In eigener Sache: Leser-Reaktionen zur Causa Löw
Die Kommentar-Philosophie der DAZ ist ganz einfach: Keine Zeile ohne das sichere Gefühl, dass der Grundgedanke nicht irgendwie, sondern solide richtig ist. Zweitens muss gerade Meinungsjournalismus so differenziert und so entschieden wie möglich sein - und ohne die abgeschliffene „Sowohl-als-auch-Struktur“ auskommen: Mitten ins Herz zielen oder es sein lassen.
Natürlich ist es gut fürs Schreiber-Selbstbewusstsein, wenn daraus starke (also im politischen Handeln sichtbare) Reaktionen folgen. Das war bei den Max-Festen so, das war bei unserer OB-Kritik bezüglich seiner Rolle während der CSU-Spaltung so, bei der Kritik an der NCSM, bei der kommentierenden Berichterstattung über den FCA sowie einer Reihe von Ereignissen, die man nicht alle einzeln auflisten muss. Fast alle sichtbaren Reaktionen drückten Zustimmung aus, das war bei zurückliegenden „Leserbriefen“ nicht anders, viele waren voll des Lobes. Das kann man schlecht in aller Ausführlichkeit nach nach außen tragen, sonst könnte man ja merken, dass wir eitel sind.
Es geht nicht darum, um die Zustimmung der Leser zu buhlen
Natürlich ist es auch nicht uneitel, wenn man auf eine Breitseite von Negativ-Tiraden hinweist und sie der Leserschaft präsentiert. Negativ-Reaktion ist etwas, das es in der DAZ in dieser Form noch nicht gegeben hat. Das ist bei unserer Löw-Kritik der Fall. Ein Spektakel, das wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Es mag im Prinzip auch eitel sein, okay – aber es verfolgt einen uneitlen Zweck, nämlich darauf hinzuweisen, dass es im Meinungsjournalismus nicht darum gehen soll, um die Zustimmung der Leserschaft zu buhlen, sondern darum, einen Gedanken, den es möglicherweise so noch nicht gegeben hat, herauszuarbeiten und zu festigen. „Joachim Löw ist ein unglaublich schlechter Trainer“ ist zum Beispiel so ein Gedanke. Ein richtiger Gedanke, der sich nicht nur dadurch bestätigt, indem man Klubs befragt, bei denen Löw gearbeitet hat und blitzartig gefeuert wurde, sondern auch dadurch, indem mit unabhängigen Experten über bestimmte Spiele der Nationalmannschaft redet.
Urteil nach jahrelanger Beobachtung und tagelanger Recherche
