Im Weltkultur-Erbe wohnt man nicht!
Warum das Werben um den Titel „Weltkultur-Erbe“ eine gute und erfolgversprechende Unternehmung ist und dennoch hinterfragt werden muss
Von Siegfried Zagler
Augsburgs Identität ist nicht einfach darstellbar. Das ist nichts Schlechtes und spricht eher für den historischen und kulturellen Reichtum der Stadt, weshalb man sich hüten sollte, ein Image in den Vordergrund zu stellen. Fugger-Stadt, Universitätsstadt, Friedensstadt, Renaissance-Stadt, Sport-Stadt (FCA, AEV, Kanuten), Brecht-Stadt, Mozart-Stadt und natürlich darf die überstrapazierte Puppenkiste nicht fehlen. Es ist in den zurückliegenden Jahren auffällig geworden, dass die Priorisierung dieser Labels von Trends, politischen Nützlichkeitserwägungen und Zeitgeist-Erscheinungen abhängt. Lange hatte man sich mit Puppenkiste und Fugger-Stadt abgefunden, dann kam plötzlich die Universität zu Ehren (Ortsschilder zeugen davon), später Brecht und Frieden in Mode. Und nun kommt noch etwas dazu, das viele Jahrzehnte niemand so richtig auf der Rechnung hatte: die Kraft des Wassers.
Ökonomie und Kunst
