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DAZ-Archiv vom 5. März 2017 • www.daz-augsburg.de

Brechtfestival: Fulminante Eröffnung

Die Maßnahme: Das Brechtfestival 2017 begann mit einer fulminanten Eröffnung

Von Prof. Dr. Jürgen Hillesheim

Warum es Selcuk Cara in beeindruckender Weise gelungen ist, einen ästhetischen Schwebezustand zu erzeugen und aufrecht zu halten, der die Grundproblematik  des Lehrstücks niemals verflachen - und das herausfordernde Potenzial des Dramas spürbar erfahren lässt

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In jeder Hinsicht bemerkenswert: Brechts "Maßnahme" im Augsburger Gaswerk (c) Christoph Menkel

Brechts in erster Fassung 1930 entstandenes, vermeintlich so eindeutig kommunistisches Lehrstück Die Maßnahme ist sein mit Abstand meistdiskutiertes Drama und sorgte nach seiner Uraufführung für heftige Kritik seitens der kommunistischen Partei wie auch ihrer Gegner. Bis heute ist die Rezeption höchst umstritten. Ein gutwilliger, altruistischer, spontan entscheidender und handelnder „junger Genosse“ wird, da er gegen die Parteiraison verstößt und die Verbreitung der kommunistischen Ideologie in China aufs Spiel setzt, getötet, das Leben des Einzelnen also um der „großen Sache“ willen geopfert. Der junge Genosse, von den Agitatoren dazu gedrängt, hatte zu seiner Tötung sein „Einverständnis“ erklärt, eine Tötung, die changiert zwischen unterstütztem Suizid und schlichtem Mord.



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