Die Augsburger Zeitung

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Montag, 29.8.2016 • Nr. 242 • Jahrgang 6 • www.daz-augsburg.de
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Brechtfestival: Jenseits von Gut und Böse

Warum Thomas Weitzel zurücktreten soll

Kommentar von Siegfried Zagler

Die Kommunikationsstrategien des Augsburger Kulturreferenten Thomas Weitzel sind weder kommunikativ noch strategisch, sondern ein Zeichen von Schwäche. Er wolle nach dem aktuellen Festival bekannt geben, wie es mit dem Brechtfestival inhaltlich und künstlerisch weitergehen werde, so Weitzel vor wenigen Wochen, in einem Tonfall, als wäre diese Vorgehensweise etwas Normales. Dabei ist dieses Vorgehen jenseits von Gut und Böse. Schließlich hatte Weitzel ein Jahr Zeit, das Festival mit einem neuen künstlerischen Leiter neu zu entwickeln und das neue Konzept samt dem neuen Leiter den Gremien und der Stadtgesellschaft vorzustellen. Das hätte längst geschehen müssen.

Hatte schon neue Pläne für das Brechtfestival: Kulturreferent Thomas Weitzel

Hat für das Brechtfestival neue Pläne: Kulturreferent Thomas Weitzel

Nun sieht es so aus, als würde Augsburgs Kulturreferent in Sachen Brechtfestival ein zweites Mal von dem bisherigen Festivalleiter Joachim Lang ausgetrickst werden. Falls es Lang gelingen sollte, seine Festivalpläne für das kommende Jahr gegen alle Vereinbarungen, die letztes Jahr getroffen wurden, durchzusetzen, muss die Frage gestellt werden, ob Weitzel nicht besser aufgeben und an seinen alten Schreibtisch im Kulturamt als Amtsleiter zurückkehren soll. Ein Kulturreferent ohne politische Durchsetzungskraft ist ohnehin nicht viel mehr als der oberste Verkünder und Nachrichtenüberbringer der politischen Entscheider, die sich nicht besonders dafür zu interessieren scheinen, welche Pläne Thomas Weitzel für die Stadt Augsburg gerne realisieren würde.

Die Stadt Augsburg kann sich keinen Kulturreferenten leisten, der inhaltliche Prozesse nicht transparent entwickeln und vorantreiben kann, weil er sich nicht wirklich sicher sein kann, ob er dafür die Zustimmung von den Gremien findet, die von den Fraktionen der CSU und der SPD dominiert werden.

Engagement überraschend verlängert: Festivalleiter Dr. Joachim Lang

Wird sein Engagement überraschend verlängert?Festivalleiter Dr. Joachim Lang

Kurzum: Ein parteiloser Kulturreferent, der im Verborgenen scheitert, ist schlimmer als ein Kulturreferent, der öffentlich scheitert, weil durch das öffentliche Scheitern immerhin zu erkennen wäre, woran er gescheitert ist. Und zu erkennen wäre, ob er als Referent an sich selbst oder an parteipolitischen Vorgängen scheitert. Wer wissen will, was Thomas Weitzel will, muss den Flurfunk der Verwaltung einschalten - und dabei erfahren, dass zum Beispiel der Berliner Schauspieler und Regisseur Patrick Wengenroth als neuer künstlerischer Leiter vorgesehen wäre und auch ein Konzept vorliege, das aber noch niemand genauer kenne.

So viel Vakuum sorgt dafür, dass das Vertraute und Altbekannte attraktiver erscheint als das vage angedachte Neue. Mit Vakuumfüllungen kennt sich Joachim Lang aus. Weitzel und Lang tragen derzeit in Neuauflage einen Kampf aus, bei dem beide nur verlieren können, ohne dass dabei die Stadt profitieren könnte.

Sollte Lang wieder durchgesetzt werden, ist Weitzel als “Referent ohne Durchsetzungs­kompetenz” gezeichnet. Dann sollte er die Hände heben und aufgeben, denn ein Referent ohne Gestaltungsfähigkeit ist das Letzte, was die Stadt Augsburg in ihrer derzeitigen Situation braucht. Schließlich ist Weitzel Fachreferent für die anstehende Sanierung des Stadttheaters, die nach dem Bau des Zentralklinikums das größte städtische Projekt der Nachkriegsgeschichte darstellt.

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