunder in Ballbesitz das genaue Gegenteil der Augsburger darstellen, die zuletzt den Eindruck hinterließen, als müsste man ihnen das Spiel neu erklären. Ohne inneren Zusammenhang trugen die Augsburger ihre Angriffe in den zurückliegenden Spielen vor, drangen sehr zaghaft und unsortiert in die gegnerische Hälfte ein und verloren dabei meist die Bälle, ohne den Abschluss gesucht zu haben. Selbst der FCA-Torhüter Marwin Hitz scheint oft nicht zu wissen, wohin er den Ball spielen soll, wenn sich die Abwehr auffächert, um anspielbar zu sein. Der FCA hat in allen Spielen der Rückrunde nur phasenweise erstligatauglichen Fußball gezeigt und mit Ach und Krach gegen einen desolaten Tabellenletzten 1:0 gewonnen. Der Augsburger Sieg in Hannover ist der einzige Dreier, den die Brechtstädter in der Rückrunde bisher einfahren konnten.

Thomas Tuchel in der Buchhandlung am Obstmarkt

Thomas Tuchel in der Augsburger Buchhandlung am Obstmarkt

Würde man heute in einem Wettbüro auf einen Augsburger Sieg setzen, bekäme man in diesem Fall das Sechfache seines Einsatzes zurück. Setzte man dagegen auf einen Dortmunder Sieg 10 Euro, bekäme man dafür knapp 15 Euro zurück. Den Buchmachern scheint offenbar jenseits aller taktischen Defizite der Augsburger ebenfalls aufgefallen zu sein, dass die Leistungsträger beim FCA entweder verletzt sind oder an Formschwäche leiden, während beim BVB die wichtigen Spieler fit und in Form sind. „Fußball ist ein Playerspiel“, sagte Martin Schmidt nach dem Mainzer Sieg in München. Der Mainzer Trainer wollte damit sagen, dass nicht seine taktische Marschrichtung das Spiel entschieden hat, sondern die Spieler auf dem Platz.

Am heutigen Sonntag trifft also eine hochbegabte Mannschaft in Hochform auf eine durchschnittlich begabte Mannschaft in einem Formtief. Es trifft eine Dortmunder Mannschaft, die taktisch funktioniert wie eine mechanische Schweizer Uhr, auf eine Augsburger Mannschaft, deren taktisches Vermögen dagegen der Mechanik eines prähistorischen Leierkastens gleicht. Man sollte deshalb davon ausgehen, dass eine hohe Augsburger Niederlage gegen Dortmund wahrscheinlicher ist, als ein Unentschieden oder gar ein Überraschungssieg.

Verlöre der FCA mit sechs Toren Unterschied, würde er auf den Relegationsplatz abrutschen, würde er gar mit sieben Toren Differenz verlieren, stünde der FCA in der Rückrunde erstmalig wieder auf einem Abstiegsplatz. Hannover ist abgeschlagen und dem Abstieg geweiht (17 Punkte/Platz 18). Darüber tobt ein dramatischer Abstiegskampf. Platz 17, 16 und 15 belegen Mannschaften mit 27 Punkten (Frankfurt, Hoffenheim, Augsburg). Die Abstiegszone beginnt bei Köln (33 Punkte/Platz 9). Schreibt man Hannover ab, sind nach dem 27. Spieltag neun Mannschaften in den Abstiegskampf verstrickt. Von diesen neun bedrohten Teams macht derzeit der FCA den instabilsten Eindruck.

Die Augsburger befinden sich in großer Abstiegsgefahr. Dass sich das schnell ändern kann, haben sie eindrucksvoll in der Vorrunde vorgeführt. Doch heute lautet die Parole: “Irgendwie Dortmund überstehen”. Im Pokal schied der FCA gegen Dortmund ziemlich unterlegen zu Hause aus. Damals befanden sich die Augsburger in einem Formhoch und hatten dennoch keine Chance. Man kann sich also gut vorstellen, dass es heute für den FCA grausam werden könnte.


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