Peter Grab: Kränzle wird’s schon richten
Manfred Seiler über Augsburgs Kulturreferenten Peter Grab
Peter Grab konnte einem fast Leid tun. So unglücklich und ungeschickt wie auf der letzten Kulturausschuss-Sitzung hat er selten agiert. Phasenweise geriet diese Sitzung unfreiwillig zu einer Komödie, woran vor allem Rainer Schönberg (Freie Wähler) seinen Spaß hatte und zur Hochform in Sachen spitzfindiger Ironie auflief. Zum Glück hat Peter Grab einen Rettungsschirm an seiner Seite: den geschickten Strategen Bernd Kränzle. Der holt seit Monaten für Peter Grab die Kastanien aus dem Feuer. Ob Brecht-Festival oder Filmtage, drohende Abstimmungsniederlagen oder verunglückte Verlautbarungen: Bernd Kränzle richtet alles und bügelt alle Fehler aus. Augsburg ist wahrscheinlich die einzige Stadt in Deutschland, die zwei Kulturreferenten hat: einen heimlichen – Bernd Kränzle – und einen unheimlichen – Peter Grab. Uns stellt sich dagegen inzwischen die Frage: Braucht Augsburg eigentlich überhaupt einen Kulturreferenten?
Peter Grab der Hoffnungsträger
Dabei war Peter Grab einmal Hoffnungsträger. Er verkörperte nicht den Typus des Kunst- und Kulturbürgers, der bislang dieses Amt besetzte. Grab war anders. Er war nicht der gebildete Schöngeist, der jede seiner Reden mit einem Goethe- oder Brechtzitat zu garnieren versteht. Sein historisches, auch kunsthistorisches Wissen wirkt nicht sonderlich fundiert, sein ästhetisches Empfinden für Kunst nicht besonders entwickelt. Deshalb tut er sich schwer, irgendwelche kulturpolitischen Visionen und Zielsetzungen zu formulieren. Dieser Nachteil muss sich nicht als solcher auswirken.
